Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 8 › Seite 129

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. April 1914, Seite 129

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etwa um die Zeit, da sich bei uns der Winter einstellt.

sammengesetztes irisches Parlament Sorge macht.

r „Tuthsrantt

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über das Concordia⸗College in Adelaide, Australien, ent⸗
hielt der „Lutherische Kirchenbote“, die Zeitschrift unserer Brü⸗
der in Australien, kürzlich einige Angaben. Die Gesamtzahl der
Studenten und Zöglinge, die letztes Jahr die Anstalt besuchten,

Hwar 60. Davon waren sieben im Predigerseminar, 45 in Gym⸗
gnasialklassen und 8 im Lehrerseminar.

Die Schlußfeier fand am
16. Dezember statt, denn in Australien beginnt ja der Sommer
An der
Anstalt arbeiten gegenwärtig vier Professoren. Während der
PDirektor, Prof. F. Gräbner, letztes Jahr eine Amerikareise machte,
versah Prof. G. C. Koch das Direktorat. G.

Wir freuen uns, wenn wir berichten können, daß auch bei
den Sekten noch hie und da das Evangelium von Christo, dem
Gekreuzigten, gepredigt wird. Die Mehrzahl der Sektenprediger
hierzulande sind leider! zu Morallehrern herabgesunken. Unter
dem Glauben an Christum verstehen sie nicht den Glauben an
Christum, sondern den Versuch, die Gebote Gottes zu halten.

1 Gegen diesen so weitverbreiteten Irrtum hat nach einem Zeitungs⸗

bericht ein St. Louiser Baptistenprediger seine Stimme erhoben.
Er predigte über das Thema: „Weshalb ist IEsus gestorben?“
und führte aus: „Die zehn Gebote können niemand selig machen.
Allein durch Christi Tod am Kreuz, den er zur Bezahlung der
Eünden der Menschheit erlitten hat, können die Menschen selig
werden. Die zehn Gebote können den Menschen nur offenbaren,
wie weit sie selbst von der Erfüllung des Gesetzes Gottes entfernt
sind.“ Der Prediger bekannte von sich selbst, daß er früher auch
in bezug auf das Hauptstück im Christentum geirrt habe. Er
habe früher gemeint, man könne am Portland Place (einem
„Stadtteil von St. Louis, wo zumeist wohlhabende und gebildete
Leute wohnen) sich auf Moralpredigten beschränken, während die
Predigt von Christo, dem Gekreuzigten, etwa in der Stadtmission
angebracht sei. Aber er sei nun anderer Meinung geworden. Er
habe auch am Portland Place niemand gefunden, der der Gnade
Gottes eher gewiß geworden sei, als bis er auf Christum geschaut
habe als den, der zur Bezahlung seiner Sünden am Kreuz ge⸗
storben sei. F. P.

Die Protestanten Irlands, die bekanntlich sehr in der
Minderheit sind, wehren sich gegen den Lome Rule-Plan, dessen
Ausführung die Verwaltung Irlands durch eine erdrückende
Majorität katholischer Volksvertreter zur Folge haben würde.
Gegenwärtig werden die Angelegenheiten Irlands durch das
englische Parlament geleitet, das ja vorwiegend protestantisch ist.
Man kann es den irischen Protestanten auch nicht verargen, wenn
ihnen der Gedanke an ein zu 85 Prozent aus Katholiken zu⸗
Denn erstens
weiß man auch in Irland, daß die römische Kirche eine solche
Machtstellung immer zum eigenen Vorteil ausnutzt; und außer⸗
dem haben gerade irisch⸗katholische Priester in den letzten Jahren
eine Sprache geführt, die zu denken gibt. Im Catolic Progress
schrieb unlängst, dem Protestant Observer zufolge, ein Priester
namens Christie: „Das Elend Irlands schreibt sich aus einem
einzigen Grunde her: aus der Anwesenheit von Protestanten.
Wenn jede protestantische Kirche aus dem Lande gefegt würde,
könnte sich Irland erholen.“ Vor drei Jahren erklärte das
(atholische) Tablet. „Die irischen Volksvertreter sind im Par⸗
lament, weil die Priester sie hingeschickt haben.“ „Vater“ Doyle
sagte im Jahre 1911 wörtlich: „Man höre doch auf, im eng⸗
lischen Parlament zu erklären, daß Home Rule nicht gleich⸗
bedeutend sei mit Rome Rule. Rome muß immer in Irland
regieren, auch insofern als Religion in die Politik hineinspielt.“
Das New York Freeman's Journal meldete am 1. Oktober 1910,
daß der päpstliche Legat Vanutelli der Irisbh Party, die hinter
dem Home Rule-Projekt steht, seinen Segen erteilt habe. So ist
denn auch die Home Rule-Frage zu einer vorwiegend religiösen
geworden, und als vor einigen Wochen englisches Militär nach

Irland beordert wurde, um nötigenfalls mit Waffengewalt den
Frieden im protestantischen County Ulster aufrechtzuerhalten,
resignierten 100 protestantische Offiziere. Sie wollten nicht in
die Lage kommen, auf ihre Glaubensgenossen feuern zu müssen.
In einer Rede, die kürzlich Sir Macara, ein prominenter irischer
Spinnereibesitzer, hielt, wurde der Gedanke deutlich zum Aus⸗
druck gebracht, der die Ulsterleute in ihrem Widerstand gegen
Home Rule beseelt. „Ein Land“, sagte Macara, „das unter die
Macht des Katholizismus kommt, ist dem Verderben preisgegeben.
Ich weiß es. Ich habe es in Italien gesehen und in Spanien
und in Portugal und in andern Ländern. Es ist ein höchst be⸗
denkliches Ding, daß England die Macht Roms vermehren will,
während andere Völker das römische Joch abschütteln.. G.

Unsere politischen Zeitungen tadeln die protestantischen Ir⸗
länder, daß diese nicht Home Rule annehmen und damit unter
die Herrschaft eines katholischen Parlaments kommen wollen.
Die hiesigen Zeitungen berichteten auch, ohne eine Kritik zu
wagen, eine Aussprache des Kardinal Gibbons von Baltimore.
Gibbons äußerte sich nämlich dahin, er „bete“ — zu welchem
Heiligen, war nicht gesagt —, daß es in Ulster nicht zum Kriege
kommen möchte, aber wenn die „Ulsterleute“ sich nicht fügen
wollten, sei es die Pflicht der englischen Regierung, zu den Waffen
zu greifen. Wir haben schon früher auf eine andere Lösung der
Schwierigkeit hingewiesen. Die politischen Zeitungen und Kar⸗
dinal Gibbons sollten ihren Einfluß beim Papst dahin geltend
machen, daß der Papst sämtliche päpstlichen Rundschreiben wider⸗
ruft, in denen den Protestanten die Existenzberechtigung in einem
„recht verfaßten Staat“ abgesprochen wird. Solange der Papst
diese päpstlichen Erlasse nicht klar und deutlich und ohne allen
Vorbehalt widerrufen hat, ist jede katholische Minorität im
Staat staatsgefährlich und wird jede katholische Majorität, so⸗
bald es die Verhältnisse erlauben, sich zu einer Verfolgungs⸗
majorität auswachsen. Wenn also den Zeitungen samt Kardinal
Gibbons der Landfriede in Irland und in andern Ländern, in⸗
klusive der Vereinigten Staaten, so sehr am Herzen liegt, so
sollen sie nur getrost den Papst belehren. Der ist schließlich die
Ursache der ganzen Schwierigkeit. Sollte der Papst sich nicht be⸗
lehren lassen wollen, so gibt es verschiedene Mittel, die sich als
wirksam erweisen dürften. Ein solches Mittel ist zum Beispiel
die Entziehung des „Peterspfennigs“ und anderer Einkünfte.

Eine Zunahme der Eheschließungen im Deutschen Reich wird
von deutschländischen Zeitungen mit großer Freude gemeldet.
Nach den statistischen Berichten betrug die Zahl der Eheschließungen
1909: 494,127; 1910: 496,396; 1911: 512,819; 1912:
523,491. Auch der überschuß der Gebornen über die Gestorbenen
nimmt zu. Während der überschuß im Jahre 1911 nur 739,945
betrug, ist er im Jahre 1912 auf 839,878 gestiegen. In ameri⸗
kanischen Zeitungen fanden wir kürzlich ausgerechnet, daß die Ver⸗
einigten Staaten in einigen Jahren sich einer Bevölkerung von
120 Millionen zu rühmen haben werden. Wir fürchten, daß an
diesem Bevölkerungszuwachs sowohl die „Angelsachser“ als auch
die „Deutsch⸗Amerikaner“ nur wenig beteiligt sein werden.

F. P.

In bezug auf die Austritte der offenbar Ungläubigen aus
der Staatskirche in Deutschland standen wir bisher unter dem
Eindruck, daß an diesen Austritten vornehmlich nur die prote⸗
stantische Landeskirche, nicht aber die römische Kirche beteiligt sei.
Nach einem uns vorliegenden Bericht ist dies ein Irrtum. Hier⸗
nach sind in den Jahren 1908 bis 1912 in Berlin aus der Kirche
öffentlich ausgetreten 31,967 Evangelische und 5029 Katholiken.
Da nun in Berlin etwa zehnmal mehr Protestanten als Katho⸗
liken wohnen, so wäre die Zahl der austretenden Katholiken im
Verhältnis beinahe doppelt so groß als die der austretenden
Protestanten. F. P.

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