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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 409
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weihnacht 4
und wohnen, und allen Hei-
1 den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völlkern, und
1 sprach mit groher Stimme:
Eirchtei Gott, und geber
ihn die Chre; denn die- Zeit N
stines Gerichts ist ommen,
und betel an den der gemacht
hai Himmel, und Erde, und
Mter, und die Wasser- H
brunnen. Osfb. Joh. 14, 6.7.
— — — *
Herausgegeben von der Beutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.
70. Jahrgang.
Nr. 26.
Weihnachtszeit — frohe Zeit!
„Abraham, euer Vater, ward froh, daß er
meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn
und freuete sich.“ Joh. 8, 56.
Es ist Weihnachten. Und Weihnachtszeit ist Freudenzeit!
In dieser seligen, fröhlichen Zeit feiern wir ja die Geburt des
ewigen Gottessohnes, der einst uns zu gut im Fleisch erschie—
nen ist. Darum wundern wir uns nicht, daß in der „gnaden⸗,
frieden⸗ und lebenbringenden“ Weihnachtszeit die Herzen mit
seliger Freude erfüllt sind, die Lippen zu fröhlichem Singen
und Preisen der Wundertaten Gottes sich auftun, und freude—
strahlende Gesichter die innere fröhliche Stimmung offenbaren.
Das ist von jeher so gewesen. Als der Engel einst den
Hirten die Botschaft von der Geburt des IEsuskindleins brachte,
da sagte er ihnen: „Siehe, ich verkündige euch große Freude.“
Das haben sich die Hirten nicht vergeblich sagen lassen. In
ihren Herzen flammte sofort die Weihnachtsfreude hellodernd
auf, und von dieser Freude erfüllt, „preiseten und lobten sie
Gott um alles, was sie gehöret und gesehen hatten“.
Aber die Weihnachts freude ist noch viel älteren Ursprungs;
sie äußerte sich schon in der Zeit des Alten Bundes. Zwar war
Cyrenius damals noch nicht Landpfleger in Syrien, und Augu⸗
stus saß noch nicht als weltbeherrschender Kaiser auf dem römi—
schen Thron. Aber von Weihnachten wußte man doch. Der
Stern, der nach Bethlehem wies, war schon aufgegangen, näm⸗
lich in der Verheißung, die den Vätern geschehen war, in den
Weissagungen, die immer klarer, deutlicher und bestimmter
lauteten, je näher die Zeit der Erfüllung kam. Während wir
uns jetzt der vollendeten Tatsache freuen, freuten sich die Gläu⸗
bigen des Alten Bundes der Erfüllung der in sicherer Aus⸗
sicht stehenden Begebenheit. Ja, so fest waren sie von dem
Eintreten des wunderbaren Ereignisses der heiligen Nacht über⸗
zeugt, daß Jesaias frohlockend ausruft: „Uns ist ein Kind
geboren, ein Sohn i st uns gegeben!“ (Jes. 9, 6.) Und daß
man schon im Alten Bunde im Geiste Weihnachten feierte und
St. Louis, Mo., den 22. Dezember 1914.
sich des Christkindleins freute, bezeugte IEsus selber, als er
einst den Juden sagte: „Abraham, euer Vater, ward froh,
daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freuete
sich.“ In kindlichem Glauben freute er sich des verheißenen
Messias, und viele, die nach ihm kamen, Propheten und Könige,
die ganze Menge der Gläubigen in Jsrael, schauten, wenn auch
in ferner Zukunft, das Heil und freuten sich des Heilandes.
Jedoch die Nachkommenschaft Abrahams nach dem Fleisch,
das Volk der Juden, hat als solches den Messias nicht angenom—
men, sondern ihn verachtet und verworfen, hat sich dadurch
selber um sein Heil und die Weihnachtsfreude gebracht. Was
nützte es, daß die Juden sich Abrahams Kinder und Abraham
ihren Vater nannten? Das geistliche Erbe Abrahams hat
das Volk Israel als solches nicht angetreten, hat vielmehr dem
Esau gleich sein Erstgeburtsrecht verachtet; darum hat es auch
den Segen nicht erlangt und die Weihnachtsfreude nicht erlebt.
Und wie vorzeiten die Juden, die doch Christum, den Hei⸗
land, verwarfen, sich Abrahams Kinder nannten, so gibt es
auch heutzutage Leute, die sich Söhne und Töchter der Kirche,
Gemeindeglieder nennen, deren Zusammenhang mit der Kirche
aber rein äußerlicher Art ist. Das Glaubensband fehlt, und
so haben sie auch keinen Nutzen von den herrlichen Gütern und
Schätzen, die Christus der Kirche geschenkt hat. Werden sie
zur Weihnachtszeit von der Weihnachtsfreude auch scheinbar
etwas angesteckt, so ist die Freude doch nicht echt. Ins Herz
dringt sie nicht. Nur wer zum geistlichen Geschlechte Abrahams
gehört, wer sich, wie Abraham, auf die festen Verheißungen
Gottes verläßt und sich in kindlichem Glauben an Gottes Wort
hält, kann fröhliche Weihnachten feiern.
Gehörst du, lieber Leser, auch zum geistlichen Volke Abra—
hams, zum Häuflein der wahren Kinder Gottes? Hast du die
rechte Weihnachtsfreude im Herzen?
Du sprichst vielleicht: Wie könnte ich mich freuen? Es
geht mir ja so übel!
Also — du bist krank. Mußt viele Schmerzen erdulden.
Mußt dich mit einem siechen Leib durchs Leben schleppen. Die
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