Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 26 › Seite 414
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 414
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner70_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
114
0
Ser 27% utheraner
Fuß groß. Die Gottesdienste werden gut besucht. In der Ge⸗
meinde herrscht christliches Leben. Für ihre Kirche haben die
Polen in den letzten drei Jahren die Summe von §2294 auf⸗
gebracht. Daneben tragen sie zum Gehalt ihres Pastors jähr⸗
lich 8300 bei. Es steht zu erwarten, daß sie bald mehr tun
und die Missionskasse entlasten können. Zurzeit ruht auf der
Kirche eine Schuld von §3600. Einmal monatlich, auf einen
Sonntag, reist der Missionar nach Saginaw, um dort eine kleine
Schar treulutherischer Polen mit Wort und Sakrament zu be—
dienen. Diese halten sich auch zur dortigen deutschen Gemeinde
und nehmen an dem Werk dieser Gemeinde lebhaften Anteil.
Sie ersetzen dem Missionar die Reisekosten und tragen etwas zu
seiner Miete bei. ö
Slowakengemeinde in Detroit, Mich. Diese
Gemeinde wurde gleichzeitig visitiert. Hier wurde von unsrer
Synode vor zwei Jahren der Anfang zu einer Mission unter
lutherischen Slowaken gemacht. Die ersten beiden Missionare
nahmen bald Berufe an Gemeinden in der Slowakensynode an.
Doch wurde vom Ehrw. Präses dieser Synode freundlichst unser
Beruf einem ihrer diesjährigen Kandidaten eingereicht. Der⸗
selbe nahm ihn an und arbeitet jetzt im Segen. Die Gemeinde
zählt 15 stimmfähige Glieder. Während der Sommermonate
hielt der Missionar Tagesschule mit 15 Kindern. Die Ge⸗
meinde hat schon einen schönen Bauplatz für 51500 gekauft und
ganz bezahlt und hat daneben einen Baufonds von 5525. In
nicht allzuferner Zukunft wird, so Gott will, ein Kirchlein ge—
baut werden. Die Gemeinde zahlt zum Gehalt des Missionars
jährlich 5300 und zeigt große Opferwilligkeit für Mission und
Wohltätigkeit. Bisher hat sie die Gastfreundschaft der Ge⸗
meinde P. Rud. Meyers genossen, die ihr das Schulgebäude
zur Verfügung stellt. Seit kurzem predigt der Missionar auch
jeden Sonntag in der Polenkirche auf der Ostseite Detroits in
slowakischer Sprache vor einer ansehnlichen Zuhörerschaft. Dazu
bedient er eine kleine Mission in Pontiac, Mich.; und kürzlich
predigte er den zur deutschen St. Paulusgemeinde in Indiana⸗
polis, Ind., gehörenden Slowaken. J. D. Matthius.
Indien. P. Naumann berichtet aus Krishnagiri:
„Seit Ausbruch des Krieges haben wir keine Zeile aus Deutsch⸗
land bekommen.. Jetzt ist aller Leute Interesse auf den
Krieg gerichtet, und sogar draußen in abgelegenen Dschungel—⸗
dörfern fragt man mich, wie es mit dem Kriege steht. So
dringt der verderbliche Einfluß dieses Kamp⸗
fes zwischen christlichen Nationen bis ins In⸗
nere dieses Landes, und selbst der einfältigste Bauer
kommt schließlich auf den Gedanken, ob denn nicht das Christen⸗
tum eine Heuchelei sei.“ In der Gemeinde geht die Arbeit
ihren gewohnten Gang. An Ärger und Verdruß fehlt es leider
nie. „Die Sonntagsgottesdienste werden durchschnittlich von
etwa 60 Leuten besucht. ... Einmal hatte ich 79 Zuhörer.
Nur ab und zu kommen mal frühere Schüler in die Kirche.
Heiden verlieren sich selten hinein. . . . In Bellampatti kann
leider von Fortschritt noch nicht berichtet werden. Die jungen
Leute, die sich um Kuppanan geschart haben, kommen abends
bei ihm zusammen, um Lesen und Schreiben zu lernen. Da
soll nun Kuppanan ihnen den Wortlaut des Katechismus bei⸗
bringen.“ Missionar Naumann weist abermals darauf hin,
daß unsere ärztliche Mission erst dann wirklich ihre segensreiche
Tätigkeit entfalten kann, wenn es unserer Mission gelungen
ist, einen tüchtigen christlichen Missionsarzt für die Ar⸗
beit zu gewinnen. Der Grund liegt in den indischen Regie⸗
rungsverhältnissen. „Die Station Bargur leidet sehr durch
die lange Vakanz, sonderlich darum, weil der Religionsunterricht
so ungenügend erteilt werden kann. Auf einem Stück Land,
das an unser Missionsgehöft angrenzt, und das wir vor einigen
Jahren von den Parias, die gegenüber wohnen, gekauft haben,
befindet sich ein Brunnen, den früher die Parias, vom Missio—⸗
nar unterstützt, gegraben haben, und aus dem sie noch ihr
Wasser holen. Dieser Brunnen war infolge des Regenmangels
beinahe ausgetrocknet, darum ging man daran, ihn zu ver—
tiefen, um so mehr Wasser zu bekommen. Wirksamer noch als
dies, meinte man, würde ein Götze sein. Und so pflanzte
man kurzerhand neben dem Brunnen auf dem Missionslande
zwei Götzensteine auf, auf denen Brillenschlangen zu
sehen sind. . . . Nicht wenig erstaunt war ich, der ich nichts
davon gemerkt hatte, als ich eines Tages die Götzen auf unserm
Lande stehen sah. Ganz energisch protestierte ich dagegen und
drohte, daß ich selbst mich an ihren Götzen vergreifen würde,
wenn sie nicht sofort verschwänden, während ich zugleich mein
Bedauern aussprach, daß sie unsere Predigt, die fort und fort
hier erschallt, noch nicht zu Herzen genommen hätten. Nach
ein paar Tagen verschwanden die Götzen. Die Leute, die sie
fortgeschafft hatten, meldeten es selber und verlangten von mir
ein Trinkgeld für ihre Bemühungen!“ Das ist echt indisch!
Im Trivandrum⸗Gebiete hat Missionar O. Ehlers
in Nadukani und Madathikonam den Unterricht in der bibli—
schen Geschichte übernommen. Jul. A. Friedrich.
Auszug aus einem Briefe Missionar O. A. Ehlers': „Heute
habe ich mit Missionar Harms das Haus eines Eingebornen
besucht. Die Mutter des jungen Mannes ist eine sehr fromme
Frau nach indischen Begriffen. Sie besucht fleißig den großen
Tempel des Götzen Sri Patmanabha und hat im Hause ein
eigenes Kämmerlein, worin sie ihrem Götzen Siwa huldigt und
opfert. Der Boden war schön mit Kuhmist bestrichen. An
der Wand hingen unter anderm ein Brett und ein Teil einer
Pardelhaut, worauf die Frau kniet. Es war auch ein Bild
von ihrem verstorbenen Mann da und eins von einer Ver—
wandten. Diesen beiden malt sie von Zeit zu Zeit einen
runden Fleck auf die Stirn mit heiliger Asche und zerdrückt
darauf auch noch eine kleine „geheiligte“ Blume, die ihr der
Priester vielleicht bei ihrem letzten Tempelgang für etwas
anderes gegeben hat, was für den frommen Priester mehr
Wert hat als die Blume. In einer messingnen Büchse war
etwas heilige Asche'. Darin ist nicht nur Asche von Sandelholz,
sondern auch wieder Kuhmist, und wer weiß, was sonst noch.
In der Ecke stand ein eingerahmtes Bild von Siwa, dem Zer⸗
störungsgott der Hindus. An den richtet die Frau wahrschein—
lich meist ihre Gebete, wenn sie sie an ihrem Rosenkranz ab—
zählt. Ihren Rosenkranz haben wir auch gesehen, auch eine
messingne Lampe, Opferlöffel, Gefäße für „heiliges“ Wasser,
Ol usw.
„Neben dem Haus steht ein alter Tempel. Auch dahinein
durften Harms und ich einen Blick werfen. Ein ekliger Geruch
strömte uns aus der geöffneten Tür entgegen. Alles war
schmutzig und alt. Am Ende des Zimmers stand der Götzen⸗
schrein, mit zwei Bildern von indischen Göttinnen und ver⸗
schiedenen blanken Kugeln verziert, die den Glaskugeln, die
wir zu Weihnachten an den Christbaum hängen, ähnlich sehen.
Der Schrein war von Holz. In der Mitte befand sich ein
English translation
Not yet translated.