Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 26 › Seite 413
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 413
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zu vertreiben.
SNer „ Lutperaner&.
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lischen Hebung des mexikanischen Volkes. . . . Setzen Sie Ihr
gutes Werk fort!“ Madero wurde im Februar 1913 meuch⸗
lings ermordet, und der Anstifter des Mordes, Huerta, machte
sich zum Diktator Mexikos. Huerta hatte die Unterstützung der
päpstlichen Partei. Er ließ am 10. Oktober 1913 alle Glieder
des Parlaments außer den katholischen verhaften. Damals
jubilierte der katholische Pestern Patekman: „Die katholische
Kirche hat in Mexiko beinahe wieder die Herrschaft erlangt!“
Und bald danach: „Wie auch die Wahlen in Mexiko ausfallen
mögen, die katholische Kirche wird in der mexikanischen Politik
die führende Rolle spielen.“ (Daran stößt sich also die ameri⸗
kanische Klerisei nicht. Aber wehe dem, der nur anzudeuten
wagt, daß auch in den Vereinigten Staaten die Römischen
politisch für ihre Kirche tätig sind!)
Allerdings, es kam anders. Huerta mußte abdanken.
Eine neue Revolution ist im Gang, deren Verlauf noch nicht
abzusehen ist. Nur so viel ist klar, es haͤndelt sich auch jetzt
wieder vor allem um die Ansprüche der römischen Kirche auf
weltliche Macht. Amerikanisch-katholische Blätter gaben dem
Wunsche Ausdruck, daß Präsident Wilson ihren Liebling, den
Meuchelmörder Huerta, als Präsidenten anerkennen sollte.
Jetzt drängt dieselbe Presse unsere Regierung „im Interesse der
Otrdnung“ und „zur Abwehr der Anarchie“, sie solle der Konsti⸗
tutionalistenpartei in Mexiko ein Machtwort zum Schutz der
katholischen Interessen reden und, wenn dies nicht hilft, mit
Gewalt eingreifen. Das heißt also, um ganz deutlich zu reden,
die Vereinigten Staaten sollen der römischen Kirche in Mexiko
zu Hilfe eilen, auch wenn es einen blutigen und langwierigen
Krieg kosten sollte. Und was hat die mexikaͤnische Partei, die
jetzt am Ruder zu sein scheint, verschuldet? Sie hat jetzt die
Gesetze zur Ausführung gebracht, die schon seit fünf⸗
zig Jahren in Mexiko Landesgesetz sind. Das ist ohne Miß⸗
handlungen, Schändung der Kirchen und allerlei Unfug nicht
abgegangen. Die Schärfe, mit der die Führer dieser Partei
zu Werke gehen, begründete vor einigen Monaten Antonio Vil⸗
lareal, wie folgt: „Der Staat von Nuevo Leon sieht sich ge—
nötigt, im Interesse der öffentlichen Gesundheit, Moral und
Gerechtigkeit die Freiheit der katholischen Kirche einzuschränken;
denn diese Kirche hat während der ganzen Dauer ihres Bestehens
ihre geistliche Mission, welche die einzige Berechtigung ihrer
Anerkennung seitens der modernen Gesellschaft bildet, gänzlich
vergessen. Sie hat sich die Erlangung politischer Macht zum
Hauptziele gesetzt. Um ihren Zweck zu erreichen, hat sie sich
immer mit der reaktionären Regierung, Despoten und selbst
fremden Eindringlingen verbunden. . . . Die höchste nationale
Notwendigkeit gebietet, daß man die arroganten Mißbräuche
der katholischen Kirche mit der Wurzel ausreiße und die ernste
Gefahr beseitige, womit die Ruhe und der zukünftige, Fortschritt
des Landes von seiten dieser Institution, welche mehr politisch
als religiös ist, bedroht werden.“
Als die „Föderation katholischer Vereine“ die Forderung
an Präsident Wilson richtete, er solle die katholische Kirche in
Mexiko gegen ihre „Verfolger“ in Schutz nehmen, veröffent⸗
lichte der mexikanische Konsul, J. U. Orozeo, in El Paso,
Texas, in dem E“l Paso Nerald folgende Erklärung: „Die
Anklage vor dem Staatsdepartement sagt aus, daß wir bitter
antiklerikal seien und versuchten, den Katholizismus aus Mexiko
Das ist nicht wahr. Unser Zorn gilt den Ver⸗
tretern dieser Religion, die sich in politische Angelegenheiten
gemischt haben. In der Anklage wird weiter behauptet, daß
sich die Kleriker neutral verhalten hätten in den politischen
Unruhen, die unser Land heimgesucht haben. Das ist nicht
wahr. Ei, wir haben in manchen Fällen Priester mit Ge⸗
wehren in den Händen gefangen, die in den Reihen der
Huertaschen Soldaten gegen uns gekämpft haben. Ehe Huerta
unterlag, haben die katholischen Priester seine Administration
auf mancherlei Weise unterstützt: sie haben Geldbeiträge ge⸗
liefert zum Ankauf von Waffen für die Soldaten dieses Empor⸗
kömmlings; in Mexiko City haben sie während seiner Re⸗
gierung einen Klub gebildet unter dem Namen: „Die katholische
Partei“; in dem Palast des Erzbischofs Mora wurden zwischen
den kirchlichen Würdenträgern und den hohen Offizieren des
Verräters öfters geheime Konferenzen abgehalten, und Ricien⸗
ciado Tomariz war Präsident dieses Klubs..
katholischen Geistlichen seit Anfang der konstitutionalistischen
Revolution gelitten haben, steht in gar keinem Vergleich zu
dem furchtbaren Leiden, das sie durch ihre politischen Ränke
und durch ihr rastloses Bestreben, die Nation zu regieren, über
das Land gebracht haben.“
In Zentralmexiko werden nach den letzten Meldungen die
Anhänger der klerikalen Partei durch die Priester mit Waffen
versehen, um die Ausführung des Programms der antipäpft⸗
lichen Partei zu verhindern. Und in diesen Wirren, die das
Papsttum durch seine politischen Forderungen über Mexiko ge⸗
bracht hat, soll unser Land mit seinem Gut und Blut einstehen
und dem Papst zum Sieg verhelfen! Der „Katholische Glau—
bensbote“ enthielt kürzlich den folgenden Satz: „Freudig
würde es die ganze katholische Welt begrüßen, wenn durch
einen amerikanischen Präsidenten, Woodrow
Wilson, Meriko auch wieder in Wirklichkeitein
katholisches Land würde, wie es dem Namen nach
eins ist.“
Wahrlich, das ist eine überkühne Sprache! Jeder Ameri⸗
kaner, der die Bestrebungen der Römischen kennt, mußte auf⸗
atmen, als er in diesen Tagen vernahm, daß unser Präsident
diesem Drängen nicht nachgegeben, sondern unsere Truppen aus
Vera Cruz zurückgezogen hat. Allerdings spielte die Klerisei
in diesem Handel um einen hohen Einsatz. Würde Mexiko von
den Vereinigten Staaten annektiert, so erhielte die katho⸗
lische Partei in den Vereinigten Staaten durch die Ein⸗
gliederung der 15,000,000 katholischen Mexikaner in unsere
Republik einen Zuwachs, der ihr bei der Verwirklichung ihres
Planes: Make America Catholic!“ gut zustatten käme.
G.
Kurze Nachrichten aus nusern Missionen.
Fremdsprachige Missionen. Polengemeinde in De⸗
troit, Mich. Unterzeichnetem war es im Monat November
von der Kommission für fremdsprachige Missionen zur Aufgabe
gemacht worden, die Polengemeinde in Detroit zu visitieren.
Dieselbe zählt etwa 154 Seelen, 103 kommunizierende und
53 stimmfähige Glieder. Etliche der schulpflichtigen Kinder be—
suchen die Gemeindeschule der benachbarten deutschen Gemeinde.
Die Gemeinde wurde ermuntert, im Vertrauen auf Gott eine
Gemeindeschule zu gründen. Sie besitzt ein schmuckes neues
Kirchlein auf einem gut gelegenen Grundeigentum, 904100
Was die
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