Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 26 › Seite 410
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 410
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weihnacht 4
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S Der utherane
Arzte können dir auch wenig helfen. Hast schon viel Geld aus⸗
gegeben in der Hoffnung, deine Gesundheit wiederzuerlangen;
aber alles war vergeblich.
Oder du hast einen traurigen Todesfall in deiner Familie
erlebt. Vater oder Muter oder auch beide sind dir gestorben;
oder du stehst als einsame Witwe wohl gar mit einem Häuflein
Kinder in der Welt da; oder du beklagst als Witwer den frühen
Heimgang deiner lieben Ehefrau und Hausmutter; oder du
Vater, du Mutter, siehst in der Reihe deiner Kinder eine Lücke.
Oder du hast große Verluste erlitten; Feuer, Wasser,
Dürre haben dir enipfindlichen Schaden zugefügt. Die Ernte
ist dir teilweise oder ganz mißraten. Böse Menschen haben dich
schändlich betrogen.
Oder du bist arm. Trotz Fleiß, Ausdauer und Genüg⸗
samkeit kannst du nicht recht vorwärts kommen. Widrige Um-
stände stellen sich dir immer wieder entgegen. Es geht darum
knapp zu in deinem Haushalt. Die Aussicht auf bessere Zei⸗
ten ist auch nicht günstig.
Oder du wirst verachtet und verkannt. Ohne deine Schuld
hegt man allerlei Argwohn gegen dich. Man mißversteht deine
Absichten und Beweggründe. Einerlei, was du tust, es wird
dir falsch gedeutet und zu deinem Nachteil ausgelegt.
Oder du lebst im Streit. Kannst dich mit den Nachbarn,
deinen Verwandten, wohl gar deinen eigenen Familienange⸗
hörigen nicht gut vertragen. Immer wieder kommt es zu
ärgerlichen Auftritten und heftigen Auseinandersetzungen.
Oder du hast Feinde, die dich ohne Ursache hassen, die dir
nachstellen, dir ein Leid über das andere zufügen.
Oder du bist mit dir selber zerfallen. In deinem Herzen
sieht's düster aus. Hast allen Halt verloren. Weißt überhaupt
nicht, wozu du noch in der Welt bist. Am besten wäre es, meinst
du, du wärest nimmer da. ö
Und jetzt ist's Weihnachten. Und: Weihnachtszeit — Freu⸗
denzeit! Auch du, du, der du so klagen mußt, kannst die Freude
des Weihnachtsfestes mit genießen! Alles, was eben genannt
worden ist, und was du sonst noch nennen magst, soll dir deine
Weihnachtsfreude nicht rauben und kann dir auch deine Freude
nicht nehmen, wenn du das Weihnachtswunder nur recht be⸗
trachtest, bedenkst und beherzigst.
Du bist krank. — Krankheit ist Folge der Sünde, die
alles Weh und Leid, allen Jammer und Schmerz in der Welt
verursacht. Die Sünde ist die rechte Seelenkrankheit. Gegen
das alles gibt es nur ein Mittel — das Christkind zu Beth⸗
lehem! Es ist gekommen, die Sünde, und was daraus ent⸗
springt, wegzuräumen. Du weißt, was Jesaias von ihm sagt:
„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere
Schmerzen, . . . und durch seine Wunden sind wir geheilet.“
(Jes. 53, 4. 5.) Und Chriseus selber spricht: „Ich bin der
SErr, dein Arzt.“ (2 Mos. 15, 26.) O wie solltest gerade
du dich des neugeborenen IEsuskindleins freuen!
Du bist durch einen Todesfall betrübt. — Aber auch das
Todesdunkel vermag die helle Weihnachtssonne nicht zu ver⸗
scheuchen. Denn was sagt die Schrift? „Christus hat dem Tode
die Macht genommen und das Leben und ein unvergänglich Wesen
ans Licht gebracht.“ (2 Tim. 1, 10.) Und der Heiland spricht:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich
glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet
und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Joh.
11, 25. 26.) O wie solltest gerade du dich über das Kind⸗
lein zu Bethlehem freuen!
Du hast große Verluste erlitten. — Alles Irdische ist ver⸗
gänglich und hinfällig. Es wird schließlich alles vergehen.
Nur eins hat bleibenden, wahren, ewigen Wert; und dieses
eine ist uns Menschen in dem Christkind zuteil geworden. In
ihm hast du Güter und Schätze von ganz unermeßlichem
Wert, die den Elementen nicht ausgesetzt sind, die auch kein
Mensch dir rauben kann, die dein sind und bleiben, solange du
das Christkind in deinem Herzen wohnen läßt. O wie solltest
gerade du dich des süßen JEsuskindleins freuen!
Du bist arm. — JEsus war auch arm. Schaue an den
Stall, die Krippe und die Windeln! Er selber spricht: „Die
Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben
Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt
hinlege.“ (Matth. 8, 20.)
Er ist auf Erden kommen arm,
2 Daß er unser sich erbarm'
Und in dem Himmel mache reich
Und seinen lieben Engeln gleich.
Wenn auch arm an irdischem Gut, so bist du doch im Christ⸗
kind über die Maßen reich, hast ja Vergebung, Leben und Selig⸗
keit. O wie solltest gerade du dich über das Kindlein in der
Krippe freuen!
Du wirst verachtet und verkannt. — Ging's dem Heiland
etwa besser? Sagt nicht Jesaias von ihm: „Er war der aller⸗
verachtetste und unwerteste. Er war so verachtet, daß man
das Angesicht vor ihm verbarg⸗ 7 (Jes. 53, 3.) Heißt es nicht
von ihm: „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen
ihn nicht auf“? (Joh. 1, 11.) Fragte man nicht gering⸗
schätzend: „Ist er nicht der Zimmermann, Mariä Sohn?“
Nannte man ihn nicht einen Samariter, einen Verführer des
Volks, übeltäter und Gotteslästerer? Und das hat er, der
große Gottessohn, um unsertwillen geduldig über sich ergehen
lassen, damit wir wiederum von Gott als seine lieben Kinder
anerkannt werden möchten. Hast du diese Anerken⸗
nung, so magst du wohl zufrieden sein. O wie solltest gerade
du dich des Heilandes freuen!
Du lebst im Streit. — Das ist schlimm. Mit Menschen
darfst du nicht im Streite leben. Der Held aus Judas Stamm
kam auch zum Streit; aber gegen die Feinde deiner Seele zog
er aus, gegen Sünde, Tod, Teufel und Hölle. Lerne von ihm,
wie man recht streitet. Andere deine Front. Richte dich gegen
dein eigenes böses Fleisch und Blut, gegen die Welt und den
Teufel. Dann wird Friede werden. Dazu ist das Christkind
gekommen, um Frieden zu stiften, Frieden zwischen Gott und
Menschen, Frieden zwischen Mensch und Mensch.
Erden!“ sangen die Engel bei seiner Geburt.
gerade du dich dieses Friedefürsten freuen!
Du hast Feinde. — So ging's dem JEsuskindlein auch.
Kaum war er zu Bethlehem geboren, da stellte Herodes dem
Kindlein nach, daß er es umbrächte. Aber Gott wußte sein
Kind zu schützen. Bist du durch Christum ein Kind Gottes,
so hält dein himmlischer Vater auch über dir seine schützende
„Friede auf
O wie solltest
Hand. Ja, Christus selbst sitzt nun zur Rechten seines Vaters,
regiert, führt, leitet und schützt seine Gläubigen auf Erden.
O wie solltest gerade du dich freuen in dieser fröhlichen Weih⸗
nachtszeit!
Du bist mit dir selber zerfallen. — In der Nacht der Ver⸗
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