Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 26 › Seite 416

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 416

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Ser „Tuthieranete&

ziehen ließen, soll uns tief zu Herzen gehen und uns veranlassen,
auch für sie fürbittende Hände um Wegnahme des Unglücks auf⸗
zuheben. An die Fürbitte um bürgerlichen Frieden unter den
Menschen schließen wir dann sofort nach Anweisung der Schrift
die Fürbitte um die Gabe des geistlichen Friedens durch die
Predigt des Evangeliums. Nachdem der Apostel ermahnt hat,
daß wir für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit
beten sollen, damit wir unter ihrer Regierung ein geruhiges und
stilles Leben führen mögen, fährt er fort: „Denn solches ist
gut, dazu auch angenehm vor Gott, unserm Heilande, welcher
will, daß allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntnis der
Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Nittler
zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus
IEsus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, daß
solches zu seiner Zeit geprediget würde.“ — Bei allen Ereig—⸗
nissen in der Welt, die Kriege eingeschlossen, ist es Gott um die
Predigt des Evangeliums und den Bau der christlichen Kirche
zu tun. F. P.
Kriegslügen. Daß in den Kriegsnachrichten, mit denen die
Blätter jetzt gefüllt sind, viel gelogen, sogar sehr viel gelogen
wird, ist eine Beobachtung, die der Leser selber schon gemacht hat.
Wir dürfen noch einen Schritt weiter gehen, und der Leser wird
uns zustimmen, wenn wir sagen, daß wohl noch nie das ameri⸗
kanische zeitungslesende Publikum so schmählich belogen worden ist
wie seit Ausbruch des großen Krieges. Es kann auch nicht ge⸗
leugnet werden, daß im großen und ganzen diese Lügenberichte
den einen Zweck haben, in unserm Volk ein Gefühl des Abscheus
gegen Deutschland zu erwecken. Die öffentliche Meinung
in unserm Lande, darüber kann kein Zweifel herrschen, ist plan⸗
mäßig gegen Deutschland vergiftet worden. Man hat seit An⸗
fang des Krieges Deutschland dargestellt, als habe es mit frevler
Hand die Gelegenheit ergriffen, Europa in ein Meer von Blut zu
tauchen mit der Absicht, sich zum Herrn der Welt zu machen.
Man hat den deutschen Truppen die gemeinsten Verbrechen an⸗
gedichtet, sie als Horden von Barbaren, ja als feige Schurken
dargestellt. In Wort und Bild hat man das ganze deutsche Volk
mit Schmähungen überhäuft und getan, was man tun konnte, den
deutschen Namen verachtet, verhaßt, ja verrucht zu machen. Was
sollen wir dazu sagen? Was sollen wir sagen, wenn sogar ein
kirchliches Blatt, die Advance, behauptet, die Herrscher Deutsch⸗
lands und Ssterreichs hätten in „monumentaler Selbstsucht und
tierischer Roheit“ „Tausende von gewöhnlichen Leuten offiziell
ermordet“ und sich dadurch einen Namen gemacht, den „niemand
mehr aussprechen sollte“?! Wir fragen: Wo bleibt da die
Neutralität, die unser Landesoberhaupt allen Bürgern,
nicht nur uns Deutsch⸗Amerikanern, sondern auch solchen, die es
mit den Gegnern Deutschlands halten, zur Pflicht gemacht hat?
Nicht nur in der Tagespresse, sondern vor allem auch in den
Wochenschriften ist jetzt vier Monate lang in maßloser Weise gegen
Deutschland gehetzt und der Geist der Neutralität, den wir an
unserm Teil als Christen und gute Bürger zu wahren suchten,
auf das gröblichste verletzt worden. Gewiß soll sich auch jetzt ein
Christ, eingedenk des Wortes: „So seid nun aus Not untertan,
nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens
willen“, nicht der Pflicht enthoben achten, die uns jene obrig⸗
keitliche Verordnung zu Anfang des Krieges auferlegte. Auch
jetzt gilt uns die Mahnung des Apostels: „Vergeltet niemand
Böses mit Bösem. Ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit
allen Menschen Frieden.“ Den Frieden im eigenen Lande, soviel
an uns liegt. zu halten, muß unsere Pflicht bleiben. Und dazu
können wir an unserm Teile helfen, indem wir nicht nur uns vor
leidenschaftlicher Parteinahme hüten, sondern auch denen steuern,
die den Landesfrieden brechen, zum mindesten ihnen unsere Unter⸗
stützung entziehen und andere vor ihnen warnen. Das gilt z. B.

von einem Blatt wie Coler's Peely, das am 28. November
folgendes gegen solche, die es mit Deutschland halten, aus⸗
schäumte: „Euer Kaiser hat sich tausendmal angemeldet als ein
Mann, der die Bibel zum Leitstern seiner Handlungen macht. Er
hat viel über Glauben und Religion zu sagen. Und doch ist er
schuld daran, daß diese abgemagerten Flüchtlinge in Schmerzen
fliehen, daß namenlose Kindlein geboren werden und mit ihren
Müttern auf der Landstraße sterben. Er hat alle diese Leute in
eine lebende Hölle gestoßen, und statt ihnen zu helfen, ist der
Befehl ausgegangen, der ihre Verzweiflung noch hoffnungsloser
macht.“ Wer so schreibt, ist ein Aufrührer, ein Rebell, und wer
den Frieden liebt, wem daran liegt, daß nicht Aufruhr im Lande
aufflammt, muß als Christ und guter Bürger seine Pflicht darin
erkennen, weder in seinem Hause noch im Geschäft Zeitschriften
zu dulden, die der Neutralitätsverordnung der Obrigkeit in solcher
Weise Hohn sprechen. G.

Des deutschen Volkes Buße. Aus den deutschländischen
kirchlichen und auch weltlichen Blättern geht klar hervor, daß
durch die Kriegsnot eine große religiöse Bewegung im deutschen
Volke hervorgerufen worden ist. Wir setzen aus deutschländischen
Zeitschriften einige Außerungen hierher. Man ist überzeugt, daß
Deutschland eine gerechte Sache hat, insofern Deutschland der
Krieg aufgezwungen wurde. Man ist auch überzeugt, daß
Deutschland wohlgerüstet sei. Aber es wird auch hinzugefügt:
„Angesichts des furchtbaren Ernstes der Lage und der blutigen
Schwere des Kampfes wäre nichts weniger angebracht als ein
stolzes Selbstvertrauen. um so weniger angebracht, als der Christ
die niederbeugende Frage nicht abweisen darf, ob die Kriegsnot,
die über uns hereingebrochen ist, nicht auch ein Gericht des hei⸗
ligen Gottes ist, der unser Volk heimsucht für den irdischen Sinn,
die fleischliche Sicherheit, die Gottvergessenheit, die Verachtung
des Wortes und der Kirche Gottes, die in den langen Friedens⸗
jahren um sich griffen und allen, die Gott und seine Kirche lieben
und es gut mit unserm Volke meinen, so manche Klage aus—
preßten. Da müssen und sollen wir vielmehr bußfertig an un⸗
sere Brust schlagen und Vergebung suchen für die Gesamtschuld
unsers Volkes, für die wir alle mitverhaftet sind, und den Bei⸗
stand dessen suchen, der Sieg und Niederlage in seiner allmäch⸗
tigen Hand hält, der den Hoffärtigen widersteht, aber dem Demü—
tigen Gnade gibt.“ Ferner: „Laßt uns nicht vergessen, Gott
innig darum anzuflehen, daß in der Not dieser Zeit allem gott⸗—
losen Wesen unter uns der Krieg erklärt werde.. Wir bitten
alle, Männer und Frauen, dazu mitzuhelfen, daß das dem Ernst
unserer Tage vollends widersprechende unkeusche Wesen auch von
den Straßen unserer Städte verschwinde, und erst recht alles un⸗
sittliche Geschäft mit energischen Mitteln ausgetrieben werde.“ —
Der berüchtigte „Pastor“ Heydorn in Hamburg hat ähnlich wie
die oben erwähnte St. Louiser Zeitung davon geredet, daß Gott
„durch das gleichzeitige Siegerflehen von Engländern, Fran⸗
zosen, Russen und Deutschen in Verlegenheit gebracht werde“.
Man solle deshalb, meint Heydorn, „nicht beten, sondern studie⸗
ren und handeln“. Gegen diese gottlose Außerung will ein
weltliches Blatt in Hamburg sogar obrigkeitliche Gewalt ange—
wendet wissen; und es fügt hinzu: „Der Geistliche ist Diener
am Wort. Das Wort: Rufe mich an in der Not“, ist ein Be⸗
fehl; und das Wort soll insbesondere der Geistliche lassen stahn.“
— Gott verleihe dem deutschen Volk aufrichtige Buße und
wirkliche Rückkehr der Herzen zu Gottes Wort. Es wer⸗
den auch jetzt noch während des Krieges in Deutschland immer⸗
fort viel törichte Reden, insonderheit von den sogenannten Ge⸗
lehrten, laut. Man wende sich ab von Kulturschwätzern wie
D. Adolf Harnack in Berlin. Gott sieht nicht die Kultur an,
sondern die zerschlagenen und zerbrochenen Herzen, die sein
Gnadenantlitz in dem Heiland der Sünder suchen. Insonder⸗

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