Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 26 › Seite 417
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 417
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er WTutheranese.
heit müssen die Christen Deutschlands ihre theologischen Professo⸗
ren zur Ordnung rufen, die ebenso beharrlich Unwahrheiten über
die Bibel verbreitet haben, wie jetzt über Deutschland von seinen
Feinden Unwahrheit geredet wird. Obgleich Christus selber
sagt: „Die Schrift kann nicht gebrochen werden“, so haben die
theologischen Professoren an den Universitäten fast ohne Aus⸗
nahme über die Schrift die Rede ausgehen lassen, daß sie nicht
Gottes unfehlbares Wort sei. Und dieser heillose Zustand ist nicht
erst seit dem Kriege von 1870 eingerissen, sondern ein viel älte⸗
res übel. Durch die Kriegsnot will Gott die Christen Deutsch⸗
lands sicherlich auch an die Ausscheidung dieses übels er⸗
innern, das wie ein Krebsgeschwür am Leibe der Kirche zehrt.
Christliche Soldaten schreiben von der Front, daß im Angesicht
des Todes das Bibelwort als Gottes Wort ihr einziger Trost sei.
Gott verleihe Gnade, daß die Herzen der Universitätsprofessoren
zu den Herzen dieser christlichen Soldaten bekehrt werden! —
Es steht freilich in andern Ländern nicht besser. Auf Englands
Universitäten sieht es ähnlich aus wie in Deutschland. In
Frankreich haben Regierung und der größte Teil des Volkes
aller Religion den Rücken gekehrt; der übrige Teil ruft die Hei⸗
ligen an. Auch die russische Regierung sendet Heiligenbilder an
die Front. Aber damit soll das deutsche Volk sich nicht trösten,
sondern es soll Buße tun über seine eigene Sünde und den Weg
der Gerechtigkeit wandeln. — Nicht nur von Deutschland, son⸗
dern auch von England aus ist daran erinnert worden, wie schade
es wäre, wenn das Volk der Reformation aus der Reihe der
Völker verschwände. Aber was ist das Volk der Reformation
ohne Gottes Wort und Luthers Lehr'! Das wollen wir uns
auch in Amerika gesagt sein lassen: Was ist die amerikanisch⸗
lutherische Kirche ohne Gottes Wort und Luthers Lehr'! Halten
wir mit bußfertigen und gläubigen Herzen, was wir haben, und
laßt uns nicht durch Gleichgültigkeit und Geiz den Segen Gottes
verderben. F. P.
Allezeit fröhlich.
Die Welt hält das wahre Christentum für etwas Trübes
und Finsteres. Sie meint, es mache den Menschen tief traurig
und hindere ihn, sich von Herzen zu freuen. Aber sieh einmal
hinein in die Bibel; da hört man wohl Stimmen des Weinens,
doch stärker tönt der Mund voll Lachens und die Zunge voll
Rühmens: „Der HErr hat Großes an uns getan, des sind wir
fröhlich.“ Sieh auch hinein in das Gesangbuch, dies herrliche
Buch voll Stimmen der Kirche: die Klagelieder der Buße werden
weit übertönt von der Freudenstimme des Glaubens. Das
Siegeslied des Lammes überwältigt die Kreuz⸗ und Sterbelieder,
daß sie alle in den Hochgesang des ewigen Lebens ausklingen.
Ja, die ganze Bibel und alle Lieder der Kirche zeugen laut,
daß das Christentum die freudenreichste Sache von der Welt ist.
Darum verkündigt der Engel in der heiligen Nacht den Hirten
große Freude, und die Menge der himmlischen Heerscharen singt
in vollem Chor: „Friede auf Erden!“
*
— —
Kriegsbilder.
Der Kaiser an sein Heer und Volk.
Ein Pastor schreibt anfangs Dezember aus Wisconsin:
„Heute abend nach dem Wochengottesdienst besuchte ich noch
eine Familie, die diesen Sommer zu Besuch in Deutschland war,
und bekam da eine Anzahl Briefe von drüben zu lesen. Nebenbei
zeigten sie mir auch ein Blättlein, das auf der einen Seite in
der Mitte das Bild IEsus mit der Dornenkrone zeigte mit den
Sprüchen Jes. 53, 5; Eph. 1, 7; Luk. 18, 13 und einem Pas⸗
sionslied; auf der andern Seite unter der überschrift: Kaiser⸗
worte zum Nachdenken“, stand, was ich Ihnen auf beiliegendem
Blatte übersende. Wenn ich nicht irre, schrieb die Verwandte
meiner Leute, die in Berlin wohnt, der Kaiser habe diese Worte
beim feierlichen Abschiede von seinen Generälen am Bismarck⸗
denkmal in Berlin gesprochen.“ J. F. B.
Kaiserworte zum Nachdenken.
„Nicht Glanz, nicht Macht, nicht Ruhm, nicht Ehre, nicht
irdisches Gut ist es, was wir hier suchen; wir lechzen, flehen
und ringen allein nach dem einen, dem höchsten Gute, dem Heile
unserer Seelen. Und wie ich das Gelübde meiner in Gott
ruhenden Vorfahren: „Ich und mein Haus, wir wollen dem
HErrn dienen“, an diesem feierlichen Tage hier wiederhole, so
fordere ich Sie alle auf zum gleichen Gelöbnis. Jeder sorge in
seinem Stande und Berufe, daß alle, die den Namen des ge—
kreuzigten HErrn tragen, in dem Zeichen dieses hochgelobten
Namens ihren Wandel führen zum Siege über alle aus der Sünde
und der Selbstsucht kommenden finsteren Mächte.
„So will auch ich mein Gelöbnis hiermit aussprechen, daß
ich das ganze Reich, das ganze Volk, mein Heer, mich selbst und
mein Haus unter das Kreuz stelle und unter den Schutz dessen,
von dem der große Abostel Petrus gesagt hat: „Es ist in keinem
andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel
den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden!“ und der
von sich selbst gesagt hat: „Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte vergehen nicht.“
„Mit der werbenden Kraft dienender Liebe sollen die Herzen
zu dem geführt werden, in dem allein das geängstete Menschen⸗
herz Heil, Ruhe und Frieden findet für Zeit und Ewigkeit.
„Gott der HErr hat in jedes Herz die Gebetsglocke hinein⸗
gehängt. Doch im Sonnenschein und Glück des Lebens, wie oft
hängt sie stumm und still! Wenn aber der Sturmwind der Not
hervorbricht, dann hebt sie an zu klingen. Not lehrt beten.
„Nur einen, dessen Namen wir alle tragen, der unsere Sün⸗
den getragen und ausgetilgt, der uns vorgelebt und ⸗gearbeitet
hat, wie wir arbeiten sollen, unser Heiland und HErr, der pflanze
den sittlichen Ernst in Sie, daß Ihre Triebfedern stets lauter und
Ihre Ziele stets hehre seien! Die Liebe zu Vater und Mutter,
zum Vaterhaus und Vaterland wurzelt in der Liebe zu ihm!
Dann werden Sie gefeit gegen Verlockungen jeder Art, vor allem
gegen die Eitelkeit und den Neid, und dann können Sie singen
und sagen: „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf dieser
Welt!“
ö „Auf dem gläubigen Festhalten an der ewigen Wahrheit des
Evangeliums ruht unsere Hoffnung im Leben und im Sterben.
„Es vergeht kein Abend und kein Morgen ohne ein Gebet
für mein Volk.
„Der einzige Helfer und Retter ist und bleibt der Heiland.
„Kaiser Wilhelm II.“
Aus der deutschen Freikirche.
Wie den Lesern bekannt, liegen in den vom Kriege zum
Teil hart mitgenommenen Teilen Ostpreußens auch einige unserer
freikirchlichen Gemeinden. über deren Ergehen kommt jetzt zum
erstenmal in der „Ev.⸗Luth. Freikirche“ bestimmte Nachricht. Wir
entnehmen dem Bericht folgende Sätze: „Es kann nun mit Lob
und Dank gegen den barmherzigen Gott berichtet werden, daß es
unsern Brüdern in der Ostmark über alles Erwarten gut geht.
Was zunächst Königsberg betrifft, so leiden die Glieder der
Gemeinde keinerlei Not. Es ist in der Stadt so viel Arbeits—
gelegenheit, daß kaum eine Hilfe zu bekommen ist. Von den im
Felde Stehenden ist, soweit bekannt, nur einer leicht verwundet
worden. — In Insterburg sind die meisten Glieder, als der
Feind in die Stadt einrückte, geflüchtet. Einige wenige befinden
—
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