Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 26 › Seite 418

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 418

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TuthsraneEa⸗

sich auch jetzt noch außeralb derselben. Doch die Mehrzahl ist
wieder zu Hause und geht ihrem Berufe nach. Auch hier herrscht
im Irdischen keine Not, da jeder Arbeit und Verdienst finden kann.
— In Mehlauken und Skaisgirren hat von unsern
Glaubensgenossen niemand nennenswerten Schaden gelitten. Den
Verlust von etwa 1000 Mark, den ein Gemeindeglied beklagt,
wird ihm wahrscheinlich die Regierung ersetzen. — Passen⸗
heim wurde schon in einem früheren Bericht der „Freikirche⸗
erwähnt und mitgeteilt, daß dieser Ort ganz verschont geblieben
sei. Wie dankbar müssen doch wir und unsere Glaubensgenossen
in Ostpreußen sein, daß der treue Gott in den großen Gefahren
seine schützende Hand so gnädig über unsere Gemeinden gehalten
hat! Gewiß haben schon alle Gemeinden unserer Synode gefragt,
ob nicht in Ostpreußen Hilfe not tue, und waren gerne bereit, für
die dortigen Glaubensgenossen ansehnliche Kollekten zu sammeln.
Nun bedürfen unsere Brüder im Osten kaum der leiblichen Hilfe.“
— Der Bericht schließt mit einer Aufforderung an die freikirch⸗
lichen Gemeinden, die für Ostpreußen geplanten Kollekten kir ch⸗
lichen Zwecken zuzuwenden. G.

Ein Brief aus Württemberg.

„. . . Bis jetzt sind ungefähr zwanzig aus unserm Ort im
Kampfe gefallen, darunter auch unserer Schwester Sohn. Viele
werden vermißt, von denen man nicht weiß, ob sie noch am Leben
oder tot sind. Viele Verwundete sind in die Heimat zurückge⸗
kommen, um, sobald sie wiederhergestellt sind, zu ihren Truppen⸗
teilen zurückzukehren. Der Bruder schreibt, daß sie schon wochen⸗
lang im Argonnenwald stehen, wo sie einen schweren Stand haben.
Alle schreiben, man solle für sie beten, und wir sollen Gott danken,
daß der Feind nicht in unser Land gekommen sei; es gehe furcht⸗
bar zu. Die Feinde waren ja schon im Elsaß eingedrungen und
die Russen weit nach Ostpreußen, so daß man in Notwehr handeln
mußte. Wir waren in großer Besorgnis wegen des Einbringens
der Ernte, da fast alle Pferde fortgenommen wurden. Diese sind
aber wieder zurückgekommen, so daß die Saat bestellt werden
kann. Auch gab uns der HErr gutes Wetter während der Ernte⸗
zeit. Es ist jetzt wieder ruhiger geworden, und in den Fabriken
wird wieder regelmäßig gearbeitet.

„Es ist viel Leid durch den Krieg ins Land und in die Häuser
gekommen, aber es ist auch eine Gnade, wenn die Herzen wieder
nach dem HErrn fragen lernen. Man war zu sicher. Die
Gotteshäuser standen erschrecklich leer. Das ist jetzt anders
geworden. überall werden Betversammlungen gehalten. Da
schöpfen wir Trost, Ruhe und Mut.“

· ů : .
Todesanzeigen.

In seiner Heimatsstadt St. Louis starb am 14. September,
eine Woche vor seinem 64. Geburtstag, P. Karl Ferdinand
Obermeyer, dem mit diesen wenigen Worten ein kleiner Ge⸗
denkstein an dieser Stätte gesetzt werden soll. Ein sehr großer
Teil der Tätigkeit P. Obermeyers ist wenigstens während der
letzten fünfundzwanzig Jahre seines arbeitsreichen Lebens so stark
im Angesicht unserer Kirche verrichtet worden, und er ist dabei in
Amtsgeschäften in so viele Teile unserer Synode geführt worden,
daß sein Hinscheiden vielerorts ohne Zweifel als ein Verlust
empfunden worden ist. So sehen wir Menschen die Sache wenig⸗
stens an. Er selbst hatte schon Jahre vor seinem Tode keinen
größeren und beständiger sich äußernden Wunsch als den, bald
sterben und, wenn Gott wolle, mitten aus der kirchlichen Arbeit
in die ewige Ruhe eingehen zu dürfen. Der Wunsch ist ihm
gewährt worden. Am Sonntag Exaudi dieses Jahres hatte er ein
Vierteljahrhundert angestrengter Tätigkeit als Pastor seiner lieben

Zionsgemeinde vollendet, und seine Gemeinde feierte das Er⸗
eignis durch einen besonderen Gottesdienst. Dann beging er noch
am 9. August in aller Stille sein vierzigjähriges Amtsjubiläum.
Da sein langjähriges Leiden — Verkalkung der Herzarterien —
angefangen hatte, ihm bei seinen Amtsverrichtungen hinderlich zu
werden, so entschloß er sich mit Zustimmung seiner Gemeinde,
sein Amt niederzulegen, und hatte bereits seine ansehnliche Biblio⸗
thek und Möbel nach Baltimore geschickt, wo er bei seinem Sohne
seinen Lebensabend zu verbringen gedachte, als Gott ihn abrief,
ehe er seiner Gemeinde die Abschiedspredigt halten konnte. Seine
Gemeinde geleitete ihn zu Grabe. Vor der sehr großen Trauer⸗
versammlung redete sein Amtsnachbar. P. Sommer, englisch über
Joh. 15, 16 und der Unterzeichnete deutsch über Phil. 1, 21. —
Die Kirche ist durch St. Paulus angewiesen worden, ihre Prediger,
Lehrer und alle, die in der kirchlichen Arbeit stehen, als Gaben
anzusehen, welche der erhöhte Christus der Gemeinde der Heiligen
schenkt, „daß die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Amts,

dadurch der Leib Christi erbauet werde“, Eph. 4, 10 ff., und dank⸗

bar für das zu sein, was durch den Dienst solcher Leute aus⸗
gerichtet worden ist. P. Obermeher hat sich in mehrfacher Weise
um unsere Synode verdient gemacht, zunächst durch seinen Mis⸗
sionseifer. Nicht bloß hat er in den ersten Jahren seiner Wirk⸗
samkeit neben seiner Arbeit an der Gemeinde in Little Rock, Ark.,
selbst in den Staaten Arkansas und Tennessee fleißig missioniert,
sondern er ist auch den Reisepredigern und jungen Pastoren, die
in jener Zeit in dies Gebiet kamen, ein guter Berater gewesen
und hat ihr schwieriges Werk durch die herzliche Weise, in welcher
er einen ermuntern konnte, durch seine Erfahrung, Menschen⸗
kenntnis, seinen Einfluß und durch persönliche Opfer an Zeit und
Geld, die er brachte, wesentlich gefördert. Eine große Freude
war es für ihn, als die Synodalkonferenz die Mission unter den
Negern, die sich jetzt so schön entwickelt hat, in Angriff nahm.
Der erste Anfang dazu wurde in Little Rock gemacht, und er
hat nachher, als er nach St. Louis übergesiedelt war, viele Jahre
dieser Mission als Sekretär und Vorsitzer der Kommission dienen
dürfen. Auf seinen vielen Reisen achtete er stets auf Missions⸗
gelegenheiten, knüpfte in geschickter Weise Verbindungen an und
verstand es, andere zu interessieren und zu begeistern und, wo
es not tat, manchmal recht inständigst für einen einsamen Mis⸗
sionsposten zu bitten und zu betteln. Auch die Stadtmission unter
den Verwahrlosten unserer amerikanischen Großstädte, die nun an
mehreren Orten von unsern Gemeinden betrieben wird, wurde
durch ihn hier in St. Louis ins Leben gerufen, und er hat an
ihr und sonderlich an der „slum school' stets seine herzliche Freude
bekundet. — Nach einer andern Richtung durfte er seinen prak⸗
tischen Verstand und seine Geschäftskenntnis im Dienste unserer
Synode verwerten, als er auf der Synode in Fort Wahne im
Jahre 1908 zum Vorsitzer der Allgemeinen Aufsichtsbehörde er⸗
wählt wurde. Unsere Colleges und Seminare, überhaupt alles,
was unter uns auf dem Gebiete des höheren Unterrichtswesens
unternommen wurde, zum Beispiel auch Hochschulen wie das
hiesige Walther⸗College, hatten früh sein reges Interesse ange⸗

zogen. Die Liebe zu unsern höheren Schulen bewog ihn schließ⸗

lich, das von der Synode geschaffene Amt anzunehmen, während
er erst davor zurückgeschreckt war, teils wegen der großen Schwie⸗
rigkeiten, die der Träger dieses Amtes werde zu überwinden
haben, teils wegen der vermehrten Arbeitslast, die ihm zu seiner
Arbeit an einer großen zweisprachigen Stadtgemeinde damit auf⸗
erlegt wurde. Sechs Jahre durfte er in diesem Amte dienen,
obwohl seine Kräfte zuletzt fast versagen wollten. Leid tat es
ihm immer, wenn er aus Rücksicht auf das Gemeinwohl oder aus
Mangel an Mitteln eine Bitte abschlagen mußte. In diesem
Amte sowie schon früher einmal als Glied unsers Direktoriums
zu einer Zeit, als unser Verlagsgeschäft sich in einer kritischen

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