Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 26 › Seite 415
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Dezember 1914, Seite 415
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner70_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
S Ner utheranet
415
Spiegel. Vor dem Schrein war ein hölzernes Geländer. Da⸗
hinter steht oder sitzt der Brahmine und davor die Besucher des
Tempels, wenn der Priester an festlichen Gelegenheiten opfert.
In der Ecke neben dem Schrein stand ein Frauenbildnis, wohl
eine Göttin. ö ö
„Von diesem kleinen Tempel sind wir weitergegangen und
haben ein Haus betreten, in dem morgen der Göttin der
Gelehrsamkeit als an ihrem Festtage geopfert werden soll. Der
Schrein sah ungefähr aus wie der andere, hat etwas AÄhnlich⸗
keit mit dem oberen Teil einer cabinet-Orgel. Er war aber
nicht so schmutzig wie der erste und war mit allerlei buntem
Glanzpapier beklebt, wie es die Eingebornen eben für schön
halten. Heute abend, am Vorabend des Festes, findet auch eine
Feier statt. Jetzt wird gerade auch irgendwo getrommelt,
wahrscheinlich vor einem Götzentempel. Gott erbarme sich der
armen Heiden und mache uns recht dankbar für das Evange⸗
lium von Christo und eifrig in seinem Dienst!“
——— —
Zur kirchlichen Chronik.
Einführung in Springfield, Ill. Am Abend des 1. Dezem⸗
ber wurden P. Richard D. Biedermann als Präses und
Professor des praktisch⸗theologischen Predigerseminars zu Spring⸗
field, Ill., und P. Theodor Engelder als Professor an ge⸗
nannter Anstalt durch den Unterzeichneten in ihr Amt eingeführt.
Der Ansprache lagen die Worte St. Pauli 1 Tim. 6, 20. 21 zu⸗
grunde. Gott setze in Gnaden beide Männer unserer teuren
Prophetenschule zum Segen! Friedr. Brand.
Ihr siebzigjähriges Schuljubiläum feierte die Immanuels⸗
gemeinde zu St. Louis am 24. Sonntag nach Trinitatis. Es
war in der Tat ein großes Freuden⸗ und Dankfest. Von überall
her hatten sich frühere Schüler eingefunden, nicht nur aus
St. Louis, sondern auch aus der Nachbarschaft: Greise und
Greisinnen, Junge und Alte, ganze Familien mit ihren Kindern.
Haben doch gegen 3000 Personen in den verflossenen siebzig
Jahren diese Schule besucht und den Sünderheiland kennen ge⸗
lernt. Da gab es in der Tat ein freudiges Wiedersehen und
Händeschütteln zwischen alten Bekannten und Unbekannten. Am
Vormittag predigte P. W. Behrens von Chester, Ill., und nach⸗
mittags die Pastoren A. P. Feddersen von St. Louis und A. Merz
von East St, Louis. Alle drei Prediger hielten herrliche Pre⸗
digten über die hohe Wichtigkeit und den großen Segen einer
lutherischen Gemeindeschule. G. F. Wangerin jun. leitete den
Altardienst. Alle vier waren frühere Schüler der Immanuels⸗
schule. — „Der HErr hat Großes an uns getan, des sind wir
fröhlich.“ G. B. W.
Mit dem neuen Jahrgang des „Lutheraner“ wird gemäß
Synodalbeschlusses die Vergrößerung unserer Zeitschrift von sech⸗
zehn auf zwanzig Seiten eintreten. Ein Hauptgrund‚, der für
diese Erhöhung der Seitenzahl geltend gemacht wurde, ist der
Wunsch, mehr Raum für Neuigkeiten aus unsern Mis⸗
sionen zu gewinnen. Indem nun unsere Synode diesem Be⸗
dürfnis Rechnung trägt, macht sie es allerdings unsern Missions⸗
behörden, vor allem auch unsern Missionaren und Reisepredigern,
zur Pflicht, für Nachrichten aus der Tätigkeit auf den Missions⸗
feldern unserer Kirche zu sorgen. Es ergeht daher nochmals an
die Vorsitzer unserer Missionskommissionen sowie an unsere Mis⸗
sionare die Aufforderung, aus der Arbeit, die in der Inneren wie
auch in der Äußeren Mission auf den verschiedenen Gebieten
getan wird, Berichte an den „Lutheraner“ einzuschicken. Gerade
aus unserer wichtigsten Mission, aus unserer Inneren Mission,
sind die Berichte bisher sehr spärlich eingelaufen. Wir wissen,
daß unsere Leser dankbar sind für diese Missionsnachrichten, be⸗
sonders auch für das, was ihnen aus dem Wirken unserer Mis⸗
sionare, aus deren Erfahrungen in ihrer Berufsarbeit, erzählt
wird. Es sind solche Berichte ein Mittel, rechte Liebe und Eifer
unter unsern Christen für das Werk der Mission zu erwecken. —
Auch andern Wünschen unserer Leser in bezug auf den Inhalt des
„Lutheraner“ wollen wir, soweit das möglich ist, nachkommen.
Auf vielfach geäußerten Wunsch sollen im neuen Jahrgang
einige Abschnitte aus dem Referat über die rechte Laien⸗
bewegung, das D. Pieper im Jahre 1913 vor der Jahres⸗
versammlung des Süd⸗Illinois⸗Distrikts vortrug, zum Abdruck
kommen. Mit einer Arbeit zur Widerlegung der Irrlehren des
„Pastor“ Russell ist einer unserer Pastoren beauftragt
worden. Gemeinden in Gegenden, die von den Sendboten
Russells heimgesucht worden sind, sollten unter ihren Gliedern
besonders in Anbetracht dieser wichtigen Artikelreihe fleißig neue
Leser für den „Lutheraner“ sammeln. Ferner werden alle
Lehranstalten unserer Synode, so Gott will, im nächsten
Jahrgang unseres Blattes in Wort und Bild erscheinen. So, wie
sich Raum dafür findet, sollen auch die „Kriegsbilder“
fortgesetzt werden. — Besonders möchten wir an dieser Stelle
noch einmal darauf aufmerksam machen, daß unser englisches
Synodalorgan, der Lutheran PNitness, vom Januar 1915 an in
verdoppelter Seitenzahl, also mit 16 statt 8 Seiten, erscheinen
wird, ohne daß der Preis, §1.00 jährlich, erhöht wird. Die
Geschäftsadresse des Witness ist dieselbe wie die des „Luthe⸗
raner“. ö G.
Einen gottlosen Spott anläßlich des Krieges erlaubte sich
ein englisches Tageblatt in St. Louis. Es berichtete, daß das
deutsche Volk auf die Ermahnung seines Kaisers hin zu Gott
um Sieg bete. Weil aber auch die Gegner Deutschlands mit
demselben Anliegen vor Gott kämen, so sei dadurch eine schwie⸗
rige Sachlage geschaffen. Gott werde nicht umhinkönnen, sich
„streng neutral“ zu verhalten. Das ist, wie gesagt, gottloser
Spott. Gott ist nicht ein Mensch. Menschen mögen im un⸗
klaren darüber bleiben, wen die Schuld des Krieges treffe, zu⸗
mal, wie in allen Kriegen, so sonderlich auch in diesem Kriege
viel mit den Waffen der Unwahrheit und Lüge gekämpft wird.
Aber dem allwissenden Gott ist die Sachlage völlig klar. Er
weiß ganz genau, welche Seite ehrlich bestrebt war, den Krieg
abzuwenden, und welche Seite bei allem Reden vom Frieden
dennoch den Krieg wollte. Den Blutgierigen und Falschen aber,
die den Krieg suchen, ist Gott feind. Wer das Schwert nimmt,
soll durch das Schwert umkommen. Dies Wort hält Luther
immer wieder den Fürsten und Völkern vor, die den Krieg suchen
und damit ihren früher oder später eintretenden Untergang her⸗
beiführen. Dagegen ist Gott ein Liebhaber auch des bürger⸗
lichen Friedens, und wir dürfen getrost mit unserm Gebet auf
die Seite des bürgerlich Friedfertigen treten. Es ist uns die
Frage vorgelegt worden, ob die Christen unsers Landes in ihrem
Gebet „neutral“ sein müßten oder in ihrem Gebet auch auf die
eine oder andere Seite treten könnten. Darauf ist unsere Ant⸗
wort: Wer erkannt hat, welche Seite die friedfertige war, mag
in seiner Fürbitte auch den Namen des Friedfertigen einfügen.
Wer aber in der Sache ungewiß ist, bete ohne Namennennung
schlechthin für den Friedfertigen. Vor allen Dingen aber wollen
wir nicht vergessen, daß es nach der Schrift Christenpflicht ist,
für alle Menschen ohne Ausnahme mit Gebet und
Fürbitte einzutreten, wie der Apostel schreibt: „So ermahne ich
nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Für⸗
bitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und
für alle Obrigkeit“, 1 Tim. 2,. 1. Auch das Elend derer, die
am Krieg schuld sind und in einen ungerechten Krieg sich hinein⸗
English translation
Not yet translated.