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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. August 1915, Seite 297

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7⁷

Himmel, der hatte tin ewig 4
Evangelium, zu verkiindigen
denen, dit auf Erden sihen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mil groher Stimme:
Lürchter Golt, und gebei
inm dir Chre; denn die Zeit
stines Gerichts ist kommen,
1 und betel an den der gemacht
har Himmel, und Erde, und
Meet, und dit Wasser-
brunnen. Osfsb. Joh. 14, 6.7.

Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.

A
86*2

— 2 —* ·0

Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

71. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 3. August 1915.

Nr. 16.

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Vom Geben für Gottes Reich.

Auszug aus einem Synodalreferat von D. F. Pieper.

3. Der Gehalt der Prediger und Lehrer des Wortes Gottes.

2. Die Lektion für die Prediger und Lehrer.
Pastoren und Lehrer sollen sich ja hüten, daß sie nicht in irdischen
Sinn und Geiz geraten, was dann geschieht, wenn die Ver—
sorgung im Irdischen und der möglichst große Gehalt das eigent—
liche Ziel ihrer Amtstätigkeit ist. Vor diesem schädlichen und
schändlichen Abweg warnt die Heilige Schrift die Lehrer des
Wortes an vielen Stellen. Der Apostel Petrus schreibt: „Weidet
die Herde Christi, so euch befohlen ist, und sehet wohl zu: nicht
gezwungen, sondern williglich; nicht um schändlichen Gewinnes
willen, sondern von Herzensgrund“, 1 Petr. 5, 2. Und der
Apostel Paulus schärft den Pastoren ein: „Kein Kriegsmann
flicht sich in Händel der Nahrung“, 2 Tim. 2, 4. Rechte Kriegs⸗
leute sehen nicht im Fouragieren ihre Lebensaufgabe, sondern
überlassen die Verpflegung dem Kommissariat. So weiden die
Prediger die Herde Christi, die ihnen befohlen ist; das ist
Inhalt und Ziel ihrer Tätigkeit, und dabei haben sie das Zu—
trauen zu Christo, daß er sie auch im Leiblichen versorgen werde,
wenn nicht immer reichlich, so doch notdürftig. Es haben frei—
lich auch in unserer Synode Pastoren in einigen Fällen wirklich
Not gelitten, aber soviel wir wissen, liegt kein Fall vor, daß
ein Pastor unserer Synode verhungert wäre. Ja, wir erwarten
von unsern Pastoren, daß sie, wie der Apostel Paulus, 1 Kor.
9, 12, unter Umständen auch ohne Gehalt predigen. Das werden
nur vorübergehende Zustände sein. Aber durch Wirkung des
Heiligen Geistes soll in uns dieselbe Gesinnung sich finden wie
in dem Apostel Paulus. Es ist ein Teil der Amtstüchtigkeit
eines Pastors, daß er, wenn es sein muß, sein Leben in der
Ausrichtung seines Amtes läßt. So wird er unter Umständen
auch auf einen Gehalt verzichten können. Und vollends wenn
es sich nur um ungebührliche Verkürzung in der leiblichen Ver⸗
sorgung handelt. Es steht allerdings so, daß in den meisten
Fällen die Pastoren unserer Synode nicht nach der göttlichen

Ordnung behandelt werden: „Ein Arbeiter ist seines Lohnes
wert“ und: Die da arbeiten im Wort und in der Lehre, die
halte man „zwiefacher Ehre“ wert. Weltleute schlagen die
Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie hören, bei welchem
geringen Gehalt viele unserer Pastoren ihre ganze Kraft in
Kirche und Schule einsetzen. Weltleute weisen darauf hin, daß
sie für den in vielen unserer Gemeinden üblichen Pastorengehalt
nicht einen „anständigen Clerk“ bekommen könnten. Dennoch
„streiken“ unsere Pastoren nicht. Unter Sektenpastoren ist es
an einigen Orten Sitte geworden, daß sie unions bilden und
„For higher salaries“ streiken. Das tun wir nicht, sondern

wir arbeiten fröhlich weiter, wenn Gemeinden — oder auch
die Synode — an uns nicht ganz das tun, was recht und
billig wäre. Wir denken daran, daß der SErr Christus hier

auf Erden bei seinem Predigen finanziell auch nicht korrekt be⸗
handelt worden ist. Seine Apostel auch nicht. Luther auch
nicht. Luther aber sagt in bezug auf diesen Punkt: „Was
fragen wir danach?“ Unsere Erstattung und Vergeltung im
Himmel wird so groß sein, daß wir uns auch „sehr schelten“ wer⸗
den, daß wir nicht noch mehr erlitten haben. (St. L. II, 1237.)

Vor dem Trachten nach irdischem Gut, sonderlich im Pre—
digtamt, warnt Luther oft und dringend. Er schreibt zum Bei⸗
spiel: „Man sieht an täglicher Erfahrung, was für ein schänd—
lich, verflucht Laster der Geiz ist, und was er für Schaden tut,
sonderlich in hohen Amtern und Ständen, geistlich und weltlich.
Denn wo einem Pfarrherrn oder Prediger der Geizteufel sein
Herz besitzt, daß er nur danach trachtet, wie er auch wie die
andere Welt möge groß Gut für sich bringen, der ist schon dem
Teufel in den Rachen geworfen wie Judas, der Verräter, daß
er Christum mit seinem Wort und seiner Kirche auch dürfte
um eines Guldens willen verraten.“ (St. L. XI, 1319.) Bei
uns Pastoren und Lehrern soll es, wie Luther ebenfalls er⸗
innert, so stehen: „Alles, was wir in dieser Welt tun, das
richten wir miteinander nur zu Gottes Ehre, damit viel Leute
mögen bekehrt und selig werden.“ (St. L. II, 1237.) Gott
schenke und erhalte uns Pastoren und Lehrer von solcher Ge⸗

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