Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 16 › Seite 301

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. August 1915, Seite 301

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Wegzug bei ihrem Ortspastor in bezug auf Land und andere
Verhältnisse erkundigen oder an den Pastor oder Reiseprediger
schreiben möchten, welcher der von ihnen in Aussicht genom—
menen neuen Heimat am nächsten wohnt. Unsere Pastoren
werden ihnen gerne dienen und raten, sie auch an Glaubens—
brüder weisen, von denen sie vorteilhafter Land kaufen können
als von Agenten, die nicht auf das Wohl unserer Leute be—
dacht sind.

In den Synodalverband wurden 8 Gemeinden aufgenom—
men, eine neue Distriktskonferenz in dem Gebiete North Dako⸗
tas, das westlich vom Missouri liegt, wurde gegründet, und
dem Visitator für Montana wurde ein zweiter zugesellt.

Der Ehrw. Allgemeine Präses berichtete über alle Lehr—
anstalten, über alle Missionen, über unser Schulwesen und über
unsere Finanzen.

Das Resultat der Wahl war: Präses: P. T. Hinck; erster
Vizepräses: P. C. H. Lüker; zweiter Vizepräses: P. H. F.
Bügel; Sekretär: P. Emil Ziegler; Kassierer: Herr Paul
Meyer; Visitatoren außer den Vizepräsides: die Pastoren
Vomhof, Hudtloff, Ziegler und Kern; Missionskommission: die
Pastoren J. Clöter, R. Hilgendorf und Herr A. Kressin; Kom⸗
mission für die Unterstützungskasse: die Pastoren Bügel, Hitze—
mann und Herr E. Kastner; Studentenvater: P. H. Vomhof.

Nächstes Jahr versammeln wir uns, will's Gott, bei Hills—
boro, N. Dak. F. Wohlfeil.

— —
— —

Unsere Mission in Südamerika.

6.

Unsere Glaubensgenossen in Brasilien sind in wirtschaft—
licher Hinsicht natürlich durchaus abhängig von den allgemeinen
wirtschaftlichen Zuständen des Landes. Wir wollen daher zu—
nächst auf diese einen Blick werfen.

Die Brasilianische Republik führt in ihrem Wappen den
Wahlspruch: „Ordem e Progresso“, deutsch: „Ordnung und
Fortschritt.“ Gewiß ein schönes Wort! Wohl dem Land, in
welchem auch nach diesem Wort gehandelt wird!

Wie steht es nun in Brasilien mit der Umsetzung dieses
Wortes in die Tat?

Offenbar ist man in den letzten fünfzehn Jahren bestrebt
gewesen, etwas mehr Ordnung im Lande zu schaffen. Ein
gewisser Fortschritt ist unverkennbar. Doch übereilt man sich
mit diesen schönen Dingen nicht. Trotz aller guten Vorsätze
und schönen Wahlsprüche regiert doch die sprichwörtliche pacien-
cia (Geduld). Man kann nicht sagen, daß es Brasilien eilig
hätte, die Länder, welche auf der Höhe unserer Zeit stehen,
und die ihm um viele Jahrzehnte voraus sind, einzuholen.

Eins der Hauptmittel zur Hebung und Belebung von
Handel und Wandel im Lande sind gute Verkehrswege. Was
tut Brasilien für die Verbesserung der Verkehrsmittel?

Der Hauptverkehr wickelt sich an der Küste ab auf dem
Wasserwege. Der zwischenstaatliche Handel ist fast ganz auf
den Schiffsverkehr angewiesen. Erst seit wenig Jahren ist
Porto Alegre, die bedeutendste Stadt des Südens, durch eine
Eisenbahn mit der Hauptstadt des Landes, Rio de Janeiro,
verbunden. Auch im Innern des Landes werden die Fluß⸗
wege viel benutzt. Das Eisenbahnsystem ist noch wenig ent⸗

und Kupfer.

wickelt. Der eine Staat Illinois hat eine größere Meilenzahl
von Schienenwegen aufzuweisen als ganz Brasilien. In Bra⸗
silien fehlen die Zweigbahnen. Die Kolonien liegen zumeist
weit entfernt von den Bahnstationen und Flußhäfen. Auf
weiten Kolonie- und Kampstraßen müssen die Erzeugnisse der
Kolonie an die Verkehrsadern des Landes herangeschafft werden.
Die Fahrstraßen sind mit wenig Ausnahmen in schlechtem Zu—
stand. Besonders in der Regenzeit sind sie oft nicht passierbar.
Die Verbindungswege innerhalb der Kolonien sind vielfach nur
schmale Reitstege. Die Personenbeförderung geschieht daher all—
gemein per Sattel. Jedermann reitet. Auch die Produkte
werden auf dem Maultierrücken zu Markte geführt. In allen
Kolonien trifft man die sogenannten Venden, das sind Ge⸗
schäftshäuser, in welchen die Kolonisten ihre Produkte um—
setzen. Von hier aus werden letztere dann auf Ochsenkarren
und mittelst Mauleselkarawanen weiterbefördert. Der viele
Zwischenhandel und die weite und beschwerliche Verfrachtung
der Waren verkümmern dem Kolonisten ganz bedeutend den
Gewinn seiner Arbeit. So teuer daher auch in den Haupt—
städten des Landes die Koloniewaren sein mögen, der Kolonist
muß sie sehr billig absetzen.

Auch der Bergbau im Lande ist noch wenig entwickelt.
Ganz Brasilien ist reich an Bodenschätzen. Außer den Edel—
mietallen, Gold und Silber, finden sich reiche Lager von Eisen
Auch Kohlen kommen reichlich vor. Es finden
sich auch hier und da im Lande Goldwäschereien und Kohlen—
bergwerke. Sie sind aber nicht von großer Bedeutung. So
befinden sich im Staate Rio Grande do Sul Kohlengruben.
Aber die Fabriken feuern mit Holz, und auch die Eisenbahnen
brannten vor etlichen Jahren Holz oder englische Kohle. Da—
durch, daß sie die Holzfeuerung mit einer hohen Steuer belegt
hat, will die Regierung den Verbrauch der einheimischen Kohle
befördern.

Die Industrie des Landes steckt ebenfalls noch in den
Kinderschuhen. Von der Textil⸗, Holz-, Eisen⸗ und Leder—
industrie ist wohl die erstere die bedeutendste. Die Webereien
des Landes beschäftigen viele tausend Arbeiter. Doch werden
die besseren Kleidungsstoffe aus dem Auslande eingeführt. In
Porto Alegre findet sich auch eine ziemlich bedeutende Möbel—
fabrikation. Auch der reiche Bedarf an Sätteln wird durch
inländische Fabrikation gedeckt. Doch ist trotz der hohen Ein—
fuhrzölle der Bezug ausländischer Industrieerzeugnisse ganz be—
deutend. Eingeführt werden allerlei Webstoffe, besonders die
feineren, Schuhe, Maschinen und Eisenwaren, Musikinstrumente,
Glas- und Porzellanwaren, Chemikalien, Spielzeuge usw.

Die Bearbeitung und Bestellung des Ackerlandes geschieht
noch mit den primitivsten Hilfsmitteln. Die modernen Farm—
maschinen sind in Brasilien unbekannt. Zubereitet wird der

»Boden, nachdem der Wald niedergeschlagen ist, mit der Hacke.

Stellenweise, wo der Boden schon seit vielen Jahren unter
Kultur ist, gebraucht man wohl auch einen altmodischen Pflug.
Eingebracht wird die Saat mit der Hand. Vielfach findet man
auch Handpflanzer im Gebrauch. Das geerntete Getréide wird
ausgeritten. Der Mais wird mit der Hand oder mit einer
Handmaschine geschält. Die Feldfläche, die eine Familie be—
stellen kann, ist natürlich klein. Auf den Kolonien finden sich
fast überall Holzsägereien und Mahlmühlen. Es gibt freilich
auch abgelegene Kolonien, wo der Mais in Mörsern geschroten
werden muß, um zu Brot verbacken zu werden.

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