Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 16 › Seite 298

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. August 1915, Seite 298

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298 W
sinnung! Ohne solche Gesinnung können wir keine rechten In manchen lutherischen Gemeinden hat man in jüngster

Diener Christi sein. Diese Gesinnung sollen freilich unsere Ge⸗
meinden nicht ihrerseits zum Geiz mißbrauchen. Sie sollen
nicht denken: „Unser Pastor ist treu und fleißig und zufrieden
bei seinem geringen Gehalt. Aber er ist so zufrieden und
fromm, daß er uns voraussichtlich nicht davonlaufen wird, wenn
wir ihm hundert oder auch einige hundert Dollars weniger

geben.“ Das heißt die Lektionen der Heiligen Schrift ver⸗
mischen. Für die Pastoren steht da: nicht aus Geiz,

nicht um schändlichen Gewinnes willen. Für die Gemein⸗
den steht da: Die da arbeiten im Wort und in der Lehre, die
halte man zwiefacher Ehre wert. „Ein jeder lern' sein' Lektion,
so wird es wohl im Hause stohn.“

Noch an eins möchte ich nachträglich uns Pastoren und
Lehrer erinnern. Wenn wir auch so treu in unserm Amte
arbeiten, daß uns Menschen das Zeugnis der Treue aus⸗
stellen müssen: vor Gott bekennen wir unser Stümperwerk
im Arbeiten, im Fleiß, im Gebet und in der Fürbitte. Wir
sprechen zu Gott im Hinblick auf unsere Amtstätigkeit: „Gehe
nicht ins Gericht mit deinem Knecht!“ Wenn wir so vor Gott
unser Stümperwerk bekennen und um gnädige Nachsicht bitten
müssen, so geben wir uns in Gott auch damit zufrieden, daß
unsere Gemeinden in bezug auf die Vergeltung unserer Arbeit
nur Stümperwerk an uns tun. Und wie steht's denn? Sind
wir denn unglückliche Leute? Es ist mir oft gesagt worden:
„Es gibt in der ganzen Welt keine glücklicheren Leute als
missourische Pastoren und Lehrer.“ Das stimmt mit meiner
Erfahrung, die ich bei Konferenzen und Synoden gemacht habe.
Durch Gottes Gnade andern treu dienen, sonderlich auch mit
Gottes Wort treu dienen, macht glückliche und fröhliche Leute.
Gerade in bezug auf diesen Punkt sagt der Apostel Paulus
Apost. 20, 35: „Geben ist seliger denn Nehmen.“

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Brotherhoods.

In unsern Gemeinden gibt es allerlei Vereine. Die
meisten Gemeinden haben einen Gesangverein, wohl auch einen
Frauenverein. Dazu kommen noch Jugendvereine, manchmal
als Jünglings⸗ und Jungfrauenvereine getrennt organisiert,
und wo es große Gemeindeschulen gibt, sind mancherorts schon
Vereine früherer Schüler, Alumni Societies, gegründet worden.

Weil nun bereits so mancherlei Vereine für Frauen, Jung⸗
frauen und junge Männer bestehen, so ist man schon auf den
Gedanken gekommen: warum nicht ein Verein für Männer?
Und zwar denkt man da nicht eigentlich an Männervereine,
die einem begrenzten Zweck dienen, wie etwa die Männer⸗
chöre, oder an gesellschaftliche Vereine (Men's Clubs), sondern
an Vereine, zu denen sich die stimmberechtigten Glieder (und
wohl auch andere) zu gemeinschaftlicher kirchlicher Arbeit
organisieren. Man hat solche Vereine in manchen Gemeinden
anderer lutherischen Synoden, und auch in solchen, die Vereine
dieser Art noch nicht unter sich haben, wird manchmal über die
Frage gehandelt, ob es nicht nutzbringend für die Kirche sein
könnte, solche Lutheran Brotherhoods“ zu gründen.

Die Gründe, die auch uns gegen die Gründung von
Männervereinen zu solch allgemein kirchlichen Zwecken zu
sprechen scheinen, wurden vor nicht langer Zeit in der „Luthe⸗
rischen Kirchenzeitung“, wie folgt, ausgeführt:

Zeit, angeregt durch Beispiele in andern Gemeinschaften, so⸗
genannte brotherhoods eingerichtet, das heißt, Vereine zur Ge⸗
selligkeit, Belehrung und sonstiger Tätigkeit für die Männer
allein. Diese Vereine vermehren sich an Zahl und machen sich
schon dadurch bemerkbar; sodann treten sie auch verschiedentlich
in Verbindung miteinander, an einigen Stellen sogar über die
Synodalgrenzen hinaus; und auch das muß die Aufmerksam⸗
keit auf sie lenken. Wir erlauben uns also ein Wort über
diese brotherhoods. ů

Zuerst was den Namen betrifft: Bruderschaften.

Es erfordert keinen besonderen Beweis, daß der Bruder⸗
name in der Kirche allein denen gehört, die mit uns völlig
einig sind im Glauben und Bekenntnis. Die Logen gebrauchen
ein ganz anderes Band, um sich als „Brüder“ miteinander zu
vereinen. So gibt es noch andere, die den Brudernamen in
der einen oder andern Weise, sehr ausgedehnt oder sehr be⸗
schränkt, auf allerlei Verbindungen anwenden. In der Kirche
ist so etwas immer ungehörig, störend und vielleicht irreführend.
Der ist mein Bruder, mit dem ich in voller Kirchengemeinschaft
stehe; andere mögen es in gewissem Sinne, zum Teil mit be⸗
sonderer Beschränkung, sein. Die eigentliche Bruderschaft ist
doch eben die genannte, alle mit mir in kirchlicher Gemein⸗
schaft Stehenden umschließend.

Das Ungehörige bei den brotherhoods ist, daß sie dem
Brudernamen eine andere als die biblisch und kirchlich an⸗
erkannte Bedeutung geben. In den brotherhoods gilt der als
Bruder, der Glied des Vereins ist, und das wegen dieser
Gliedschaft. Die wahre Bruderschaft in der Kirche ruht auf
anderer Basis. Hier verwirrende Benennungen einzuführen,
muß vom übel sein. Will man einen Verein für Männer wie
andere kirchliche Vereine, dann wähle man, wie diese es tun,
einen unanstößigen Namen.

Aber der Name ist nicht das Bedenklichste an dieser Er⸗
scheinung. Der Verein will die Männer der Gemeinde um⸗
schließen, natürlich möglichst alle. Nun bilden gerade diese
aber in einer richtig organisierten Gemeinde die stimmberech⸗
tigten Gemeindeglieder, in deren Händen das ganze Gemeinde⸗
werk liegt. Sie alle also gehören schon zu einer Bruderschaft,
und zwar zu der von Christo gewollten, der allerwichtigsten
und segensreichsten von allen. Jede recht geordnete Gemeinde
hat Versammlungen ihrer stimmberechtigten Glieder, um alles,
was zum Wohl der Gemeinde gehört, zu beraten, zu beschließen
und auszuführen. Da ist auch keine einzige legitime Aufgabe
für die Männer der Gemeinde, die sie, wenn sie wollten, nicht
vollständig erfüllen könnten in ihrem Gemeindeverbande. Wie
kommt man denn trotzdem auf brotherhoods? Wird nicht solch
ein Verein, eben als Verein, der nicht die Versammlung der
Stimmberechtigten ist, eingreifen in das eigentliche Werk der
Gemeinde und da sich manches anmaßen, was ihm als bloßem
Verein nicht zusteht? Wir denken hier zuerst an ganz einfache
Dinge, zum Beispiel Belehrung. Wo gehört die hin? Gerade
in eine Gemeindeversammlung, die danach auch ihre Versamm⸗
lungszeit wählen kann. Wollen aber sonst die brotherhoods
kirchliche Arbeit betreiben, so können sie das nur, indem sie
solche Arbeit der Gemeindeversammlung wegnehmen und sie,
wie es sich nicht gehört, anderswo und anderswie besorgen.
Will man brüderliche Geselligkeit, so kann man auch die haben
in dem bloßen Gemeindeverbande; alles, was nötig ist, ist,

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