Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 16 › Seite 299

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. August 1915, Seite 299

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EWuthranes

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daß die stimmfähigen Glieder die Sache beschließen und in
guter Ordnung und zu geeigneter Zeit ausführen. Besieht
man sich die ganze Sache mit nüchternen Augen, so merkt
man bald, daß in jeder Gemeinde, was die Männer anbetrifft,
der rechte Bruderverband schon längst besteht. Vielleicht hat
man ihn nicht recht gewürdigt und ausgenutzt. Nun, wo das
der Fall ist, da bessere man sich und würdige den Verband der
stimmberechtigten Glieder und fange an, ihn auszunutzen. Das
wäre die richtige Entscheidung, nicht daß man die Vernach⸗
lässigung der Gemeindeversammlung einfach weitergehen läßt
und dann außerhalb derselben und von ihr getrennt manches
vielleicht sonst Versäumte besorgen will.

Noch gefährlicher aber scheint uns die andere Möglichkeit
zu sein, nämlich daß ein solcher Männerverein einer Gemeinde
sich an Dinge macht, die nicht bloß über die Arbeit, die Gott
der HErr einer christlichen Gemeinde zugewiesen hat, hinaus⸗
gehen, sondern auch nicht in vollem Einklang damit stehen.
Da ist einmal die Verfassungsfrage, wozu die Bestimmung über
Gliedschaft in der brotherhood gehört. Sehr leicht kann man
hier die Grenzen ungebührlich ausdehnen und auch solche als
brothers in den Verein aufnehmen, die sonst nicht kommuni⸗
zierende Glieder der Gemeinde sind. Zwar könnte man dieser
Gefahr vorbeugen; aber ob alle dazu geneigt wären, das wäre
noch die Frage. Dasselbe gilt von der Betätigung des Vereins.
Eben als Verein ist er nicht die Gemeinde selbst (das heißt
hier der Verband der stimmberechtigten Glieder). Solch ein
Verein wird sich gewiß in manchen Dingen viel freier fühlen,
als das der Fall ist bei dem Verbande der stimmberechtigten
Glieder, den wir gewöhnlich einfach „die Gemeinde“ nennen.
Wo man zu allerlei Unionismus geneigt ist, da bietet dann
gerade die brotherhood ein ausgesuchtes Mittel und Werkzeug
zu unionistischem Vorgehen. Es verhält sich hier geradeso wie
bei der Lutherliga, die vielfach zu solchen Zwecken mißbraucht
wird. Man denke zum Beispiel an das Zusammengehen der
brotherhoods aus verschiedenen nicht miteinander in Kirchen⸗
gemeinschaft stehenden Synoden zur gemeinsamen Feier des
Reformationsfestes. Wie können die brotherhoods so zusam⸗
mengehen, wenn es doch die Gemeinden als solche nach ihren
biblisch⸗lutherischen Grundsätzen nicht können? Vermöge der
brotherhoods wird eine Vereinigungspropaganda ins Werk ge⸗
setzt, die, wie die der Lutherliga, verkehrter Art ist, eben weil
sie auf unionistischen Grundprinzipien ruht. Gerade hier
könnte noch manches andere angeführt werden. Unsere ein⸗
sichtsvollen Leser werden sech selbst die weiteren Anwendungen
machen können.

Deshalb erheben wir eine warnende Stimme in bezug
auf die brotherhoods. Die ganze Bewegung trägt nicht den
Stempel treuen biblischen Luthertums. In den brotherhoods
besteht zu viel Gefahr, als daß wir sie gutmütig annehmen
sollten. Die Tatsache, daß diese Gefahr sich schon in manchen
Stücken wirklich gezeigt hat, bekräftigt entschieden unser Urteil.

Wir wüßten dieser Ausführung wenig hinzuzusetzen. Ge—
rade wenn solche Vereine glauben, sie tun der Kirche einen
besonderen Dienst, etwa bei der Veranstaltung öffentlicher Ver⸗
sammlungen und Festlichkeiten, sind sie am ehesten in Gefahr,
Verwirrung in die Gemeinden und die Kirche zu bringen. So
wollen eine Anzahl von brotherhoods, die noch dazu verschie—

denen Synoden angehören, eine besondere Feier des Refor⸗
mationsjubiläums im Jahre 1917 abhalten. Jede einsichtige
Person muß erkennen, daß bei den an dieser brotherhood-Feier
interessierten Männern die eigentliche kirchliche Feier dieses
Festes an zweite Stelle rücken wird. Ohne kirchlichen Unionis—
mus geht es auch bei solchen gemeinschaftlichen Veranstaltungen
nicht ab, ja sie sind geradezu Brutstätten der Gleichgültigkeit
in Sachen der Lehre. Der oben angeführte Artikel urteilt ganz
richtig: Es gibt keine Art kirchlicher Arbeit, zu der ein solcher
Verein Beruf hätte, und es gibt kein Stück kirchlicher Arbeit,
das die stimmberechtigten Glieder durch ihren bestehenden Ge⸗
meindeverband nicht in mindestens ebenso zufriedenstellender
Weise verrichten könnten wie die brotherhood'ꝰ. Daß man
überhaupt glaubt, solche Vereine nötig zu haben, liegt teils
in dem Zuge unserer Zeit, die ja für jeden erdenkbaren Zweck,
selbst für Abschaffung öffentlicher Trinkbecher, einen Verein mit
vollem Beamtenstab, Konstitution, Ritual, Banner und Knöpfen
braucht; liegt teils aber auch in dem mangelhaften Gebrauch,
den man von unsern Gemeindeversammlungen macht, um das
Interesse an dem allgemeinen Werk der Kirche zu wecken.
G.

Versammlung des South Dakota⸗Distrikts.

In der gastfreundlichen Gemeinde P. Chr. Wietings in
Delmont, S. Dak., hielt obengenannter Distrikt unserer Synode
vom 9. bis zum 15. Juni seine diesjährigen Sitzungen ab. Es
waren anwesend 53 Pastoren, 5 Lehrer und 36 Deputierte.
Zur Eröffnung predigte der Ehrw. Allgemeine Vizepräses
J. Hilgendorf über 2 Tim. 2, 8. Der Hauptgedanke seiner
Predigt war: „Haltet im Gedächtnis JEsum Christum!“
1. Was dies in sich schließt; 2. daß wir wohl bleiben und
das Feld behalten werden, wenn wir Pauli ernster Mahnung
nachkommen. ö

Die vom Ehrw. Präses verlesene Synodalrede wies hin
auf den jetzt tobenden Völkerkrieg. Er zeigte, daß es in zeit⸗
lichen Kriegen Neutrale geben könne, nicht aber in geistlichen
Kriegen, in den Kriegen des HErrn. Die Menschheit sei ent⸗
setzt über das furchtbare Blutvergießen, über den großen Völker⸗
krieg. Ein Krieg könne aber nie zu Ende kommen: der Krieg
und Kampf zwischen Christus und Belial, Licht und Finsternis.
Zu diesem Kampf würden wir immer wieder aufgefordert.

Der über den Zeitraum von zwei Jahren sich erstreckende
Präsidialbericht ergab für unsern Distrikt eine Zunahme von
8 Pastoren und eine Aufnahme von 5 Gemeinden.

In fünf Vormittagssitzungen hat der liebreiche HErr und
Gott über die versammelten Synodalen gar reichen geistlichen,
himmlischen Segen ausgegossen, vor allem durch das von
Prof. G. Weller mit großem Fleiß ausgearbeitete Referat:
„Unterscheidungslehren der Siebententags-Adventisten und der
lutherischen Kirche.“ Der Referent wies hin auf sechs Haupt⸗
irrtümer dieser Sekte und widerlegte sie mit klaren Schrift⸗
stellen. Die sechs Irrlehren sind: Daß Gott den Sabbat auch
im Neuen Testament zu halten geboten habe; der Chiliasmus
(die falsche Lehre vom tausendjährigen Reich); daß die Seele
nicht unsterblich sei; daß es keine eigentliche Hölle gebe; daß die
Abgabe des Zehnten auch im Neuen Testament geboten sei; daß
es auch im Neuen Testament Speise⸗und Getränkeverbote gebe.

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