Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 16 › Seite 304
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. August 1915, Seite 304
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304
ihre Freude darüber aus, daß sie nun Predigten hören, welche
Christum, den Kern und Stern der Schrift, zum Mittel—
punkt haben.
Dem SErrn, unserm Gott, wollen wir auch diese Sache
seines Reiches anbefehlen und ihn um seinen Segen bitten, daß
das Werk, welches wir in seinem Namen und im Vertrauen
auf seine Hilfe unternommen haben, nicht nur fortbestehen
möge, sondern daß dadurch auch dem Heiland viele Seelen zu—
geführt werden. G. St.
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Zur kirchlichen Chronik.
Naͤch mehr als vierzigjähriger Lehrtätigkeit an unserm Con⸗—
cordia-College zu Fort Wahne, Ind., legte Herr Prof. Aug. Crull
krankheitshalber sein Amt nieder, und die Aufsichtsbehörde sah
sich leider genötigt, die Resignation anzunehmen. Möge Gott
der HErr dem teuren siebzigjährigen Vater in Christo nach sei—
nem langen, mühevollen, treuen Dienst einen gesegneten Feier—
abend bescheren!
Die Aufsichtsbehörde des Concordia⸗
College zu Fort Wayne, Ind.
Unter den vielen Hunderten, die in dem Untergange der
Eastland in Chicago ihren Tod fanden, war auch eine Anzahl
von Gliedern unserer Chicagoer Gemeinden. Die meisten Toten
beklagt P. Bösters Gemeinde, die 26 Glieder, meistens junge
Leute, verloren hat. Andere unserer Gemeinden haben Verluste
von ein bis zwölf Gliedern zu verzeichnen. In der Nähe der
Western Electric-Werke, deren Angestellte jenen Ausflug geplant
hatten, befinden sich einige unserer volkreichsten Gemeinden, und
viele unserer Glieder haben dort Arbeit und Verdienst. Von
denen, die auf dem Schiff waren, als es unistürzte, wissen manche
der Unsrigen, die gerettet wurden, von wunderbarer Bewahrung
zu erzählen. Durch das, was wir Menschen Zufall zu nennen
pflegen, wurden andere noch im letzten Augenblick verhindert, ihren
Fuß auf das Verdeck der Bastland zu setzen. Einem unserer
Pastoren brachte am Abend des Unglückstages ein Gemeinde—
glied eine für seine Verhältnisse ansehnliche Summe mit den
Worten: „Hier, Herr Pastor, das ist ein Dankopfer für gnädige
Bewahrung.“ „Gnädige Bewahrung?“ fragte der Seelsorger,
„wie meinen Sie das?“ „Ja“, sprach das Gemeindeglied, „ich
war auf der Eastland und bin durch Gottes gnädigen Schutz
mit dem Leben davongekommen. Tun Sie dies in die Kasse für
Allgemeine Innere Mission.“ G.
An Landleute, die sich in einer neuen Gegend ansiedeln
wollen, richtet sich Lein Beschluß, der von den Vertretern der Ge—
meinden unsers North Dakota-Distrikts auf der diesjährigen
Synodalversammlung gefaßt wurde. Der Bericht über diese Ver⸗
sammlung, der in vorliegender Nummer unsers Blattes erscheint,
gibt diesen Beschluß in seinem Wortlaut wieder, aber er ist es
wert, daß an dieser Stelle noch besonders die Aufmerksamkeit der
Leser darauf gelenkt wird. Der Beschluß ist eine Bitte, näm⸗
lich die Bitte, daß Farmer, die sich im Nordwesten eine neue Hei—
mat gründen wollen, ehe sie den Landkauf abschließen oder
Pachtung antreten, sich erkundigen, ob an dem Orte das Gottes—
haus einer bekenntnistreuen lutherischen Gemeinde in erreichbarer
Nähe ist. Gar zu oft kommt es vor, daß unsere Gemeindeglieder
sich in Ortschaften ansiedeln, in welchen sie nur sehr selten Ge⸗
legenheit haben, die reine Predigt des Gotteswortes zu hören,
und gar keine Gelegenheit für den christlichen Unterricht ihrer
Kinder. Da nun in Gegenden, in welchen wir Gemeinden haben,
gutes Land vielfach noch zu mäßigem Preis gekauft werden kann,
sollte man doch solchen Gegenden vor andern den Vorzug geben.
Dazu kommit noch ein anderer wichtiger Punkt, der auch in jenem
Beschluß hervorgehoben wird. Es geschieht nämlich leicht, daß
unsere Farmer durch gewissenlose Agenten bei einem Landkauf
schmählich übervorteilt werden. Uns sind zwei Fälle aus aller—
letzter Zeit bekannt, in denen zwei Farmer durch die Vorspiege—
lungen betrügerischer Landagenten bewogen wurden, ihr schönes
Anwesen zu verkaufen und sich in einer ganz neuen Gegend nieder—
zulassen, die aber keineswegs der Beschreibung der Agenten ent—
sprach, so daß die beiden betörten Käufer jetzt in die tiefste Armut
geraten sind. Uns sind andere Fälle bekannt, in denen durch den
treuen Rat eines unserer Pastoren gerade ein solches Unheil ver—
hütet worden ist. Es bitten deshalb die Glieder unsers North
Dakota-Distrikts ihre Brüder in andern Staaten, doch sich des
Rates der Glaubensbrüder zu bedienen, ehe man einen Landkauf
abschließt. Man setze sich also mit Gemeindegliedern oder Pasto—
ren in der Gegend, auf die man sein Augenmerk gerichtet hat,
in Verbindung und erkundige sich nach der Art des Landes, der
Bodenbeschaffenheit, dem Preis usw. Dadurch wird man in vielen
Fällen nicht nur ehrliche Behandlung erfahren, sondern sich auch
die räuberischen Kommissionen sparen, die von gewissenlosen
Agenten gefordert werden. Vor allem wird aber ein solches Ge—
meindeglied schon im voraus erfahren, ob auch ein Gotteshaus
und eine christliche Schule in der Nachbarschaft ist, so daß auch für
sein und seiner Angehörigen Seelenheil gesorgt wird. G.
Versammlung der Waltherliga. Die 23. Nationalversamm—
lung der Waltherliga fand vom 11. bis zum 13. Juli in der Drei—
einigkeitskirche zu Los Angeles, Cal., statt. Schon unterwegs
fanden die jungen Leute in Orange und San Diego eine herzliche
Aufnahme. Im Eröffnungs- und Schlußgottesdienst predigten
die Pastoren Cohner und Kirchner. Beide legten den jungen
Christen die Dankbarkeit für die reine Lehre, die Gott uns ge—
geben hat, und die daraus erwachsende Pflicht, diese Lehre zu
verbreiten, warm ans Herz. Im zweiten Gottesdienst führte der
Vorsitzer der Liga, Lehrer Gotsch, in einer wohldurchdachten An-—
sprache aus, in welcher Weise die Waltherliga ein Segen für die
Gemeinden sein und bleiben könne. Die Kollekten in den beiden
Gottesdiensten wurden der Studentenkasse des California- und
Nevada-Distrikts zugewiesen. — Die wichtigsten Beschlüsse in den
vier Sitzungen der Liga betrafen den „Vereinsboten“, die Her⸗
bergesache in unsern Städten, die Einrichtung einer Vortrags⸗
reihe, verbunden mit Lichtbildervorstellungen, für die verschiedenen
Vereine der Liga und schließlich die Feier des 400jährigen Ge—
dächtnisses der Reformation im Jahre 1917. — Die hiesigen
Gemeinden und Jugendvereine versuchten es den lieben Gästen
so angenehm wie möglich zu machen. Neben einem sehr ge⸗
lungenen Empfangsabend, an welchem außer schönen Gesangs⸗
vorträgen unter Leitung P. Hansens auch das herrliche Nosemite⸗
tal in Lichtbildern vorgeführt wurde, machte die Liga am 14. und
15. Juli Ausflüge auf die Spitze des Mount Lowe und an das
Ufer des Stillen Ozeans. Die schönen Tage dieser ersten Ver—
sammlung der Liga an der Küste des Stillen Meeres werden
Gästen wie Gastgebern unvergeßlich bleiben. ö
ö J. W. Theiß.
„Man muß den Leuten geben, was sie haben wollen.“
Damit entschuldigt sich die tägliche Presse, wenn sie wegen ihrer
Sensationslust angegriffen wird; damit entschuldigt sich die
Theaterleitung, wenn sie ein besonders ekles und rohes Stück
aufführen läßt; damit entschuldigt sich aber auch manch ein
Prediger und manch eine Gemeinde, wenn sie zu allerlei welt—
lichen Mitteln greifen, um das Interesse an kirchlicher Arbeit
wachzuhalten.
folgende zeitgemäße Ausführung: „Die Ansicht scheint obzu—
walten, daß man den Leuten bieten muß, was sie gerne haben
wollen, um sie für die Kirche zu gewinnen oder zurückzugewinnen.
Der Luthieran enthielt darüber vor einiger Zeit
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