Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 19 › Seite 361
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. September 1915, Seite 361
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S er Vutheranessse
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Sonntagvormittag predigte P. Miertschin über das Sonntags⸗
evangelium, und am Nachmittag erfreute uns P. Obenhaus
mit einer Schulpredigt. Die Herren Lehrer trugen zur Ver⸗
schönerung der Gottesdienste mehrere Gesangstücke vor.
Nachdem der herzliche Dank der gastlichen Gemeinde votiert
worden war, schloß mian mit dem Liede 350, V. 8 und 9. Die
Bestimmung der Zeit und des Orts der nächsten Synodalver-
sammlung wurde der Postoak⸗Konferenz überlassen.
E. F. Mörbe.
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Versammlung des Mittleren Distrikts.
Weit über vierhundert Synodalglieder — Pastoren,
Lehrer, Gemeindedeputierte und Gäste — versammelten sich am
4. August zu Cleveland, um den diesjährigen Synodalsitzungen
des Mittleren Distrikts beizuwohnen und sieben Tage lang
unter fleißiger Arbeit die Sachen des Reiches Gottes zu fördern.
Im Eröffnungsgottesdienst predigte Vizepräses J. Miller
über die Kernlehre des Christentums von der Rechtfertigung
aus Gnaden, um Christi willen, ohne des Gesetzes Werke, allein
durch den Glauben und gab so den Grundton an, der in allen
Sitzungen und bei allen Verhandlungen vorherrschte. „Dic,
cur hic!“ (Sage, warum du hier bist!), rief der bisherige
Distriktspräses, P. J. Wefel, in seiner Synodalrede allen An—
wesenden zu und legte ihnen auf Grund dieser lateinischen Worte
gar manche ernste, beherzigenswerte Wahrheit ans Herz.
Die Vormittagssitzungen wurden sämtlich den Lehrver⸗
handlungen gewidmet. P. W. Moll referierte über den Schluß
seiner Thesen, welche „Die römische Lehre von der Kirche und
ihre Widerlegung“ zum Gegenstand hatten. Seine Ausfüh⸗
rungen drehten sich hauptsächlich um das Wesen, die Sichtbarkeit
und Unsichtbarkeit, die Eigenschaften und Kennzeichen der Kirche.
Der demnächst erscheinende Synodalbericht wird diese Aus-
führungen auf Synodalbeschluß ohne Verkürzung enthalten.
Jedem „Lutheraner“-Leser sei dieser Bericht hiermit herzlich
empfohlen.
Aus den sogenannten Geschäftsverhandlungen können nur
einige wenige Gegenstände hervorgehoben werden, da sonst bei
der großen Menge von Synodaldistrikten unsere kirchliche Zeit—
schrift wohl kaum genug Raum darbieten dürfte.
Ein großer Teil der Sitzungszeit wurde auf die Bespre⸗
chung der Missionsarbeit verwendet. Mit tiefem Bedauern ver⸗
nahm der Distrikt, daß die Heidenmission in Indien durch Maß-
regeln, welche das ängstliche Mißtranen der englischen Regierung
anwenden zu müssen glaubt, erschwert wird. Dagegen ermun⸗-
terten die Berichte aus andern Teilen des Auslandes zum
freudigen Dank gegen Gott, der unsere Synode als Werkzeug
zur Ausbreitung seines Reiches in aller Welt gebrauchen will.
In Südamerika nimmt das Werk des SErrn seinen Fortgang,
und ein Missionar aus Neuseeland, P. F. Hassold, war zugegen
und schilderte die dortigen Verhältnisse. Die Innere Mission,
die von der Synode im allgemeinen betrieben wird, fand ge⸗
bührende Berücksichtigung, und jedermann mußte erkennen, daß
besonders im Nordwesten unsers Landes Arbeiter und Geld-
mittel nötig sind, um die begonnene Tätigkeit fortzusetzen und
neue Gebiete in angemessener Weise zu versorgen. Negermission
und fremdsprachige Missionen wurden in herzlichen Reden
befürwortet. Unter anderm aber war es auch gerade die Mission
im Kreise des Distrikts, welche die Aufmerksamkeit der Syno⸗
dalen in Anspruch nahm. Über 59000 wurden für dieselbe
bewilligt. Gott sei Dank, der uns Gelegenheit gibt, die Kollekten
für Missionszwecke zu verdoppeln und zu verdreifachen! Wir
wollen sein Reich ausbreiten, dazu sind wir da.
Und gerade deswegen ist auch die Fortpflanzung des Evan⸗
geliums auf die Kinder und Nachkommen von so hoher Wich—
tigkeit. Die Erhaltung, das Wohl und die Hebung der
Gemeindeschule kam zur Sprache; man erinnerte sich aufs neue
daran, daß unsere Kinderkirchen mit immer größer werdendem
Eifer gehegt und gepflegt werden müssen; der Übergang von
der deutschen in die englische Sprache darf nicht den Verlust
der Gemeindeschule mit sich führen.
Für die Mission, für Gemeinde und Schule sind Arbeiter
nötig, und darum beschäftigte sich der Distrikt auch mit den Be⸗
dürfnissen unserer höheren Lehranstalten, in denen diese Arbeiter
ausgebildet werden. Direktor M. Lücke redete warme Worte
für die Beschickung unsers Gymnasiums mit einer großen Anzahl
von Schülern, die gesonnen sind, sich dem Kirchendienst zu
widmen. Man glaube ja nicht, daß wir jemals zu viele Mis⸗
sionare, Prediger und Lehrer bekommen könnten. Es wurde
auch darauf hingewiesen, daß für solche, die nicht gerade Pastoren
oder Lehrer werden wollen, eine gute, christliche Gymnasial—
bildung von hohem Nutzen sei, und daß sie der Kirche, zu der
solche Männer später gehören werden, zum Vorteil gereiche.
Tüchtige, kenntnisreiche Gemeindeglieder sind in unserer Zeit
ein Segen, der nicht zu hoch geschätzt werden kann.
Interessante Zahlen ergab der Bericht des Kassierers, des
Herrn Paul Wolf. Der Mittlere Distrikt hat in den letzten
zwei Jahren, vom 1. Januar 1913 bis zum 14. Dezember 1914,
für die verschiedenen Kassen der Synode und für wohltätige
Zwecke die schöne Summe von § 192,984.46 aufgebracht.
Da Präses Wefel aus Gesundheitsrücksichten eine Wieder—
erwählung entschieden ablehnte, so sah der Distrikt von ihm ab,
nachdem er ihm den herzlichsten Dank für die treue Arbeit, die
er in seinem Amte getan, abgestattet hatte. Zum Präses wurde
dann P. Wilhelm Moll, zu Vizepräsides die Pastoren Adam
Schmidt und August Lange, zum Sekretär P. P. F. Keller
gewählt. Die Synode gedachte während ihrer Sitzungen ihres
langjährigen, nun selig entschlafenen Gliedes, des Herrn Rektor
G. Schick, Ph. D., und wünschte unter Gebet zu Gott dem teuren
Professor August Crull, der wegen Krankheit sein Amt am Fort
Wayner Gymnasium hatte niederlegen müssen, Kräftigung und
angenehme Tage der Ruhe.
Die Sitzungstage bildeten eine arbeitsvolle, segensreiche
und fröhliche Zeit. Die Gemeindeglieder in Cleveland ließen
es an nichts fehlen und sorgten außerordentlich liebreich für die
Bewirtung und Unterhaltung ihrer Gäste. An einem Abend
war ein Ausflug zu Wasser arrangiert worden, und am Sonn—
tagnachmittag gab eine Autofahrt auf mehr als hundert
Automobilen den Synodalen Gelegenheit, die Parks sowie die
prächtige Umgebung der Stadt in Augenschein zu nehmen. Gott
segne die lieben Gastgeber! Gott segne den Mittleren Distrikt
und die ganze rechtgläubige Kirche zur Ehre seines herrlichen
Naniens! L. D.
—— —
„In der Welt soll allezeit eine heilige christliche Kirche sein,
das ist, ein Häuflein, die da einträchtiglich an dem SErrn
Christo hangen, sein Wort öffentlich bekennen. (Luther.)
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