Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 19 › Seite 366

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. September 1915, Seite 366

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366 S Der 2„Tutheraned S.

Weise an die Unterstützung unserer Missionen erinnert wird,
da der Besuch vieler Missionsfeste durch schlechtes Wetter beein—
trächtigt worden ist. In einem Jahre wie diesem, in dem es
gerade zur Zeit der meisten Missionsfeste sehr viel geregnet hat,
treten die Vorteile eines geordneten Gebens, das nicht an den
Besuch eines bestimmten Gottesdienstes gebunden ist, recht ans
Licht. Angesichts der großen Anforderungen besonders an die
Kasse für Allgemeine Innere Mission sollten aber gerade in diesem
„Regenjahr“ sich viele Christen finden, die, auch ohne daß eine
solche Ordnung in ihrer Gemeinde besteht, durch eine Extragabe
den Ausfall, der durch diese vielen verregneten Feste entstanden
ist, wieder ausgleichen helfen. G.

Daß unsere Gemeindeglieder sich von Glaubensgenossen be—
raten lassen sollten, ehe sie in neue Gegenden ziehen, wird immer
mehr erkannt. Von der Sitzung des Oregon- und Washington⸗
Distrikts wird unserm Blatt geschrieben: „Es wurde von seiten
der Deputierten das Bedauern ausgesprochen, daß unsere Brüder,
die vom Osten nach dem Westen ziehen, in die Hände betrügeri—
scher Landagenten fallen. Möchten doch alle unsere Brüder, wenn
sie eine neue Heimat im fernen Westen suchen, sich an einen un—
serer Pastoren oder an Glaubensbrüder wenden, damit ihnen zu
gutem Land verholfen werden kann! Und möchten doch alle beim
Umziehen sich nur an solchen Plätzen niederlassen, wo Gottes
Wort rein und lauter verkündigt wird.“ Es gibt wohl kaum
einen Ort in den Vereinigten Staaten, er sei noch so ungeeignet
für menschliche Besiedelung, der nicht von irgendeinem Land—
agenten als ein wahres Paradies an Fruchtbarkeit geschildert
wird. Die meisten solcher neuen Ansiedelungen sind derart, daß
unsere Leute dort um ihr sauer erworbenes Gut betrogen werden,
wenn sie sich nicht bei zuverlässigen Leuten Rat holen, ehe der
Pachtkontrakt oder der Kauf abgeschlossen wird. Die besondere
Kunst der Landagenten besteht allerdings darin, gerade dieses zu
verhindern. Man redet so lange und mit solcher Beredsamkeit,
daß ein Mann, der sonst jede Handlung reiflich überlegt und die
Folgen abwiegt, wie hypnotisiert nach seinem Beutel oder check-
book greift und den Kauf „sicher“ macht. Ehe man das tut, heißt
es nun, sich von denen beraten zu lassen, die aus brüderlicher
Liebe solchen Fragéstellern reinen Wein über Art und Beschaffen—
heit des Landes, Preise usw. einschenken werden. Sodann ist es
nicht gerecht gegen die Kirche gehandelt, sich an solchen Orten an—
zusiedeln, die nicht von unsern Reisepredigern bedient werden.
Nicht gerecht; denn wir nehmen an, daß unsere Gemeindeglieder
von den Vorteilen eines Umzugs in neue Gegenden nicht so ge—
blendet sind, daß sie darüber Kirche und Gottes Wort preisgeben
wollen. Sie melden sich also um Bedienung, und das heißt, daß
der nächste Reiseprediger vielleicht viele Meilen reisen muß, um
eine Familie oder zwei mit Predigt und Sakrament zu versorgen.
Daher kommt es, daß in den letzten Jahren die Zahl unserer Pasto—
ren in Canada um 400 Prozent, die Zahl der dortigen Gemeinden
nur um 300 Prozent gewachsen ist. Das bedeutet wiederum eine
sehr starke Erhöhung der Kosten unsers Inneren Missionswerks,
und diese Kosten könnten zum guten Teil erspart, die Kräfte
unserer Reiseprediger besser ausgenützt werden, wenn unsere Chri⸗
sten sich dort ansiedeln würden, wo es schon Kirche und Schule
gibt. Der Beschluß unserer Gemeindevertreter des Oregon- und
Washington-Distrikts ist aller Beachtung wert. G.

Christliche Besonnenheit in dem gegenwärtigen Weltkriege.
Wenn wir auf die Erregung sehen, die infolge des Krieges auch
durch unser Land geht, so ist eine Mahnung am Platze, die christ—
liche Besonnenheit zu bewahren. Der Krieg, und was damit
zusammenhängt, soll uns nicht so in den Vordergrund treten, daß
wir darüber alles andere halb oder ganz vergessen. Freilich ist
der Krieg eine ganz erschreckliche Zuchtrute Gottes, eine gewaltige
Erinnerung an den Zorn des letzten großen Tages und darum

für uns eine Mahnung zur Buße und zum Fliehen in die
Gnadenarme dessen, der jetzt noch durch das Evangelium alle
Mühseligen und Beladenen zu sich ruft. Wir wollen aber darüber
nicht vergessen, daß auch von jedem Todesfall außerhalb des
Krieges das Wort der Schrift gilt: „Das macht dein Zorn,
daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin
müssen. Denn unsere Missetat stellest du vor dich, unsere un⸗
erkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht“, Ps. 90, 7. 8.
Also auch jeder Todesfall außerhalb des Krieges ist gerade wie
jede Tötung im Kriege eine gewaltige Mahnung zur Buße und
zum Glauben an den Heiland, der allein vom Tode erretten kann.
Deshalb legt auch der Psalmist weiter uns das Gebet in den
Mund: „Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß
wir klug werden.“ Wir hören und lesen jetzt viel das Wort:
„War is hell“, der Krieg ist die Hölle. Wenn wir genau reden
wollen, so ist das nicht wahr. Der Krieg mit allen seinen
Schrecken ist noch lange nicht die Hölle. Wohl ist es schrecklich,
wenn ein Verwundeter stundenlang, vielleicht tagelang unver⸗
bunden unter großen Schmerzen und nach einem Trunk Wasser
lechzend auf einem Schlachtfeld liegen geblieben ist. Aber das
ist doch eine Kleinigkeit im Vergleich mit den ewigen Schrecken
und Qualen der Hölle, die der Heiland beschreibt als „das ewige
Feuer, da ihr Wurm nicht stirbt, und ihr Feuer nicht verlischt“,
Mark. 9, 43. 44, und von wo aus der reiche Mann fleht: „Sende
Lazarum, daß er das AÄußerste seines Fingers ins Wasser tauche
und kühle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme“,
Luk. 16, 24. So gilt es, über den Schrecken des Krieges nicht
die Schrecken der wirklichen Hölle zu vergessen, denen wir nur
durch die Buße und den Glauben an das Evangelium entrinnen
können. Und wie fleißig sollen wir Christen sein, im Krieg und
im Frieden das Evangelium zu predigen, um an unserm Teil
auch andere vor den Schrecken der ewigen Hölle zu bewahren.
Gar manche sterbende Krieger sind durch das Evangelium von
dem gekreuzigten Heiland während der zeitlichen „Hölle“ des
Krieges von der ewigen Hölle errettet worden. — Ferner: Unser
Herz wird erschreckt durch die ungeheuren Kriegsverluste. Die
Zahl der Getöteten, abgesehen von den Verwundeten, übersteigt
sicherlich schon eine Million. Man redet und schreibt daher von
unsinniger „Entvölkerung“ der Länder. Aber vergessen wir
darüber nicht, daß die Völker — wir Amerikaner eingeschlossen
— durch das Einkinder- oder Zweikinder- oder Garkeinekinder⸗

System die Bevölkerung des Landes jährlich um viele Millionen

reduzieren. Allein in Amerika sind im letzten Jahr sicherlich
ebenso viele Menschen um ihr Dasein betrogen worden, als bis
jetzt in dem Weltkriege in den Schlachten getötet wurden.
Tatsache wollen wir bei der Entvölkerung, die der Krieg an—
richtet, nicht vergessen. — Wir sind endlich mit Recht erstaunt
über die „Kriegslügen“, sonderlich auch über die Kriegslügen und
Schmähungen, die von den meisten unserer amerikanischen Zei—
tungen willig und schamlos täglich verbreitet werden. Aber was
ist das gegen die Lügen und Schmähungen, die vom antichristi⸗
schen Papsttum, von der ungläubigen Welt und von abgefallenen ö
Protestanten die abgefallenen Protestanten Deutschlands ein⸗
geschlossen — über Gottes Wort und die christliche Kirche unauf⸗
hörlich verbreitet werden! So gehört es zur christlichen Be—

sonnenheit, daß wir den Krieg, und was damit zusammenhängt,

nicht bloß für sich betrachten, sondern in das große Elendsbild
einordnen, das wir im Lichte des Wortes Gottes an der Mensch⸗
heit infolge der Sünde schauen. F. P.

Das Einkind⸗System und seine Folgen.
Züricher Nachrichten“ wird darauf aufmerksam gemacht, daß man
in den Todesanzeigen über französische Gefallene immer und

immer wieder der ergreifenden Wendung „Notre fils unique“,

„Unser einziger Sohn“, begegnet. Das Blatt knüpft daran be⸗

Diese

In den „Neuen

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