Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 19 › Seite 358

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. September 1915, Seite 358

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sich zu den Ungläubigen oder Falschgläubigen geschlagen habe,
so müssen wir ihm sagen, er wird damit nimmer vor Gott be—
stehen, der da will, daß wir sein Wort, und zwar lauter und
rein, unter allen Umständen hören und lernen und aller Falsch—
gläubigen Lehren und Kirchen meiden sollen.

Zwar sollen die Christen auch christbrüderlichen Verkehr
pflegen. Aber das ist nicht der Hauptzweck der Kirche, sondern
daß sie dafür sorge, daß Gottes Wort gelehrt und gehört wird.
Und das ist die rechte Kirche, wo das geschieht. Und das sind
die rechten Christen, die das vor allen Dingen tun und zu
dem Zweck zur Gemeinde gehören und zur Kirche gehen, daß
sie die Gnadenmittel, Wort und Sakrament, haben und ge—
brauchen und andern darbieten und bringen. Wer einen andern
Zweck verfolgt, dessen Gottesdienst ist eitel, der verführt sich
selbst. „Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes
gehest, und komm, daß du hörest! Das ist besser denn der
Narren Opfer“, die zu einem andern Zweck kommen und oft
selbst nicht wissen, daß sie Böses tun. Und das, nämlich das
Hören, kannst du tun, wenn du auch niemand kennst, und dich
niemand kennt. Und wenigstens einer wird dich dann ken—
nen und erkennen und anerkennen, nämlich der, von dem es
heißt, und der selbst gesagt hat: „Der HErr kennet die Seinen;
und: Es trete ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi
nennet“, 2 Tim. 2, 19. Jawohl, kümmere dich nicht so viel
darum, ob die andern es auch redlich und ehrlich mit Gott und
seinem Wort meinen; sorge vielmehr vor allem dafür, daß du
ihm aufrichtig und von ganzem Herzen dienst.

Nun, mein lieber Leser, wir sind auf diese Entschuldigungen
und Ausreden der Leute etwas ausführlich eingegangen, nicht
weil wir meinten, daß sie so viel zu bedeuten hätten, oder weil
wir glaubten, daß sie wirklich den eigentlichen Punkt und Grund
träfen, weswegen Leute, die die Wahrheit der reinen Lehre er—
kannt und gelernt haben, davon abfallen. Das meinen und
glauben wir ganz und gar nicht. Wir sind vielmehr der über—
zeugung, daß der eigentliche Grund bei den allermeisten ein
ganz anderer ist und viel tiefer liegt. Und welches ist denn der?
Es ist Mangel an Gottesfurcht, an wahrem Herzensglauben, an
ungefärbter Liebe zu Christo und seinem Wort. Wir sind der
Überzeugung, daß es nur wenige gibt, die wirklich an der
Wahrheit, die sie im Konfirmandenunterricht unserer Kirche
gelernt haben, irre geworden sind. Die Wahrheit ist zu klar
und der Geist, der sich durch dieselbe bezeugt, zu überzeugend.

Aber die Wahrheit ist vielen zu eng, zu hart, zu streng.
Sie steht ihnen an allen Ecken und Enden im Weg, nach ihres
Herzens Lust und Gefallen zu wandeln und zu leben. Sie
haben die Welt und die Schätze und die Lust dieser Welt lieb—
gewonnen. Das alles ist ihnen lieber als Christus und sein
Wort, teurer als Himmel und Seligkeit. Der irdische Sinn,
der Weltsinn, der immer zuerst fragt: Was bringt es mir ein
für dieses Leben an Geld und Gut, an Ehre und Ansehen, an
Freuden und Genüssen? — diese Dornensaat, Sorgen, Reich—
tum und Wollust dieses Lebens, hat vieler Herzen erfaßt, erfüllt
und überwuchert und den Glauben erstickt. O, und dieses Leben
ist doch so kurz und die Ewigkeit so lang! Und „die Welt ver—
gehet mit ihrer Lust“, und nur „wer den Willen Gottes tut,
bleibet in Ewigkeit“. Das Unkraut wird in Bündlein gebunden
und ins Feuer geworfen werden, das nicht verlischt, sondern
ewig brennt, und nur der Weizen wird in die Scheuern des
ewigen Lebens gesammelt. ö Hst.

California-Concordia⸗College zu Oakland, Cal.

Als im Jahre 1904 der California- und Nevada⸗Distrikt *
unserer Synode gelegentlich seiner zwölften Synodalversamm—
lung ein Kontitee erwählte, das die Notwendigkeit einer Lehr—

anstalt an der Küste des Stillen Ozeans der Allgemeinen Synode 3 ů

bei ihrer nächsten Zusammenkunft ans Herz legen und zugleich 1
die Genehmigung und Unterstützung dieses Werkes von der 4
Allgemeinen Synode erbeten sollte, da war der erste entschiedene 1
Schritt zur Gründung unsers teuren California-Concordia-⸗
College zu Oakland, Cal., getan. Als sich dann zwei Jahre 3
später der California- und Nevada⸗Distrikt wieder versammelte,
und obiges Komitee berichten konnte, daß die Allgemeine 4
Synode, die im Juni 1905 in Detroit, Mich., tagte, „die
Gründung einer solchen Anstalt an der Küste des Stillen Ozeans
genehmigt und empfiehlt, und daß die Synode bereit ist, die
jeweilig nötigen Professoren zu berufen und zu besolden, wenn

die Gemeinden des California- und Nevada Distrikts ein passen.

des Eigentum erwerben und die sonstige Erhaltung der Anstalt
übernehmen“, da wurde im Namen Gottes einstimmig die 4
eigentliche Gründung obengenannter Anstalt vollzogen und
diese vom Distrikt als die seinige übernommen. Nun galt es, 2
in den Gemeinden eifrigst zu sanimeln zum Ankauf eines ge—
wissen in East Oakland gelegenen Grundstücks mit einem alten
Gebäude von dreizehn Zimmern. Und siehe da, bald war
genügend Geld beisammen sowohl zum Ankauf des Eigentums
als auch zur Renovierung des Gebäudes. Die Aufsichtsbehörde 3

wandte sich auch gleich an das damalige Wahlkollegium der 4

Synode mit der Bitte, zur Aufstellung von Kandidaten für die
erste Professur und das damit verbundene Direktorat in der
üblichen Weise aufzufordern. ‚

Inzwischen erfolgte unter zahlreicher Beteiligung die 3
feierliche Einweihung unsers California-Concordia-College am 4
15. Juli 1906, wobei der damalige Ehrw. Allgemeine Vize-

präses, P. C. C. Schmidt von St. Louis, die deutsche und
P. Haserodt von East Oakland die englische Festpredigt hielt,

während der Ehrw. Distriktspräses, P. G. A. Bernthal von
San Francisco, im Namen des dreieinigen Gottes und mit 3
Gebet die Anstalt eröffnete.

Am 19. September 1906 ging der erste Lehr- und Lern⸗
kursus an. Zwar hatte das neugegründete College noch keinen
eigenen Lehrer, da immer wieder Ablehnung des ergangenen
Berufes erfolgt war; aber die Pastoren J. H. Theiß, C. F. 1
Bauer, B. Lange und H. Haserodt ließen sich bereitfinden, den!

Unterricht zu beginnen, bis P. H. Jonas, der damals als

Missionar in Reno, Nev., stand, als Lehrer und Leiter der
Anstalt provisorisch angestellt wurde.

Synode zum ersten Professor der Anstalt berufen. In der
Person P. Wollers, der von der Missionskommission dem College I
gleichsam geliehen wurde, gelang es, für das Jahr 1908—- 1909 f

Prof. H. Jonas die so nötige Aushilfe zur Seite zu stellen, X

nachdem im vorhergehenden Schuljahr Student E. Brandt aus⸗
geholfen hatte. Im Sommer 1909 nahm der Unterzeichnete
den an ihn ergangenen Beruf als Professor und Direktor der!
Anstalt an.

Nicht gering war die Freude, als die ersten Schüler nach

Absolvierung des hiesigen vierjährigen Kursus eins unserer
östlichen Vollgymnasien besuchen durften, um dort sich aufs

Im Mai 1907 wurde
sodann P. H. Jonas von dem Wahlkollegium der Allgemeinen!

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