Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 19 › Seite 368
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. September 1915, Seite 368
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang
368
I AIE
utherane
dann werden wir auch in der internationalen Politik die Rolle
spielen, welche uns von Rechts wegen zukommt.“ Man sieht
also, wohin das mit den menschenfreundlichen Bemühungen des
Papstes treibt. Er will Anerkennung als weltlicher Herrscher.
Nur so mag er hoffen, den Völkern wieder sein geistliches Joch
auf den Nacken zu legen. G.
Wir Christen sehen im Krieg eine Heimsuchung Gottes und
dürfen uns dabei auf das Zeugnis der Heiligen Schrift berufen.
Wir glauben auch, daß wir in dem Eintritt eines neuen Feindes
[Italien! in den Kampf, gerade zu einer Zeit, in der man allen
Grund haben konnte, auf ein allmähliches Ende des Krieges zu
hoffen, eine neue Demütigung Gottes sehen sollen, eine Mahnung,
daß unsere Buße noch nicht ernst genug gewesen ist, und daß wir
noch nicht genug auf das gemerkt haben, was uns Gott im Wetter
der Schlachten predigt. Es wird natürlich Leute genug geben, die
diese Ansicht nicht teilen wollen, und es fällt uns nicht ein, mit
ihnen darüber zu rechten. Aber daß ein Professor der Theologie,
nämlich D. Tröltsch in Heidelberg, in Nr. 15 der „Christlichen
Welt“ unsere, auf die Heilige Schrift gegründete Meinung
„moderne Jeremiaden“ und „eine muffige Pfaffenredensart“
nennt, „die man nicht ernst zu nehmen braucht“ — das ist ein
Skandal. Wie lange wird die Kirche die Ausbildung ihrer Diener
noch solchen Männern überlassen? Ist es nicht die einfache Pflicht
und Schuldigkeit der Kirche, die Ausbildung ihrer Diener selbst in
die Hand zu nehmen? Pfarrer, die nicht Gottes Wort predigen,
sind infolge der Tätigkeit solcher Theologen heute nicht selten
mehr. Auch aus dem Felde kommen immer wieder Klagen dar—
über, daß einzelne Feldprediger patriotische Ansprachen halten,
wo die Zuhörer christliche Predigten erwarten. So lesen wir von
einer Predigt, die auf der Feste „von der Goltz“ vor den Mann—
schaften gehalten wurde; darin heißt es, daß das Reich Gottes
nicht etwa die Kirche sei, denn die sei Menschenwerk, auch nicht
ein jenseitiges Reich, das sich erst am Jüngsten Tag entfaltet,
sondern diese ganze weite Schöpfung und die ganze Welt reinen,
edlen Geisteslebens. „Wie baue ich an einem Reiche Gottes?
Sei du ein guter Deutscher; .. . hilf mit, wie du kannst, daß
wir siegen; hilf mit, daß unser Vaterland wachse und groß
werde.“ Wir meinen, patriotische Ansprachen halten, wo es nötig
erscheint, sei vor allem Pflicht der Offiziere. Vom Pfarrer er—
warten christliche Soldaten das Evangelium, unverkürzt und ohne
Abschwächung. Von anderer Art ist eine Feldpredigt, gehalten
zu Ostern, über die ein hessischer Soldat klagt. Da hieß es:
Gott ist das Vaterland, und das ewige Leben ist ein Leben, das
fortlebt in der Erinnerung usw. Es wäre doch eine selbstver—
ständliche Pflicht der deutschen Kirchenbehörde gewesen, sich die
Leute anzuschauen, denen man Feldpredigerstellen anvertrauen
wollte, ob sie wirklich imstande und willens sind, den Kriegern,
die täglich dem Tode ins Angesicht schauen, das Evangelium vom
Heil, das Christus gebracht hat, zu predigen, ihnen zum Trost und
zur Stärkung. Freilich sitzen in den Kirchenbehörden mancher
deutschen Bundesstaaten selbst wieder Männer, die mit dem
Evangelium JEsu Christi zerfallen sind.
(Freimund, Neuendettelsau.)
Verfolgung von Protestanten in Florida 1565.
Zwar sind die französischen Protestanten des Reformations⸗
jahrhunderts, gewöhnlich Hugenotten genannt, nicht der luthe—
rischen Kirche, sondern der reformierten angehörig gewesen, haben
also auch nicht die Wahrheit des Evangeliums ganz und voll
gehabt. Doch rechnen wir sie mit Recht zu den Blutzeugen evan⸗
gelischer Wahrheit; denn die Lehren, um derentwillen sie von den
griffen zu Lande an.
Papisten mit Feuer, Schwert und Marterbank verfolgt wurden,
waren nicht ihre falschen Ansichten von den Sakramenten, vom
Kirchenregiment usw., sondern eben die Hauptstücke christlicher
Lehre, die Lehre von dem einigen Mittleramt Christi, von der Ge—
rechtigkeit durch den Glauben, vom Priestertum aller Gläubigen
usw., in denen sie durch Gottes Gnade vor Verirrung bewahrt
worden waren. Um dieser evangelischen Wahrheiten willen hat
man sie durch das Morden in der Bartholomäusnacht und später
durch drückende Gesetzgebung ausrotten wollen. Hunderttausende
dieser besten Bürger Frankreichs sind damals nach andern Län—
dern (Holland, Deutschland, England) ausgewandert und haben
dort eine neue Heimat gegründet.
Das schöne Florida ersah sich 1563 der französische Admiral
Coligny (derselbe, der in der Pariser Bluthochzeit am 24. August
1572 ermordet wurde) als eine Zufluchtsstätte für seine verfolgten
Glaubensbrüder. Unter dem Kommando des Jean Ribault, eines
berühmten, tapferen und frommen Hugenotten, sandte er 1564
zwei Schiffe herüber, die eine große Zahl Kolonisten, aus den
besten Familien Frankreichs bestehend, an Bord hatten. Sie lan⸗—
deten zuerst an der Stelle des späteren St. Augustine, entdeckten
den St. Johns⸗Fluß, den sie Jordan nannten, und, von da an der
Küste erst nordwestlich entlang segelnd, fanden sie endlich den
Hafen Port Rohal. Dort bauten sie ein Fort und nannten es
ihrem Könige (Karl IX.) zu Ehren Carolina.
Kaum hörte der blutgierige Philipp II. von Spanien, daß
sich Hugenotten in einem Lande niedergelassen hatten, das er als
sein Eigentum ansah, weil der Papst es ihm geschenkt hatte (1),
da beauftragte er Pedro Melendez de Aviles, das Land wieder in
Besitz zu nehmen und die „Ketzer“ zu vertilgen, die es wagen
lonnten, sein Reich zu entheiligen. Melendez, ebenso bigott wie
sein Herr, nahm den Auftrag mit Freuden entgegen. Mit mehr
als 500 Männern, darunter auch solchen, die ihre Familien bei
sich hatten, auch von Handwerkern und Priestern begleitet, landete
er am 8. September 1565 in dem Hafen, der von dem Heiligen
des Tages den Namen St. Augustine bekam. Bald danach begann
er den Grund zu der Stadt zu legen, die die älteste in den jetzigen
Vereinigten Staaten ist (Jamestown in Virginia wurde erst 1607
gegründet). ö
Kaum hatte Melendez die nötigsten Einrichtungen getroffen,
da sandte er den Hugenotten in Fort Carolina Botschaft, daß er
gekommen wäre, „jede Person zu töten, die nicht Katholik sei“!
Ribault vermutete, der Feind würde ihn von der Seeseite her an—
greifen; er rüstete deshalb seine Schiffe und segelte dem Melendez
entgegen. Da traf ihn ein furchtbarer Sturm; seine Flottille
wurde zerstreut, und alle Schiffe wurden an der Küste zertrümmert.
Mittlerweile waren die Spanier durch die Wälder gedrungen und
Unvorbereitet und überrascht, mußten sich
die zurückgebliebenen Hugenotten ergeben, und nun begann ein echt
spanisches Gemetzel: sämtliche Hugenotten, die im Fort anwesend
waren, einerlei ob Männer oder Frauen, ob Greise oder Säug—
linge, wurden niedergehauen! Kaum war dieses Blutbad vollen⸗
det, da lief die Nachricht ein, daß die schiffbrüchige Mannschaft
von Ribaults Flottille müde und erschöpft am Ufer gefunden wor⸗
den sei. Melendez ließ ihnen sagen, sie möchten kommen „und
seiner Barmherzigkeit vertrauen“. Die Unglücklichen schenkten ihm
Glauben, kamen und — wurden alle erschlagen! Neunhundert
„Ketzer“ wurden so „zur größeren Ehre Gottes und der heiligen
Jungfrau“ elendiglich ermordet. Melendez sagte: „Das geschieht
ihnen nicht als Franzosen, sondern als Lutheranern!“ Das Blut
dieser Hugenotten ist, soweit unsere geschichtliche Kunde reicht, das
erste evangelische Märtyrerblut, das in Amerika vergossen wurde.
Ein Schrei des Entsetzens ging durch ganz Europa, als die
Kunde von dieser Greueltat über den Ozean gelangte; aber der
„allerchristlichste König“ von Frankreich rührte auch nicht einen
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