Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 19 › Seite 370

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. September 1915, Seite 370

357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

370 S S

Er „Vutheransess

antwortung ablegen zu müssen über mein ganzes Leben, alle
Taten, alle Gedanken — eine Erwägung voll namenlosen
Grauens. Dann erwachte wieder die Sorge um die mir anver—
traute Mannschaft, die Aufstellung der Batterie, die überwachung
des Schießens, kurz, ein sprunghaftes Durcheinander aller mög—
lichen Gedanken, so daß es der ganzen Selbstbeherrschung bedurfte,
um kalt und ruhig zu bleiben, bis schließlich körperliche und
geistige Erschöpfung eintrat, die eine apathische Gleichgültigkeit —
zugleich ein vollständiges Ergeben in Gottes Willen — im Ge—
folge hatte.

Auch ich verfolge mit dem größten Interesse die Vorgänge
bei diesem ungeheuren Krieg, diesem größten weltgeschichtlichen
Drama, wie Sie es nannten, und bin stolz darauf, ein — wenn
auch nur in bescheidener Art — Mithandelnder sein zu dürfen.
Wer weiß, wie lange!

In der gegenwärtigen Lage fühlt man sich ganz und gar
in Gottes Hand gegeben und lernt die Wahrheit des Bibelwortes
erkennen: „Nicht wie ich, wie du willst, o HErr! Wer kann
deine Wege ermessen?“ Und erlebt und erkannt habe ich's aufs
deutlichste, wie der Mensch jeden Augenblick, der ihm noch ge—
schenkt ist, dazu benutzen soll, Gottes Gnade und Allbarmherzigkeit
im innigsten Gebete für sich und seine Mitmenschen zu erflehen,
denn jeder Augenblick kann ihn vor den Stuhl des höchsten Richters
führen.

Verzeihen Sie, sehr geehrter Herr Pfarrer, auch diese meine
Worte und Ausführungen, aber ich betrachte mich als eines Ihrer
Pfarrkinder, das seine eigenen schweren Gedanken gegenüber
seinem Seelsorger, dem sein vollstes Vertrauen gehört, aussprechen
möchte.

Einen eigenartigen Gottesdienst im Felde
schildert ein Kriegsfreiwilliger in der „Tägl. Rundschau“:

Nach unserm Mittagessen fegten wir die Stube, wischten den
Staub und brachten alles in Ordnung, um den Raum ein wenig
sonntäglicher zu gestalten. Ein Kamerad schlug vor, Gottesdienst
abzuhalten. Keiner widersprach. Wir sangen zunächst, als
alles versammelt war, das Lied „IEsu, geh voran“. Zunächst
hatten nur einige das Haupt entblößt; aber bald nach den ersten
Klängen des Chorals sah man, wie einer nach dem andern die
Feldmütze abnahm, die Hände falteten sich unwillkürlich, und
man fühlte, wie eindrucksvoll das Lied auf jeden wirkte. Kamerad
G. las das Evangelium des Sonntags vor, dazu eine Predigt
aus einem Sonntagsblatt. Keiner störte durch irgend etwas die
andächtige Stimmung, in die alle versetzt waren. Aus rechter
überzeugung sangen wir dann zum Schluß das Loblied „Großer
Gott, wir loben dich“. Wäre solch ein Gottesdienst wohl möglich
gewesen auf einer Mannschaftsstube in der Kaserne?

Mich hat wohl selten ein Gottesdienst in der Kirche tiefer
ergriffen als dieser schlichte im Kameradenkreise.

Das ist der Krieg!

Aus einem Feldpostbrief: Wir traten aus dem Walde;
durch die letzten Bäume und Sträucher sahen wir rote Glut.
Das ganze Dorf in Flammen; der Kirchturm lodert, die Flammen
schlagen fast um seine Höhe hoch empor. überall Schreien, Kom-
mandos, Parolerufe, Knattern und Knistern; kurz, man glaubt,
die Hölle auf Erden zu sehen. Rechts und links von uns tote
Pferde, dazwischen gefallene Helden, hier ein Gewehr, dort ein
Helm, ein zerbrochenes Bajonett, da ein franzosisches Käppi. Wir
sehen sechs deutsche Kameraden tot zu beiden Seiten des Weges
liegen. Hier die Toten, die Ruhe, da das Prasseln des Feuers,
das Rufen der Verwundeten, das Brüllen des halbverbrannten
Viehes und weit von uns das Knattern der Gewehre, Schlachten—
gebrüll, auffordernd zu neuer Vernichtung. Ist das der Krieg?
Das war etwas viel für unsere Nerven gleich beim erstenmal.

Mit neuem Eifer gaben wir uns die Nacht durch an die

Arbeit. Ich hab's nie wieder so erlebt, wo wir sechs uns fast
völlig fremden Menschen uns eins fühlten, einen Gedanken
und ein Gefühl hatten: Das war der Krieg, so ist er! Fluch
jenen, die ihn heraufbeschworen haben! (Wartburg.)

Der letzte Gruß. ö
Ein einfacher Arbeiter, der bei Soissons fiel, schickte an seine 3
Frau folgenden letzten Kartengruß: x
„Liebes Muttchen, es sind dies die letzten Zeilen an Euch
drei Lieben. Wir stürmen um 12 Uhr. Ich gehe dem sicheren
Tode fürs Vaterland entgegen. Seid alle nochmals herzlich ge⸗ E
grüßt. Ihr werdet auch ohne mich leben müssen. Gräme Dich
nicht zu sehr, denn Du mußt unsere Kinder versorgen. Es geht
Dir nicht allein so. Wenn Dich diese Karte erreicht, bin ich tot.
Nochmals die letzten Grüße. Euer Papchen. Gruß an alle
andern. Wir sehen uns beide oben wieder.“
Seine Ahnung betrog ihn nicht. Er fiel bei dem Sturn⸗
angriff.

Neue Drucksachen.

Jahres 1915. 3. South Dakota⸗Di⸗

Concordia Publishing House, St. Louis

Synodalberichte des
strikt. 80 Seiten.

Mo. Preis: 15 Cts.

Der South Dakota-Distrikt unserer Synode hat in dieser seiner
siebenten Versammlung abermals eine falschgläubige Kirchengemeinschaft,
richtiger sagen wir Sekte, aufs Korn genommen. Der Referent, Prof.
G. Weller in Seward, Nebr., hat nämlich in einem ganz trefflichen Re⸗
ferate die Geschichte und die vorzüglichsten Sonderlehren der Siebenten-
tags⸗Adventisten beleuchtet.
schlagend, daß ein aufrichtiger, ehrlicher Bibelleser, der nicht alle neu⸗
testamentlichen Gottesworte durch eine Schwärmerbrille anschaut, die er
durchaus nicht von der Nase nehmen will, sich ihr gefangen geben muß.
Gemeinden, die durch benachbarte Siebententags-Adventisten beunruhigt
und gestört werden, haben in diesem Synodalbericht eine gute Wehr und 1
Waffen wider sie; und jeder Christ kann hier die biblische Lehre vom
Sonntag lernen. K.

Die Verleger machen höflichst darauf aufmerksam, daß alle — auch

5

alte — Abonnenten für das Jahr 1915/16 neu zu abonnieren gebeten

werden müssen, falls sie regelmäßige Zusendung der Berichte wünschen. 13

Vorläufig wird eine überzahl gedruckt, aber bald muß die Auflage in

Einklang mit der dann bestehenden Abonnentenliste gebracht werden
CONCORDIA PCBIISHINO HOusx.

Ordinationen und Einführungen.

Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden ordiniert:
Am 11. Sonnt. n. Trin.: Die Kandidaten H. Fickenscher und
E. Witte in der Dreifaltigkeitskirche zu Buffalo, N. Y., unter Assistenz
der PP. Sieck, Walker, Müller, Klahold und Holls von P. A. Senne. —
Kand. M. Hübner in der Kirche zu Town Sherman, Wis., von P. E.
Hübner.
Am 12. Sonnt. n. Trin.:
ton, Okla., von P.
Am 13. Sonnt. n. Trin.:
hanniskirche zu Eagle Lake, Ill.,
Piehler. — Kand. O. Schultz in der St.
Jowa, unter Assistenz P. Hinrichs' von P. O. Kitzmann. — Kand. A. W.
H. Wolter in der Kirche zu Arlington, Nebr., von P. G. W. Wolter.
Am 14. Sonnt. u. Trin.: Kand. E. Dierker in der Kirche zu 3
Sweet Springs, Mo., unter Assistenz Prof. Schallers von P. C. Bernthal.

Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden ordiniert

und eingeführt:

Am 11. Sonnt. n. Trin.: Kand. A. Behnke (nicht A. Böhnke, wie !
auf Seite 351) in seiner Gemeinde zu Streeter, N. Dak., von P. H. CE.
Vomhof. ö
Am 18. August: Kand. H. Juneau in seiner Gemeinde zu Berg⸗
land, Mich., von P. H. Sieck. ö
Am 12. Sonnt. n. Trin.: Kand. O. Pooker in der Zionsgemeinde;

zu Diggins, Mo., von P. E. Recknagel. —
Am 13. Sonnt. n. Trin.: Kand. W. Bredehöft in seiner Ge⸗
meinde zu Broken Arrow, Okla., von P. A. Kühnert. — Kand. L. Dorn⸗

Kand. P. Hoyer in der Kirche zu Hin⸗
J. H. F. Hoyer.

Kand. M. Piehler in der St. Jo⸗
unter Assistenz P. Riedels von P. R.

Die Widerlegung dieser Irrlehren ist so 3

Johanniskirche bei Victor, 4

English translation

Not yet translated.