Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 2 › Seite 26
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Januar 1916, Seite 26
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digt und durch Privatgespräch, und sie werden ein warmes Herz
und eine offene Hand für dieselben haben, das habe ich aufs neue
bestätigt gefunden in einer den Kleinglauben beschämenden Weise.
In den fünfzehn Gemeinden und von zwölf Personen aus andern
Gemeinden sind §12,400 unterschrieben worden. An einer andern
Stelle wird die Liste mitgeteilt; doch ist aus jeder Gemeinde noch
ein Nachtrag zu erwarten, auch hatten schon etliche Gemeinden
vorher für unsern Neubau kollektiert, und diese Summen sind
nicht mitgerechnet. Es haben 132 Personen §25 bis 540, 60 §50
und 10 §75 bis 5500 gezeichnet. Etliche Male ist es vorgekom⸗
men, daß Leute ihre Unterschrift, nachdem sie die Predigt gehört
hatten, noch verdoppelt haben. Auch Witwen haben reichlich bei—
gesteuert; mehrere hundert Dollars habe ich von solchen erhalten.
Das meiste — nach seinem Vermögen — steuerte wohl ein armer
Mann bei, der von andern unterstützt wird, aber doch auch sein
Scherflein von selbst nach der Predigt brachte. Es sollte wohl
noch erwähnt werden, daß die Kornernte in Jowa letztes Jahr
schlechter ausgefallen ist als wohl je zuvor. Aber mancher liebe
Christ sagte: „Was ich für das Reich Gottes gebe, das macht mich
nicht arm.“ Eine Frau ermunterte ihren Mann, statt §25 850
zu zeichnen, und sagte: „Wir haben viel Ursache, dem HErrn zu
danken.“ Alle Pastoren haben mit Eifer sich der Angelegenheit
angenommen, haben aber auch sämtlich gesagt, daß für ihre Ge⸗
meinden ein Segen durch die Kollekte gestiftet worden sei.
Theo. Bünger.
Ein schönes Bekenntnis ist es, das der kürzlich verstorbene,
besonders durch seine „Keuschheitsbücher“ bekannte Dr. Stall, als
„an theologische Studenten und an jedermann“ gerichtet, hinter⸗
lassen hat. Die Botschaft lautet: „An die Studenten des theo—
logischen Seminars in Gettysburg und an alle andern: Ich habe
nun das Ende der Reise erreicht, auf welcher ihr eben die ersten
Schritte tut. Ich habe eine Botschaft an euch, nämlich wie wichtig
es sei, daß man die Heilige Schrift von einem Deckel zum andern
ganz und voll und unbedingt als das vom Heiligen Geiste ein⸗
gegebene und untrügliche Wort Gottes annehme. Wenn ihr es
nicht als solches annehmen könnt, das laßt mich euch sagen, dann
habt ihr überhaupt nichts zu verkündigen, und ihr solltet nie ins
Predigtamt treten. Predigt IEsum Christum, den Gekreuzigten,
als die einzige Hoffnung für den Sünder und als den einzigen
Heiland einer verlornen und dem Verderben verfallenen Welt.
Lebt und dient Gott und dem Mitmenschen. Möge der Gott aller
Gnade euch reichlich segnen und beglücken!“ Allerdings, wer in
der Kirche, die eben Gottes und Christi Kirche ist, nicht Gottes
Wort und Christum, den Heiland, predigen will, der hat in der
Kirche überhaupt nichts zu predigen, ja überhanpt nichts zu suchen,
sondern soll erst durch Buße und Glauben ein Glied der Kirche
werden. Das Predigtamt wie alle geistlichen Gaben, Segnungen
und Ordnungen hat Christus seiner Kirche, seinen an ihn und
sein Wort glaubenden Christen, gegeben. Wer aber wirklich die
ganze Heilige Schrift von Deckel zu Deckel für Gottes eigenes,
untrügliches Wort hält, der wird es mit Gottes Wort auch ernst
nehmen und es in allen Artikeln ganz und rein lehren. Und
wer wirklich Christum, den Gekreuzigten, als einzigen Heiland
der Welt und einzige Rettung für den Sünder predigt, der soll
dann auch ja alle andere Hoffnung und alle andern Heilande aus⸗
scheiden, nichts nebenbei lehren, wodurch des Menschen Verderben
verkleinert und Christi Heilandsehre geschmälert wird, nichts, was
irgendwie dahin zielt, daß des Menschen Seligkeit nicht allein von
Gottes Gnade und Christi Verdienst abhängt, sondern auch, einer—
lei in welcher Weise, vom Tun und Lassen des Menschen selbst.
Unnötige Wichtigtuerei. Eine presbyterianische Gemeinde
in Kansas City. Mo., legte ihrem Presbyterium die Frage vor,
ob man im heiligen Abendmahl auch gesäuertes Brot gebrauchen
dürfe. Darauf faßte das Presbyterium diesen Beschluß: „Da
das Presbyterium dafürhält, daß die Heilige Schrift den Gebrauch
ungesäuerten Brotes vorschreibt und glaubt, daß der Gebrauch
irgendeiner andern Art Brotes ein Verstoß gegen die ursprüng⸗
liche göttliche Einsetzung wäre und die beabsichtigte Bedeutung
(symbolism) zerstören würde, so sei beschlossen, daß wir allen
unsern Kirchen empfehlen, sich über diesen wichtigen Gegenstand
zu belehren, und alle Kirchenräte (sessions) auffordern, darauf
zu sehen, daß der ursprüngliche Gebrauch und Absicht bei der
Feier des Sakraments gewahrt bleibe.“ Der Lutheran hängt die
Frage an: „Wie steht es denn aber mit dem ungegornen Trauben⸗
saft oder dem Einzelkelch, da der gesegnete Wein ausgeteilt wird
in kleinen Gläsern, die an Schnapsgläser erinnern? Das sind
doch noch ärgere Verletzungen der göttlichen Einsetzung.“ — Was
die irdischen Elemente, Brot und Wein, anlangt, so ist uns das
gar nicht die Hauptsache beim Sakrament. Zwar sie sollen da
sein und gebraucht werden, wie Christus befohlen hat. Aber es
hat niemand ein Recht, mehr zu fordern und vorzuschreiben, als
Christus geordnet hat. Von ihm heißt es: „Er nahm das Brot“
und hernach: „Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch.“
Und wie er selbst sagt (Matth. 26, 29 und Luk. 22, 18), war in
dem Kelch Wein, „ein Gewächs des Weinstocks“. Man gebrauche
also das, wovon man vor Gott und Menschen sagen kann, das ist
Brot und Wein, dann ist man in dem Stück auf richtigen, sicheren
Wegen. Vom Brot sagt unser alter Dietrichscher Katechismus:
„So es nur aus Mehl und Wasser gebacken ist, dann kommt nichts
darauf an, ob es gesäuertes oder ungesäuertes, ob es Weizen⸗
oder Roggenbrot oder Brot aus anderm Getreide, ob es rund oder
länglich oder viereckig oder von welcher andern Form es sei. Denn
Christus hat weder die eine Art Brot verboten noch die andere
Art geboten. Es ist daher dies alles in die christliche Freiheit
gestellt.“ Und vom Wein: „Wie wahrhaftiges und natürliches
Brot, so ist auch wahrhaftiger und natürlicher Wein zu gebrauchen,
der ein Gewächs des Weinstocks und aus Trauben gepreßt ist.“
Nur die Mahnung ist ani Platz, daß nichts gebraucht wird, wobei
begründete Zweifel sein können, ob es wirklich Brot und Wein ist.
Und die andere: „daß nicht mit Ärgernis der Schwachen eine
Neuerung vorgenommen werde“. — Viel wichtiger als die Frage
nach dem irdischen Element ist uns die Frage nach dem da ge—
gebenen himmlischen Gut: Christi Leib und Blut und damit der
Versiegelung der Vergebung der Sünden. Da berührt es doch
sonderbar, daß solche Leute mit dem irdischen Element so wichtig
tun, über Gottes Anordnung hinausgehen, die es gar nicht genau
nehmen mit dem ungleich wichtigeren geistlichen Gut: dem Wort,
das bei solchem leiblichen Essen und Trinken ist, dem Leib und
Blut Christi, das nach Christi Verheißung mit dem Brot und
Wein dargereicht wird, und der Vergebung der Sünden, die durch
Darreichung des Kaufpreises der Vergebung, des Leibes und
Blutes Christi, versiegelt wird. Denn daß Christus gerade un⸗
gesäuertes Brot gebraucht habe, ist nicht sicher, ist höchstens wahr⸗
scheinlich; aber gesagt wird es nirgends und vorgeschrieben noch
weniger. Daͤ heißt es bloß „Brot“. Dagegen, daß er seinen
Leib und sein Blut damit gibt, das sagt er ausdrücklich. Und da
hat man sich nicht entblödet, Nein dazu zu sagen. Und das Argu⸗
ment ist schließlich, wenn man es auch nicht so offen sagen mag,
dasselbe, das Zwingli Luther gegenüber vorbrachte: „Das ist ja
gar nicht möglich. So schwere Dinge gibt Gott uns nicht zu
glauben auf.“ — Und was die äußere Form der Austeilung be—⸗
trifft, so sagt uns Christus mit seinem „Solches tut“, daß wir
das tun sollen, wovon ausdrücklich gesagt wird, daß er es bei der
unmittelbaren Verwaltung des Sakraments getan habe. Wir
sollen tun, was er getan und eingesetzt hat. Wo man also Brot
und Wein nimmt, segnet, austeilt, ißt und trinkt, da begeht man
des HErrn Abendmahl. Alles Nähere, was er nicht geordnet hat,
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