Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 2 › Seite 30

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Januar 1916, Seite 30

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SVer Tutheranebe

führte ihn zu der Witwe seines gefallenen Hauptmanns, um ihr
näheren Bericht über den Heldentod ihres Gatten abzustatten.
Wenige Tage danach stellte sich unerwartet Wundfieber bei ihm
ein, und schon nach zwei Tagen schweren Leidens ging auch Leut⸗
nant von Roon in die ewige Heimat ein.

ö (Aus „Einer für alle“.)

Todesanzeigen.

Abermals hat es dem SErrn der Kirche gefallen, einen
treuen Diener seiner Kirche in die Ruhe der Seligen zu ver⸗
setzen. Sonntag, den 11. Juli 1915, entschlief im General Hos-
pital in Buffalo, N. Y., P. Eduard Gottlieb Hahn im
Glauben an seinen Heiland. Er wurde am 1. August 1869 in
Roseville, Mich., geboren. Schon in früher Kindheit verlor er
seine Mutter und wurde hierauf von seinem Adoptivvater, P. F.
Wilhelm, im Concordia-Waisenhause zu Marwood, Pa., erzogen.
Im Jahre 1884 trat er in unser Lehrerseminar zu Addison ein.
Nach bestandenem Examen diente er der St. Paulsgemeinde zu
North East, Pa., vier Jahre lang als Lehrer. Doch sein Wunsch
war, nicht nur als Lehrer, sondern auch als Prediger seinem
Heiland zu dienen. So bezog er denn im Jahre 1893 unser Pre⸗
digerseminar zu Springfield. Am 28. September 1895 wurde
er in County Line, N. Y., ordiniert und eingeführt und bediente
von dort aus auch die Gemeinden in Newfane und Lake Road.
Im Jahre 1898 folgte er dem Rufe der St. Petrigemeinde in
North Ridge, N. Y. Während seiner achtjährigen Amtszeit da⸗
selbst wurde eine Gemeindeschule gegründet, und ein schönes
Schulhaus gebaut, sowie auch ein Lehrer berufen. Seit März
1907 war er Pastor der St. Paulsgemeinde zu Eden, N. Y.,
welche er bis an sein Ende mit großer Treue bedient hat. Schon
seit längerer Zeit leidend, unterzog er sich auf Rat des Arztes
einer Operation. In den ersten Tagen hegte man Hoffnung auf
baldige Genesung. Aber der HErr hatte es nach seinem Rate
anders beschlossen. Am 11. Juli bescherte er seinem Diener ein
seliges Todesstündlein. Am 14. Juli wurde er unter großer Be⸗
teiligung seiner Gemeinde und vieler Amtsbrüder ins Grab⸗
kämmerlein gebettet. Im Hause redete P. C. Frankenstein Worte
des Trostes zu den Hinterbliebenen über Jes. 28, 29. In der
Kirche hielt P. F. O. Scholz eine deutsche und P. C. H. Franke
eine englische Leichenpredigt. Am Grabe amtierte P. J. Sieck.
Sowohl im Hause als auch in der Kirche und am Grabe sang ein
Lehrerchor passende Trauerlieder. Amtsbrüder trugen den Sarg
von der Kirche zum Gottesacker, wo der Entschlafene der fröh—
lichen Auferstehung entgegenschlummert. Er brachte sein Alter
auf 45 Jahre, 11 Monate und 10 Tage. — Der SErr hatte den
Entschlafenen mit schönen Gaben ausgerüstet. In seinen Pre⸗
digten zeigte sich die Gabe der klaren Schriftauslegung, die in der
Erkenntnis förderte und im Glauben erbaute. Er predigte Chri⸗
stum, den Gekreuzigten, als seinen und aller Sünder Heiland.
Hoch und teuer war ihm die Gemeindeschule, und er suchte sie
stets zu fördern. Fleißig besuchte er die Konferenzen und diente
seinen Amtsbrüdern gerne mit Rat und Tat. Sein Gedächtnis
bleibe im Segen! W. H. Oldach.

Es hat dem HErrn gefallen, am 24. November 1915 seinen
betagten Diener, weiland P. C. Weber, zu sich zu rufen in
die ewige Ruhe. — P. C. Weber wurde am 27. April 1835 zu
Tarnowitz, Oberschlesien, geboren. Nachdem er das Gymnasium
absolviert hatte, wandte er sich dem Bergmannsfache zu. Im
Jahre 1864 kam er nach den Vereinigten Staaten und war in
der Nähe von Bethlehem, Pa., in den Bergwerken tätig. Nach
kurzer Zeit mußte er diese Arbeit krankheitshalber niederlegen.

Gott hatte aber schon ein anderes Arbeitsfeld für ihn bestimmt.
Durch einen Pastor der Lutherischen Synode von Pennsylvania
dazu ermuntert, trat er, nachdem für seine Familie Fürsorge
getroffen worden war, in das lutherische Seminar zu Phila⸗
delphia, Pa., ein. Im Jahre 1874 trat er gewissenshalber nach
bestandenem Kolloquium zu unserer Synode über. Zweiund⸗
dreißig Jahre lang hat er dem SErrn in aller Treue an ver⸗
schiedenen Gemeinden, zuletzt zu Bonfield, Ill., gedient. Hier hat
er 1898 wegen Gedächtnisschwäche sein Amt niedergelegt. Er
wohnte dann zuerst in Chebanse und später in Herscher, Ill. Mit
dem zunehmenden Alter mehrten sich nun die Krankheiten und
Schwäche, und endlich trat noch Gehirnblutung hinzu. Am ge⸗
nannten Datum ist er sanft und selig entschlafen. Das Wort
Gottes Ps. 90, 10 ist auch an ihm in Erfüllung gegangen. Sein
Trost im Sterben war: „Christus ist mein Leben, und Sterben
ist mein Gewinn.“ Am 26. November wurde er unter großer
Beteiligung seiner letzten Gemeinde zur Ruhe geleitet. Im Hause
amtierte P. F. Seehausen, und in der Kirche predigte Präses F.
Brunn und Visitator F. Schröder (englisch). Der Unterzeichnete
amtierte am Grabe. „Das Gedächtnis der Gerechten bleibt im
Segen.“ P. C. Engelbert.

Wiederum hat der himmlische Weinbergsherr einen alten,
treuen Diener in seine himmlische, selige Ruhe heimgeholt, näm⸗
lich P. Eduard Theel. über vierzig Jahre lang hat er auf
dem mageren Boden des „Injun Land'' unter viel Mühen und
bei geringem Solde im Weinberge des HErrn gearbeitet. Hier
trat er ins Amt, hier schied er auch aus dem Amt. Er gehörte
zu den wenigen, die in einer langen Amtszeit nicht Stellen
wechseln. Er gehörte zu den vielen, die still in Verborgenheit ihr
segensreiches Leben verbringen und nie von den Menschen die
Anerkennung erfahren, die ihnen wegen ihrer selbstverleugnen⸗
den, segenstiftenden Tätigkeit gebührt. — Der Entschlafene
wurde am 29. September 1851 zu Ahrenswalde, Pommern, ge—
boren. In seiner frühen Kindheit wanderten seine Eltern nach
Amerika aus und ließen sich in Chicago nieder. Der Sohn aber
bezog unsere Anstalt in Fort Wayne und machte 1874 sein Examen
im Concordia⸗-⸗Seminar zu St. Louis. Vom Seminar zog er nach
Budsin, Marquette Co., Wis., und übernahm dort das große
Missionsfeld seines Vorgängers H. Allwardt. Am 2. August
1874 wurde er dort eingeführt. Wie groß sein damaliges
Arbeitsfeld war, zeigt die Tatsache, daß jetzt sechs Pastoren auf
demselben stehen. Außer der Gemeinde in Town Crystal Lake
(Budsin) bediente er die Gemeinden in Town Newton, Spring⸗
field, Westfield, Richford, Harrisville, Germania, Mecan und
Neshkoro. Die Versorgung einer solch großen und zerstreuten
Parochie in einer sandigen Gegend war sehr beschwerlich und auf—
reibend. Die große Arbeitslast, verbunden mit mancherlei Ent—
behrung und Trübsal, verzehrte denn auch vor der Zeit seine
Kräfte. Ein Herzleiden, verbunden mit großen Atmungsbe⸗
schwerden, stellte sich ein. Aber der teure Mann konnte sich nicht
entschließen, Schwert und Kelle niederzulegen. Ohnmächtig brach
er vor einiger Zeit am Altar zusammen, aber er diente weiter den
beiden Gemeinden Budsin und Newton. Mitte November vorigen
Jahres erkrankte er an Lungenentzündung. Am tersten Advents⸗
sonntag fand ich ihn wohl recht schwach, aber doch fröhlich und
gutes Muts. Er meinte, in zwei Wochen wohl selber wieder
predigen zu können. Da kam am 30. November die Trauer⸗
kunde, P. Theel sei tot. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein
Ende gemacht. — Am 4. Dezember versammelten sich Pastoren
und Gemeinden von nah und fern in Budsin, um dem Entschlafe⸗
nen das letzte Geleite zu geben. Visitator W. Uffenbeck, ein
Klassengenosse, tröstete auf Grund von Joh. 12, 26 Gemeinden,
Familie und Amtsbrüder des Entschlafenen. Und P. P. Schröder

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