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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Januar 1916, Seite 27

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er Ier „Lutheranss

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hat er unserer christlichen Freiheit und Einsicht überlassen. Da
können wir uns den Hergang bei einer Feier des Abendmahls so
vorstellen, daß wir sagen müßten: Das ist doch ganz und gar
nicht schön; das ärgert, das stört die Andacht. So soll es nicht
begangen werden. Es soll eben alles ehrlich und ordentlich zu—
gehen. Die äußeren Zeremonien sollen nicht derart sein, daß sie
die Andacht stören und den Glauben möglichst schwer machen.
Aber wo eine Sakramentsfeier auch noch so wunderlich wäre, man
täte aber das, was beim Sakrament wesentlich ist, man nähme
Brot und Wein, segnete es, teilte es aus, äße und tränke, so
feierte man wirklich des HErrn Abendmahl. Es ginge da nach
seiner Einsetzung und seinem „Solches tut“. Und wenn da gläu⸗
bige Herzen wären, die würden empfangen, was die Worte sagen,
und wie sie lauten. Das gilt schließlich auch von der Austeilung
durch „kleine Gläser, die an Schnapsgläser erinnern“. Es er⸗
scheint uns, zumal da wir es nicht gewohnt sind, gar nicht der
Würde des Sakraments entsprechend, erinnert uns an das Herum⸗
reichen einer gewöhnlichen Erfrischung, wir werden dadurch nicht
so unmittelbar „alle eines Kelches teilhaftig“, es sieht nicht aus,
als ob man es dem Abendmahlsgast leicht, sondern möglichst
schwer machen wollte, „zu unterscheiden den Leib des HErrn“,
nämlich des HErrn Abendmahl von einem gewöhnlichen Mahle.
Aber auch bei wunderlichen, unanständigen Zeremonien feiert man
des HErrn Abendmahl, wo das da ist, was zum Wesen des Sakra⸗
ments gehört, wovon der HErr gesagt hat: „Solches tut.“ Da
ist der HErr gegenwärtig mit seinem Leib und Blut und allem,
was er mit Hingabe seines Leibes und Blutes erworben hat.
Und wo gläubige Herzen da sind, die dem Wort im Sakrament
trauen, denen geschieht, wie sie dem Worte gemäß geglaubt haben.
Wir bleiben natürlich bei unserer alten, feierlichen, glaubens⸗
stärkenden Weise und halten uns von allen Neuerungen fern, die
ein Element der Ungewißheit, des Störenden und Ärgerlichen in
sich schließen. Der Glaube ist schwach genug, ohne daß wir ihm
noch Klötze legen. E. P.

Wie sich das ausnimmt, wenn die Katholiken protestieren
oder in einer Sache der Regierung ihren Willen zu wissen tun,
zeigt folgender Ausschnitt aus einer katholischen Zeitung: „Die
Katholiken des ganzen Landes haben an die Administration ge⸗
harnischte Proteste gegen die Anerkennung eines mexikanischen
Präsidenten gerichtet, der nicht die religiöse Freiheit in dem so
arg heimgesuchten Lande garantiert. Protesttelegramme von fol—
genden großen katholischen Organisationen überfluteten das Weiße
Haus: Catholic Church Extension Society, American Feder-
ation of Catholie Socieéties, Nationale Beamte Catholic Order
of Forésters, Deutscher römisch-katholischer Zentralverein, Catho—
lic Press Association of America, Ancient Order of Hibernians,
Bohemian Roman Catholic Central Union, Catholic Knights
and Ladies of America, Catholie Ladies of Columbia, Catholic
Mutual Benefit Association, Catholiec Voung Men's National
UInion, Catholie Woman's League of Chicago, Knights of
St. George. Irisb Catholic Benevolent Union, Knights of Father
Matthew, Ladies' Auxiliary of the Ancient Order of Hibernians,
Lithuanian Roman Catholie Alliance, Roman Catholic Mutual
Protection Society, South Slavonic Catholie Union, Women's
Catholic Order of Foresters. Western Catholic Union, Massa-
chusetts Catholic Order of Foresters und viele andere katho—
lische Organisationen. Das bedeutet nichts mehr und nichts
weniger als der Protest gegen das Regiment Carranzas, des
Lieblings unsers Präsidenten, des Tyrannen, der in der mexi—
kanischen Katholikenverfolgung sich einen bluttriefenden Namen
gemacht hat.“ — Wenn man bedenkt, daß das lauter fest zu⸗
sammengeschlossene Verbindungen sind von Leuten, die den
Stimmzettel in der Hand haben; daß diese Vereine nicht umsonst
den Namen ihrer Kirche, „Catholic“, in ihrem Namen führen,

daß sie bestehen aus lauter Leuten, die „nicht glauben, Religion
habe nichts mit Politik zu schaffen, was aber kein vernünftiger
Mensch behaupten wird“, wie dasselbe Blatt sich ausdrückt: dann
ist nicht schwer einzusehen, daß es nicht lauter Begeisterung für
Unbefleckte Empfängnis, Messe und Fegfeuer ist, wenn Politiker
die Katholiken unuvedeln. Eine solche Reihe von der römischen
Kirche dirigierter, politisch instruierter Vereine bedeutet für patrio⸗
tische Bürger, denen unser Vaterland mit seinen herrlichen Frei⸗
heiten am Herzen liegt, ein Videant consules, das heißt auf
deutsch: Amerika soll die Augen offen halten! E. P.

Ob in unserm Lande mehr Leute zur römischen Kirche oder
von ihr abfallen, ist eine Frage, über die man höchstens mut⸗
maßen, aber keine bestimmten Angaben machen kann. über den
großen Gewinn des Papsttums aus protestantischen Kreisen meldet
ein katholisches Blatt: „Die Zahl der Konvertiten, die hierzu⸗
lande infolge der zahlreichen Missionen und Vorlesungen für
Nichtkatholiken übertreten, ist jedenfalls sehr groß, entzieht sich
aber jeder Berechnung, da darüber keine statistischen Angaben vor⸗
liegen. Herr Stuart P. West, der Vorsitzer der Liga der katho⸗
lischen Konvertiten in der Stadt New York, veranschlagt die Zahl
der Protestanten, die jährlich in den Vereinigten Staaten zur
Mutterkirche zurückkehren, auf 30,000 bis 40,000.“ Die Ver⸗
luste der röniischen Kirche in Amerika, über welche sie dann wieder
bitter klagen muß, stehen auf einem andern Blatt. Die meisten
vom Protestantismus zum Papsttum übertretenden werden wohl
aus der Epistopalkirche kommen, die schon längst die römische
Kirche als ihre „Mutterkirche“ angesehen hat und immer wieder
bittet und bettelt, die „Mutterkirche“ möge ihre Kirche doch an—
erkennen als Tochter oder Schwester, und der so ziemlich jede
Woche römische Blätter von oben herab anzeigen, daß der Heilige
Vater diese Frage so entschieden habe: Wenn ihr bußfertig und
reumütig in den Schoß der Mutterkirche zurückkehrt, dann wollen
wir euch als Kinder aufnehmen. Bis jetzt seid ihr einfach in der
Irre gehende Leute, habt keine Kirche und seid auch keine. Daß
in manchen protestantischen Sekten Leute an ihrer Kirche irre
werden, ist kein Wunder, wenn man bedenkt, wie die Sekten alle
von der sogenannten höheren Kritik angefressen sind, die die Bibel
nicht mehr das unfehlbare Gotteswort sein läßt; und ohne eine
Bibel, die Gottes Wort ist, fehlt dem Protestantismus der Boden
unter den Füßen. Wenn da nun papistische Schreier noch etwas
nachhelfen, die Bibel herabzusetzen und zu schmähen und statt
dessen den „Heiligen Vater“ den Leuten darstellen als den festen
Hort, den Statthalter Christi auf Erden, der unfehlbar Gottes
Wort redet, hinweisen auf Größe und Macht und Alter und Einig⸗
keit und Festigkeit der katholischen Kirche, dann ist es nicht so
schwer, sie zu fangen. Wenn solche Leute der Spielerei ihrer
bisherigen Kirche müde geworden sind, dann machen wohl die
sinnenberückenden Gottesdienste und Zeremonien der römischen
Kirche auf sie Eindruck. Wenn sie bisher mit Werklehre gefüttert
worden sind, dann sagt ihnen das Papsttum zu, das sich auf
äußere Werkerei ganz besonders versteht. Und wenn man gar
noch in Betracht zieht, mit wie dürftigem religiösen Unterricht
die meisten Leute aufwachsen, dann ist es kein Wunder, daß sie
zu irgend etwas abfallen, was unter frommem, heiligem Schein
an sie herantritt. Von Lutheranern, die im Glauben an den
einen Heiland IEsum Christum ihrer Seligkeit gewiß geworden
sind und wissen, daß der Papst gerade diese Lehre des Evan⸗
geliums mit dem Fluch belegt hat, und ihn deswegen für den
größten Feind Christi halten, von denen wird der Papst wohl
nicht die meisten gewinnen. Dagegen gewinnt die lutherische
Kirche durch ihre Lehre von der freien Vergebung der Sünden
in Christo manche redliche Seele, die erkannt hat: „Es ist mit
unserm Tun verlor'n, verdienen doch nur eitel Zorn.“

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