Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 2 › Seite 28
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Januar 1916, Seite 28
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Der Tutheraned S
Verluste der Römischen in Nordamerika. Die „Katholische
Kirchenzeitung“ veröffentlichte letztes Jahr einen Aufsatz über das
„wunderbare Wachstum“ der katholischen Kirche in Nordamerika.
Anders urteilt die katholische „Apologetische Rundschau'. „Man
hört“, schreibt dieses Blatt, „so viel von dem gewaltigen Fort⸗
schritt, aber man vergißt hinzuzufügen, daß das alles nicht im
Verhältnis zu der Schar, den Arbeitsmöglichkeiten und den Ar-
beitspflichten der Klöster, Priester, Vereine und Privatpersonen
steht. Trauer ergreift den deutschen Beobachter, wenn er hin⸗
überkommt und statt des erhebenden Bildes eines neuen Triumphes
der Kirche unter 96 Millionen Einwohnern 80 Millionen Chri—
sten und ganze 13 Millionen Katholiken findet.“ Man sieht
wohl Kathedralen, Vereine usw., „aber merkt nichts von jener
geschichtlichen Wunderkraft unserer zeit- und kulturumgestalten—
den Religion, die doch wenigstens in jenen Staaten und Städten
obherrschend zur Geltung hätte kommen müssen, in denen die
Katholiten das übergewicht in der Hand haben“. Ja noch mehr:
„Spuren des Rückschritts überall, wohin das aufmerksam blickende
Auge schaut.“ „Die Zahl der nordamerikanischen Katholiken be—
läuft sich zurzeit auf etwa 13 Millionen. Für das Jahr 1910
sollte ein natürlicher Zuwachs — durch Geburten — von 142,000
hinzukommen. Die Zahl der übertritte in demselben Jahre schätzt
man auf rund 38,000. Die katholische Einwanderung betrug
rund 440,000, das macht zusammen 620,000. In Wirklichkeit
war aber ein Zuwachs von nur 115,000 Seelen zu erkennen, so
daß ein Verlust von 505,000 Gläubigen zu buchen ist.“ Die
„Apologetische Rundschau“ bekennt offen: „Diese nackten Zahlen
beleuchten wohl am besten die Tatsache, daß nicht von einer Vor—
wärtsbewegung, sondern einem Rückschritt der katholischen Kirche
Nordameritas zu sprechen ist.“ Auch die ultramontane „Augs—
burger Posrzeitung“ tritt in einem längeren Artikel dem „Opti—
mismus“ entgegen, der von einer Aufwärtsbewegung des Katho—
lizismus in Amerika rede. Sie betont, man müsse „mit weniger
Ruhmredigkeit“ von Fortschritten reden. Die Statistik sei ge—
eignet, „uns ganz bescheiden zu machen“. „Diese Zahlen liefern
ein ganz verzweifeltes Bild. Sie zeigen uns, daß die katholische
Kirche hierzulande lin Amerika; ganz enornie Verluste erlitten
hat, daß wir statt mit fünfzehn Millionen mit dreißig im Be—
völkerungszensus paradieren müßten.“ (Wbl.)
Urteile bekannter Mediziner über die Leichenverbrennung.
In seinem bei Hermann Jensen in Breklum erschienenen be—
achtenswerten Vortrage: „Die Leichenverbrennung eine Rückkehr
zum Heidentum, und zwar zu heidnischer Gewissenlosigkeit, zu
heidnischer Roheit und zu heidnischem Aberglauben“ teilt P. H.
Cornelius folgende Urteile bekannter Mediziner über die Leichen—
verbrennung mit: 1. Professor von Nägeli in München sagt:
„Gegen das bisherige Begraben der Leichen hat in neuester Zeit
eine Agitation begonnen als gegen eine besonders gefährliche Art
der Bodenverunreinigung. Man verlangt zum mindesten die Ver—
legung der Friedhöfe in größere Entfernungen von den Städten,
oder man fordert sogar die Verbrennung von Leichen. Es ist
aber nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft ganz unzweifel—
haft, daß man sich bei der Ausmalung der Gefahren einer argen
übertreibung schuldig macht. Die schädlichen Folgen, welche die
Kirchhöfe haben sollen, sind durch die Erfahrung nicht bewiesen
und theoretisch unbegründet. Wenn wir die Fingerzeige der
Wissenschaft befolgen, so können wir unsere Sitte, die so vielen
als ein alter Brauch und religionsgeheiligtes Symbol erscheint,
ohne alle Gefahr beibehalten, und wir können nach meiner festen
überzeugung die Gräber unserer Angehörigen in nächster Nähe,
selbst in der Mitte volkreicher Städte belassen.“ 2. Professor von
Pettenkofer schreiht: „Es ist schon öfter das Wasser aus Brunnen
in Goltesäckern einer chemischen Untersuchung auf Verunreini—
gungen durch den Inhalt der Gräber unterworfen worden, aber
meines Wissens fast immer mit negativem Erfolge. Die Mist⸗
stätten, die Abtrittsgruben usw. bei den Häusern verunreinigen
den Boden und darunter viel niehr als die Leichen eines Leichen—
ackers, die in ihren Gräbern sanft ruhen und mehr Jahre Zeit
und einen verhältnismäßig größeren Flächenraum zu ihrer Ver—
wesung haben als die organischen Abfälle des menschlichen Haus—
haltes in dichtbewohnten Stadtteilen.“ 3. Professor Mohr, einer
der bekanntesten Chemiker Deutschlands, versichert: „Niemals
hat man aus einem gehörig vertieften und geschlossenen Grabe
Leichengeruch wahrgenommen. Ja, auch bei den Massengräbern
der Befreiungskriege und auf den Schlachtfeldern von Mars la
Tour und Gravelotte, wo Tausende begraben wurden, gab sich
keine Spur von Miasmen zu erkennen, obgleich die Gräber nicht
die nötige Tiefe hatten. Sind vollends die Kirchhöfe mit Blumen,
Sträuchern und Bäumen besetzt, so ist der mit Pflanzen bedeckte,
mit Wurzeln durchzogene Erdboden der Träger eines ununter—
brochenen Oxydationsprozesses, bei welchem alle organischen Stoffe
beständig in Kohlensäure und Ammoniak zerfallen und dann un—
mittelbar den lebenden Pflanzen wieder zugute kommen.“ 4. Der
Internationale Medizinische Kongreß zu Berlin endlich erklärte
im August 1890 ebenfalls, daß die Befürchtung, Friedhöfe und
Begräbnisse seien für die Umwohner gefährlich, völlig grundlos sei.
(Ev. Kirchenztg.)
Kaiser Wilhelm verteilt Traktate. Ein junger Vaterlands—
verteidiger, der seit etlichen RMonaten in Rußland im Kampfe
steht, sandte der Redaktion des „Gärtner“ einen Traktat mit dem
Titel: „Ein Dankesgruß an meine Brüder in Waffen“ und schrieb
dazu: „Ich lege Euch einen Traktat bei, den unser lieber Kaiser
bei seinem Hiersein unter uns verteilen ließ. Solange wir noch
einen solchen Kaiser haben, hat es keine Not, denn so lange wird
uns Gott nicht verlassen.“ Das Erfreuliche an dem Traktat war,
daß das Heil in Christo und der Weg, wie man dieses Heil er—
langt, mit schlichten Worten darin beschrieben ist. Das ist ein
klares Zeugnis von der erlösenden Gnade, das ohne Zweifel
manchem Suchenden den Weg zeigen kann. Ebenfalls ist es sehr
erfreulich, immer wieder zu lesen, wie die Religion Christi in ihrer
altbewährten Kraft sich überall Bahn bricht. (Apologete.)
Selig daheim.
Es ist mir wohl; ich bin im Vaterhaus
Und wünsche nun nichts mehr.
Die Wanderschaft im Tränental ist aus;
Es rührt mich nimmermehr
Ein Leid, ein Schmerz, ja nichts dergleichen;
Der Erdenjammer mußte weichen.
Es ist mir wohl, ja ewig wohl.
Es ist mir wohl; drum stillet euren Schmerz
Und trauert nicht zu sehr!
Gott liebet euch, sein treues Vaterherz
Vergißt euch nimmermehr.
Er wird auch euren Jammer stillen,
Des Glaubens Hoffnung treu erfüllen;
Dann ist euch wohl, ja ewig wohl.
Es ist mir wohl; ich schau' das Angesicht
Des HErrn der Herrlichkeit.
Drum preiset ihn, der wohnt im ew'gen Licht,
Dem Ehr' gebührt allzeit.
Ihr könnt getrost auf sein Wort bauen,
Was ihr jetzt glaubt, sollt ihr hier schauen.
Dann ist euch wohl, ja ewig wohl.
C. C. E. Brandt.
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