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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 17. September 1901, Seite 289

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 13 · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule · eouibeſac 2

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HZerausgegeben von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio n. a. Staaten.

Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.

No. 19.

St. Louis, Mo., den 17. Heptember 1901.

57. Jahrgang.

Wilde Zweige am Baume unserer Gemeindeschulen.

1.

Wenn ein Gärtner seinen wohlgepflegten Obstgarten über⸗
schaut, so lacht ihm beim Anblick desselben das Herz im Leibe.
Alle Bäume sind schön und gerade gewachsen. Die Stämme sind
kräftig. Die Aeste und Zweige breiten sich mächtig aus. Das
Laub ist voll und grün. Die Frucht sieht gesund aus. Es ver⸗
spricht eine gute Obsternte zu werden. Um die einzelnen Bäume
aber näher zu betrachten, geht der Gärtner nun in den Obstgarten
hinein. Jeden einzelnen Baum besichtigt er sorgfältig. Bei die⸗
ser Besichtigung schüttelt er jedoch bisweilen gar sehr den Kopf.
Er bemerkt nämlich an manchen Bäumen etwas, was ihm durch⸗
aus nicht gefällt. Seit Jahren hat er den Garten wohl gepflegt,
und er meint, daß jetzt jeder Baum vollkommen sein müsse. Aber
siehe! seit seinem letzten Rundgang ist aus diesem und jenem
Baume wieder mancher wil de Zweig, welcher dem Baume und
seiner Frucht Sast und Kraft nimmt, hervorgewachsen. Was
thut er nun? Er nimmt sein Messer und schneidet die wilden
Zweige ab, damit sie den Bäumen keinen Schaden mehr bringen.

Wie dem Gärtner mit seinem Obstgarten, so ergeht es auch
uns bei der Betrachtung des Gemeindeschulwesens in unserer
Synode. Dasselbe gleicht, wenn wir es überblicken, einem wohl⸗
gepflegten Garten. Wir freuen uns des selben und danken Gott,
daß er den Baum unserer Gemeindeschulen so wohl hat gerathen
lassen. Doch bei näherer Betrachtung der einzelnen Schulen sehen
auch wir, daß da und dort wilde Zweige, welche unserem Ge⸗
meindeschulwesen Schaden und Verderben zu bringen drohen,
hervorschießen. Damit nun nicht ein immerwährender Schaden
entsteht, gilt es, daß auch wir diese wilden Zweige wegschneiden.
Und um nun dazu behülflich zu sein, daß sie entfernt werden kön⸗
nen, wollen wir auf einige wilde Zweige aufmerksam machen.

Der erste wilde Zweig, welcher sich an nicht wenigen unserer
Schulen findet und welcher unter allen Umständen weggeschnitten
werden sollte, ist der unregelmäßige und schlechte

Schulbesuch. Um diesen großen Schaden lebendig zu er⸗
kennen, wollen wir hinüber zu der Gemeinde in Trägheim
gehen. Es ist eine Landgemeinde und zählt gegen siebzig Familien.
Sie besitzt eine hübsche Kirche, und das Schulgebäude ist auch nicht
unansehnlich. Der Schule steht ein eigener Lehrer vor. Pastor
und Schullehrer sind treue Leute und danken Gott, daß er sie in
ihre Aemter berufen hat. Jeder von ihnen wartet seines Amtes
aufs fleißigste. Der Lehrer ist gerne in seiner Schule. Auf seiner
Schulliste stehen die Namen von achtzig Kindern.

Mit dem letzten Tage des Monats Juni ist nun das alte
Schuljahr zu Ende gegangen, und die Schule ist geschlossen wor⸗
den. Für die beiden Monate Juli und August sind dem Lehrer
und den Kindern Ferien gegeben worden. Die Ferien kann der
Lehrer auch gut gebrauchen. Zehn Monate lang hat er sich red⸗
lich abgeplagt, um seinen Schülern allerlei nützliche Kenntnisse
beizubringen. Mit vollen Zügen genießt er deswegen die freie
Zeit und freut sich, daß er einige Wochen von der gewohnten Ar⸗
beit ausruhen darf. Doch kaum sind mehrere Wochen verflossen,
so sehnt er sich wieder nach seiner alten Thätigkeit. Er wünscht
sich in seine Schulstube zurück. Allmählich rückt auch der erste
Schultag im September wieder heran. Bei der Erinnerung an
das neue Schuljahr bedrückt und beunruhigt den Lehrer aber ein
Gedanke. Die Gemeindeglieder in Trägheim sind im Ganzen
wohlmeinende Leute. Sie thun etwas für Kirche und Schule.
Aber sie haben einen großen Fehler an sich, und dieser besteht
darin, daß sie ihre Kinder schlecht und unregelmäßig
zur Schule senden. Gegen diesen Uebelstand hat der Lehrer
schon oft geredet, aber bisher hat ihm alles nur wenig genützt.
Damit es nun im neuen Schuljahre besser werde, glaubt der Leh⸗
rer, müsse der Pastor mithelfen. Am zweitletzten Sonnabend im
Augustmonat geht daher der Lehrer hinüber zu seinem Pastor,
um sich mit diesem zu berathen. Das Ergebniß ihrer Berathung
ist, daß der Pastor am Sonntage von der Kanzel herab seine Ge⸗
meinde herzlich und eindringlich ermahne, von ihrer Saumselig⸗
keit abzulassen und ihre Kinder sogleich vom ersten Schultage an

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