Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 19 › Seite 293

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 17. September 1901, Seite 293

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innigem Dank gegen Gott, daß er das Werk dieser Mission unter
uns auch in diesem Jahre mit reichem Segen geschmückt habe.
Fünf Missionsfelder sind selbständig geworden. Mehrere ganz
neue und vielversprechende Felder in Colorado, und besonders
in Oklahoma, wurden in Angriff genommen. 18 Pastoren und
4 Studenten waren auf dem Missionsfelde thätig, und außerdem
haben noch 2 Pastoren Reisen im Interesse der Mission gemacht.
Nach Abzug der 5 selbständig gewordenen Pastoren und Eintritt
der neuberufenen Candidaten werden 16 Pastoren und 3 Stu⸗
denten auf unserem Missionsfelde thätig sein und etwa 78 Plätze
bedienen. Laut Beschluß der Synode soll baldmöglichst noch ein
Missionar nach Oklahoma berufen werden. Die Besetzung an⸗
derer Plätze ist dem Ermessen der Commission anheimgestellt.
Die Einnahmen für diese Mission betrugen vom 1. August 1900
bis 1. August 1901 55044.38, die Ausgaben 854757.89. Die
Gesammteinnahmen des Districts in diesem Zeitraum waren
38881.70, die Gesammtausgaben 78226.40.

Die Unterstützungscommission für die Pastoren⸗ und Lehrer⸗
Wittwen⸗ und Waisenkasse knüpfte an ihren Bericht über das ver⸗
flossene Jahr die herzliche Bitte, unsere Gemeinden möchten doch
auch dieses Liebeswerk mit milden Gaben unterstützen und fördern.

Der Ehrw. Districtspräses legte den Synodalen dringend
ans Herz, doch nach Kräften dazu mithelfen zu wollen, daß in
Zukunft der Unterstützungskasse für arme Studenten reichlicher
möge gedacht werden.

Der Ehrw. Allgemeine Präses wies die Synode hin auf die
große Predigernoth, die jetzt eingetreten sei. Etwas müsse ge⸗
schehen, um die Zahl der Schuüler auf unseren höheren Lehranstal⸗
ten zu vergrößern. In den letzten zehn Jahren habe die Zahl der
communicirenden Glieder unserer Synode um etwa 100,000 zu⸗
genommen, die Schülerzahl aber abgenommen. Sollte die Schü⸗
lerzahl in demselben Verhältniß zur Zahl der Communicirenden
stehen wie im Jahre 1890, so müßten unsere höheren Lehranstal⸗
ten, anstatt, wie jetzt, von 1068, von rund 1500 Schülern besucht
werden. Aus diesem Grunde und aus anderen triftigen Gründen,
welch letztere der Synode von einem Vertreter der Aufsichtsbehörde
des St. Pauls⸗Progymnasiums zu Concordia, Mo. (P. Rohlfing),
unterbreitet wurden, beschloß die Synode, eine Eingabe bei der
nächsten Allgemeinen Synode einzureichen, mit dem Ersuchen,
dem St. Pauls⸗Progymnasium zu Concordia, Mo., die Tertia
hinzuzufügen, in der Hoffnung, daß diese Anstalt bald zu einem
Vollgymnasium erweitert werde. Und was sollen wir, du, lieber
Leser, und ich, thun, um dem Pastorenmangel abzuhelfen? Der
HErr JEsus sagt es uns: „Bittet den Herrn der Ernte, daß er
Arbeiter in seine Ernte sende.“ Wenn das von uns treulich und
von ganzem Herzen geschieht, dann werden sich auch bald geeignete
Knaben und das zum Studiren nöthige Geld für dieselben finden.

Auch einige Wahlen fanden statt, nämlich die Wahl der Dele⸗
gaten zur Allgemeinen Synode im Jahre 1902 in Milwaukee
und die Wahl von zwei Delegaten zur Synodalconferenz. Eine
nöthig gewordene Visitatorwahl für Oklahoma fand nicht statt,
sondern der Ehrw. Districtspräses wurde beauftragt, in Gemein⸗
schaft mit den übrigen Gliedern der Missionscommission einen
solchen für diesen District bis zur nächsten Synodalsitzung zu er⸗
nennen.

Nun könnte ich meinen Bericht schließen, doch würde ich mir
den Tadel der unvollkommenen Berichterstattung zuziehen, wenn

ich demselben nicht auch die Mittheilung einverleibte, daß wir
uns auf dieser Synodalversammlung nicht nur gefreut, son⸗
dern auch sogar gejubelt haben. Und das kam so: Die Amts⸗
brüder hatten in Erfahrung gebracht, daß das 25jährige Amts⸗
jubiläum unsers verehrten Präses C. Hafner entweder in oder
doch nahe an die diesjährige Sitzungszeit fallen müsse, und des⸗
halb, eingedenk des Wortes 1 Cor. 12, 26.: „So ein Glied wird
herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit“, veranstalteten
sie am Synodalsonntag⸗Nachmittag einen Jubelfestgottesdienst.
Zu dieser Zeit sollte nach dem Synodalprogramm Gottesdienst
mit der üblichen Pastoralpredigt gehalten werden, und nun erhob
sich diese zu einer Jubelfestpredigt, welche der langjährige Freund
und Studiengenosse des überraschten Jubilars, P. G. Häfner, auf
Grund von 2 Cor. 3, 4—6. hielt, indem er ausführte: „Ein
Rückblick auf eine 25jährige Thätigkeit im Predigtamte, ein An⸗
trieb zu Luob und Dank. Er ist es, wenn wir sehen 1. auf die
Wichtigkeit und Schwere des Amtes, als auch 2. auf die Herrlich⸗
keit und Freude des Amtes.“ — Nach beendetem Gottesdienste
ließen die Amtsbrüder als einen Beweis ihrer Liebe und Ver⸗
ehrung ihrem Ehrw. Präses durch dessen langjährigen Freund,
P. C. Vetter, ein Festgeschenk überreichen. Daß der theure Präses
für all die erfahrene Gnade, Barmherzigkeit und Treue während
seiner 25jährigen Amtswirksamkeit Gott dankte und ihm die Ehre
gab, sowie auch, daß er Worte der Liebe und des Dankes für seine
Amtsbrüder und alle, die sich zur Ehre Gottes betheiligt hatten,
fand, sei noch kurz erwähnt.

Nachdem noch der lieben Heringtoner Gemeinde für die herz⸗
liche und reiche Bewirthung der Synodalen ein Dankvotum über⸗
bracht und die Einladung der Gemeinde am Sylvan Grove für
die nächste Versammlung im Jahre 1903 angenommen worden
war, vertagte sich die Synode mit dem Gesang des letzten Verses
des Liedes Nummer 346 und mit Gebet. H. Obermowe.

Versammlung des Nebraska⸗Districts.

Der Nebraska⸗District unserer Synode hielt seine diesjäh⸗
rigen Sitzungen vom 21. bis 27. August in der Gemeinde des
P. Harms in Cuming County, Nebr. Der Ehrw. Vicepräses
der Allgemeinen Synode, P. C. C. Schmidt von St. Louis, hielt
die Eröffnungspredigt über Col. 1, 9. 10. und zeigte, worin der
wahre kirchliche Fortschritt besteht, nämlich darin, daß wir Chri⸗
sten stets wachsen in der Erkenntniß des Willens Gottes, und
zum andern darin, daß wir das auch durch einen frommen Wan⸗
del offenbaren. Er zeigte, daß gerade diejenigen, die den Namen
haben, als wären sie die Säulen der Kirche, diejenigen, die das
große Wort führen, einem falschen Fortschritt ergeben sind; daß
sie fortschreiten wollen im Aufsuchen und Annehmen fremder
Meinungen und Lehren, von denen die heilige Schrift nichts
weiß; daß leider so viele sich bethören lassen und ihnen beifallen.
Aber er wies auch nach, daß es unsere Pflicht sei, diesen falschen
Fortschritt nicht anzuerkennen, sondern bei der Schrift zu bleiben
und nur fortschreiten zu wollen in der Erkenntniß ihrer Lehren.
Je mehr aber die Befürworter eines falschen Fortschritts den
Schein verbreiten, als seien sie die Vorkämpfer für die Sache un⸗
seres Gottes, desto mehr müßten wir durch unsern Wandel offen⸗
baren, daß wir im rechten Fortschreiten begriffen sind. Darum

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