Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 19 › Seite 297

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 17. September 1901, Seite 297

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Das Eigenthum gehört einem reichen Chicagoer, mit dem Unterhand⸗
lungen seit längerer Zeit im Gange waren und die nun so gut wie
zum Abschluß gekommen sind. Die Kosten werden bedeutend sein,
doch hat „General“ Booth keinen Zweifel bezüglich des Erfolges. Die
Ansiedlung liegt in dem Baumwolldistrict des Staates, und die An⸗
siedler sollen sich hauptsächlich mit dem Anbau von Baumwolle be⸗
schäftigen. Tausende von kleinen Häusern sollen errichtet werden, und
Tausende von armen Familien in Chicago und aus anderen Städten
sollen freie Reise dorthin erhalten und alles, was sie sonst noch zum
Anfang bedürfen. Man hofft, daß viele im Stande sein werden, die

für sie gemachten Auslagen später zurückzuzahlen. L. F.
Mexico. Der „Lutheraner“ hat neulich berichtet, daß in verschie⸗
denen katholischen Ländern Europas (Frankreich, Spanien, Portugal)
eine zunehmende Bewegung gegen die römische Kirche wahrnehmbar ist.
Die Regierungen dieser Staaten gehen ernstlich gegen die besonders
staatsgefährlichen Orden der Pabstkirche vor. Die „Luth. Kirchen⸗
zeitung“ berichtet nun, daß auch in dem stockkatholischen Mexico das
Verhältniß zwischen dem Staat und der römischen Kirche ein immer
gespannteres wird. Und auch dort handelt es sich besonders um ge⸗
wisse Priester, die ein großes Vermögen angesammelt haben und dabei
weit unter dem von Priestern erwarteten sittlichen Standpunkt stehen.
Der Groll gegen diese Priester ist so stark, daß die Regierung sich ge⸗
nöthigt sieht, irgend etwas zur Abhülfe zu thun. Vor 1876 hatte
die römische Kirche Uber die Hälfte des Landes in rechtlichem Besitze,
in dem genannten Jahre confiscirte jedoch General Diaz, der jetzige
Präsident, alles Land, das die Kirche besaß, unterdrückte Nonnen⸗ und
Mönchsklöster und verbot religiöse Umzüge. In all dem unterstützten
ihn die einsichtsvolleren römischen Mitbürger. Da man aber in den
letzten Jahren wieder laxer geworden ist, fanden ehrgeizige und ge⸗
wissenlose Priester Gelegenheit, sich sehr zu bereichern, und einige leb⸗
ten so standalös, daß selbst andere Priester dagegen protestirten. Die
Regierung ist nun überzeugt, daß die Grenze ihrer Geduld erreicht sei

und sie einschreiten müsse, wenn dem Uebel gesteuert werden solle.

L. F.

Ausland.

Die „ev.⸗luth. Frtitirche von Sachsen und andern Staaten“
hielt ihre diesjährige Synodalversammlung vom 17. bis zum 23. Juli
in Hannover ab. Diese Versammlung war zugleich eine Jubelsynode,
da 25 Jahre seit der Gründung der Freikirche verflossen waren. Dar⸗
auf nahm auch gleich die Eröffnungspredigt Bezug, die von Präses
Willkomm über das Psalm wort (119, 54.): „Deine Rechte sind mein
Lied in dem Hause meiner Wallfahrt“ gehalten wurde. Der ehrwür⸗
dige Prediger warf die Frage auf: „Warum können wir heute fröh⸗
lichen Herzens jubiliren?“ und beantwortete sie also: „1. Weil Got⸗
tes Wort bei uns die Herrschaft hat, und 2. weil es uns in die ewige
Heimath führt.“ Die Synode war zahlreich besucht. Sämmtliche
stehende Glieder der Synode, 19 an der Zahl, waren zugegen, mit
alleiniger Ausnahme des Synodalkassirers; alle Synodalgemeinden
waren durch je einen Deputirten vertreten. Als Gäste werden in
der „Freikirche“ namhaft gemacht: Aus America die PP. Sapper,
Th. Nickel, Oldenburg und Candidat G. Hübener, aus London P. Poch
und Lehrer Vornsand, aus Australien P. Schroth, aus der dänischen
Freikirche P. Grunnet, aus der Hermannsburger Freikirche P. Stall⸗
mann. Es ist unsern Brüdern in der Freikirche nicht nur immer eine
große Freude, Gäste aus unserer Synode begrüßen zu dürfen, sondern
es wird auch durch solchen brüderlichen Verkehr das Band, das sie und
uns verbindet, gewiß gestärkt und befeftigt. Als Lehrgegenstand wurde
der Pietismus behandelt, und in einem ausführlichen Referat wurde
von P. Hübener gezeigt, wie der Pietismus entstanden ist, worin er
eigentlich besteht, welch böse Folgen er hat und wie er mit Erfolg zu

bekämpfen ist. Wir werden auf dieses Referat zurückkommen, wenn
der gedruckte Synodalbericht vorliegen wird. Außerdem wurde noch
besprochen eine von P. Hanewinckel vorgelegte Arbeit über die Frage:
„Inwieweit haben die Pastoren unserer Freikirche Beruf, über die
Grenzen ihrer Gemeinden hinaus durch öffentliche Vorträge auf wei⸗
tere Kreise zu wirken?“ — Am Synodalsonntag⸗Nachmittag feierte
die die Synode beherbergende Gemeinde in Hanyover ihr Missions⸗
fest, bei dem P. Lenk nach 1 Cor. 3, 5—7. predigte über die rechte
Weise, Mission zu treiben, nämlich zur Ehre Gottes. Das geschieht
dann, wenn man bedenkt, daß es unsere Sache ist, die reine Lehre des
Wortes Gottes aus zubreiten, hingegen Gottes Sache es ist, darauf
sein Gedeihen zu legen. Daran schlossen sich kürzere Vorträge von
Präses Willkomm über die ostindische Mission, von P. Sapper über
die Negermission, von P. Nickel über die Indianermission und von
P. Poch über die kirchliche Arbeit in London. Die Collecte des Festes
wurde für die Mission in Ostindien und für London bestimmt. So
zeigen unsere Brüder in Deutschland, daß sie für unsere kirchliche Arbeit
ein reges Interesse haben und auch willig dafür Opfer bringen.
L. F.

Die zur Freikirche gehörende Gemeinde in Crimmitschau,
Sachsen, durfte am 10. Sonntag nach Trinitatis das Jubiläum ihres
fünfundzwanzigjährigen Bestehens feiern. „Klein war die Schaar,
welcher Gott den Muth gestärkt hatte, eine selbständige Gemeinde
evangelisch⸗lutherischen Bekenntnisses zu gründen und den damals aus
der Leipziger Mission in Ostindien ausgetretenen Missionar O. Will⸗
komm zu ihrem Pastor zu berufen. Diesen geringen Anfang hat der
HErr nach seiner Gnade gesegnet und sich diese 25 Jahre lang treu zu
dieser Gemeinde bekannt, dieselbe bei aller Anfechtung von innen und
außen erhalten.“ („Ev.⸗luth. Freikirche.“) Bei dem Festgottesdienst
hielt Präses Willkomm die Predigt; Nachmittags fand gleichfalls eine
Festversammlung statt, in der nochmals P. Willkomm und der greise
Ortspastor, P. Hagen, redeten. Viele Glaubensgenossen aus den be⸗
nachbarten freikirchlichen Gemeinden nahmen an der Freude der Ge⸗
meinde Theil. Ist diese auch in den vergangenen Jahren unter den
schwierigen Verhältnissen, in denen die ganze freikirchliche Synode
arbeitet, äußerlich nicht zu einem großen und zahlreichen Volk gewor⸗
den, so hat sie doch den herrlichen Ruhm, daß sie des HErrn Wort
behalten und seinen Namen nicht verleugnet hat, und hat fröhlichen
Herzens mit allen Gotteskindern des alten und neuen Bundes ge⸗
rühmt: „Der HErr hat Großes an uns gethan; deß sind wir fröh⸗
lich.“ Ps. 126, 3. L. F.

Wie werden Christen die Irrlehrer los? In Berlin ist be⸗
kanntlich Prof. Adolf Harnack mit seinem völligen Unglauben offen
hervorgetreten. Harnack behauptet ohne Scham und Scheu, Christi
Person und Werk gehöre nicht nothwendig zum Christenthum. Nach
Harnacks Lehre hat nicht Christus durch sein Thun und Leiden den
Menschen Gottes Gnade erworben, sondern die Menschen sollen sich
Gott vorhin gnädig denken. Kurz, Harnack will den Menschen ein⸗
reden, sie hätten auch ohne Christum einen gnädigen Gott. Was
Harnack für das „Wesen des Christenthums“ ausgibt, erkennt jeder
Christ als Heidenthum. Trotzdem bleibt Harnack Professor in Berlin.
Das beklagen nun manche Christen in den Landeskirchen. Aber wun⸗
derlich ist die Art und Weise, wie man Harnack los zu werden trachtet.
So finden wir in einer deutschländischen Zeitung eine Ermahnung an
Harnack, er möchte doch so ehrlich und so gewissenhaft sein, sein Amt
selbst niederzulegen. Dazu ist zu bemerken: Die Sorte geht nicht
von selbst, sonderlich nicht, wenn mit dem Amt ein guter Gehalt und
Ehre und Ansehen vor der Welt verbunden ist. Darum wird den
Christen weiter nichts uͤbrig bleiben, als daß sie von Harnack sich schei⸗
den, indem sie die Ermahnung des Apostels befolgen (Röm. 16, 17.):
„Weichet von denselbigen“, nämlich von den Irrlehrern. F. P.

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