Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 2 › Seite 18

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. Januar 1904, Seite 18

17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32

Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ehe · Theater · Theater 2 · Theater 9 · Kirchengemeinſchaften 3

⤓ Download .txt · copy text

18

Wird das helfen? — Wenn das junge Volk einmal los ge⸗
worden ist, dann wird das Warnen wenig helfen. Die alten
gläubigen Väter und Prediger vor der Sündfluth haben sicher—
lich auch gewarnt. Aber was hat es geholfen? Und zwingen
— zwingen kann man nicht. Die Ursache sitzt inwendig, wie
Gott spricht: „Die Menschen wollen sich meinen Geist nicht mehr
strafen lassen, denn sie sind Fleisch.“ Aber dennoch — wir sol—
len warnen.

Aber ich will etwas sagen, was noch besser ist als warnen.

Man thue allen Fleiß, die Kinder von Klein
auf aufzuziehen in der Zucht und Vermahnung
zum HErrn.

Ihr Eltern, laßt Gottes Wort in euren Häusern wohnen.
Sagt euren kleinen und größeren und großen Kindern Gottes
Wort. Haltet regelmäßige, kurze und einfache Hausandachten.
Betet mit euren Kindern. Geht ihnen mit gutem Beispiel voran.
Sendet eure Kinder in eine wahrhaft christliche Gemeindeschule.
Wenn sie confirmirt sind, dann wacht über sie in der Liebe Christi.
Betet für sie ohne Unterlaß.

Ihr Lehrer, haltet feine Religionsstunden. Macht diese
den Kindern lieb und werth. Malt ihnen IEsum vor Augen.
Lehrt sie die himmlische Lehre so, daß sie merken, az ihr sie
selig machen wollt.

Und ihr Pastoren, laßt euren ganz geringen Mitknechteuch
ein Wort sagen. Haltet den Confirmandenunterricht und die
Christenlehre und die Predigt ganz klar und kindlich und einfach,
immer mit dem brünstigen Gebetsverlangen, daß dadurch der
Geist Gottes in die Herzen komme.

Das sind die Mittel, die Kinder und die Jugend aufzu—
ziehen in der Zucht und Vermahnung zum SHErrn.

Das wird nicht, das kann nicht vergeblich bleiben.

Dadurch wird eine Jugend großgezogen, welche sich von
Gottes Geist durch Gottes Wort regieren läßt, die nach Gottes
Gnade und der ewigen Seligkeit fragt, die gottselig leben, die
wider die verderbte Lust kämpfen und Glauben halten will.

Diese Jugend wird sich dann auch nicht mit der ungläubigen
Welt vermählen wollen, sondern wird sich warnen lassen.

Das heutige Theater.

Viel wird gegenwärtig von dem erzieherischen und bilden—
den Einfluß des Theaters geredet. Der bekannte New Yorker
Schauspieldirector Conried hat voriges Jahr öffentlich gesagt,
das Theater könnte und sollte die Stelle der Kirche als Lehrerin
des Volkes einnehmen; denn es seien allabendlich viel mehr
Menschen in den Theatern New Yorks versammelt, als Sonntags
in allen Kirchen der Stadt. Verschiedene americanische Prediger,
namentlich der Episkopalkirche, haben mit dem Theater geradezu
einen Bund geschlossen und wollen mit ihm zusammenarbeiten
zur Hebung und Veredelung der Menschheit; andere Sectenpre⸗
diger haben in letzter Zeit in ihrer Kirche ein Theater eingerichtet
und hoffen, dadurch mehr an das Volk heranzukommen als durch
ihre Predigt. Wie steht es nun mit dieser Volkrertiehuug, die
das Theater bringen soll?

Wir wollen diesmal nicht selbst weiter ausführen, warum
wir das heutige Theater für ganz verwerflich und höchst verderb⸗

lich halten.
Bühne genau kennen, zu Worte kommen lassen.

lich so scharf über das heutige Theater urtheilen und den Besuch
desselben als ein Stück sündliches Weltwesen bezeichnen, an dem

Christen keinen Theil haben sollen, wird gewöhnlich entgegnet,
daß es doch auch unanstößige Theaterstücke gebe. Ja, es gibt
unanstößige Stücke; aber solche Stücke werden selten oder gar

nicht aufgeführt, und wenn sie aufgeführt werden, so werden sie

als langweilig nicht besucht. Was dem heutigen Theater sein

Gepräge gibt, das sind eben die anstößigen, unsittlichen,

schändlichen Stücke,
und angehört werden.
die Theaterzettel sieht und die Besprechungen der Stücke in der
täglichen Presse liest.
beiden Männer, die wir zu Worte kommen lassen wollen.

Ein bekannter New Vorker Prediger und Schriftsteller, Cyrus
Townsend Brady, wollte im vorigen Winter einmal das heutige
Theater und seinen „bildenden Einfluß“ aus eigener Anschauung
kennen lernen. Er besuchte deshalb — daß ein Prediger freilich

die von den Volksmassen angesehen

Das weiß jeder, der in einer Stadt lebt,‚

Das bestätigen auch die Aussprachen der

Wir wollen vielmehr andere Leute, die die heutige
Wenn wir näm⸗

auch in solchem Interesse das Theater nicht besuchen sollte, ist

gewiß — 21 Vorstellungen, und zwar nur in den besten Theatern.
Komische Opern, sogenannte Vaudevillevorstellungen und vollends
die auch bei der Welt als schlechte Theater geltenden Stätten ꝛc.
hat er überhaupt nicht in seine Untersuchung gezogen, sonst wäre
das Ergebniß noch ein ganz anderes geworden. Was Brady in

den besten Theatern gefunden hat, hat er dann vor einigen Mo⸗

naten in einer bekannten Zeitschrift näher geschildert.

Von den 21 Stücken, die er sich angesehen und angehört
hat, bezeichnet er acht als unanstößig. Uns ist freilich sehr
zweifelhaft, ob alle acht wirklich durchaus unanstößig waren, und
ob nicht auch in dem einen oder andern dieser Stücke Sachen
vorkamen, die ein ernstchristliches Gewissen verwerfen muß.
Wir wissen von Leuten, die das heutige Theater genauer kennen,
daß sie keine drei völlig unanstößigen Stücke nennen können. Aber
hören wir, was Brady weiter sagt: Vier dieser acht unanstößigen

Stücke, also gerade die Hälfte, waren so tödtlich langweilig, daß

selbst das gute Spiel der Schauspieler ihnen kein Interesse ver⸗
leihen konnte. Sie wirkten einschläfernd. Wer geht aber wohl
in das Theater, um gelangweilt zu werden? Unter den vier
andern unanstößigen Stücken befanden sich Shakespeares „Julius
Cäsar“, zwei Kriegsstücke und ein Drama, das in dem mittel⸗
alterlichen Rom spielte.

Sodann waren elf Theaterstücke, die nach Bradys Urtheil
in der einen oder anderen Hinsicht durchaus anstößig waren. In
jedem derselben spielte unerlaubte Liebe, also Unzucht, eine
Hauptrolle, und Sachen wurden auf der Bühne gesagt oder
angedeutet, die man in keiner weltlich ehrbaren Gesellschaft
wiederholen könnte. Von diesen elf Stücken waren nur zwei un⸗
interessant, nur eins wurde schlecht aufgeführt. In dem aller—
schlimmsten Stück spielte die beste Schauspielerin mit der besten
Schauspielertruppe. Das ist ja gewöhnlich so. Gerade deshalb
hat das heutige Theater eine solche verhängnißvolle Wirkung,
weil die berühmtesten Schauspieler in den anstößigsten Stücken
auftreten. Zwei der elf in Betracht kommenden Stücke waren

große Opern, die also auch unter das Verwerfungsurtheil fallen,
und Brady bemerkt dazu, daß es unmöglich scheine, unter den
großen Opern auch nur Eine zu finden, die ein anständiges oder

English translation

Not yet translated.