Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 2 › Seite 23

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. Januar 1904, Seite 23

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der obige Titel bezeichnet ein Werk, das erst im Werden begriffen ist,
bodurch aber, wie wir hoffen, Ströme geistlichen Segens über unsere
kirche in diesem Lande fließen werden. Zweck und Ziel dieses Unter⸗
iehmens ist: begabten jungen Leuten so viel theologischen und wissen⸗
chaftlichen Unterricht zu geben, daß sie als Lehrer oder Prediger der
ö Rirche in ihrem eigenen Lande dienen können. Ein Zweifaches stand
habei vor Augen: zunächst die hohen Reisekosten für auswärtige Ar⸗
ßeiter in Zukunft zu sparen, sodann (und das ist der Hauptpunkt), die
Viesige Kirche mit hier geborenen und aufgewachsenen Dienern zu ver⸗
horgen, daß also die Kirche, so zu sagen, aus sich selbst wachse und er⸗
starke. Dann erst, wenn die hiesige Kirche selbst ihre Lehrer und Pre⸗
iger ausbildet, kann sie hoffen, einmal selbständig und vom Ausland
unabhängig zu werden. Ein gesundes Kind will doch zuletzt selbst
stehen und gehen lernen. Nach den hiesigen Verhältnissen, besonders
gauf den Colonien, wird ein zweifacher Cursus eingerichtet werden,
einer, in dem Jünglinge in etwa vier Jahren zu Schullehrern heran⸗
gebildet werden. Solche könnten eine Stelle übernehmen, wo ein
Pfarrer aus der Umgegend die Kirchendienste versieht. In diesem
Eursus würde eine gründliche Kenntniß der Sachen, die in der Schule

führung in die höheren Rechnungsarten, Geschichts⸗ und Erdkunde und

ähnliche Gegenstände. Der zweite Cursus zur Ausbildung von Pre⸗
digern wird naturgemäß längere Zeit umfassen und demgemäß der
Unterricht auch weiter gehen. In beiden Abtheilungen wird vor allem
auf Geistes⸗ und Charakterbildung geachtet werden, da diese doch
nöthiger und nützlicher ist als Verstandesbildung. Vorläufig ist der
Ort für dieses Institut innerhalb der Gemeinde Bom Jesus auf der
Colonie Sao Loureng9o (P. J. Hartmeister). Ein bescheidenes Local
zur Aufnahme etlicher Studenten wird hergerichtet. Sollte sich im
Laufe der Zeit ein günstigerer Ort zeigen, so mag es ja dahin auf die
Dauer verlegt werden. Wie gesagt, das Werk ist erst im Werden be⸗
griffen. Vier Schüler sind schon gemeldet und warten auf die Er⸗
öffnung, die, so Gott will, im October stattfinden soll. Wer nun ein
Herz für die Sache hat, nachdem er ihre Nothwendigkeit und Nützlich⸗
keit eingesehen hat, dem sei sie zu warmer Fürbitte herzlich empfohlen.“

In den staockkatholischen südamericanischen Ländern, wie
Peru, Ecuador und Bolivia, waren bisher alle öffentlichen gottes⸗
ö dienstlichen Versammlungen, die nicht von einem katholischen Priester
geleitet wurden, vom Staate verboten. Nun ist es den vereinten
Bemühungen americanischer Kirchen gelungen, die Regierungen der
Vereinigten Staaten, Englands und Deutschlands zu bewegen, durch
ihre Gesandten in Peru bei der dortigen Regierung vorstellig zu wer⸗
den, daß die Abhaltung protestantischer Gottesdienste freigegeben werde.
Daraufhin ist auch eine Vorlage, die solche Gottesdienste gestattet, in
der gesetzgebenden Versammlung eingereicht worden, und die Hoffnung

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mehr Religionsfreiheit gewährt werden wird. Die Presbyterianer,
Methodisten, Episkopalen und Congregationalisten haben in Peru
Missionen, die unter dem protestantenfeindlichen Gesetze gelitten haben.
Daß es dort auch gar manche zerstreute Lutheraner gibt, die von Deutsch⸗
land aus nur nothdürftig kirchlich versorgt werden, haben wir schon
früher einmal mitgetheilt. Die Hauptstation der Lutheraner ist Callao,
in der Nähe der Hauptstadt Lima. L. F.

Ausland.

Frauenemancipation. Der deutsche Verein für Frauenstimm⸗
recht hat, wie der „Lutherische Herold“ mittheilt, an die bekanntesten
lutherischen, reformirten und katholischen Professoren der Theologie
ein Schreiben mit folgenden Anfragen gerichtet: 1. ob sich aus den

Verwendung finden, vermittelt werden, sowie eine genügende Kennt⸗
niß der deutschen und portugiesischen Sprache, und nothdürftige Ein⸗

wird ausgesprochen, daß auch in den andern Ländern den Protestanten

Reden IEsu ein directes Verbot der vollen Gleichberechtigung von
Mann und Frau ableiten läßt, und 2. ob in den Verfassungen der
christlichen Urgemeinden eine Spur eines Unterschiedes in den Rechten
männlicher und weiblicher Gemeindemitglieder nachweisbar ist. — Die
Fragen sind recht vorsichtig gestellt und so formulirt, daß die Ant⸗
worten womöglich günstig für die Frauen lauten sollen. Und doch ist
die ganze Anfrage höchst überflüssig. Wenn diese Frauen wirklich
wissen wollen, was die Schrift von der modernen Frauenbewegung
urtheilt, so brauchen sie nur die Bibel aufzuschlagen und zu lesen, was
der Apostel IEsu Christi, St. Paulus, darüber zu sagen hat. Der
beruft sich wiederholt auf die alte, unverbrüchliche Ordnung Gottes:
„Dein Wille soll deinem Mann unterworfen sein, und er soll dein
Herr sein“, 1 Mos. 3, 16. Darum bezeichnet er den Mann als des
Weibes Haupt, 1 Cor. 11, 3. Eph. 5, 22. ff. Col. 3, 18., und weist
das Weib aus dem öffentlichen Leben und aus der öffentlichen Thätig⸗
keit in den Bereich des Hauses und der Familie, 1 Cor. 14, 34. f.
1 Tim. 2, 11. ff. Wo man sich freilich über diese Worte des Heiligen
Geistes hinwegsetzt und darüber spöttelt, da würde man auch einem
besonderen Worte Christi kein Gehör schenken. L. F.

Großbritannien steht an der Spitze aller Länder, was die für die
Heidenmission aufgebrachten Gelder anlangt. Die Jahreseinnahmen
seiner zehn größten Missionsgesellschaften betrugen im letzten Jahre in
runden Zahlen zusammen 87,000,000. Obenan steht die Church
Mission Society'' mit rund §1,750,000; das ist mehr, als alle
deutschen Missionsgesellschaften zusammen vereinnahmen. Ihr folgen
die Mission der schottischen Freikirche, die Londoner Mission, die der
wesleyanischen Methodisten, die Gesellschaft zur Ausbreitung des
Evangeliums, die Mission der Baptisten, die der schottischen Staats⸗
kirche und die China⸗Inland⸗Mission. Jede dieser Gesellschaften hat
eine Jahreseinnahme von mehr als §8250,000. Dazu kommen dann
noch zwei Hülfsgesellschaften der Heidenmission, die in dieser Zu⸗
sammenstellung nicht mit einbegriffen sind, nämlich die Britische und
Ausländische Bibelgesellschaft mit einer Jahreseinnahme von rund
81/,200,000 und die Tractatgesellschaft mit 5500,000 Einnahme.
Nach England folgen in den Jahreseinnahmen die Missionsgesell⸗
schaften der Vereinigten Staaten, dann der Reihe nach Deutschland,
die skandinavischen Länder, Canada, Frankreich, Holland. — Es sind
in der That große Summen, die für Heidenmission aufgebracht werden.
Und doch stehen sie in keinem Verhältniß zu dem irdischen Reichthum
der sichtbaren Christenheit. L. F.

Der neue Pabst Pius X. hat die schönen Hoffnungen, die
manche auf ihn gesetzt hatten, die eben das Pabstthum nicht kennen,
sehr schnell zu Schanden gemacht. Sein Vorgänger Leo XIII. war
bekanntlich ein schlauer Politiker, der unablässig darauf bedacht war,
die äußerliche, politische Macht des Pabstthums zu befestigen. Pius
dagegen wurde als ein „stiller, bescheidener, frommer, religiöser“
Mann hingestellt, der sich wenig um Politik und um die Machtstellung
des Pabstthums bekümmern, vielmehr alles Gewicht auf Religion und
Frömmigkeit legen werde. Insonderheit hatte man gehofft, daß er
die gespannten Beziehungen seiner Vorgänger zum italienischen Königs⸗
hause nicht aufrecht erhalten werde. Auch das Blatt der deutschen
Reformkatholiken, das „Zwanzigste Jahrhundert“, schrieb: „Auf dem
Thron wird Pius X. — dessen können wir sicher sein — kein anderer
sein, als er als einfacher Priester und Bischof war. Er wird demüthig
und bescheiden sein, sich nicht um irdischen Pomp, sondern um Ehre
und Herrlichkeit im Jenseits kümmern: er wird der religiöse
Pabst sein, den die Völker ersehnt haben in unsern
Tagen, wo sie den politisirenden Priester nicht ver⸗
stehen und nicht ertragen wollen.“ Aber in seiner ersten
amtlichen Ansprache an die versammelten Cardinäle am 9. November
schlug Pius einen ganz andern Ton an und gab deutlich zu erkennen,

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