Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 2 › Seite 19

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. Januar 1904, Seite 19

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Theater 9

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S Ver V„Tutheraner 19

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auberes Thema habe. In der Regel werde die verbotene Liebe
desungen und der Text könne nicht schlechter sein, als er ist.
Außerdem seien in jedem dieser elf Stücke noch Lügner, Schurken,
Abenteurer aufgetreten, und Ehescheidungen seien so zahlreich
gewesen wie in der heutigen Gesellschaft. Jedes dieser Stücke
habe einen schlechten Geschmack im Munde zurückgelassen. Und
statt daß nun alle diese Stücke „gepredigt“ und etwa gezeigt
hätten, wie die Uebelthäter sich gebessert hätten, habe nur in
Einem Stücke der Missethäter ein anderes Leben begonnen, und
dieses Stück sei sonst gerade das allerschlechteste und zu Neun⸗
zehnteln geradezu viehisch gewesen.

Endlich seien noch zwei Stücke gewesen, die nicht so schlimm
waren wie die elf, aber doch auch Anstößiges enthielten. So
urtheilt Brady über die besten Theater New Yorks. Die Dutzende
schlechter Theater läßt er, wie er selbst sagt und schon bemerkt
ist, ganz außer Betracht.

Der andere Mann, der kürzlich ein vernichtendes Urtheil
über das heutige Theater abgegeben hat, ist der Redner der
St. Louiser Ethischen Gesellschaft, Walter L. Sheldon. Diese
Gesellschaft ist keine religiböse Vereinigung, sie hat kein Glaubens—
bekenntniß, sie fragt nichts darnach, was ihre Glieder glauben
oder nicht glauben, sondern will nur ein „sittliches Leben“ er⸗
zielen. Sheldon redet darum lediglich vom Standpunkt eines
Weltmannes aus, hält es aber als solcher für nöthig, gegen den
„geradezu eutsetzenerregenden Realismus“ zu protestiren, der
heutzutage im Theater dargestellt wird. Mit „Realismus“ meint
er die ungeschminkte Darstellung der Sünde und des Lasters und
er sagt mit Recht, daß das Gefühl der Einwohner unsers Lan⸗
des abgestumpft ist, so daß sie nicht mehr erkennen, wie grob die
Unzucht in Wort und Handlung im Theater dargestellt wird.
„Ich kann nicht verstehen“, bemerkt er, „wie ein junges Mädchen
neben einem jungen Mann sitzen kann, ohne vor Scham zu beben,
wenn sie manche Worte in den berühmten Schauspielen, wie sie
hier in St. Louis aufgeführt werden, hört. Und der Mann,
der sie dahin gebracht hat, wird sicherlich erröthen, wenn er sich
vergegenwärtigt, in welche Lage er unabsichtlich das junge Mäd—
chen neben sich gebracht hat.“ Sheldon wendet sich dann an die
Mütter und fragt sie, ob sie ihre Töchter solchen Erfahrungen aus⸗
setzen wollen, zerstört auch den Wahn, als ob solche Schandstücke
durch Darstellung der Laster „Moral predigten“ und die Zu⸗
schauer von solchen Lastern abhalten würden. So verurtheilt selbst
die Welt das heutige Theater, und gerade die hervorragendsten,
beliebtesten und am meisten aufgeführten Stücke. Was mögen
erst für Stücke und Scenen in den anerkanntermaßen schlechten
Theatern zu hören und zu sehen sein! Und was anders kann die
„erzieherische, bildende“ Wirkung des heutigen Theaters sein,
als daß es die im Herzen wohnende böse Lust weckt und zu Sün⸗
den und Schanden reizt und verführt?
Und dieses heutige Theater sollten nun unsere jungen Chri⸗
sten, unsere Jünglinge und Jungfrauen, besuchen können, ohne
Schaden an ihrer Seele zu nehmen, ohne ihr Gewissen zu be⸗
flecken, sie, die schon in ihrer Taufe entsagt haben dem Teufel
und allen seinen Werken und allem seinem Wesen? Das beant⸗
worte dir selbst, lieber junger Christ, und dutchristliches Eltern⸗
paar, das du zum Wächter über deine heranwachsenden Söhne
und Töchter gestellt bist und sie darum gerade auch vor dem heu⸗
tigen Theater warnen und bewahren sollst. L. F.

Ehrengedächtniß des am 2. April 1903 entschlafenen
treuverdienten P. Konrad Georg Engelder.

P. Konrad Georg Engelder wurde geboren am 1. März 1837
auf dem St. Leonhardshof bei Beerfelden, Kreis Erbach, Groß—
herzogthum Hessen-Darmstadt. Sein Vater, der ein Tuchmacher—
meister war, hieß Johann Wilhelm Engelder und seine Mutter
Elisabeth, eine geborene Haupt. Er selbst lernte draußen die
Weberei. Im Jahre 1854, im Alter von siebzehn Jahren, wan—
derte er nach America aus und kam zuerst nach Philadelphia,
wo er sich auch etliche Jahre aufhielt. Hier arbeitete er eine
Zeitlang am Schuhmacherhandwerk.

Engelders deutschländischer Pastor war Rationalist. Die
Schule in seinem Heimathsort, welche er besuchte, ließ auch viel
zu wünschen übrig; doch lernte er als Knabe Luthers Kleinen
Katechismus. Lernbegierig, wie er war, forschte er zu Hause
fleißig in der biblischen Geschichte und las begierig alle Welt⸗
und Kirchengeschichtsbücher, deren er habhaft werden konnte.
Ueberhaupt trieb er Geschichte mit großer Vorliebe und eignete
sich im Laufe der Zeit ein seltenes kirchen-und weltgeschichtliches
Wissen an, aus welchem Schadzĩ reichlich mitzutheilen er jederzeit
bereit war. Er kam nicht mit der Absicht nach America, Theo⸗
logie zu studiren, sondern Verdienstes wegen. Anfänglich be—
suchte er in Philadelphia die Kirche des P. Demme, wo er sich
aber nicht heimisch fühlte. Endlich wurde er mit P. Hoyer be—
kannt, welcher ihn veranlaßte, in unser Predigerseminar zu Fort
Wayne einzutreten. Im Herbst des Jahres 1857 bezog er das
Seminar. Hier betrieb er nun in rechter Gottesfurcht, treulich
und mit großem Fleiß sein Studium unter Anleitung unserer
theuren, jetzt seligen Lehrer.

Schon zu Ostern 1860 bestand er mit dreien seiner Studien—
genossen sein Abgangsexamen, und man sandte ihn, eher, als
ihm lieb war, ins Amt. Er wäre lieber noch länger im Semi⸗
nar geblieben, um noch mehr zu lernen und noch gründlicher auf
die Führung des heiligen Predigtamtes vorbereitet zu werden,
fügte sich aber dem Urtheil seiner Professoren. Er folgte einem
an ihn ergangenen Ruf zweier lutherischen Gemeinden im Staate
New York, zu Olean und Wellsville, in deren Mitte er am
5. Juni 1860 vom seligen P. Dulitz ordinirt und eingeführt
wurde. Diesen beiden Gemeinden stand er neun Jahre lang in
dem HErrn treulich vor. Im Jahre 1869 erhielt er einen Beruf
an die neugegründete lutherische Zions-Gemeinde in Pitts-—
burg, Pa., den er auch mit Einwilligung und nach friedlicher
Entlassung seiner bisherigen Gemeinden annahm. Hier wirkte
er durch Gottes Gnade in großem Segen bis in das Jahr 1877.
Von dort führte ihn der HErr der Kirche an die lutherische Ge—
meinde in Punxsutawney, Pa., die mit ihrer Filiale in Brady
zur Ohio-Synode gehörte, und er wurde somit durch Annahme
dieses Berufs Glied der genannten Synode, welche zu jener Zeit
mit unserer Synode in Lehr⸗, Bekenntniß- und Glaubenseinig⸗
keit stand und, wie sie, der Synodalconferenz gliedlich angehörte.
Als aber im Jahre 1881 die Ohio-Synode unsere schrift- und
bekenntnißgemäße Lehre von der Gnadenwahl verwarf und als
calvinistisch bezeichnete, sich auch öffentlich von der Synodal⸗
conferenz lossagte, trat unser lieber Engelder mit manchen an⸗
dern seiner Synodal- und Amtsbrüder gewissenshalber aus der

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