Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 2 › Seite 22

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. Januar 1904, Seite 22

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22

S Der

auf einen neuen Propheten warten. Sodann aber sind diese
Worte auch gar nicht Worte, die Dr. Gräbner oder seine Freunde
und Genossen gesagt oder geschrieben haben, wie es nach P. G.'s
Citat den Anschein gewinnen muß, sondern diese Worte finden
sich im 9. Bericht unserer Allgemeinen Synode vom Jahre 1857
und sind zu dem Zweck in „Lehre und Wehre“ aufgenommen,
um auch an ihnen mit zu zeigen und nachzuweisen, was unsere
Väter je und je von dem 20. Capitel der Offenbarung und dessen
Auslegung gelehrt und bezeugt haben.

3. Ferner schreibt P. G. in seinem Blatt: „So verführt
der Irrstern von St. Louis die Christen zur Menschenknecht—
schaft und macht es ihnen zur Pflicht, jede Klageschrift gegen die
Fakultät ungeprüft zu lassen, sich vielmehr derselben anzunehmen,
wie Juden und Logenbrüder den Ihrigen durchhelfen.“ Das ist
offenbare Unwahrheit. Die Facultät hat es nie irgend einem
Gliede der Synode zur Pflicht gemacht, jede oder auch nur irgend
eine Klageschrift gegen die Facultät ungeprüft zu lassen. P. G.
wird den Beweis für diese Anklage wohl schuldig bleiben. P. G.'s
Klageschrift gegen die Facultät ist von der Synode in genau der—
selben Weise geprüft worden, wie die Synode jede andere Klage⸗
schrift gegen eins ihrer Glieder oder eine ihrer Behörden prüft.

4. Endlich schreibt P. G. in einem Artikel im „KHi

—Sendbote“ Folgendes: „Der Allgemeine Präses wurde wieder⸗

holt wegen Tyrannei angeklagt und nach einer solchen Synodal—⸗
verhandlung sprach sein eigener Bruder in Gegenwart des Prof.
Herzer zu mir: „Wehe der armen Seele meines Bruders, wenn
Alles wahr ist, was da N. N. von ihm ausgesagt hat! Ich will's
nicht hoffen, aber auch nicht bestreiten. Die Präseswürde ist zu
gefährlich für einen theologischen Professor. Er wird nur allzu—
leicht versucht, Synodale für Untergebene anzusehen. Ich habe
meinen Bruder schon dringend gebeten, das Präsidium nieder—
zulegen; denn ich getraͤute mich an seiner Stelle nicht selig zu
werden. Wie oft habe ich Gott schon gedankt, daß er mich nicht
in gleiche Lage wie ihn kommen ließ! Ach, wie schwer kann die
Versuchung werden unter Schmeichlern, die Alles gut heißen.““
Dieser ganze Passus enthält nicht etwa Entstellungen und Ver⸗
drehungen der Wahrheit, sondern ganz einfach eitel Erdichtungen
und Einbildungen. Dr. Pieper ist nie auf der Synode der
Tyrannei angeklagt worden, wie die ganze Synode bezeugen
kann.
gefunden, nach der jemand zu P. G. etwas Derartiges hätte
sagen können. Die Worte, die P. G. dem „eigenen Bruder“
Dr. Piepers in den Mund legt, sind nie gesprochen worden. Wir
haben uns an die drei Brüder Dr. Piepers gewandt, die im Amte
stehen, ob sie sich zu diesen Worten bekennen. Prof. Aug. Pieper
und P. A. Pieper schreiben, daß sie, soweit sie sich erinnern könn⸗
ten, mit P. G. seit Ablauf der gemeinsamen Studienzeit, also
seit dem Jahre 1879. überhaupt nicht mehr gesprochen hätten.
Prof. R. Pieper, der wahrscheinlich mit dem „eigenen Bruder“
gemeint ist, schreibt: „Wie ich Ihnen schon mündlich mittheilte,
habe ich Herrn P. Gößwein nur einmal gesehen und gesprochen,
und zwar auf meiner Rückkehr von der Versammlung der Syno-⸗
dalconferenz in Evansville, Ind., vor etwa sechs bis acht Jahren.
Ich war nur kurze Zeit bei ihm, und meines Wissens ist von uns
über die Stellung des Allgemeinen Präses unserer Synode über⸗
haupt nicht geredet worden. Damals dachte auch keiner daran,
daß mein Bruder jemals zum Allgemeinen Präses gewählt wer⸗

er sagt, daß seine Phantasie ihm in krankhafter Weise Begeben

Es hat also nie eine „solche Synodalverhandlung“ statt⸗

den würde. Da er aber damals dieses Amt noch nicht bekleidete,
so geht schon daraus hervor, daß ich die mir von Herrn P. Göß⸗
wein in den Mund gelegten Worte unmöglich geredet haben kann.
Dieselben sind jedenfalls ein Erzeugniß seiner krankhaft— erreg⸗
ten Phantasie, was bei dem geistig⸗körperlichen Zustande Herrn
P. Gößweins leicht erklärlich ist. Seit der Bruder. Allgemeiner
Präses ist, habe ich Herrn P. Gößwein weder gesehen noch auch um
eine Zeile mit ihm gewechselt, soweit meine Erinnerung reicht.““
Was soll man nun zu solchen Dingen sagen, wenn man auch
das mit hinzunimmt, was der „Lutheraner“ in No. 25 des letzten
Jahrgangs, S. 390 f., dargethan hat? Denn jene Unwahrheiten
und Entstellungen, die wir dort aufgedeckt haben, gehören auch
auf P. G.'s Rechnung. Das „Kirchenblatt“ hat, wie wir nach
träglich erfahren, seine Angaben aus dem eben angeführten Artis
kel P. G.'s im „Kirchl. Sendboten“ genommen. Wir fragen
was soll man zu diesem Allen sagen? Es ist da nur ein Ent
weder — oder möglich. Entweder ist P. G. ein Mann, de
wider besser Wissen und Gewissen die Unwahrheit sagt, ein
Mann, der mit groben, schändlichen Lügen umgeht und sich nich
scheut, rein selbsterfundene und -erdachte Dinge boshafter Weis
in die Welt hinaus zu schreiben. Oder aber P. G. ist in einen
solchen krankhaft erregten Zustand, daß er nicht mehr weiß, wa

heiten als geschehen und Worte als gesprochen vorspiegelt, di
nie geschehen und gesprochen sind. Die Facultät hat stets da
Letztere angenommen und nimmt es heute noch an. Zu dieser
Annahme bestimmt sie die Thatsache, daß P. G. schon seit langen
Jahren, schon seit seiner Studienzeit, an einer schweren Krank⸗
heit, an der Epilepsie, leidet. Wir halten P. G. nicht im vollen
Maße verantwortlich für das, was er sagt und schreibt.

Hiernach ist auch zu beurtheilen, was P. G. in seinem Blatte
erzählt von dem Zeugenberuf, der ihm angeblich von dem seligen
Dr. Walther aufgetragen sei. Soweit uns bekannt ist, weiß nie⸗
mand in der ganzen Synode außer P. G. etwas von einer solchen
Veranstaltung Dr. Walthers, wie sie P. G. beschreibt, bestimm⸗
ten Personen die Ueberwachung einzelner Lehren zu übertragen.
Auf diese Weise erklärt es sich auch, daß P. G. sich fortwährend
für einen Verfolgten hält und erklärt, während in der That nie⸗
mand ihn verfolgt, sondern, wenn von Verfolgen überhaupt ge⸗
redet werden soll, dasselbe ganz auf seiner Seite ist.

Wir haben Grund zu der Vermuthung, daß P. G. fortfahren
wird, in seiner Weise Synode und Facultät anzugreifen und zu
verleumden und also seinen vermeintlichen Zeugenberuf auszu⸗
richten. Das können wir natürlich nicht hindern. Wir sind aber
der Meinung, daß wir im „Lutheraner“ nicht weiter solche Aus⸗
lassungen berücksichtigen sollten, die entweder grobe Lügen oder
Einbildungen einer krankhaft erregten Phantasie sind.

G. M.

Zur kirchlichen Chronik.

Ameriea.

Unsere Brüder in Brasilien machen, ganz ähnlich wie die
Väter und Gründer unserer Synode im Jahre 1839, jetzt schon den
Anfang zur Gründung einer kleinen Lehranstalt. In der neuesten
Nummer ihres vor Kurzem ins Leben gerufenen Blattes heißt es dar⸗
über: „Ein Institut zur Ausbildung von Lehrern und Predigern.

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