Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 2 › Seite 24
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. Januar 1904, Seite 24
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Theater 5
—
daß er genau den Weg seiner Vorgänger gehen werde. Zuerst kam er
auf seine Wahl zum Pabste zurück und sagte in heuchlerischer, schein⸗
heiliger Weise, daß er pergeblich versucht habe, das Amt abzuweisen;
schließlich habe er es als Gottes Willen erkannt, daß er es annehmen
solle. Wenn der Pabst auch nur einen Augenblick nach Gottes Willen
fragen wollte, dann würde er sofort das ganze Pabstthum aufheben
müssen. Denn Christus will keinen solchen Herrn und angeblichen
Stellvertreter seiner selbst in der Kirche haben, sondern spricht: „Einer
ist euer Meister, Christus; ihr aber seid alle Brüder“, Matth. 23,
8. 10. — Dann kommt der Pabst auf sein päbstliches Programm, auf
„die von ihm zu befolgende Politik, zu sprechen und sagt da nach dem
Bericht der katholischen „Kölnischen Volkszeitung“ wörtlich Folgendes:
„Da es nöthig ist und auch der christliche Staat das größte Interesse
daran hat, daß der Pabst in der Leitung der Kirche frei sei und als
frei erkannt werde und keiner Macht unterthan sei, so zwingt uns die
gewissenhafte Auffassung unseres Amtes und der von uns geleistete
Eid, das in diesem Punkte der Kirche zugefügte schwere Unrecht zu
beklagen.“ Es ist aber nicht wahr, daß der Pabst bloß Freiheit in
der Leitung der Kirche haben will. Er will vielmehr zugleich ein
weltlicher Herrscher sein und in weltlichen Händeln mitthun, während
doch Christus gesagt hat: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“,
Joh. 18, 36. Deshalb beklagt sich auch der Pabst über das „der
Kirche zugefügte schwere Unrecht“. Er meint damit die Wegnahme
des Kirchenstaates, die Aufhebung der weltlichen Herrschaft des Pabstes
durch die italienische Regierung. Pius sagt dann weiter: „Man muß
sich darüber verwundern, daß es Leute gibt, die in ihrer Neugierde sich
mit Vermuthungen abquälen über unser Regierungsprogramm. Als
ob das einer Untersuchung bedürfte, oder als ob es nicht ganz offen⸗
kundig sei, daß wir denselben Weg gehen wollen und
müssen, den unsere Vorgänger bis heute eingehalten
haben. . . . Wenn man Anstoß daran nimmt, daß wir uns um
Politik kümmern, so muß doch jeder billig Denkende einsehen, daß der
Pabst von seiner lehramtlichen Thätigkeit auf Glaubens⸗ und Sitten⸗
gebiet Fragen politischer Art nicht trennen kann.
als Oberhaupt und Lenker einer vollkommenen, aus Menschen sich zu⸗
sammensetzenden und unter Menschen bestehenden Gesellschaft, wie es
die Kirche ist, doch zweifellos den Wunsch haben, daß zwischen ihm
und den Staatsoberhäuptern und Staatslenkern Beziehungen bestehen,
wenn er für die Sicherheit und Freiheit der Katholiken in allen Welt⸗
theilen gesorgt wissen will.“ Die Welt hat also von dem jetzigen
Pabste ganz dasselbe zu erwarten wie von seinen Vorgängern. Er
wird dieselben unverschämten Ansprüche in geistlichen und weltlichen
Dingen erheben, dieselben Verdammungsurtheile aussprechen über die⸗
jenigen, die ihm nicht gehorchen, dieselben Schmähungen und Läste⸗
rungen ausstoßen gegen unsern HErrn und Heiland IEsum Christum
und sein theures Verdienst, dieselben greulichen Mißbräuche und seelen⸗
verderblichen Irrlehren festhalten. Das kann uns nicht Wunder neh⸗
men. Pabstthum bleibt Pabstthum, wer auch immer gerade Pabst ist.
Das Pabstthum ist eben nicht etwas, was von den einzelnen Inhabern
des päbstlichen Stuhles abhängt. Es ist ein System, eine Einrichtung,
die, wie schon Luther erkannte und sagte, nur so gebessert und reformirt
werden kann, daß sie ganz und gar abgeschafft wird. Das Pabstthum
ist eine Einrichtung des Satans, und erst der HErr wird ihm
ein Ende machen durch die Erscheinung seiner Zukunft, 2 Thess. 2, 8. f.
L. F.
Zur Zeit der französischen Revolution, am 10. November
1793, wurde bekanntlich in Paris die christliche Religion ganz förm—
lich abgeschafft und die Vernunft als Göttin erhoben, anerkannt und
gefeiert. Eine Schauspielerin, gekleidet in die Farben der Revolution,
wurde im Triumphwagen durch die Straßen geführt, in der Pariser
Hauptkirche Notredame auf den Hauptaltar gehoben und mit Ver⸗
gebracht, und wir brauchen nicht weiter darauf einzugehen.
Ueberdies muß er
neigungen, Räucherungen, Ansprachen und Gesängen als „Göttin der
In den andern Pariser Kirchen und in mehreren
Vernunft“ verehrt.
tausend Kirchen des Landes wurde diese Feier nachgeahmt. Und jetzt
kommt aus Paris die Nachricht, daß die dortigen Atheisten am 8. No⸗
vember auf Anregen des ehemaligen katholischen Priesters Charbonnel
zur Erinnerung an jenen Vorgang eine neue Feier der Vernunft in
einem großen Saale abgehalten haben. Eine Anzahl Reden, mit Ge⸗
dichten und Gesängen untermischt, wurden der einige tausend Köpfe
zählenden Versammlung geboten. Einen Gott gebe es nicht, die christ⸗
liche Kirche habe ihren Einfluß verloren, kein Gebildeter glaube mehr,
was er nicht mit der Vernunft begreifen könne — in solchen und ähn⸗
lichen Redewendungen wurde den ganzen Abend gesprochen. — „Die
Thoren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Sie taugen
nichts, und sind ein Greuel mit ihrem Wesen“, Ps. 14, 1. „Der im
Himmel wohnet, lachet ihrer, und der HErr spottet ihrer“, Ps. 2, 4.
L. F.
Aus Welt und Zeit.
Das entsetzliche Unglück des Theaterbrandes in Chicago,
durch das in wenigen Minuten Hunderte von Menschen eines grauen⸗
vollen Todes starben, ist noch in aller Munde. Die Tages⸗ und
Wochenzeitungen haben spaltenlange Berichte über die Einzelheiten
Ganze ist eine tieferschütternde Predigt. In wenig Augenblicken wur⸗
den diese Theaterbesucher aus der irdischen Lustbarkeit herausgerissen
und vor den Thron des göttlichen Richters gestellt. Die Welt fragt
freilich nichts nach solcher Predigt, und in kurzer Zeit wird die Auf⸗
regung sich gelegt haben und der Vorfall durch andere Ereignisse in
den Hintergrund gedrängt sein. Daß doch alle Christen, insonderheit
unsere Jünglinge und Jungfrauen, denen besonders die Versuchung
zur Theilnahme am Weltwesen droht, diese Mahnung beherzigen und
nicht vergessen möchten!
weitaus größten Theile anstößigen und unsittlichen Aufführungen ist
ein Stück des sündlichen Weltwesens, dem die Christen schon in ihrer
Taufe entsagt haben. Gerade auch davon gilt das Wort der Schrift:
„Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die
Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.
was in der Welt ist (nämlich des Fleisches Lust und der Augen Lust
und hoffärtiges Leben), ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.
Und die Welt vergehet mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes
thut, der bleibet in Ewigkeit“, 1 Joh. 2, 15. ff. L. F.
Der Märtyrer Euplins.
„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme
sein Kreuz auf sich und folge mir.“ Matth. 16, 24.
Am 12. August des Jahres 304 hatte sich zu Catana in Sieilien
der römische Statthalter Calvisian zu Gericht gesetzt. Hinter dem
Richterstuhl war nach römischer Sitte ein Vorhang heruntergelassen,
damit sich die Richter ungestört zurückziehen, berathschlagen und das
Urtheil sprechen könnten.
hang, als Euplius in das Gerichtszimmer geführt wurde. Der Statt⸗
halter bestieg den Richterstuhl. Euplius trat vor ihn, das Evangelien⸗
buch in der Hand. Zornig rief ihm Maximus, ein Freund des
Statthalters, zu: „Wie kannst du es wagen, hier mit einem Buch zu
erscheinen, das nach den Geboten der Kaiser ausgeliefert und ver⸗
brannt werden soll?“ Und Calvisian fragte: „Woher hast du diese
*
Das
Denn das heutige Theater mit seinen zum
Denn alles,
Calvisian befand sich noch hinter dem Vor⸗
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