Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 22 › Seite 337

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Oktober 1904, Seite 337

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Baansgegrben von der Peutschen eoels Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.

ꝙ.

den 25. Ockober 1904.

No. 22.

ö 60. Zahrgang. Hl. Louis, Mo.,
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Einige biblische Culturbilder.
VII.

Das letzte der biblischen Culturbilder, die wir hier unsern
Lesern vorführen, soll nicht wieder ein Schattenbild sein, sondern
ein Lichtbild. Die von Gott abgefallenen Menschen haben die
Cultur in den Dienst der Sünde und der Gottlosigkeit hinein⸗

gezogen. Doch Gott hat in diesem entarteten Geschlecht noch
einen Samen, einen heiligen Samen. Und Gottes Volk auf
Erden hat von Anfang an auch die Dinge dieser Erde, auch Cul⸗
tur, Kunst, Wissenschaft, in den Dienst Gottes gestellt.

Israel, das Volk, das sich Gott von allen Völkern erwählt

„ war von Anfang an ein Culturvolk. Moses, der erste
*0 Führer des Volks, wurde als Sohn der Tochter Pharaos
in aller Weisheit der Egypter aufgezogen. Apost. 7, 21. 22.
Und das kam ihm zu Statten, als er dann von Gott das Gesetz
empfing und dasselbe Israel verkündigte, und als er alle Worte
dieses Gesetzes und die Geschichte des Volks und seiner Väter in
ein Buch schrieb. Die Kinder Israel waren in der Zeit ihrer

Dienstbarkeit mit der alten Cultur Egyptens bekannt und ver⸗

traut geworden. Und was sie in Egypten gelernt, das verwende⸗

ten und verwertheten sie dann in rechter Weise, als sie am Sinai

ach Anleitung Gottes ihren Gottesdienst einrichteten. Der
ättelpunkt des altisraelitischen Gottesdienstes war die Stifts⸗
se. Das war ein Gerüst aus feinem Acacienholz, mit Gold

Ueber dies Gerüst oder Gestell war ein köstlicher
gebreitet, aus blauem Purpur, dunkelrothem Purpur,

othem Carmesin zusammengewoben. In die bunten Stoffe

r weißer Byssus eingewoben, und in das Ganze waren Che⸗
Sgestalten eingewirkt. Drei Decken aus Fellen deckten und
ützten nach außen den Prachtteppich. Aus denselben kostbaren
ffen, wie der letztere, war der innere, wie der äußere Vor⸗
der Hütte angefertigt. Ebenso der Leibrock des Hohen⸗
rs, an welchem man auch 24 auserlesene Edelsteine funkeln
Die Schrift beschreibt genau die Geräthe der Hütte, die

Bundeslade mit dem goldenen Sühndeckel und den zwei goldenen
Cherubim, den Schaubrodtisch, den siebenarmigen goldenen Leuch⸗
ter mit seinen Knäufen und Blumenkelchen, den Räucheraltar mit
seinen goldenen Schalen und Becken, die das wohlduftende Rauch⸗
werk enthielten ꝛc. Es war das alles feine, kunstreiche Arbeit,
und die Schrift gedenkt auch rühmlich der Namen der Künstler,
welche diese Arbeit ausführten. (Vgl. 2 Mos. 25 ff.) Und diese
Heiligthümer dienten nun eben heiligen Zwecken. Die Hütte des
Stifts war der Ort, wo Gott mit seinem Volk zusammenkam,
wo Gott sich seinem Volk offenbarte. Alle Stücke des Heilig⸗
thums hatten ihre Bedeutung, waren Abbilder des Reichs Gottes,
Vorbilder der neutestamentlichen Dinge und Güter. Hebr. 9, 1. ff.
An die Stelle der Hütte trat dann später der Tempel in Jeru⸗
salem. Der salomonische Tempel war ein Baudenkmal und Kunst⸗
werk ersten Ranges. Der Bau war aus großen Steinquadern
aufgeführt und das Steingebäude mit Cedernbalken überdeckt und
inwendig mit Cedernholz belegt. In die Cedernwände waren
Cherubsfiguren, Palmen und aufbrechende Blumen eingeschnitten,
und das Holzwerk sammt der Schnitzarbeit mit Goldblech über⸗
zogen. Phönizische Werkleute hatten hierbei Hülfe geleistet. Die
Tempelgeräthe waren den Geräthen der Stiftshütte ähnlich, nur
daß sie die letzteren an Zahl, Schmuck und Zier übertrafen. An
Statt des Waschbeckens stand im Vorhof das große eherne Meer,
von zwölf ehernen Rindern getragen. Eine besondere Zierde des
Vorhofs waren die zwei großen ehernen Säulen Jachin und Boas
mit ihren prachtvollen Capitälen. (Vgl. 1 Kön. 6, 1. ff.) Und
in diesem Heiligthum schaute nun das anbetende Volk die schönen
Gottesdienste des HErrn. Hier wurden von den levitischen
Sängerchören unter Begleitung sanft tönender Saiteninstrumente
die Psalmen Davids gesungen. Trompetenschall und Hörner⸗
klang bildete den andern Theil der heiligen Musica. Das war
der Ort, den die Frommen in Israel so lieb hatten, wo die Ehre
Gottes wohnte.

Der alte Bund, der alttestamentliche Gottesdienst hatte es
noch mit irdischen Stoffen zu thun. Das Schattenwerk ist ge⸗

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