Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 22 › Seite 339
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Oktober 1904, Seite 339
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gabe beendet, nun daran ging, auch das Abendland mit dem
Evangelium von Christo zu erfüllen. Wie viele Kauffahrtschiffe,
die das weite Meer befahren, haben seitdem neben den Handels⸗
reisenden und ihren Waaren auch Boten des Friedens an Bord
gehabt und so fremden Völkern auch das beste, höchste Gut zu⸗
geführt, das Evangelium von ihrer Seligkeit! Die modernen
Berkehrsmittel, Dampfschiffe, Dampfwagen, sind auch Förde⸗
rungsmittel für das Evangelium. Christliche Prediger und
Missionare können jetzt gar leicht und schnell von Ort zu Ort
kommen und Christi Namen da bekannt machen, wo er noch
nicht genannt war. Die Postverbindung, welche die ganze Welt
umspannt, bringt Tausende von christlichen Schriften und Zeit⸗
schriften in die Häuser der Reichen und Armen. Kurz, das rege
Treiben, die Hast und Bewegung auf dem Weltmarkt hilft auch
dazu, daß Gottes Wort läuft und wächst und Frucht bringt.
Wie die ganze Welterhaltung und Weltgeschichte, so muß
auch die Culturentwicklung nach Gottes Willen, in Gottes Hand
einem höheren Zweck dienen, dem Aufbau und der Ausbreitung
des Reiches Gottes. Wenn dieser Zweck erreicht ist, wenn das
Evangelium seinen Lauf auf Erden vollendet hat, wenn die
ganze Christenheit gesammelt ist, dann ist das Ende der Welt
vorhanden. Dann vergeht die Welt und alle ihre Schöne. Wir
Christen aber warten eines neuen Himmels und einer neuen
Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt, welche von der Ehre und
Herrlichkeit Gottes erfüllt sind. 2 Petr. 3, 13. Die Prophetie des
Ezechiel enthält in den letzten Capiteln ein großartiges Gemälde
von einem Tempelbau, der in allen seinen Theilen und Maßen
den Stempel der Vollendung trägt. Der heilige Seher Johan⸗
nes schaut in den letzten Capiteln seiner Offenbarung das neue
Jerusalem mit den goldenen Gassen, mit seinen Perlenthoren
und Gründen von Edelsteinen. Beide Gesichte beziehen sich auf
die zukünftige Welt, von welcher wir hienieden noch keine rechte
Vorstellung haben, und die uns daher die Schrift mit Farben
und Bildern ausmalt, welche dem Diesseits entnommen sind.
All das Große und Schöne, das wir hier auf Erden erblicken,
im Reich der Schöpfung, im Bereich der menschlichen Kunst und
Cultur, ist ein schwaches Abbild der überschwänglichen Herrlich⸗
keit, die Gott dort seinen Kindern bereitet hat. G. St.
Bericht über die Synodalbersammlung des Nebraska⸗
Districts.
ö Vom 17. bis 23. August war der Nebraska⸗District unserer
Synode zu Battle Creek, Nebr., versammelt. Die Eröffnung
geschah durch eine zeitgemäße Predigt des Ehrw. Allgemeinen
Präses D. F. Pieper über Matth. 9, 35—38. Auf Grund des⸗
selben beantwortete er die Frage: „Warum müssen wir mit aller
4 Treue unsere synodalen Anstalten pflegen? 1. Weil die Ernte
so groß und der Arbeiter so wenige sind, und 2. weil die Aus⸗
rüstung und Aussendung von Predigern des Evangeliums das
vornehmste Werk christlicher Barmherzigkeit ist.“
Gegenstand der Lehrverhandlungen in den Vormittags⸗
sitzungen war die hochwichtige und sehr tröstliche Lehre von der
Auferstehung der Todten. Besprochen wurde sie an der Hand
er große Heidenapostel, nachdem er im Morgenland seine Auf-von sechs Thesen, die Prof. L. Dorn gestellt hatte. Diese Sätze
lauten also: „1. Gewißheit. Es ist aus der heiligen Schrift ge⸗
wiß, daß die im Tode dahingefallenen Leiber der Menschen der⸗
einst wieder ins Leben zurückkehren und auferstehen werden.
2. Urheber. Der Urheber der Auferstehung ist der dreieinige
Gott; insonderheit aber wird das Werk dem Gottmenschen Chri⸗
stus IEsus zugeschrieben. 3. Wesen. Christus wird am jüngsten
Tage die Leiber aller Verstorbenen aus den Stoffen, in die sie
zerfallen sind, wieder herstellen und mit ihren Seelen aufs neue
vereinigen, so daß also jeder Mensch nach Substanz und Form
ganz denselben Leib erhält, den er im Augenblick seines Todes
besaß. 4. Ursachen. Zur Auferweckung der Gläubigen bewegt
den HErrn seine Liebe und Barmherzigkeit, denn er wird sie um
seines eigenen Verdienstes willen zum himmlischen Leben aus dem
Tode rufen; zur Auferweckung der Ungläubigen dagegen bewegt
ihn sein heiliger Zorn und seine Gerechtigkeit, denn er wird sie
um ihrer Unbußfertigkeit willen zur ewigen Schmach und Schande
aus den Gräbern hervorgehen lassen. 5. Zustand. Bei der Auf⸗
erstehung werden die Leiber aller Menschen unsterblich und un⸗
verweslich, die der Gläubigen aber auch verklärt und herrlich sein.
6. Zweck. Der Zweck der Auferstehung rücksichtlich der Menschen
ist bei den Gläubigen die ewige Seligkeit, bei den Ungläubigen
die ewige Verdammniß; rücksichtlich Gottes die Ehre und ewige
Verherrlichung seines Namens.“ Ueber die herrliche und tröst⸗
liche Ausführung dieser Thesen möchte ich weiter nichts ver⸗
rathen, dagegen aber jedem anrathen, sich den ausführlichen
Synodalbericht darüber zu kaufen und andächtig zu lesen, und
dadurch sich in seinem Glauben zu stärken und in der rechten Er⸗
kenntniß dieser Lehre zu wachsen und zuzunehmen.
In den Nachmittagssitzungen beschäftigte uns vornehmlich
die Innere Mission unsers Districts. P. Möllering, der Seeretär
der Missionscommission, legte uns einen ausführlichen Bericht
vor über jeden Missionsposten. Da hörten wir, daß und wie
auch in unserm District dieses Werk des HErrn trotz mancherlei
Hindernisse dennoch seinen gesegneten Gang geht. Das größte
Hinderniß bildete auch hier, wie in andern Districten, der große
Mangel an Arbeitern und der daraus folgende schnelle Amts⸗
wechsel unserer Reiseprediger.
Der Ehrw. Allgemeine Präses berichtete über den Stand
der Baukasse und was bisher, laut Beschlusses der Allgemeinen
Synode, an den verschiedenen Anstalten gebaut und reparirt
worden ist. Auch ermunterte er, diese Kasse recht fleißig mit
Collecten zu bedenken, da der Raum in fast allen Anstalten zu
enge sei. Weil die Ernte so groß ist, müssen wir mehr Arbeiter
haben; weil wir mehr Arbeiter haben müssen, müssen wir mehr
Knaben und Jünglinge haben, die willig und bereit sind, sich zu
Arbeitern im Weinberg des HErrn zurüsten zu lassen; und somit
müssen wir auch mehr und größere Anstalten haben, in denen
unsere neuen Arbeiter zugerüstet werden. — Desgleichen legte
uns der Ehrw. Allgemeine Präses die Unterstützung der ver⸗
schiedenen Missionen im Ausland, in England, Deutschland,
Dänemark, Australien, Indien und Brasilien, mit warmen
Worten ans Herz.
In Bezug auf unsere Anstalt in Seward, Nebr., beschloß
unser District, bei der nächsten Allgemeinen Synode zu bean⸗
tragen, diese Anstalt zu einem vollen Lehrerseminar zu erweitern.
— P. Her von Denver, Colo., berichtete über ein in Denver zu
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