Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 22 › Seite 338
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Oktober 1904, Seite 338
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Staatsſchule 8
338
Ver V. „TutheransdS
fallen, seit Christus, der Körper, erschienen ist. Jetzt, im neuen
Bunde beten die wahrhaftigen Anbeter den Vater an, den Vater
IEsu Christi, im Geist und in der Wahrheit. Für uns Christen
ist Gottes Wort, das Evangelium von Christo das Heiligthum
über alle Heiligthümer. Und die Predigt des Evangeliums ist
jetzt der vornehmste Gottesdienst. Gleichwohl hat das irdische
Geld und Gut, die irdische Arbeit und der Erwerb der Arbeit
auch jetzt noch Werth und Bedeutung für das Reich Gottes. Im
60. Capitel weissagt der Prophet Jesaias von der neutestament⸗
lichen Kirche, von der Bekehrung der Heidenvölker zu Christo.
Da lesen wir V. 6—9.: „Die Menge der Kameele wird dich be⸗
decken, die Läufer aus Midian und Epha; sie werden aus Saba
alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des HErrn Lob
verkündigen. Alle Heerden in Kedar sollen zu dir versammelt
werden, und die Böcke Nebajoths sollen dir dienen; sie sollen auf
meinem angenehmen Altar geopfert werden, denn ich will das
Haus meiner Herrlichkeit zieren. Wer sind die, welche fliegen
wie die Wolken, und wie die Tauben zu ihren Fenstern? Die
Inseln harren auf mich, und die Schiffe im Meer vorlängst her,
daß sie deine Kinder von ferne herzubringen, sammt ihrem Silber
und Golde, dem Namen des HErrn, deines Gottes, und dem
Heiligen in Israel, der dich herrlich gemacht hat.“ Hier beschreibt
der Prophet in alttestamentlichen Bildern und Ausdrücken den
Eingang der Heiden in das neutestamentliche Zion. Er sieht im
Geist Schaaren aus dem Osten kommen, sonderlich aus dem Reich
Arabien, welche auf dem Altar des HErrn opfern, das ist, Chri⸗
stum, den HErrn, von dem im Eingang der Weissagung die Rede
ist, ehren und anbeten, und Schiffe aus dem Westen, welche die
Kinder Zions herzubringen. Und diese Heiden, die sich zum
HErrn bekehren, bringen Gold und Silber mit sich, um das Haus
des HErrn zu zieren und zu schmücken. Das neutestamentliche
Gotteshaus ist gemeint. Ja, es bedarf auch jetzt, im neuen
Bunde, noch des Silbers und Goldes, reicher Opfer, damit der
Dienst am Wort bestellt und erhalten werde, damit Prediger des
Worts den Fernen und Fremden, die noch in Schatten und Fin⸗
sterniß des Todes sitzen, zugesandt werden. Im Schlußtheil der
Weissagung über Tyrus, Cap. 23, wird prophezeit, daß der ver⸗
gessenen Hure wieder gedacht werden solle, daß Gott Tyrus der⸗
einst in Gnaden heimsuchen werde. Und von den Uebrigen aus
Tyrus heißt es dann V. 18.: „Aber ihr Kaufhandel und Huren⸗
lohn werden dem HErrn heilig sein.“ Ja, die Uebrigen aus
den Heiden, die sich dem HErrn zugewendet haben, heiligen dem
HErrn und seinem Dienst dann auch den Lohn ihrer Arbeit, den
Erwerb ihres Handels. Arbeit, Geschäft, Handel und Wandel
in den Händen der Christen wirft auch Gewinn ab für das Reich
Christi auf Erden.
Ueber dem Kreuz, an welchem Christus hing, las man die
Ueberschrift: „IEsus von Nazareth, der Juden König.“ Und
diese Ueberschrift, die eine kurze Summa des Evangeliums ent⸗
hält, „war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische
Sprache“. Joh. 19, 20. Das hatte Gott so gefügt. Das
war von Anfang der Welt also Gottes Rath und Wille, daß
das Evangelium von Christo, dem Heiland der Welt, in den
drei weltberühmten Sprachen der Welt verkündigt werden sollte.
Die alttestamentliche Schrift, die von dem kommenden Christus
zeugt, ist in hebräischer Sprache, die neutestamentliche Schrift,
die von IEsu, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, zeugt, in
griechischer Sprache verfaßt. Und die lateinische Sprache ist
die alte Kirchensprache, in welcher Jahrhunderte lang die recht⸗
gläubigen Lehrer der Kirche die christliche Lehre dargelegt,
bekannt und vertheidigt haben. Und damit nun die christliche
Lehre, die Lehre der Schrift rein und unversehrt erhalten
werde, müssen die Prediger des Worts immer wieder aus der
Quelle selbst schöpfen und aus den Quellenschriften darthun,
daß also geschrieben steht und nicht anders. Darum gehört
dieses Stück der Wissenschaft, die Sprachenkunde, das Studium
der alten classischen Sprachen, mit zur Vorbereitung für das
Studium der Theologie, für das Predigtamt. So lieb uns
das Evangelium ist, so hart müssen wir über den Sprachen
halten. Das hat Luther oft eingeschärft. Und wir fügen hier
noch Folgendes hinzu. Es ist Gottes Wille, gereicht zur Ehre
Gottes und zum Heil der Seelen, daß das seligmachende Evan⸗
gelium auf allerlei Weise den Menschen nahe gebracht wird,
also nicht nur durch die mündliche Predigt, sondern auch durch
Schrift — und Druck. Denn nur gedruckte Schriften und
Bücher, nicht Manuscripte, können in Masse unter das Volk
verbreitet werden. Wie viel Druck und Verbreitung von Bibeln
und andern gottseligen Büchern, die das rechte Verständniß der
Schrift fördern, zur Verbreitung des Christenthums und gerade
der reinen Lehre des göttlichen Worts schon beigetragen haben
und noch täglich beitragen, ist sattsam bekannt und anerkannt.
So war die Erfindung dieser Kunst, der Buchdruckerkunst, ein
epochemachendes Ereigniß nicht nur in der Culturgeschichte, son⸗
dern auch in der Geschichte der christlichen Kirche. Ja, Schrei⸗
ben, Drucken, Schriftenverbreitung, Buchhandel gehört mit zum
Dienst am Worte, ist von Belang für den Bestand, das Wohl
und Gedeihen der Kirche.
Die Heiden, die aus Saba kommen, von denen der Pro⸗
phet sagt, bringen dem HErrn Gold und Weihrauch. Die
Weisen aus dem Morgenland schenkten dem Sohn Mariens
nicht nur Gold, sondern auch Weihrauch und Myrrhen. Matth.
2, 11. Als Maria, die Schwester des Lazarus, die Füße IEsu
mit köstlicher Narde salbte, die dreihundert Groschen werth war,
so war das dem HErrn gar wohlgefällig. Joh. 12, 1. ff. Chri⸗
stus nimmt ganz gern auch solche Dienste an, die über das Maß
des Nothwendigen hinausgehen. Was die Christen zur Ver⸗
schönerung ihres Gottesdienstes, ihrer Gotteshäuser aufwenden,
dient auch Christo zu Ehren und ist der Andacht und Erbauung
förderlich. Die kirchliche Kunst hat auch ihren Platz in der Kirche
Christi. Die heilige Poesie, das Kirchenlied mit seinen an Herz
und Gemüth anklingenden Tönen ist eine besondere Weise der
Verkündigung des Evangeliums. Gute biblische Bilder veran⸗
schaulichen besonders den Kindern und Einfältigen die biblische
Geschichte. Christusbilder, Kreuze, Crucifixe rufen den Christen
zu: Halt im Gedächtniß IEsum Christ!
In den letzten Capiteln der Apostelgeschichte wird berichtet,
wie der gefangene Paulus mit der kaiserlichen Schaar, die ihn
bewachte, ein alexandrinisches Schiff betrat, um sich nach Rom
einzuschiffen. Denn er hatte sich auf den Kaiser berufen. Und
dies Schiff wird uns da mit seiner äußern und innern Ein⸗
richtung recht anschaulich vor Augen gemalt und die Seereise,
die den Apostel trotz des Schiffbruchs unterwegs nach Rom
führte, ausführlich beschrieben. Es war eben ein wichtiger
Wendepunkt in der Geschichte der ältesten christlichen Kirche, als
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