Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 22 › Seite 341
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Oktober 1904, Seite 341
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dem Sündenfalle bei keinem Menschen von Natur.
8 Ver „Vuthieraned
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bekannte herzliche Gastfreundschaft der drei die Synodalen be⸗
wirthenden Gemeinden, ihr großes, durch sehr zahlreichen Be⸗
such der Versammlungen bewiesenes Interesse an der Synode
und ihren Angelegenheiten und das denkbar schönste Wetter
nehmen, so wird schon aus diesen Gründen jeder Besucher der
Synode mit dem Gedanken heimgekehrt sein: Es war eine
schöne Versammlung, die Synode des Jahres 1904 in
* Altenburg, Mo.
Und doch war alles Genannte noch nicht das Schönste,
Beste und Wichtigste. Das waren vielmehr in erster Linie die
Lehrverhandlungen über das geistliche Leben der
Christen. In vier längeren Vormittagssitzungen wurde aus
der Schrift dargelegt, daß es außer dem natürlichen Leben noch
ein anderes, ein geistliches Leben gibt. Dieses geistliche Leben
besteht in der innigen Gemeinschaft des Menschen mit
Gott durch Christum, und die Grundlage und der eigentliche
Mittelpunkt des geistlichen Lebens ist der wahre Glaube an
JEsum Christum. Geistliches Leben findet sich freilich seit
Die Schrift
bezeugt uns vielmehr, daß der natürliche Mensch geistlich todt
und entfremdet ist von dem Leben aus Gott, todt in Sünden und
Uebertretungen; und bleibt der Mensch in diesem traurigen Zu⸗
stande, so verfällt er endlich dem ewigen Tod, der ewigen
Verdammniß. Auch kann kein Mensch geistliches Leben in sich
erwecken. Das kann nur Gott allein. Er thut es aber
auch nach seiner allmächtigen Gnade. Ja, Gott gebiert den
geistlich todten Menschen wieder zum geistlichen Leben durch
die Gnadenmittel seines Wortes und seiner Sacramente. Dieses
geistliche Leben des Christen erweist sich dann und muß sich
erweisen in allerlei geistlichen Regungen, in guten, gott⸗
gefälligen Werken und christlichen Tugenden. Und zwar zeigt
es sich nicht etwa in allerlei selbsterwählten Werken vermeint⸗
licher Heiligkeit, sondern etwa darin, daß ein Christ nun in den
Schranken seines irdischen Berufes, im Glauben und in der
Liebe, nach der Richtschnur der göttlichen Gebote wandelt zur
Ehre Gottes und zum Dienst des Nächsten. Dieses geistliche
Leben bedarf aber auch der steten, sorgsamsten Pflege.
Es ist im Anfang noch schwach und wird in diesem Leben auch
nie vollkommen. Es muß, solange wir hier auf Erden weilen,
stets wachsen und zunehmen. Dieses geistliche Leben steht auch
hier auf Erden in steter Gefahr, denn es kann verkümmern
und auch wieder ganz ertödtet werden. Es muß erhalten
werden. Nun ist es zwar Gott allein, der das geistliche Leben
erhält und fördert, aber er thut es wiederum durch bestimmte
Mittel, durch sein Wort. Darin besteht also die rechte Pflege
des geistlichen Lebens, daß ein Christ fleißig und stetig
Gottes Wort gebraucht. — Ja, das waren schöne, herr⸗
liche Stunden, in denen der Referent, Prof. G. Mezger, diese
Leitsätze ebenso lehrreich wie erbaulich weiter ausführte und darin
von andern Synodalen fleißig und trefflich unterstützt wurde.
Gott lege seinen reichen und bleibenden Segen auf die gepfloge⸗
nen und seiner Zeit durch den Druck auch andern zugänglich
werdenden Verhandlungen.
Schön und wichtig waren auch die andern Versammlungen
der Synode; aber wo wollten wir jetzt, gerade vor Schluß dieser
„Lutheraner“⸗-Nummer, Zeit und Raum gewinnen, über alles ein⸗
gehend zu berichten: über die schönen Synodalgottesdienste, denen
wir beigewohnt haben, über die interessanten und erfreulichen Be⸗
richte, die erstattet wurden, über unsere verschiedenen Missionen
im Inlande und Auslande, über unsere Lehranstalten und sonsti⸗
gen Synodalangelegenheiten ꝛc.? Das Allgemeine ist ja auch
schon bei anderer Gelegenheit wiederholt in diesen Spalten er⸗
wähnt worden; das Genauere aber mit allen Einzelheiten wird
der gedruckte Synodalbericht bringen. Durch alle diese Berichte
und Besprechungen klang das Psalmwort hindurch: „Gott sendet
seine Rede auf Erden; sein Wort läuft schnell“, Ps. 147, 15.;
aber auch die Mahnung zu ernster, fleißiger, treuer, unablässiger
Arbeit im Reiche Gottes, die in dem Worte liegt, das wir alle
unserm Heiland nachsprechen sollen: „Ich muß wirken die Werke
deß, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die
Nacht, da niemand wirken kann“, Joh. 9, 4.
Erfreulich endlich war auch der Ausgang einer Sache, die
an sich ganz entgegengesetzter Art war, die viele Christenherzen,
besonders hier in St. Louis und Umgegend, tief bewegt und be⸗
trübt hat und die auch durch die in dieser Angelegenheit zum
Theil ganz verlogene Tagespresse in weiteren Kreisen bekannt
geworden ist, über die wir daher auch unsern entfernteren Syno⸗
dalgenossen einen Bericht schuldig sind. Ein Pastor unsers
Westlichen Districts hier in St. Louis hat sich leider nach länge⸗
ren Unruhen und Kämpfen in seiner Gemeinde zu dem verkehrten
und nach Gottes Wort sündlichen Schritt treiben lassen, eine
Anzahl Glieder seiner eigenen und anderer lutherischer Gemein⸗
den vor dem weltlichen Gerichte zu verklagen, ehe die Sache in
der Gemeinde zum Austrag gebracht worden war. Mit diesem
Fall hatten wir uns auch auf der Synode zu befassen. Dies
geschah zunächst in einer allgemeinen Pastoralconferenz, die allen
Theilnehmern unvergeßlich bleiben wird, weil in ihr beides in
der rechten Weise geübt wurde: einmal die einmüthige und be⸗
stimmte Belehrung aus Gottes Wort, besonders aus Matth.
18, 17. („Sage es der Gemeine“), 1 Cor. 6, 1. ff. und 2 Cor. 6, 3.
(„Lasset uns niemand irgend ein Aergerniß geben, auf daß unser
Amt nicht verlästert werde“); zum andern die ebenso einmüthige,
freundliche und bewegliche Ermahnung des auf Irrwege Ge⸗
rathenen. In der öffentlichen Synodalsitzung erklärte dieser
dann, daß er gemeint habe, unter den obwaltenden Umständen
ein Recht zu dieser Klage zu haben; er sei aber durch das ein⸗
müthige Zeugniß seiner Brüder darin zweifelhaft geworden, und
im Zweifel wolle er nichts thun. Auch sei es ihm klar geworden,
daß viele Brüder sich an seinem Schritte gestoßen hätten; es
thue ihm von Herzen leid, daß er Aergerniß gegeben habe. Er
bat alle Brüder um herzliche Verzeihung und versprach, alles in
seinen Kräften Stehende zu thun, um die Klage rückgängig zu
machen. Die Synode nahm diese Erklärung an, sprach ihre
Freude darüber aus und ihre Hoffnung, daß der betreffende
Bruder auch alles Weitere thun werde, um die ganze Sache zu
einem gottgefälligen Ende zu führen.
Gott der HErr erhalte uns alle in seinem Wort; dasselbe
ist unsers Herzens Freude und Trost, unsers Fußes Leuchte und
ein Licht auf unserm Wege. Er sei uns gnädig und vergebe
uns unsere Sünde um Christi willen. Er steure aller falschen
Lehre und allen Aergernissen und helfe, daß wir im Frieden auf
Einem Sinn bleiben. Er sei uns freundlich und fördere das
Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände wolle
er fördern. L. F.
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