Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 6 › Seite 86

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. März 1905, Seite 86

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ablaß

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Zur kirchlichen Chronik.

Aus dem „Statistischen Jahrbuch“ für das Jahr 1904, das

in den nächsten Tagen im Druck erscheinen wird, theilen wir die fol⸗
genden Hauptzahlen mit. Unsere Synode zählt jetzt 1738 im Amte
stehende Pastoren, zu denen aber noch 50 Professoren und eine größere
Anzahl kranker, emeritirter und außer Amt stehender Prediger kom⸗
men, so daß die Gesammtzahl aller Pastoren und Professoren nach der
Adressenliste unsers Kalenders 1933 beträgt. Diese 1738 Pastoren
bedienen 2367 Gemeinden, von denen 1258 gliedlich zur Synode ge⸗
hören, 1109 sich noch nicht der Synode angeschlossen haben; dazu
kommen jedoch noch 882 noch nicht zu Gemeinden organisirte Predigt⸗
plätze, so daß insgesammt an 3249 Posten gepredigt wird. Die Zahl
der Seelen beläuft sich auf 790,505, die der communicirenden Glieder
auf 461,867, die der stimmberechtigten Glieder auf 108,923. In
1931 Schulen werden 96,888 Schulkinder unterrichtet von 1082 schule⸗
haltenden Pastoren, 874 Gemeindeschullehrern und 187 Lehrerinnen,
insgesammt von 2143 Personen. Getauft wurden im Laufe des ver⸗
flossenen Jahres 33,264 Personen, confirmirt 21,742, die Zahl der
Abendmahlsgäste betrug 829,534, die Zahl der copulirten Paare 9031
und die der begrabenen Personen 11,380. Von den Communicirten
sind 810,363 zur allgemeinen Beichte gekommen, 19,171 haben pri⸗
vatim gebeichtet oder das Sacrament auf dem Krankenbette empfangen.
L. F.

Die vorstehenden Zahlen bezeichnen im Verhältniß zum Jahre
1903 zumeist eine Zunahme. Die Zahl der Pastoren und Pro⸗
fessoren Überhaupt ist um 44 gewachsen, die der im Amte stehenden
Prediger um 25. Auch die Zahl der Predigtposten ist um 84 ge⸗
stiegen, nämlich die der Synodalgemeinden um 49, die der nicht zur
Synode gehörenden Gemeinden um 17 und die der Predigtplätze
um 18. Die Seelenzahl hat einen Zuwachs von 19,810 erfahren,
die Zahl der communicirenden Glieder ist um 12,072 gewachsen, die
der Stimmfähigen um 2295. Schulen sind es 43 mehr als im Vor⸗
jahre, in denen 695 mehr Kinder unterrichtet werden, die Zahl der
schulehaltenden Pastoren ist um 21 gestiegen, die der Lehrer um 17,
die der Lehrerinnen um 11. Die Zahl der Communicirten hat sich
um 26,449 gemehrt, von denen 26,113 auf die allgemeine Beichte,
336 auf die Privatbeichte fallen, und 61 mehr Personen sind beerdigt
worden. Abgenommen hat die Zahl der Getauften um 90, die der
Confirmirten um 413 und die der copulirten Paare um 389. Daß
gerade in diesen Rubriken eine Abnahme zu verzeichnen ist, gibt zu
denken und bestätigt, was wir schon wiederholt an dieser Stelle über
diese Sache gesagt haben. Im Vergleich mit den andern Zahlen und
dem sonstigen Wachsthum unserer Synode sollte die Zahl der Ge⸗
tauften, der Confirmirten, der Copulirten und auch die der Schulkinder
größer sein und wäre es auch, wenn überall alles richtig stände. Auch
die Zahl der Communicirten sollte bedeutend größer sein, als sie ist.
Sie zeigt, daß gar viele das heilige Abendmahl nicht so fleißig
empfangen, als sie sollten, und daß gar manche es sehr gering schätzen.
Denn wenn jedes communicirende Glied auch nur zweimal im Jahre
zum Tisch des HErrn käme, so würde die Zahl der Communicirten
923,734 und nicht bloß 829,534, also 94,200 weniger, betragen.
Während das Wachsthum und äußerliche Gedeihen unserer Synode
uns Anlaß gibt, den Segen des HErrn zu erkennen und zu rühmen,
müssen uns die zuletzt erwähnten Wahrnehmungen zu ernster Selbst⸗
prüfung und tiefer Demüthigung bewegen. L. F.

Außer den Parochialberichten aller Pastoren unserer Synode
gibt das „Statistische Jahrbuch“ noch einen Ueberblick über unser Mis⸗
sionswerk: Innere Mission, Englische Mission, Taubstummenmission,
Esthen⸗ und Lettenmission, Emigrantenmission, Judenmission, India⸗

nermission, Heidenmission und über die von der ganzen Synodalcon⸗
ferenz betriebene Negermission. Hierauf folgt ein Bericht über die
9 höheren Lehranstalten unserer Synode, auf denen 1413 Schüler und
Seminaristen studiren, von 49 Professoren und 6 Hülfslehrern unter⸗
richtet. Desgleichen wird Bericht erstattet über 3 Privatanstalten, in
St. Louis, Milwaukee und Wittenberg, Wis., und über die Unter⸗
stützung von 48 kranken oder altersschwachen Predigern und Lehrern,
124 Prediger⸗ und Lehrer⸗Wittwen und 107 Prediger⸗ und Lehrer⸗
Waisen. Im Kreise der Synode werden folgende Wohlthätigkeits⸗
anstalten gepflegt: 9 Waisenhäuser, 6 Hospitäler, 3 Altenheime, ein
Waisenhaus und ein Altenheim verbunden, eine Taubstummenanstalt
und eine Anstalt für Schwachsinnige und Epileptische; außerdem be⸗
stehen 11 Kinderfreundgesellschaften. Im Jahre 1904 wurden in un⸗
serer Synode 86 Kirchen und 31 Schulen eingeweiht. Aus dem Bericht
über das Concordia Publishing House theilen wir mit, daß im
verflossenen Jahre 56,817 Gesangbücher, 37,300 Katechismen, 13,542
Gebetbücher und außerdem mancherlei andere Drucksachen hergestellt
wurden, die in die Hunderttausende gehen. Von den verbreitetsten
Zeitschriften der Synode wird unser „Lutheraner“ in 34,500 und das
„Kinder⸗ und Jugendblatt“ in 58,000 Exemplaren gedruckt. Die
Summa der im verflossenen Jahre für Zwecke außerhalb der eige⸗
nen Gemeinden aufgebrachten und öffentlich quittirten Gelder beläuft
sich auf 8310,557.47. Die Haupteinnahmen haben die folgenden
Kassen zu verzeichnen: Innere Mission 594,825.31, Wohlthätig⸗
keitsanstalten 555,637.76, Synodalbaukasse 527,450.06, arme Stu⸗
dirende 527,399.16, Unterstützungskasse 816,953.66, Negermission
916,832.13, Synodalkasse 814,275.95. Die Gesammtsumme der
eingegangenen Gelder ist gegen die des Vorjahres um 531,407.33
zurückgeblieben. Dies erklärt sich zum Theil daraus, daß aus fünf
Synodaldistricten die Quittungen von nur 11 Monaten vorlagen, vor
allem aber daraus, daß die Einnahmen in der Baukasse um 820,305.74
geringer waren als im Jahre 1903. Das ist sehr zu bedauern, und
der vor einigen Wochen im „Lutheraner“ erschienene Artikel: „Welches
sind die vornehmsten Kassen in unserer Synode?“ verdient alle Be⸗
achtung. Gott mache uns immer williger, unser irdisches Gut in seinen
Dienst zu stellen zur Ausbreitung seines Reiches! — Die Todtenliste
des Jahres führt 15 Pastoren und 9 Lehrer auf. L. F.

„Für uns.“

Es war am Abend, als die Glocken zur Passionsandacht riefen.
Scharfer Ostwind wehte durch die Straßen. Eine Frau im dünnen,
vielgeflickten Arbeitskleid, nur durch ein abgetragenes Tuch etwas vor
der Kälte geschützt, kam an den Häusern entlang und stand plötzlich
vor der erleuchteten Kirche still, blickte zögernd hinein und wandte sich
wieder ab. Dann aber — mit raschem Entschluß trat sie ein. „Ich
kann ja draußen stehen bleiben, in der Vorhalle“, flüsterten ihre Lip⸗
pen mit einem Blick auf ihren ärmlichen Anzug.

Und nun trat sie dicht an die Spalte der inneren Thür, durch die
ihr eine helle Lichtwelle entgegenfluthete. Ihre Hände faltet sie über
den Stubenschlüssel, den sie festhält; sie will ja nur einen Augenblick
horchen, ob nicht vielleicht ein Trostwort für ihr bekümmertes Herz da
drinnen gesprochen wird. Sie vernimmt, was sie ja schon oft gehört
hat, die Passionsgeschichte des HErrn, wie er gebunden und verhöhnt
worden ist, gerichtet und gekreuzigt, zuletzt gestorben „für uns“. Wie
sonderbar, daß ihr dies Wort zum erstenmal heute auffällt. Für uns
— für euch hat er sich geopfert! Ach, die arme Frau da draußen
an der Thürspalte weiß, was es heißt, sich „für jemand opfern“.
Solange sie denken kann, hat sie für andere gearbeitet, gesorgt, ent⸗
behrt und gehungert. Erst war es nicht so schwer, da hat sie es

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