Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 20 › Seite 306
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. September 1905, Seite 306
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hochſchule
306 8SDer „Tutheranet
So darf ich denn auch zunächst als eine Gabe Gottes die
Anstaltsgebäude bezeichnen, die unsern hohen Schulen die nöthi⸗
gen Räumlichkeiten darbieten. Wenn wir den Kranz von schönen
und zweckmäßigen Anstaltsgebäuden betrachten, in dem auch diese
Concordia nicht ferner zurücktreten muß, so dürfen wir unsern
Christen zurufen: Sehet, das alles ist nun euer! Es sind eure
Anstalten. Der HErr, dessen beides Silber und Gold ist, hat sie
euch gegeben. Er bedurfte dazu eure Gaben, nun gibt er euch
eure Gaben zurück in einer großen Gabe. Diese vielen stattlichen
Gebäude gehören euch, wie eure Kirchen und Schulhäuser. Be⸗
nutzt sie nach dem Willen Gottes, zum Bau seines herrlichen
Reiches. Füllt sie mit euren Söhnen, die ihr dem HErrn wieder⸗
gebt, wie einst Hanna den Samuel.
Auch in dieser Concordia ist nun alles aufs beste einge⸗
richtet. Ohne Sorge für ihre leibliche Wohlfahrt können wir
unsere Söhne hierher senden.
Doch mehr als die Gebäude sind die hohen Schulen selber
mit ihren Lehrern und Schülern unser, sind eine Gabe, die uns
Gott gegeben hat.
Sind nicht unsere Lehrercollegien eine herrliche, einzigartige
Gabe Gottes? Gott hatte der Gemeinde zu Corinth einen Pau⸗
lus, einen Apollo gegeben. So sind auch unsere Gemeinden an
ihren Orten wohl bedacht. Aber wir haben auch Gaben, von
denen alle Gemeinden sagen, sie sind unser. Gott hat sie in den
Dienst der ganzen Kirche gestellt. Die Lehrer an unsern hohen
Schulen sind Männer, die allesammt mit uns in Einem Glauben
und Bekenntniß stehen; Männer, die tüchtig sind, das Amt, zu
dem sie Gott durch die Kirche berufen hat, auszurichten; Män⸗
ner, die mit ihrer Bildung, mit ihren Kenntnissen in andern
Stellungen größere Ehre und Vortheile in dieser Welt erwerben
könnten, aber dies für Ehre und Gewinn achten, daß sie Diener
Gottes und der Kirche sind. Obwohl sich die Lehrer an unsern
Gymnasien, deren wir heute besonders gedenken, vornehmlich
mit weltlichen Wissenschaften beschäftigen und ihre Schüler in
diese einführen müssen, so dienen sie doch der Kirche. Die
Sprachen, die verschiedenen Zweige der Wissenschaft sind auch
unser. Wir bedürfen der Sprachen, damit sie uns die Schätze
göttlicher Weisheit erschließen. Wir bedürfen der Wissenschaf⸗
ten, weil sie der göttlichen Wissenschaft Magddienste thun können.
Wie wichtig eine gründliche Vorbildung für das Studium der
Theologie ist, auch für alle spätere Amtsarbeit, braucht jetzt nicht
nachgewiesen zu werden.
Die selbstverleugnende, gediegene Arbeit, die in unserer
Fort Wayner Concordia geleistet worden ist, hat der lutherischen
Kirche dieses Landes reichen Segen gebracht. Ich darf nur auf
die stattliche Schaar tüchtiger Söhne hinweisen, die diese alma
mater ausgerüstet und zu wissenschaftlicher Reife gebracht hat.
Zu den Gaben, die uns Gott für unsere hohen Schulen ge⸗
geben hat, zählen wir nämlich ferner mit Recht auch die Schüler
dieser Anstalten. Sieh hin auf das Arbeitsfeld der Kirche. Da
findest du sie, nicht mehr als Schüler, sondern meist schon als be⸗
währte Lehrer. — Unsere Colleges sind gefüllt. Wäre es mög⸗
lich, nur die Jünglinge, die in diesem Jahr in unsern hohen
Schulen aus- und eingehen, zusammenzubringen, wie würden
wir unsere Augen weiden, wie sollte sich unser Herz freuen, wie
könnten wir einander zurufen: Siehe, diese alle hat uns Gott
gegeben. Wenn wir Feierabend haben, wird es an Arbeitern
angehört, ist Gottes.
nicht fehlen; wenn wir die Waffen niedergelegt haben, werder
andere Streiter IEsu Christi auf den Plan treten.
Ihr lieben Schüler dieser Concordia! Wir betrachten eue
als eine Gabe Gottes. Ihr mögt nun in den Dienst der Kirch
treten, oder euch einem andern Beruf zuwenden, wir hoffen, daf
ihr unser bleibt und eure Gaben und Kräfte in den Dienst Gotte⸗
stellt. Was wir unser nennen, das ist doch Christi, Gottes.
2.
Wir sind Christi, darum stellen wir auch un
sere hohen Schulen in den Dienst Gottes.
Die Erinnerung: „Ihr aber seid Christi“ war den Corin
thern noth. Sie suchten in der oder jener Gabe ihre eigen
Ehre und rühmten sich derselben in fleischlicher Weise. Darun
ruft ihnen der Apostel zu: „Wisset ihr nicht, daß ihr Gotte—
Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? So jemand
den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben; denn
der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr.“ Wir dürfen nie
vergessen, daß wir mit allem, was wir sind und haben, Christi,
Gottes sind. Schon das, was dieser Welt, dem Gegenwärtigen
Wie wir unsere Kirchen Gotteshäuser
nennen und sie für den Dienst Gottes aussondern, so weiher
wir auch unsere Anstaltsgebäude dem Dienst Gottes. Sie sind
zunächst eine leibliche Heimath für unsere studirende Jugend.
Aber als Internat sollen sie die Heimath, das christliche Hau⸗
einigermaßen ersetzen. Unsere studirende Jugend muß verder.
ben, wenn zwar leiblich, aber nicht geistlich für sie gesorgt ist
Darum sollen unsere hohen Schulen christliche Anstalten sein, ir
denen Kinder Gottes aus⸗ und eingehen, die sich bewußt sind
Wir sind Gottes. Lehranstalten, in denen Christi Geist und
Sinn nicht herrscht, in denen Gottes Wort nicht regiert, bringer
der Jugend die größten Gefahren.
Deshalb müssen Lehrer und Schüler des Wortes St. Pauli
stets eingedenk bleiben: „Ihr seid Christi.“
Müssen die Professoren an unsern Gymnasien vornehmlich
weltliche Wissenschaften pflegen, ja, ihre Schüler sogar in die
Werke heidnischer Schriftsteller und in weltliche Wissenschafter
einführen, so thun sie dies doch als Gottes Diener, die sich be⸗
wußt sind, wir sind Christi. In den Lehrstunden vergessen sie
nicht das Wort: „Habt Salz bei euch.“ Sie wollen ihre Schüler
nicht zu Heiden oder Zweiflern heranbilden. Sie sind auch Er—
zieher der studirenden Jugend. Darum können sie keine bloßer
Stundenhalter sein, die die Sorge für ihre Schüler mit dem
Schluß der Schulstunde abschütteln. — Gott Lob, daß wir Lehrer
haben, denen wir zurufen können: Ihr seid Christi. Ihr steht
nicht im Dienst der trunkenen Wissenschaft. Ihr betrachtet eure
Schüler als Christi Eigenthum.
Denn auch unsere Collegeschüler sind Gottes. Sind sie
nicht in ihrer Taufe Gottes Eigenthum geworden? Soll ihre
ganze Studienzeit nicht dazu dienen, daß sie Menschen Gottes
werden, zu allem guten Werk geschickt? geschickt zum Dienst des
Wortes, oder wenn sie sich einem andern Beruf zuwenden, dennoch
tüchtig, ihre Gaben und Kräfte in den Dienst Gottes zu stellen
Ihr seid Christi, das rufen wir auch dieser Schülerschaar zu
in der guten Zuversicht, daß ihr versammelten Schüler der Con⸗
cordia geblieben seid und bleiben werdet in dem, das ihr gelerne
habt und euch vertrauet ist, wie Timotheus. ö
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