Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 20 › Seite 311
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. September 1905, Seite 311
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang
311
der einzige noch Lebende aus der Zahl der Pastoren und Deputirten
aguf jener ersten Synodalversammlung. Die ganzen langen Jahre
hindurch hat die Gemeinde Frankenmuth sich als ein treues Glied der
Synode erwiesen, hat regen Antheil und lebendiges Interesse an allen
Synodalwerken genommen und willige und reiche Gaben dafür dar⸗
gebracht. Sie hat besonders auch je und je erkannt, daß es zu den
Pflichten einer Gemeinde gehört, für Prediger und Lehrer in der Zu⸗
kunft zu sorgen. Von den schon Verstorbenen und den Emeritirten
oder wieder aus dem Amte Geschiedenen abgesehen, stehen gegen⸗
wärtig 12 Pastoren und 23 Lehrer im Dienst der Kirche, die alle aus
der Gemeinde hervorgegangen sind; und jetzt studiren auf unsern ver⸗
schiedenen Anstalten 23, von denen 9 auf das Predigtamt und 14 auf
das Schulamt sich vorbereiten. In den verflossenen 60 Jahren hat
sich die Gemeinde in drei Gotteshäusern erbaut, die unter ihren drei
schon heimgegangenen Pastoren, die zugleich zu den Vätern unserer
Synode gehörten, errichtet worden sind, unter Crämer die Blockkirche
im Jahre 1846, unter Röbbelen die Bretterkirche im Jahre 1852,
unter O. Fürbringer die Steinkirche im Jahre 1880. Das gegen⸗
wärtige stattliche, geräumige Gotteshaus war zum Feste mit neuer
Wandmalerei, neuem Geläute, umgebauter Orgel ꝛc. geschmückt und
verschönert. „HErr, halte dir im Bau deine Gemeinde, die du ge⸗
pflanzet hast“, Ps. 80, 16. L. F.
Das Kirchenblatt der Episkopalen, Tne CRurchman, theilt
mit, daß im letzten Jahre 2300 Parochien der Episkopalkirche, die
160,000 communicirende Glieder zählen, auch nicht einen Cent für
die Mission aufgebracht haben. Das ist ein trauriges Zeugniß für
diese Gemeinden, um so mehr, als die Episkopalen in der Regel ihre
* Glieder nicht unter den ärmsten Volksklassen haben und häufig viel
Geld auf schöne Kirchen und äußerliches Gepränge verwenden. Aber
es gibt in jeder Kirchengemeinschaft, auch in unserer lutherischen Kirche,
Gemeinden, die nichts oder nur wenig für das Werk der Mission thun,
obwohl sie dazu im Stande wären. Das ist ein Zeichen, daß es in
solchen Gemeinden nicht recht steht. Denn so gewiß Gottes Wort
von den Christen fordert, daß sie verkündigen sollen die Tugenden
deß, der sie berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren
Licht, 1 Petr. 2, 9., und so gewiß jede Gemeinde eine Predigerin
sein soll, die ihre Stimme aufheben und andern verkündigen soll:
„Siehe, da ist euer Gott“, Jes. 40, 9., so gewiß gehört auch das
Werk der Mission oder der Ausbreitung des Evangeliums zu den Auf⸗
gaben einer christlichen Ortsgemeinde. Und je mehr sich eine Ge⸗
meinde für dieses Werk interessirt und sich daran betheiligt, desto mehr
eigenen Nutzen und Segen hat sie davon. Die Gemeinden, die an⸗
dern ein Segen sind, werden ihrerseits nur um so reichlicher gesegnet.
Ueber den Mißerfolg einer rein weltlichen Erziehung hat
Prof. James von der Harvard⸗Universität ein wahres Wort geredet,
das Beachtung verdient und von solchen, die alles Heil von weltlicher
Bildung erwarten, beherzigt werden sollte. James ist ein Gelehrter,
dessen Worten man in America wie in Europa große Bedeutung bei⸗
mißt und dessen Aussage offenbar das Ergebniß langjähriger Beobach⸗
tung und Erfahrung ist. Er sagt nach der „Luth. Kirchenzeitung“:
„Vor fünfzig Jahren meinte man, die Schulen würden uns Mau
brechen und jeder Art Uebel befreien. Wir hegen heute solche sangui⸗
nischen Hoffnungen nicht mehr; denn die Schulen und Colleges ver⸗
schlimmern eher die Uebel, anstatt sie zu heilen. Wahr ist es, daß die
höhere Bildung uns von den mehr brutalen Arten von Verbrechen be⸗
freit hat, aber die Bildung selbst hat sogar gemeinere Verbrechen mit
auf den Weg gegeben.“ James bestätigt damit, was wir Christen
als Wahrheit aus Gottes Wort wissen, daß kein Kraut und Pflaster
weltlicher Bildung die fündige Menschheit heilt und den Verbrechen
steuert, sondern allein Gottes Wort, welches alles heilt und der Sunde
wehrt. Darum liegt uns eben so viel am täglichen gründlichen Unter⸗
richt in Gottes Wort, wie er in unsern Gemeindeschulen und auf
unsern Lehranstalten ertheilt wird. Wir verachten nicht weltliche
Bildung, sondern schätzen sie hoch; aber höher als alles steht uns die
christliche Erziehung unserer Jugend. Wir halten an unsern Ge⸗
meindeschulen nicht fest aus Eigensinn und Rechthaberei, oder weil sie
eine althergebrachte Einrichtung sind, sondern weil sie das beste Mittel
für die christliche Erziehung unserer Kinder sind zu deren geistlichem
und leiblichem Wohl. „Christum lieb haben ist viel besser denn alles
Wissen“, Eph. 3, 19. L. F.
Ansland.
Eines frommen Sängers hat man kürzlich in seiner engeren
Heimath Ostpreußen und an vielen andern Orten gedacht, nämlich des
bekannten Kirchenliederdichters Simon Dach, der vor 300 Jahren,
am 29. Juli 1605, zu Memel das Licht der Welt erblickte. Nach ent⸗
behrungsreicher Jugend war er zuerst von 1633 bis 1639 Lehrer an
der Domschule zu Königsberg, dann zwanzig Jahre lang Professor
der Dichtkunst an der dortigen Universität. In der Geschichte der
deutschen Literatur bleibt sein Name mit Recht unvergessen; vor allem
aber zeigt sich in seinen geistlichen Liedern ein inniger, kindlich from⸗
mer Sinn, der namentlich in den Liedern aus seinen letzten Lebens⸗
jahren in einem sehnlichen Verlangen, abzuscheiden und daheim bei
Christo zu sein, ausklingt. Mehrere seiner 150 geistlichen Lieder
gelten mit Recht als meisterhaft und sind in viele Kirchengesang⸗
bücher aufgenommen worden. In unserm Gesangbuch finden sich
vier, nämlich: „Ich bin bei Gott in Gnaden“ (No. 239), „Ich bin ja,
HErr, in deiner Macht“ (No. 410), „Wenn Gott von allem Bösen“
(No. 437) und besonders das schöne Sterbe⸗ und Begräbnißlied
„O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen“ (No. 424). Durch den
Tod treuer Freunde tief erschüttert, durch ein langes Krankenlager
recht geprüft und geläutert, ging Dach am 15. April 1659 in die er⸗
sehnte himmlische Heimath ein. L. F.
In Italien gibt es eine „fromme Gesellschaft des heiligen Hiero⸗
nymus zur Verbreitung deyheiligen Evangelien in Italien“, die kürz⸗
lich ihr dreijähriges Bestehen feierte und in diesem Zeitraum 300,000
Exemplare der Evangelien und der Apostelgeschichte in der italienischen
Sprache zu einem ganz billigen Preis verbreitet hat. Diese Gesell⸗
schaft ist keine protestantische, sondern, wie schon ihr Name zeigt, eine
römisch⸗katholische. Die Uebersetzung wird als eine gute gerühmt,
ihr Erscheinen hat ein großes Aufsehen gemacht und sie hat einen
größeren Absatz gefunden als irgend ein Tagesroman. Die Gesell⸗
schaft beabsichtigt, auch die andern Theile der Bibel herauszugeben
und sua auch in andern römisch⸗katholischen Ländern die Bibel in
der Landessprache zu verbreiten. Von der italienischen Uebersetzung
wird schon jetzt ein Nachdruck in den Vereinigten Staaten vorbereitet,
um den zahlreichen hiesigen Italienern die Bibel zugänglich zu machen.
Die Gesellschaft will durch dieses Werk die römische Kirche von dem
Vorwurf befreien, daß sie ihre Anhänger um das Wort Gottes bringe,
besonders um die Evangelien. Dieser Vorwurf wird allerdings der
römischen Kirche mit Recht gemacht. Bis auf den heutigen Tag ver⸗
bietet das römische Bekenntniß in den Beschlüssen des Tridentinischen
Conciliums den Laien das Lesen der heiligen Schrift, weil daraus
„mehr Nachtheil als Nutzen“ entspringe; nur solche Laien dürfen nach
diesen Beschlüssen die Schrift in der Landessprache lesen, denen ihre
Beichtväter das Zeugniß ausstellen, daß sie durch solches Lesen „keinen
Schaden nehmen“; doch müssen sie erst eine schriftliche Erlaubniß
dazu einholen. Wer ohne solche Erlaubniß die Schrift liest, kann
nicht absolvirt werden. Mehrere Päbste haben die Bibelgesellschaften,
weil sie die heilige Schrift in den Landessprachen verbreiten, ver⸗
dammt, und noch der vorvorige Pabst, Pius IX., hat diese Verdam⸗
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