Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 20 › Seite 313
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. September 1905, Seite 313
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Sr Tuth eraner
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Gott lasse aber diese Schilderung mit dazu dienen, daß alle Sün⸗
„ namenllich junge Sünder, erkennen, daß die Sünde der Leute
ben ist, auf der andern Seite aber auch, daß für jeden buß⸗
n. Sünder Gnade und Vergebung da ist in dem Blute des
Lammes! L. J. S.
Noch sind die Gnadenstunden.
Aber wie lange noch? Das ist allen Menschen tief verborgen.
Deshalb sollen wir die so schnell dahineilende Zeit alle Tage dazu
anwenden, daß wir in Buße und Glauben darnach ringen, durch die
enge Pforte einzugehen in das ewige Leben. Hierzu ist vor allen
Dingen nöthig, daß wir Gottes Wort gern und fleißig hören und be⸗
trachten. Der liebe Gott schickt die gute Jahreszeit gewiß nicht dazu,
um die Leute von der Kirche fernzuhalten. Noch weniger sollten Aus⸗
fluͤge nach Vergnügungsplätzen gemacht werden, wenn der Kirchen⸗
besuch darüber versäumt wird. So oft wir das Wort göttlicher Pre⸗
digt hören können, soll es vielmehr bei uns heißen: „Jetzt ist die
angenehme Zeit; jetzt ist der Tag des Heils.“
„So wahr als ich lebe, spricht der HErr HErr, ich habe keinen
Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose be⸗
kehre von seinem Wesen und lebe. So bekehret euch doch nun von
eurem bösen Wesen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?“
Hesek. 33, 11. So spricht der HErr auch jetzt noch, und zwar zu uns.
Auch bei uns allen findet er viel böses, gottloses Wesen; auch uns
findet er des ewigen Todes schuldig. Aber er will nicht, daß wir in
unsern Sunden sterben und verderben. Warum sollten wir denn
dieses wollen? Gott will es nicht. „Gott will nicht, daß jemand
verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre“, 2 Petr.
3, 9. Deshalb ruft er durch sein Wort die Menschen zur Buße und
wahren Bekehrung, damit sie das ewige Leben durch den Glauben an
IEsum Christum erlangen. Deshalb schickt er seine Diener aus, die
Menschen zu rufen und einzuladen, ja zu bitten und zu nöthigen, daß
sie zu JIEsu Christo, ihrem gnadenreichen Heilande, kommen, der alle
Mühseligen und Beladenen zu sich ruft, sie zu erquicken und ihnen
Ruhe zu geben für ihre Seele, Matth. 11, 28. 29., der ihnen allen
zuruft: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“, Joh.
6, 37. Deshalb laden seine Diener auf den Feldern und in den Wäl⸗
dern, auf den weiten Missionsgebieten, auf den Straßen und Gassen
der Städte, auch auf den Landstraßen und an den Zäunen außerhalb
der Städte, soweit nur ihre Stimme reichen kann, alle ein und bitten
sie, in das Gotteshaus zu kommen und das seligmachende Wort Gottes
zu hören, welches keiner entbehren kann bei Verlust seiner Seligkeit.
„Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das
Wort Gottes“, Röm. 10, 17. Woher soll denn dann ein seligmachen⸗
der Glaube kommen für diejenigen, welche das Wort göttlicher Pre⸗
digt eben damit verachten, daß sie es wider besseres Wissen ohne alle
Noth versäumen?
Ees ist deshalb wahrlich kein Scherz, ohne Noth aus
der Kirche zu bleiben. Viele denken: „O, auf das eine Mal
wird es nicht ankommen, daß ich die Kirche versäume.“ Ach, du
armer Mensch, weißt du denn gewiß, ob nicht gerade heute eine Pre⸗
digt gehalten wird, die ganz besonders für dich bestimmt ist, durch die
Gott dich aus einer großen Seelengefahr erretten, deinen erlöschenden
Glauben von neuem entzunden, dir Kraft für eine große Anfechtung
ben wollte? Siehe, hast du da nicht die Thür zugehalten, vor
Icher dein Gott stand und anklopfte? Hast du da nicht die Gnaden⸗
sunde versäumt, die vielleicht nicht so bald oder gar nie wiederkehrt?
Kann nicht die Predigt, welche du ohne Noth versäumst, gar leicht die
letzte sein, welche du berhaupt hättest hören können?
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Der Heilige Geist wirkt den Glauben, wo und wann er will, in
denen, die das Evangelium hören. O darum schaffet, ach, „schaffet,
daß ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern! Denn Gott ist's, der
in euch wirket beide das Wollen und das Vollbringen, nach seinem
Wohlgefallen“, Phil. 2, 12. 13. — nicht nach eurem Wohlgefallen.
„Heute, so ihr seine Stimme höret, so verstocket eure Herzen nicht!“
Noch sind die Gnadenstunden! Bald nicht mehr!
Wie kurz ist der Genuß der Sünde!
Es wird uns von einem alten König erzählt, daß er, in seiner
Hauptstadt von Feinden eingeschlossen, von brennendem Durst gequält,
sich dem Feinde auslieferte, um einen Trunk Wassers zu bekommen.
Als er seinen Durst gestillt hatte, habe er gesagt: „Ach, wie kurz war
doch der Genuß, um dessentwillen ich Reich und Freiheit verloren
habe!“ Ja, so werden einmal alle die, welche das Leben in vollen
Zügen, nach allen Seiten hin genossen und niemals über den Tod
und den Ernst des Sterbens nachzusinnen für der Mühe werth geachtet
haben, sagen: „Wie kurz war die Lust der Erde, wie kurz das Ver⸗
gnügen in der Welt, wie kurz die Freuden der Sünde, um derent⸗
willen wir den Himmel preisgegeben haben.“
Mein Freund! Ist es wirklich ein Genuß, das Leben zu ge⸗
nießen und auszukosten bis zum letzten Tröpflein und dafür die Ewig⸗
keit aufs Spiel zu setzen? Ist die Sünde mit ihrem trügerischen
Spiel und ihren zweifelhaften Reizen des Lohnes werth, daß man sich
Zeit seines Lebens das Gewissen damit beschwert und zuletzt auf dem
Sterbebett voller Verzweiflung dem Tode entgegensehen muß? Sind
fünf Minuten des sündigen Genusses so viel werth, daß man darüber
die Seligkeit aufs Spiel setzt?
Nun wohlan, so besinne sich ein jeder, was er damit thut, wenn
er Gott den Dienst aufkündigt, auf den Himmel verzichtet und sich der
Sünde ganz zu eigen gibt. (Nachbar.)
Was von einem Hofprediger verlaugt wurde.
Königin Ulrike Eleonore, Prinzessin von Dänemark und Ge⸗
mahlin König Karls XI. von Schweden, suchte vor ihrer Uebersiede⸗
lung nach Schweden im Jahre 1679 einen tüchtigen, gewissenhaften
Hofprediger und Seelsorger. Sie wandte sich an Christian Scriver,
den frommen und gelehrten Pfarrer zu St. Jakob in Magdeburg, und
trug ihm die Hofpredigerstelle an. Dieser aber schlug den ehrenvollen
Ruf aus und stellte der frommen Fürstin sein angehendes Alter, seine
grauen Haare, seine Leibesschwachheit und die Beschwerden einer
solchen weiten Reise vor. Da antwortete sie ihm: „Eben die grauen
Haare, als der Alten Schmuck und Krone, ständen ihm am besten an;
sie könnte dieselben mehr ehren als eine Perrücke. Sie müßte ihn
haben, wenn sie ihn auch in einer Sänfte sollte von Magdeburg nach
Schweden tragen lassen, darum, daß sie einen Mann hätte, wie sie
sich ihn wünsche, der fleißig auf ihre Handlungen Acht hätte, sie vor
allem Bösen warnte und zum Guten mahnte, der ihr ungescheut sagte,
nicht was man thun wollte, sondern was man thun sollte. Ihre
Thränen würden ihn drücken, sofern er sie nicht erhörte.“
Wo sind aber die Neune? Luc. 17, 17.
Von dem verstorbenen württembergischen Prälaten Kapff wird er⸗
zählt, daß er einmal, zur Zeit der Kartoffelernte, einen Gang hinaus
ins Freie machte. Da kam er an ein Stück Feld, wo gerade die letzten
der köstlichen, unentbehrlich gewordenen Früchte ans Tageslicht ge⸗
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