Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 20 › Seite 307

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. September 1905, Seite 307

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8er „Tutheranes

307

reich hat uns Gott begabt! Unsere Herzen jubeln,
wir unserer hohen Schulen gedenken. Wir wissen, wie
gsie sind. Sie stehen im Dienst Gottes und seiner Kirche.
wollen sie auch ferner in diesen Dienst stellen und weihen
dieses neue Gebäude dem HErrn, unserm Gott, denn wir
Christi. Amen.

Die Einweihung des neuen Lehrgebäudes zu
Fort Wayne.

Ein Freudentag seltener Art war für unsere Fort Wayner
ordia und ihre vielen Freunde der 10. September. An
Tage wurde unser neues Unterrichtsgebäude dem Dienste
Kirche geweiht. Worauf man seit Jahrzehnten gehofft hatte,
war nun über Erwarten in Erfüllung gegangen. Ein zweck⸗
üdig eingerichteter, überaus solider Bau steht nun endlich voll⸗
2 da, um seiner herrlichen Bestimmung zu dienen. Trotz

des schon am frühen Morgen eingetretenen Regenwetters waren

usende aus allen Himmelsgegenden herbeigeeilt, um an der
Zestfreude Theil zu nehmen. Wohl gegen hundert Pastoren,
von denen die meisten in der alten Concordia studirt hatten,
sreuten sich mit den jetzigen Concordianern. Stadt⸗ und Land⸗
gemeinden der Umgegend hatten ihren Gottesdienst in der Kirche
ausgesetzt, um die Freude über die glückliche Vollendung des
schönen Baues mit einander zu theilen.

Von vormaligen Directoren und Professoren, sowie von
andern Anstalten waren Glückwunschschreiben eingesandt, die
zur Verlesung kamen. Auch eine große Anzahl früherer Schüler
und jetziger Studenten von St. Louis freute sich mit uns. Das
Gymnasium von Milwaukee hatte einen Vertreter in Dr. Düm⸗
Ung abgeordnet. Ueberall war deutlich zu erkennen, daß dies
ein Freudentag nicht nur der Gemeinden von Fort Wayne, son⸗
dern der ganzen Synode war. Hunderte von Glaubensgenossen
aus St. Louis, Lafayette, Logansport, Peru, Huntington,
Toledo, Napoleon, Detroit, Indianapolis ꝛc. hatten sich bald
mengefunden, als um 211 Uhr der Gottesdienst begann.
wurde eingeleitet durch ein Orchester der Fort Wayner Ge⸗
den. Die Kapelle der Martini⸗Gemeinde begleitete die Cho⸗
— Auch die Chöre unserer Schülerschaft, sowie der verschie⸗

denen Stadtgemeinden wirkten mit. Nach Luthers Heldenlied
in feste Burg ist unser Gott“ betrat Districtspräses Niemann
die Rednerbühne und hielt die erste Festrede; dann folgte nach
einigen Versen des Liedes „Lobe den HErren, o meine Seele“
der erste Vicepräses der Allgemeinen Synode mit einer Predigt
er 1 Cor. 3, 21—23.
Nachdem Tausende im Eßsaal, in der Turnhalle und in
sten gespeist worden waren, begann der Nachmittagsgottes⸗
in der geräumigen Aula des neuen Gebäudes. Nach
ental⸗ und Chormusik und Gemeindegesang hielt zu⸗
chst P. Lochner von Chicago eine Rede über Ps. 118, 24. 25.
auf redete P. Bröcker von Pittsburg über Judä 3 b. in eng⸗
her Sprache. Fesselnde Worte kamen von den beredten Lippen
vier Redner aus tiefer Empfindung eines freudig bewegten
ens. Sie gaben den Tausenden den rechten Ton ihrer
e an, ja brachten diese auf ihren Höhepunkt. Sämmtliche
u gewährten einen Einblick in unser Anstaltswesen, seine

Aufgaben, Anforderungen und Bedürfnisse. Und wie gewaltig
erklang der Schlußgesang der großen Festgemeinde: „Lobe den

SErren, den mächtigen König der Ehren.“

Das stattliche Gebäude macht schon von außen einen ange⸗
nehmen Eindruck mit seinem geschmackvollen Thurm. Vor allem
aber ist es der Aufsichtsbehörde und dem Architekten Riedel ge⸗
lungen, das ganze Innere aufs zweckentsprechendste zu planen
und auszuführen. Licht und Luft kommen zur vollsten Geltung.
Die Länge des Gebäudes beträgt von Ost nach West 175 Fuß,
die Tiefe 65 Fuß, mit den Porticos 83 Fuß. Im Erdgeschoß
befindet sich das chemische Laboratorium, sowie ein Zimmer für
„Holzarbeit“. Eine geschlossene Brücke verbindet den Neubau
mit dem jetzigen alten Gebäude, so daß die Schüler auch bei
ungünstiger Witterung, ohne ins Freie treten zu müssen, in ihr
Lehrzimmer gelangen können. Rechts und links vom Corridor
liegen die sieben Klassenzimmer, das Museum und das Conferenz⸗
zimmer. Alles Holzwerk ist in „golden oak finish' gehalten.
Die Wände sind mit grauem Stein von unten auf fünf Fuß
hinauf getäfelt. Die Decken sind mit Eisenblech ausgeschlagen.
Zwei große Hauptportale laden zum Eintritt ein. Ebenso führen
zwei Ausgänge nach Norden. Zwei breite Treppen mit Absätzen
führen bequem ins zweite Stockwerk. Dort finden wir das
Zimmer für combinirte Klassen und noch ein kleineres Klassen⸗
zimmer. Der große gefällige Raum im Westflügel enthält die
Lehrerbibliothek mit ihren 7000 Bänden, sowie ein Lesezimmer.
Im großen Mittelbau begrüßt uns die freundliche Aula, die für
800 Personen Stühle bietet. Die Fenster sind von gemaltem
Glas, und in ihren oberen Rundungen sehen wir Portraits
D. Luthers, D. Walthers, Dr. Sihlers und Präses Wynekens.
Auch die elektrische Beleuchtung wirkt überraschend.

Viel, viel könnte noch rühmend und in dankbarer Aner⸗
kennung erwähnt werden, aber wir wollen nur noch darauf hin⸗
weisen, daß die innere Ausstattung des herrlichen Gebäudes von
den Gemeinden des Mittleren Districts bereitwilligst übernommen
worden ist. Außerdem haben Gemeinden in Chicago, Pittsburg,
San Francisco, Detroit, Buffalo und New York sich an diesem
Werke betheiligt. In der erfreulichen Collecte des Festtages
fanden sich in einer alten Geldtasche hundert Dollars in Gold.

Die Einweihungsfeier ist ohne Zweifel allen Betheiligten
zum reichen Segen geworden. Aber als Synodalanstalt soll
unsere Concordia auch allen ein Segen sein, die nicht mitfeiern
konnten. Allen Synodalgliedern liegt daher ob, zu rühmen und
zu bitten: Du, o treuer Gott, hast uns dies Haus erbaut; du
hast es uns geschenkt. Dir sei Lob und Dank gesagt. Nimm
es in deinen Schutz und Schirm. Laß alles, was darin gelehrt
wird, zu deiner Ehre gereichen. Sei du, HErr, unser Gott,
uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns.

M. Lücke.

Zum Gedächtniß des seligen P. F. T. Körner.

Friedrich Traugott Körner erblickte das Licht der Welt am
24. Januar 1845 in der Stadt New Vork. Seine Eltern waren
Christian Körner und Johanna, geborene Stertzel. Sie ge⸗
hörten der evangelisch⸗lutherischen Dreieinigkeits⸗Kirche an der
9. Straße und B Ave., der ältesten missourischen Gemeinde in

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