Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 10 › Seite 147

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Mai 1907, Seite 147

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Güter 4 · Güter 11 · Kirchenzucht · Kirchenzucht 13 · Zeit 2

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meinde das als ihren Zweck klar vor Augen, ist ein jedes Glied
erfüllt von dem Geist der erbarmenden Liebe Christi, die ver⸗
.lorene Sünder sucht und ihnen nachgeht, dann wird die Ge⸗
meinde vor manchem Versehen bewahrt bleiben. Dann wird
man vor allen Dingen auch sich hüten vor heftigem Überstürzen,
vor der Sucht, die Sache nur schnell zum Abschluß zu bringen.
Man wird sich keine Mühe verdrießen lassen, man wird immer
wieder auf allen Stufen Geduld haben, solange noch ein Fünk⸗
lein Hoffnung da ist, den Sünder zu retten, man wird auch noch
schwache Anzeichen von Buße und Umkehr wohl bemerken und
sich darüber freuen. Da wird man zum Beispiel auch, wenn
der sündigende Bruder erklärt, er wolle kein Glied der Gemeinde
mehr sein, man solle seinen Namen streichen, ihn nicht ohne
weiteres fahren lassen, sondern ihnr nachgehen und ihn ermah⸗
nen, ihm sein schreckliches Beginnen vor Augen stellen, daß er sich
von der Gemeinde Gottes trennt, ob er etwa noch umkehren
und die Gemeinde mit sich handeln lassen möchte.

Dieses Bestreben, den Bruder zu gewinnen, bewahrt aber
auch auf der andern Seite davor, daß die Gemeinde sich mit
allerlei halben Maßregeln zufrieden gibt, nmit einem bloßen
äußerlichen Bekenntnis des Sünders, dem dann die Tat nicht
entspricht, und dergleichen. Es kommt ihr eben darauf an,
nicht etwa den äußeren Schein zu wahren, sondern den Sünder
zu retten. Gerade dann, wenn die erbarmende Liebe zu dem
Simder in den Herzen lebendig ist, dann wird man ernst, unter
Umständen sehr ernst, auch wohl scharf reden, das göttliche
Gesetz in seiner ganzen Schärfe dem Sünder vorhalten, und
doch wird der Bestrafte es in solchem Fall immer merken und
fühlen, daß man wohl die Sünde ernstlich haßt, weil sie Gott
ein Greuel ist und den Menschen ins Verderben führt, daß man
aber die Person des Sünders liebt und zu retten sucht gerade
durch solchen Ernst und solche Schärfe. Wo dagegen diese
Absicht in der Kirchenzucht fehlt, oder sehr in den Hintergrund
tritt, da wird alle Kirchenzucht mehr oder weniger äußere leere
Form, die gewöhnlich mehr schadet als nützt. übrigens wohnt
ein solcher Geist der Liebe Christi nur in denen, die etwas von
Sünde und Gnade an sich selbst erfahren haben. Und je leben⸗
diger ein Christ ist in der Erkenntnis seiner eigenen Sünde,
je lebendiger er von dem Bewußtsein durchdrungen ist, daß
er selbst von Natur ein verlorener Sünder ist, der nur durch
freie Gnade, wie sie auch der Schächer erlangt hat, selig wird,
der täglich der Gnade Gottes in Christo IEsu lebt, um so mehr
wohnt in seinem Herzen Liebe, ernste, aufrichtige Liebe zu den
Sündern, um so mehr wird er sie recht ermahnen und strafen
können mit heiligem Ernst und doch mit gewinnender Freund⸗
lichkeit. Gott lasse es unsern Gemeinden nie an solchen Leuten
fehlen, die in solchem Geist und Sinn sich an der Kirchenzucht
beteiligen! Pharisäischer, selbstgerechter Geist taugt nicht zur
Kirchenzucht, der ist immer voll von Lieblosigkeit und Hochmut
gegen den Nächsten, besonders den gefallenen Nächsten.

G. M.

Haushalter.

Haushalter gibt es genug in der Welt, so viele, daß kein
Mensch ausgenommen, ein jeder vielmehr dazu berufen und
bestellt ist, ein Haushalter zu sein, der Rechenschaft geben muß.
Also nicht bloß die auf Erden diesen Namen führen und dazu

ohne Ausnahme sind Gottes Haushalter.

gesetzt sind, reichen Leuten ihre Schätze in Geldschränken und
sonstigen Vorratskammern zu verwalten, sondern alle Menschen
Jeder hat ja von
Gott mancherlei Gaben bekommen, und mögen diese nun viele
oder wenige sein, so ist doch keiner zum Eigentumsherrn dar⸗
über erhoben, sondern auch wir alle zumal sind nur Verwalter,
nur Haushalter über fremdes Gut, über Gottes Gaben. Gar
nichts, nicht das Allergeringste können wir eigentlich unser
eigen nennen. Vor Menschen niagst du wohl mit vollem Rechte
sagen können: Die Kinder sind mein, das Haus ist mein, das
Geld ist mein ꝛc., aber nicht vor Gott. Vor Gott mußt du
jederzeit in tiefster Demut bekennen: Lieber Gott, meine Kin⸗
der sind eigentlich deine Kinder, die du mir anvertraut hast;
mein Geld ist eigentlich dein Geld, das du mir geliehen hast;
mein Haus ist eigentlich dein Haus, und ich wohne zur Miete
bei dir. Wie du selbst gesagt hast: „Mein ist beide Silber und
Gold, spricht der HErr“, Hagg. 2, 9. „Alle Tiere im Walde
sind mein und Vieh auf den Bergen, da sie bei Tausenden
gehen“, Ps. 50, 10. „Weiset meine Kinder und das Werk
meiner Hände zu mir, spricht der HErr“, Jes. 45, 11.

Während aber alle Menschen darin gleich sind, daß sie alle
Verwalter fremden Gutes, Haushalter, sind, die einmal vor
Gott Rechenschaft geben müssen, so besteht doch eine große Un⸗
gleichheit darin, daß sie teils durch Gottes Gnade treue Haus⸗
halter sind, die der HErr anerkennen und zu Ehren setzen will,
teils untreue, ungerechte Haushalter, die vor dem HErrn be⸗
rüchtigt werden, als hätten sie ihm seine Güter umgebracht,
und die einmal mit Schanden abziehen müssen. Diesen großen
Unterschied zu veranschaulichen, seien dem Leser einige Bei⸗
spiele aus dem Leben zur wohlgemeinten Prüfung für ihn
selbst und andere dargeboten.

Wenn du deine Lebenszeit, die edle Gnadenzeit, anwendest
als ein Samenkorn einer seligen Ewigkeit; wenn du zu dieser
deiner Zeit in herzlicher Buße ernstlich bedenkst, was zu deinem
Frieden dient; wenn du die Zeit treulich auskaufst, zu schaffen,
daß du selig werdest mit Furcht und Zittern, auch dich zu üben
in den Werken der Liebe, die Gott wohlgefällig und den Men⸗
schen nützlich sind — dann erweisest du dich darin vor Gott als
einen treuen Haushalter. Wenn es dir aber mehr um albernen
Zeitvertreib zu tun ist; wenn du dich nicht in die Zeit
schicken, nicht erkennen willst die Zeit, darin du heimgesucht
bist; wenn du die kostbare Gnadenzeit, die doch so schnell dahin⸗
eilt, gewissenlos verschwendest und so gleichgültig, unbußfertig,
gottlos in den Tag hinein lebst, als ob es zur wahren Bekeh⸗
rung immer noch frühe genug sein müßte, wann es dir ge⸗
fällig wäre — dann wirst du vor Gott berüchtigt, als hättest
b0 ihm seine Güter umgebracht, also als ein untreuer Haus⸗

alter.

Wenn du dein Leben dem SeErrn, der es dir gegeben hat,
weihst und aufopferst in willigem Gehorsam, in Heiligkeit und
Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist; wenn du dem zu Ehren
lebst, der für dich gestorben und auferstanden ist; wenn du auch
seines letzten Winkes zum Aufbruch aus diesem bösen Leben
mit Freuden gewärtig bist und mit David flehst: „In deine
Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr,
du treuer Gott“, „Führe meine Seele aus dem Kerker, daß ich
deinem Namen danke“ — dann wirst du als ein frommer und
getreuer Kuecht, als eine fromme und getreue Magd erfunden.
Wenn du hingegen ein eigennütziges, selbstsüchtiges Leben oder

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