Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 10 › Seite 153
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Mai 1907, Seite 153
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht
in ihren Tagen; aber man hat jetzt berühmtere Namen.
— „
8 Nr TutßeraneEe 153
Und in der Tat, das Volk ist jetzt daran, sie zu schreiben. Es ist
in dieser Bibel wohl kein Raum für solche Namen wie Abraham,
Moses, David, Jesaias oder Hosea. Sie waren treffliche Leute
Und
solche sind Napoleon, Hildebrand, Heinrich VIII., die Königin
Viktoria, Gladstone, Parnell, Benedict Arnold, Jonathan Edwards,
John Wesley, Florence Nightingale, Beecher, Brooks, John D.
Rockefeller und Kanzler Day. Ein ganzes Kapitel wird dem Dar⸗
win gewidmet werden und seiner großen Offenbarung. In der
neuen Bibel wird man auch ein Kapitel darüber finden, welche
Torheit es ist für die Kirche, den Glauben zu verteidigen oder
Gelder für die Bekehrung der sogenannten Heiden zu sammeln.“
Wir brauchen kein Wort weiter über diese greulichen Lästerungen
und Schmähungen des heiligen Gotteswortes und seiner Zentral⸗
lehre von der Erlösung, so durch JEsum Christum geschehen ist,
zu sagen. L. F.
Gegen die Stifterin der schwindelhaften und widerbiblischen
Christian Science, Mrs. Mary Baker G. Eddy, ist, wie in den
letzten Wochen in allen Blättern berichtet worden ist, ein Gerichts⸗
verfahren eingeleitet worden, und zwar von ihren nächsten An⸗
verwandten, ihrem eigenen Sohne und andern. Man will nament⸗
lich über ihre Vermögensverhältnisse genaueren Aufschluß haben,
denn durch ihr weitverbreitetes, teures Buch Science and Health“
ist sie in den Besitz großer Reichtümer gelangt. Man erinnert
sich, daß der kürzlich verstorbene Betrüger Dowie ähnliche Erfah⸗
rungen machen mußte, und daß es von da an abwärts mit ihm
und seinem Ansehen ging. Es wäre nicht verwunderlich, wenn
dieses Vorkommnis auch bei der hochbetagten Frau Eddy der An⸗
fang vom Ende wäre und dadurch ein ebenso törichter wie ver⸗
derblicher Betrug allmählich aus der Welt geschaͤfft würde. Frei⸗
lich hat es die Geschichte der Kirche oft genug gezeigt, daß ein
religiöser Schwindel kaum abgetan war, als auch schon ein neuer
aufkam und Anhänger fand. Die Menschen lieben eben die Fin⸗
sternis mehr denn das Licht, Joh. 3, 19. L. F.
Auslaud.
Auch in England nimmt der nackte, bare Unglaube in der
Kirche überhand, und während er bisher sich noch mehr auf kheo⸗
logische Kreise beschränkte, wird er neuerdings auch frei und offen
von der Kanzel der Gemeinde verkündigt. Besonderes Aufsehen
hat es erregt, als vor einigen Monaten ein gefeierter Londoner
Prediger, Campbell, von der Kanzel gegen die Bibel zu Felde
zog, und die gläubigen Kreise in den englischen Kirchen sind sehr
entrüstet. Campbell führte aus: Nichts in der Heiligen Schrift
sei für uns verbindlich. IEsus selbst habe uns den Weg gezeigt,
wie man sich von dem Alten Testament frei machen müsse. Auch
was die Apostel lehrten, seien bloß ihre religiösen Privatmei⸗
nungen gewesen. Zwar habe Gott durch sie geredet, aber sie
seien nicht volllommen und unfehlbar gewesen. Gott könne in
uns gerade so sich offenbaren. Niemand solle sich durch die Bibel
in seinen Meinungen einschränken lassen. — Aber was hilft alle
Entrüstung, wenn man nicht Ernst macht und gegen die groben
Irrlehrer vorgeht? Gottes Wort gebietet, die Irrlehrer in Zucht
zu nehmen und, wenn sie nicht ihren Irrtum widerrufen, sie aus
der Kirche hinauszutun. L. F.
Auf der schönen Insel Samoa im Stillen Ozean gibt es jetzt
keine Heiden mehr. Alle Einwohner sind dem Namen nach
Christen. Christliche Schulen blühen und werden von Tausenden
von Kindern besucht; auch christliche Hochschulen sind vorhanden
und ein theologisches Seminar, auf dem Eingeborene zum Kir⸗
chendienst ausgebildet werden, wie denn schon jetzt bei weitem die
meisten Missionsarbeiter Eingeborene sind. Die Mission wird
hauptsächlich von der großen Londoner Missionsgesellschaft (Epi⸗
skopalen) betrieben; dann folgen die australischen Methodisten
und die Römisch⸗Katholischen. L. F.
Aus Welt und Seit.
Zwei christliche Gelehrte. Professor Dr. von Bergmann, der
kürzlich verstorbene berühmte Arzt, dessen Verdienste um die medi⸗
zinische Wissenschaft in der ganzen Welt besprochen und gepriesen
werden, war ein kindlich gläubiger Christ und hat noch im Ange⸗
sicht des Todes seinen Glauben an Christum bekannt. Deutsch⸗
ländische Blätter berichten, daß er vor der letzten Operation, der
er sich unterwerfen mußte, laut und deutlich den ersten Vers des
bekannten, von der frommen Dichterin Julie Hausmann gedich⸗
teten geistlichen Liedes gebetet habe:
So nimm denn meine Hände und führe mich
Bis an mein selig Ende und ewiglich!
Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt;
Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.
— Ebenso war der am 5. März in Halle verstorbene Professor
Dr. Blaß, der als Kenner der griechischen Sprache und Literatur
in der ganzen Welt berühmt war, ein entschiedener Christ. Er
hat nicht nur mit seinen Gaben und seiner Gelehrsamkeit ganz
direkt der christlichen Theologie gedient, sondern auch den Bibel⸗
glauben kräftig verteidigt gegen liberale Theologen wie Harnack
und deren grundstürzende Bestrebungen. Auch den in den letzten
Jahren vielgenannten Apostel des radikalsten Unglaubens, Ernst
Häckel, hat er scharf bekämpft. Sind auch, wie der Apostel sagt,
nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel
Edle berufen, 1 Kor. 1, 26, so liegt darin doch auch, daß immer
etliche der Großen und Gelehrten in der Welt dem Evangelium
gläubig sind. L. F.
Große Erderschütterungen folgen in der letzten Zeit so rasch
aufeinander und sind von solch entsetzlichen Verheerungen begleitet,
daß man unwillkürlich auf den Gedanken konunt: Die Erde wird
morsch und alt, und ihre Grundfesten wanken. In einem Jahre
haben sich die Erdbeben in California, Chili, Jamaika und Mexiko
zugetragen, um nur die größten und bekanntesten zu nennen.
Tausende von Menschen sind plötzlich dahingerafft, Eigentum im
Werte von Millionen ist zerstört worden. Mag man auch dafür
natürliche Ursachen suchen und finden: wir Christen wissen, daß
solche Heimsuchungen in der Hand des HErrn Mittel sind, um die
Ungläubigen zu schrecken, daß sie bedenken möchten, was zu ihrem
Frieden dient. Es wird doch wohl mancher, der bis dahin in
Sicherheit dem offenen Abgrund entgegenging, aufgerüttelt und
zur Besinnung gebracht. Den Gläubigen aber dienen solche
Schrecknisse zur Mahnung, daß sie halten, was sie haben, und
allezeit bereit seien auf die Stunde, da das große, allgemeine End⸗
gericht hereinbricht, dessen Anzeichen und Vorboten nur diese Erd⸗
beben sind. L. F.
Rogate — Betet!
Frage 212 unsers Synodalkatechismus lantet: „Mit welchem
Unterschied sollen wir bitten?“ Und die Antwort ist: „Um die
geistlichen Güter, die uns zur Seligkeit nötig sind, sollen wir ohne
Bedingung bitten; um die übrigen Güter aber mit der Bedingung,
daß Gott sie uns geben wolle, wenn es zu seiner Ehre und unserm
Heil gereicht.“ — Das ist ohne allen Zweifel richtig und dem
Worte Gottes gemäß.
Aber unser armes Fleisch und Blut ist geneigt, das falsch zu
verstehen, und sagt so: Also mit richtiger, fester und fröhlicher
Zuversicht darf ich bloß um das bitten, was zu meiner dereinstigen
Seligkeit durchaus nötig ist; wenn ich aber sonst in Not bin, so
weiß ich nicht, ob Gott mein Rufen und Schreien hören und er⸗
hören will. Und so ist denn die Gefahr da, daß wir in Mut⸗
losigkeit sinten und sogar unser Gottvertrauen verlieren.
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