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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Mai 1907, Seite 152
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht
152 Nev I utheraneßs
Pastor auch zugleich Reiseprediger. Auch unser Häßler ließ
sich nicht vergebens rufen, bald hier und dort, in der Nähe und
Ferne das Netz des Evangeliums auszuwerfen. Nach fünf⸗
jähriger gesegneter Wirksamkeit folgte er im Jahr 1877 einem
Ruf von zwei Gemeinden an der Lincoln Creek, Seward Co.,
Nebr., in ein noch größeres Arbeitsfeld. Auch hier war seine
Arbeit nicht vergeblich in dem HErrn. Nicht nur seine eigenen
Gemeinden versorgte er nach Notdurft, sondern er gründete auch
noch niehrere andere jetzt blühende Gemeinden. Wo er einmal
festen Fuß gefaßt hatte, da ließ er sich von den falschen Pro⸗
pheten nicht vertreiben, sondern stellte sich ihnen mannhaft ent⸗
gegen und scheute auch eine öffentliche Disputation nicht, um
sein Feld zu behaupten.
Bis zum Jahre 1878 war er unverheiratet geblieben. Er
war jetzt 32 Jahre alt. Da fügte es Gott, daß er in Fräulein
Henriette Hansmeier eine rechte Pfarrfrau fand, die er am
13. Oktober 1878 heimführte und mit der er bis an sein Ende
in einer überaus glücklichen und reich gesegneten Ehe lebte.
Im Jahre 1882 wurde er an die Gemeinde bei Beatrice,
Gage Co., Nebr., berufen, welchem Ruf er mit Einwilligung
seiner bisherigen Gemeinden folgte. Hier entfaltete er seine
Hauptwirksamkeit. Zweiundzwanzig Jahre stand er dieser Ge⸗
meinde vor, nahm sich des Schulunterrichts treulich an, war
daneben auch als Missionsprediger tätig und gründete auch
hier mehrere Gemeinden, die er jahrelang bediente. War er
auch kein hervorragender Prediger und gefiel auch seine Weise
nicht jedermann, hatte er auch manche Charaktereigentümlich⸗
keiten, Schwächen und Gebrechen an sich, die eben offenbarten,
daß er auch noch kein vollkommener Heiliger, sondern ein armer
Sünder war, der der täglichen Vergebung bedurfte, so suchte er
doch nach seiner Erkenntnis mit den Gaben und Kräften, die
ihm Gott verliehen hatte, seinem Heiland in seiner Kirche treu—
lich zu dienen und durch einen christlichen Wandel die reine Lehre
zu zieren. Wer in seinem Hause einkehrte und ihn näher kannte,
lernte ihn auch schätzen. Für Mission und Zwecke des Reiches
Gottes hatte er immer ein warmes Herz und eine offene Hand
und verstand es auch, seine Gemeinde dafür zu erwärmen.
Konnte er einen Jüngling gewinnen, der willig war, Prediger
oder Lehrer zu werden, so unterzog er sich mit Freuden der
Mühe, ihn zum Eintritt in eins unserer Göymnasien oder Semi⸗
nare vorzubereiten und zu unterrichten, damit er womöglich
eine der untern Klassen überspringe.
Besondere Verhältnisse bestimmten ihn endlich, das ihm so
lieb gewordene Amt in seiner bisherigen Gemeinde niederzu⸗
legen. Aber er konnte sich nicht entschließen, am Markte müßig
zu stehen, solange er noch arbeitsfähig war. Endlich wurde sein
heißer Wunsch erfüllt. Am 24. Januar vorigen Jahres durfte
er dem Ruf an die St. Paulsgemeinde in Holstein, Nebr.,
folgen und wurde dort am 4. März eingeführt. Mit Freuden
trat er sein Amt an. Jedoch der Feierabend, wo er von aller
Arbeit ausgespannt werden sollte, kam schneller, als man ahnte.
Am 20. Mai wurde er, nachdem er vormittags noch mit außer⸗
ordentlicher Frische gepredigt hatte, nachmittags von einem
Gehirnschlag getroffen, während er auf einem Besuche bei einem
Gemeindeglied weilte. Bewußtlos wurde er nach Hause ge—
bracht, und nach 36 Stunden tat er, ohne wieder zur Besinnung
zu kommen, den letzten Atemzug.
Das war eine schmerzliche Leichenfeier, die dann am Tage
nach dem Himmelfahrtsfeste stattfand. Von allen Seiten am
die so schnell wieder verwaiste Gemeinde herbei, von nah und
fern waren seine Freunde und Amtsnachbarn herbeigeeilt, um
der so schwer betroffenen hinterlassenen Witwe und ihren Kin⸗ x
dern ihr herzliches Beileid zu bezeugen und dem Entschlafenen
das letzte Geleite zu geben. Die Trauerfeier im Hause leitete
der nächste Anitsnachbar, P. M. Schmidt, und in der Kirche hielt
Vizepräses W. Cholcher vor der bewegten, großen Trauerver⸗-
sammlung die Leichenpredigt über die Worte IEsu, Joh. 12, 26:
„Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“, und tröstete die
Hinterbliebenen. P. H. Schabacker richtete hierauf einige Worte
des Trostes und der Ermahnung an die verwaiste Gemeinde
und verlas den Lebenslauf des Entschlafenen. Dann trugen
die Amtsnachbarn den Sarg hinaus auf den neben der Kirche
liegenden Gottesacker nach dem offenen Grabe. Bei der Be⸗
stattung amtierte P. C. Schubkegel. Dort ruht er nun in seiner
Kammer, bis einst „die Tromet' erklingt, die auch durch die
Gräber dringt“. Außer der tiefgebeugten Witwe beweinen ihn
noch fünf Söhne und zwei Töchter; einer der Söhne studiert 3
Theologie. Die Zeit seiner Wallfahrt auf Erden war 60 Jahre,
3 Monate und 29 Tage. G. J. Burger.
Zur kirchlichen Chronikxk.
Amerika.
Unter der überschrift „Unlutherische Praxis“ berichteten wir
in No. 4 des „Lutheraner“, daß ein Pastor des Generalkonzils
in Lancaster, Pa., mit seiner Gemeinde am Danksagungstag einen
gemeinschaftlichen „Gottesdienst“ mit der dortigen reformjüdischen
Gemeinde in deren Tempel abgehalten und mit dem Rabbi dieser
Gemeinde zusammen amtiert habe. Wir fügten Hinzu, daß man
im Generalkonzil Schritte tun wolle, das gegebene Argernis zu
beseitigen. Das ist nun auch geschehen. Der betreffende Pastor
ist vorgenommen worden und hat, wie der Präsident des Konzils,
D. Schmauk, mitteilt, öffentlich Buße getan. Das ist erfreulich,
und wir bringen dies hier zur Kenntnis und wünschen nur, daß
im Konzil in jedem Falle auf rechte lutherische Praxis und auf
deren Grundlage, reine lutherische Lehre, gedrungen würde. Daß
es nötig ist, wird wohl niemand in Abrede stellen.. L. F.
Die Episkopalkirche unsers Landes ist wohl die Kirche, in
der Irrlehre in den Hauptwahrheiten des christlichen Glaubens
am weitesten verbreitet ist. Meistens schließen sich diejenigen, die
von andern Kirchengemeinschaften in Zucht genommen und aus⸗
geschlossen werden, wenn sie überhaupt sich wieder mit einer Kirche
verbinden, der Episkopalkirche an und werden dort angenommen,
und die gröbsten Lästerungen werden aus dem Munde von Episto⸗
palpredigern laut. Kaum ist der Crapsey⸗Fall zu Ende gekom⸗
men, der so viel von sich hat reden gemacht („Lutheraner“, No. 5),
so tritt ein anderer Episkopalprediger in Rochester, N. Y., namens
Richmond, in Crapsehs Fußtapfen. Der „Lutherische Herold“ teilt
folgende Sätze aus einer Fastenpredigt Richmonds mit: „In
manchen Kirchen hört man noch immer jene unmenschliche, schreck⸗
liche Lehre, die gegen die Liebe und das Gesetz verstößt, die Lehre
vom stellvertretenden Leiden und Sterben Christi: Christus hat
für alle deine- Sünden genuggetan; glaube nur, daß Christus für
dich gestorben ist, und du wirst selig. Dies ist der größte Irr⸗
tum, insofern von dem Leiden Christi als von einem stellvertre⸗
tenden geredet wird. Die Kirchen, in welchen diese Lehre der
Stellvertretung gepredigt wird, könnte man gerade so gut morgen
anzünden und verbrennen oder in Hospitäler oder Irrenashle
verwandeln.“ In einer andern Predigt sagte Richmond: „Für
das zwanzigste Jahrhundert müssen wir eine neue Bibel haben.
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