Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 10 › Seite 150
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 7. Mai 1907, Seite 150
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gehalt 5 · Geheimniſſe · Kirchenzucht · Gemeindeſchule
150 8 Mer „Tutheraned
genies. Durch irgend einen Umstand, vielleicht durch Beschaf⸗
fung eines Pianos oder dergleichen, ist er in Schulden geraten,
und es will und will ihm nicht gelingen herauszukommen.
Was ist in solchen und ähnlichen Fällen zu tun? Zunächst
ist der Lehrer an die Gemeinde gewiesen, und ihre Pflicht ist
es zu helfen. Es ist aber auch die Pflicht der Gemeindebeamten,
dafür zu sorgen, daß die Gemeinde ihre Schuldigkeit tue, wie
sie es im Namen JEsu versprochen hat. Vielleicht aber ver⸗
säumen oder verschieben diese es aus Mangel an Erkenntnis.
Ist das Verhältnis zwischen dem Lehrer und dem Pastor seiner
Gemeinde, wie es sein soll, so wird er diesem seine Lage offen⸗
baren, und sie werden gemeinschaftlich beraten, ob und wie zu
helfen sei. Vielleicht stellt sich dabei heraus, daß der Pastor
in ähnlicher Lage ist, daß der Lehrer zu warten hat, bis seines
Pastors Gehalt erhöht ist, daß die Liebe erfordert, nicht nur
seinem Pastor eine Gehaltserhöhung zu gönnen, sondern, wenn
tunlich, selbst dafür zu reden; denn so ungern der Lehrer für
sich selbst anfragen mag, ebenso ungern wird auch der Pastor
für sich selbst eine Gehaltserhöhung beantragen. Doch hüte
sich der Lehrer, einflußreiche Glieder der Gemeinde oder per—
sönliche Freunde zu bearbeiten, um sich durch sie eine Gehalts⸗
erhöhung zu verschaffen. Auch in dieser Sache soll alles ehrlich
und ordentlich zugehen, und der geordnete Weg ist der, daß es
durch die Beamten der Gemeinde vor die Versammlung komme.
Wie aber, wenn die Gemeinde keine oder keine genügende
Gehaltserhöhung gewährt?
Dann zwingt die Not den Lehrer, durch Privatunterricht
oder durch andere Nebenbeschäftigung den Mangel zu decken.
In der Dezembernummer des achten Jahrganges unsers „Schul⸗
blattes“ wird auf die Frage, ob der Lehrer Privatunterricht
erteilen darf, folgende Antwort gegeben:
„Es ist bei Beantwortung dieser Frage ins Auge zu fassen,
ob die Gemeinde ihn so im Außeren gestellt hat oder nicht, daß
er Nahrung und Kleidung und die Mittel zur Anschaffung der
ihm für seinen Beruf unentbehrlichen Bücher ꝛc. habe. Ist dies
nicht der Fall, so daß er also auch bei wirklich sparsamer und
in Gott genügsamer Wirtschaftlichkeit nicht sich und sein Haus
ohne drückenden Mangel zu erhalten weiß und die Gemeinde,
sei es aus Mangel an zeitlichen Mitteln — was hier wohl sel⸗
tener vorkommt — oder aber aus Mangel an Glauben und
Liebe, noch seine Lage nicht verbessern kann, so sehe er getrost
das Anerbieten, solche Privatstunden zu erteilen, als von Gott
kommend an, der es ihm dadurch ermöglichen will, an seinem
Orte das gesegnete Werk an der Schule fortzuführen und die
armen Kinder also nicht die Armut oder die Sünden ihrer
Eltern entgelten zu lassen. —. Ganz anders steht es dagegen,
wenn sich ein evangelisch-lutherischer Gemeindelehrer durch
Liebe zum Gelde, sei es, um es zusammenzuscharren oder um
sich und den Seinen dadurch ein möglichst genußreiches Leben
zu sichern, bestinumen läßt, solche Privatstumden zu übernehmen,
und dann natürlich je mehrere derselben desto lieber, möge es
dann auch mit der Vorbereitung auf den Unterricht und mit
der allgemeinen Weiterbildung für seinen Beruf gehen, wie es
wolle. Über den schändlichen Sinn eines solchen Lehrers brau⸗
chen wir nicht viele Worte zu machen: sein eigenes Gewissen
bezeugt ihm, daß er ein schnöder Mammons- und Bauchdiener
ist und daß er als solcher einst seinen gebührenden Lohn emp⸗
fangen wird.“
Aus unserer Judenmission.
Um den Lesern des „Lutheraner“ wieder einmal einen
Einblick in die Arbeit unsers Judenmissionars in New York
zu geben, lassen wir einen Auszug aus den Berichten folgen,
die der Missionar seiner Konmrission von Monat zu Monat
vorlegt. Missionar Friedmann schreibt:
„Ich schäme mich des Evangelii von Christo nicht; denn
es ist eine Kraft Gottes, die da selig machet alle, die daran
glauben,“ Röm. 1, 16, das war Pauli Erfahrung, trotzdem
daß die Juden lästerten und ihmn nach dem Leben trachteten.
Seit jener Zeit haben sich die Juden noch mehr verstockt, und
von seiten der sogenannten Christenheit haben der Haß, der
gottlose Wandel und die bitteren Verfolgungen aller Art viel
zur Feindseligkeit Israels gegen das Christentum und den Hei⸗
land der Welt beigetragen. Wenn darum heutzutage sich hie
und da ein Judenherz auftut und andächtig, wie Lydia, der Pre⸗
digt von Christo zuhört, so ist dies ein Sieg des Evangeliums,
für den der Judenmissionar dem lieben Gott von Herzen dank⸗
bar ist. Denn die Finsternis wehrt sich gegen das Licht, und
der Fürst der Finsternis schnaubt und wütet, wenn ihm an sei⸗
nem Reiche Abbruch geschieht, und ihm seine Beute entrissen
wird. Er reizt darim auch die Juden gegen den Missionar
auf, und der Bote des Friedens, der Israel das Heil bringen
will, muß sich manche rohe Behandlung, manche Lästerreden
und Fluchworte von seinen Stammesgenossen gefallen lassen.
Wenn nicht das Trosteswort des HErrn JeEsu feststände:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“, 3
Matth. 28, 20, so würde der Judenmissionar entweder wahn⸗
sinnig werden, oder die Auszehrung bekommen, oder die Flinte
ins Korn werfen und das Weite suchen. Aber das kräftige,
tröstliche Verheißungswort: „Ich bin bei euch“ kann man in
der Judenmission mit Händen greifen, wenn man die Festungen
des Vorurteils und des Unglaubens vor dem Trompetenschall
des heiligen Evangeliums fallen sieht.
Viele Juden, die früher während der Predigt wie auf
Nadeln saßen und bei der Nennung des hochheiligen Namens
IEsu Lästerworte ausstießen, sieht man nun andächtig das
Wort Gottes anhören und nachdenkend und ernst gestimmt
davongehen. Das ist ein Sieg, über den sich gewiß auch die
Engel im Himmel freuen.
Die öffentlichen Gottesdienste in dem Lokal unserer Juden⸗
mission wurden während der vergangenen Advents- und Weih⸗
nachtszeit von 25 bis 30 Zuhörern besucht. Die Samstags-—
und Sonntagsschule ist während desselben Zeitraumes von
48 bis 60 Judenkindern besucht worden. An 21 Abenden
wurden besondere Religionsstunden gegeben. Auf Grund alt—
testamentlicher Weissagungen wurde dabei die Botschaft von
Christo IEsu in die Herzen der Hörenden eingepflanzt. Etwa
40 bis 48 Kinder stellten sich dazu ein. Die Frucht kann nicht
ausbleiben. Wir können des Sieges IEsu über den Rest aus
Israel so gewiß sein, wie wir seines Sieges über unser eigenes
einst finsteres Herz gewiß sind. Herolde eines solchen Sieges⸗ 3
fürsten brauchen kein Hasenherz zu haben. Sie bereiten ihm
den Weg, wenn es auch nur gilt, vorläufig die Felsen und Stum⸗
pen der Ungewißheit und des Vorurteils zu entfernen. Und
wer mit Christo denkt und fühlt, der wird an dieser Arbeit und
an diesem Segen teilhaben wollen.
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