Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 12 › Seite 184

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Juni 1907, Seite 184

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: ECheſcheidung · Kirchenzucht · Predigt 6

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184 Der 2„Tutheranse

rates dieser Anstalt und zu verschiedenen Zeiten Redakteur des
deutschen „Lutherischen Herold“ und des englischen Lutheran, zu⸗
letzt Hauptredakteur des letztgenannten Blattes. Er ist über
81 Jahre alt geworden und hat bis zu seinem Tode, 59 Jahre
lang, im Predigtamt gestanden. L. F.

Ausland.

Der Sstliche Distrikt unserer australischen Schwestersynode
war vonn 15. bis 19. März in Murtoa, Victoria, in P. Mensings
Gemeinde versammelt. P. C. Harms hielt einen Lehrvortrag
über die wahre, christliche Kirchenzucht, der dann von den Ver⸗
sammelten besprochen wurde. Eine Missionsbehörde wurde er⸗
nannt, die das Werk der Innern Mission des Distrikts leiten soll.
Die Glieder des Distrikts, die im Staate New South Wales woh⸗
nen und vom Mittelpunkt des Distrikts in Victoria weit entfernt
sind, wurden ermuntert, einen eigenen Synodaldistrikt zu bilden.
Auf dem Missionsfest, das am Synodalsonntag abgehalten wurde,
predigte der Präses der Allgemeinen Synode, P. Nickel, der vor
zwei Jahren in Springfield examinierte P. Noack und der Heiden⸗

missionar Wiebusch. Der Letztgenannte hatte vier Kinder von
seiner Missionsstation mitgebracht, schwarze Australier, die durch
ihre Antworten auf Fragen aus der biblischen Geschichte und dem
Katechismus, sowie durch ihr Singen geistlicher Lieder zeigten,
daß des Missionars schwere Arbeit nicht vergeblich ist. — Dieselbe
Nummer des „Lutherischen Kirchenboten für Australien“, der wir
diese Mitteilungen entnehmen, bringt auch die Parochialberichte
der ganzen Synode, die sich über die 5 Staaten Victoria, New
South Wales, Queensland, South Australia und West Australia
erstreckt. Aus diesen Berichten geht hervor, daß zur Synode
135 Gemeinden und Predigtplätze gehören, die gegenwärtig von
29 Pastoren bedient werden. Die Zahl der Seelen in diesen Ge⸗
meinden und Predigtplätzen beträgt 12,697 mit 7704 kommu⸗
nizierenden und 2684 stimmfähigen Gliedern. In 49 Gemeinde⸗
und 4 Privatschulen werden von 32 Lehrern und 14 Lehrerinnen
1516 Kinder unterrichtet. In einigen Gemeinden wird auch
Sonntagsschule gehalten, die von 286 Kindern besucht wird. Ge⸗
tauft wurden im vergangenen Jahre 408, konfirmiert 374. Zum
heiligen Abendmahl sind 14,428 Personen gegangen, begraben
wurden 115 Personen, getraut 86 Paare. Für die verschiedenen
Kassen der Synode, also für außergemeindliche Zwecke, wurden
rund §57500.00 gesammelt. — Am 19. Februar wurde in einem
feierlichen Gottesdienst P. G. Koch als zweiter Professor am Con⸗
cordia-College zu Adelaide eingeführt, in dem jetzt 53 Schüler
studieren; 24 davon sind mit dem neuen Schuljahr eingetreten.
L. F.

Aus Neuseeland geht uns zum ersten Male ein statistischer
Bericht über die Gliederzahl der dortigen Gemeinden und Pre⸗
digtplätze zu. Es sind vier Parochien, die von den Pastoren Thiel,
Teyler, Winkler und Hassold bedient werden. Die drei Erstge⸗
nannten stehen an selbständigen Gemeinden, während P. Hassold
in der Mission unter den zerstreuten und lange Zeit kirchlich un⸗
versorgten Lutheranern arbeitet. Die Gesanitzahl der Seelen ist
927, der kommunizierenden Glieder 491, der Stimmberechtigten
159. In vier Gemeindeschulen, die von den Pastoren gehalten
werden, befinden sich 76 Schulkinder. 31 wurden getauft, 25 kon⸗
firmiert, 10 begraben, 8 Paare getraut, 815 sind zum heiligen
Abendmahle gegangen. P. Tehler, der diese Mitteilungen macht,
bemerkt dazu: „Mit Gottes Hilfe geht das Werk vorwärts, wenn
auch langsam, so doch vorwärts.“ Seit dem Vorjahre ist nämlich
die Zahl der Seelen um 62, die der Kommunizierenden um 51
und die der Stimmberechtigten um 13 gewachsen. Für auswär⸗
tige Zwecke haben die kleinen Gemeinden im vergangenen Jahre
etwa §340.00 aufgebracht. — Unsere Brüder in Neuseeland haben
auch, wie wir schon früher mitteilten, eine kleine Konferenz ge⸗

gründet. Die letzte Versammlung fand in P. Teylers Gemeinde

zu Marton statt, zu der auch Vertreter der einzelnen Gemeinden
eingeladen waren, um einen engeren Zusammenschluß der Ge⸗
meinden anzubahnen. Eine Konstitution war ausgearbeitet wor⸗
den und wurde beraten, die nun den einzelnen Gemeinden zur
Annahme vorgelegt werden soll. In drei Sitzungen wurden Lehr⸗
verhandlungen über die Hauptaufgabe eines Christen gepflogen, an
denen sich auch Gemeindeglieder beteiligten. An einem Tage wurde
Missionsfest gefeiert, zu dem Festgenossen von fünf auswärtigen
Plätzen erschienen waren. — P. Thiel von Upper Moutere hat
nun inzwischen einen Beruf nach Australien angenommen, wollte
im Mai umziehen, und seine Gemeinde hat einen Beruf nach
Amerika gesandt, der aber für die Kandidatenverteilung zu spät
kam. Möge ihr bald wieder ein Pastor beschert werden, damit
das Werk in Neuseeland keinen Schaden leide! L. F.
Wie die Kirche zum Theater und der Prediger zum Theater⸗
spieler wird, zeigt der Bericht eines Augen⸗ und Ohrenzeugen,
den die Neugierde in die Kirche eines neumodischen Londoner
Predigers lockte. Er schreibt: „„Seife und Sünden, Musik, Or⸗
chester, Laterna Magica“, lautete die Ankündigung im Kirchen⸗
anzeiger, die meine Neugier lockte. Kaum, daß ich in dem völlig
dunklen Gotteshause tappend einen Platz gefunden hatte, so be⸗
gann die Vorstellung. Auf einer großen Leinwandfläche erschie⸗
nen Lichtbilder: eine Reihe Automobile, Lokomotiven, Dampf⸗
maschinen; Szenen aus dem Leben der Großstadt; auch Ele⸗
fantenwäsche in Indien, Eisgewinnung in den arktischen Regionen

und ähnliches. Vereinzelt mischten sich darunter Bilder religiösen

Inhalts, in der grellen, marktschreierischen Art der Plakate Lon⸗
doner Vorstadttheater. Eine Stimme von der Orgel herab gab,
wo nötig, einige erklärende Worte. Zwischendrein spielte ein
Orchester von Streich- und Blasinstrumenten — die Musikanten
in weißen Chorhemden — keineswegs sehr kirchlich anmutende

Weisen. Zur Abwechslung folgte ein Klaviervortrag, ein Horn⸗ 3 4

solo und das Lied einer Sängerin. Nun hört man vor der Kirche
Musik; eine Prozession Chorknaben mit Fahnen und Windlichtern
hält ihren Einzug. Der erste Geiger des Orchesters — es ist der

Pfarrer selber — legt sein Instrument hin und besteigt die Kanzel. 4

Auf der weißen Fläche erscheint in großen Lettern der Text eines
Kirchenliedes, das gemeinsant gesungen, der Text einer Litanei,

der liturgischen Gebete, die von der Gemeinde abgelesen werden.

Nun fällt die Leinwand, während die elektrischen Kronleuchter
aufblitzen und die hohen Wölbungen, die ehrwürdig schwärzlichen
Holzschnitzereien, die Bilder und Wappen der Kirche grell be⸗
leuchten. Der Hauptteil des Gottesdienstes, die Predigt, beginnt
damit, daß der Geistliche einige Pakete Sunlight'⸗Seife hervor⸗
holt und über den jetzt im Vordergrund des öffentlichen Interesses
stehenden Seifen⸗Trust redet. Der übergang von der Seife zu
der notwendigen Reinigung von unsern Sünden ist leicht zu finden.
Dabei setzt sich der Herr Pfarrer bequein auf die Brüstung seiner
Kanzel und steckt die Hände unter dem emporgehobenen Chorhemd
in die Hosentaschen, schaͤltet gelegentlich ein Zwiegespräch mit dem
Kirchendiener ein, den er um seine Meinung über die göttliche
Gnade befragt, und reißt politische Witze, daß kicherndes Gelächter
laut wird. Diese Predigten sind berühmt dadurch, daß sie all⸗
sonntäglich an das jeweilige Interesse anknüpfen. Gesang und
die üblichen Gebete beschließen den Gottesdienst.“ Ebenso wider⸗
lich wie verwerflich! L. F.

Aus Woelt und Zeit.

Eine Statistik aller Ehescheidungen während der vergangenen
zwanzig Jahre, von 1887 bis 1906, wird gegenwärtig von dem
Zensusamt unsers Landes zusammengestellt im Interesse einheit⸗

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