Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 12 › Seite 185
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Juni 1907, Seite 185
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: ECheſcheidung · Kirchenzucht · Teufel 5 · Kirchengemeinſchaften. 4„99 · Loge 4
Ser 2 ukßeranesN
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licher Gesetze über Eheschließung und Ehescheidung. Die Arbeit
ist so weit gediehen, daß man einen vorläufigen überblick gewin⸗
nen kann. In dem betreffenden Zeitraum sind etwa 1,400,000
Scheidungsgesuche in den Vereinigten Staaten eingereicht und
mehr als 1.000,000 Scheidungen sind gewährt worden. In den
vorhergehenden zwanzig Jahren, von 1867 bis 1886, fanden
328,000 Scheidungen statt. In Chicago kommen auf 100,000
Einwohner jährlich 107 Scheidungen; in Philadelphia sind es 63,
in Boston 53; über New York sind noch keine Zahlen veröffentlicht.
In Philadelphia und Boston nehmen die Scheidungen rascher zu
als in Chicago. Auch auf dem Land sind sie stark im Zunehmen
begriffen. L. F.
Die Staatsgefährlichkeit der Loge wird durch das folgende
Vorkommnis belegt. Als man nach dem Tode des bekannten ehe⸗
maligen New Yorker Senators Roscoe Conkling Vorbereitungen
zu seinem Leichenbegängnis traf, wurde sein Neffe, der Stadtrat
Conkling in New York, gefragt, ob denn sein Onkel kein Frei⸗
maurer gewesen sei. Der Neffe gab zur Antwort: „Nein, er war
weder ein Freimaurer, noch gehörte er zu irgend einer andern ge⸗
heimen Verbindung. Als mein Vater vor etwa sechzig Jahren
öffentlicher Ankläger in Montgomery County war, klagte er einen
Mann des Mordes an, und als er die Anklage gegen ihn im Ge⸗
richt zusammenfaßte, machte der Angeklagte das Notzeichen der
Freimaurer. Mein stolzer Vater war darüber so entrüstet, daß
er sofort aus seiner Loge austrat, und seit jenem Tage hat sich
kein Conkling mehr einer Loge angeschlossen.“ L. F.
ö Der Ölberg bei Jerusalem mit dem Garten Gethsemane ist
von dem türkischen Sultan zu Ostern dem deutschen Kaiser ge⸗
schenkt worden. Der „Christliche Apologete“ berichtet darüber:
„Die Erlaubnis, dort ein deutsches Hospital zu errichten, war
schon lange erteilt worden, und D. Dryander, des Kaisers Ober⸗
hofprediger, und Graf v. Mirbach, der Oberhofmeister der Kaise⸗
rin, waren zu Ostern in Jerusalem, um den Grundstein für das
Hospital zu legen. Da schenkte Sultan Abdul Hamid dem Kaiser
den ganzen Olberg. Der Olberg liegt an der Ostseite der Stadt
und ist von ihr durch das Kidron⸗Tal getrennt. Es ist eine Hügel⸗
kette von 2600 Fuß Höhe. Vormals war der Ölberg dicht be⸗
standen mit Ol⸗ oder Olivenbäumen, die aber bei der Belagerung
der Stadt durch die Römer fast alle niedergehauen wurden. Am
Westabhang, nahe bei dem Osttore der Stadt, lag der stille Garten
Gethsemane, den der Heiland häufig aufsuchte und in dem seine
große Passion begann. Dieselbe Straße hinab hat er unter dem
Hosiannajubel des Volkes seinen Einzug in Jerusalem gehalten.
An zwei Stellen des Berges will man den genauen Ort der Him⸗
melfahrt angeben können; auf der einen steht die Himmelfahrts⸗
kirche, die den Mohammedanern gehört, aber den Christen zeit⸗
weise eingeräumt wird, und die andere, etwas erhaben und ein
wenig weiter nördlich gelegen, ist das Eigentum des griechisch⸗
katholischen Bischofs von Jerusalem.“ L. F.
Der Betrug des Teufels.
Daß es möglich ist, mit Hilfe des Teufels übernatürliche
Dinge zu vollbringen, dafür sind die ägyptischen Zauberer vor
Pharao ein Beweis. Jene Zauberer waren Götzendiener und
hatten nicht die Erkenntnis des wahren Gottes. Als sie nun an
Mosis Wundertaten eine ganz andere Macht erkannten, waren
sie ehrlich genug, zu Pharao zu sprechen: „Das ist Gottes Finger!“
Das ganze Heidentum lag im Banne des Teufels, der die Men⸗
schen durch scheinbare Wunder in seinem finsteren Reiche zu halten
suchte. Doch der auferstandene Siegesfürst, IEsus Christus, brach
ein in die Burg des Teufels, und die Götzentempel fielen, die
Götzenbilder zerbarsten. Wer nun trotz besserer Erkenntnis mit
der höllischen Macht sich verbindet, der ist ein verlorenes Menschen⸗
kind; wer sich dem Teufel ergibt, den holt er.
Das waren unsere Gedanken, als wir in einem Blatt die
folgende Geschichte lasen, die von dem bekannten englischen Schrift⸗
steller Barry Paine veröffentlicht wurde. Der Sohn eines im
nördlichen England ansässigen Bergmannes kam nach London,
um durch ein „Kunststück“ Geld zu verdienen. Sein Kunststück
war folgender Art: Er setzte sich in ein Zimmer und ließ eine
spanische Wand derart um sich herumstellen, daß er nicht gesehen
werden konnte. In demselben Zimmer, jedoch in einiger Ent⸗
fernung von der spanischen Wand, wurde ein Tisch aufgestellt
und auf diesen ein Bogen Papier gelegt. Auf das Papier wurde
das aus einer Art Bimstein gefertigte Modell einer nicht ganz
lebensgroßen Hand gelegt. Zwischen den Fingern dieser Hand
befand sich ein Bleistift. Die im Zimmer anwesenden Personen
stellten Fragen, und die Hand schrieb die Antworten nieder. Das
Kunststück konnte in jedem Zimmer ausgeführt und irgend ein
Tisch konnte benutzt werden. Das Modell der Hand konnte zu
irgend einer Zeit von jedermann, selbst während des Schreibens,
aufgenommen und besichtigt werden. Niemand konnte sich das
„Kunststück“ erklären. Weil aber Gell — so hieß der „Künstler“
— ein Säufer war und schon nach einer Woche Aufenthalt in
London wegen Trunkenheit verhaftet wurde, weigerten sich Leute,
die sich für ihn zu interessieren begonnen hatten, weiter etwas
mit ihm zu tun zu haben.
Doch einige Ärzte wollten der Sache auf den Grund kommen.
Sie besprachen sich mit Gell, daß er ihnen eine „Vorstellung“ gebe.
An jenem bestimmten Tage hatte er keine geistigen Getränke zu
sich genommen, war aus diesem Grunde überaus nervös und klagte
über Unwohlsein. Trotzdem war er nicht nur bereit, sondern
förmlich darauf erpicht, daß die Arzte seine „Kräfte“ einer aber⸗
maligen Probe unterziehen sollten. Sein einziges Bestreben war,
aus seinem „Kunststück“ Kapital zu schlagen. Die Antworten,
die die Hand bisher auf Fragen niedergeschrieben hatte, hatten
nichts Außerordentliches enthalten; die Fragen waren einfacher
Natur und hätten ebenso gut von Gell beantwortet werden können;
Orthographie und Grammatik, deren sich die Hand beim Nieder⸗
schreiben bediente, wiesen dieselben Fehler und Mängel auf, die
Gell in seiner Sprachweise verriet.
Die „Vorstellung“ fand um acht Uhr abends im Wohnzimmer
eines der vier anwesenden Ärzte statt. Gell nahm, wie gewöhn⸗
lich, in der Mitte des Zimmers Platz, und um ihn herum wurde
ein schwerer, mit vergoldetem Leder überzogener Schirm, der aus
dem Untersuchungszimmer des Arztes herbeigeschafft worden war,
gestellt. Der Tisch, auf dem die Hand, sowie der Bogen Papier
lag, stand etwa zehn oder zwölf Fuß vom Schirm entfernt. Auf
die erste Frage schrieb die Hand sofort eine Antwort nieder. Die
Frage war leicht zu beantworten. Alsdann fragte einer der Ärzte:
„Wie alt bin ich?“ Die Hand zitterte eine Weile, bewegte sich
aber sonst nicht. Einen Augenblick danach sprach Gell hinter dem
Schirm und bat um etwas zu trinken. Man reichte ihm ein Glas
Wasser. Die Frage wurde dann wiederholt, und die Hand begann
zu schreiben, hielt aber plötzlich inne. Andere Fragen wurden
gestellt, doch die Hand blieb regungslos. Der Arzt, in dessen
Zimmer die Vorstellung stattfand, rief: „Was ist los, Gell?“
Unmittelbar darauf begann die Hand zu schreiben. Sie
schrieb aber nicht wie sonst, sondern von rechts nach links und in
Buchstaben, die keiner der anwesenden Arzte zu deuten wußte.
Plötzlich, während die Arzte auf das Papier starrten, glitt die
Hand, ohne daß sie irgend jemand angerührt hatte, vom Tisch⸗
rand, fiel auf den Fußboden und zerbrach in Stücke.
Abermals rief der Arzt: „Was ist mit Ihnen, Gell?“ Es
erfolgte keine Antwort. Ein anderer der anwesenden Ärzte sagte:
„Irgend etwas muß geschehen sein.“ Sie entfernten den Schirm,
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