Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 12 › Seite 182
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Juni 1907, Seite 182
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht · Lehranſtalt 1
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Ner „VutheranedS
unsere Polen war, beweisen die vielen Dankschreiben, die bei
dem Unterzeichneten einliefen aus fast allen Staaten unsers
Landes, sowie aus Kanada. Viele dieser Schreiben wurden
in unserm Blatt durch den Druck veröffentlicht, um auch den
andern Polen die große Freude mitzuteilen, die das Erscheinen
des Blattes verursacht hat. Durch dieses Blatt haben wir die
Entdeckung gemacht, daß eine größere Anzahl von lutherischen
Polen in Detroit, Saginaw und Stambaugh, Mich., wohnen,
die sich alle nach Scranton wandten und um polnische Predigt
baten. Seitdem ist in Detroit ein Predigtplatz gegründet
worden von P. Mlotkowski aus Chicago. P. Mlotkowskis
Gemeinde wurde von dem Unterzeichneten vor 8½ Jahren
gegründet und zählt jetzt 22 Familien und 50 stimmberechtigte
Glieder und hat sich voriges Jahr eine schöne Kirche gekauft.
Die Freude der Polen über diesen Gottesdienst in Detroit war
so groß, daß sie ein freiwilliges Opfer von §550.00 aufbrachten.
27 Abendmahlsgäste waren bei diesem Gottesdienst in P. A.
Werfelmanns Kirche zugegen. Die Unierten waren eben im
Begriff, mit diesen lutherischen Polen eine Gemeinde zu
gründen. Auch Saginaw und Stambaugh, Mich., soll bald
von Chicago aus bedient werden. Ebenso haben wir in Kanada
durch unser Blatt zwei lutherische Polenansiedlungen entdeckt,
eine bei Russell, Manitoba, Kan., mit 27 Erwachsenen und
50 Seelen, die in Gemeinschaft mit 17 deutschlutherischen
Familien eine Kirche erbaut haben, aber nur zweimal im Jahr
deutsche Predigt haben. Diese Gemeinde wünscht sehnlichst
einen Pastor, der polnisch und deutsch predigen kann, um beide
Teile zu befriedigen. Die zweite Polenansiedlung befindet sich
bei Yorkton, Saskatchewan, Kan. Dort befinden sich über
20 Familien, alle aus der Umgegend von Teschen, Ssterreichisch⸗
Schlesien, gebürtig. Nur wenige von ihnen verstehen Deutsch.
Aus den von diesen Leuten eingelaufenen Briefen ist zu er⸗
kennen, daß sie sehr christlich erzogen und treue Lutheraner
sind, die in Gottes Wort wohl bewandert sind. Die Mutter⸗
gemeinde dieser Leute in Teschen zählt 16,000 Seelen und hat
4 Pastoren, darunter den bekannten D. Pindur, der viele christ—
liche Bücher in polnischer Sprache verabfaßt und herausgegeben
hat, der auch eine besondere Gesellschaft zur Herausgabe polni⸗
scher Erbauungsbücher gegründet und sich dadurch bei den
lutherischen Polen sehr verdient gemacht hat, so daß seine
Bücher überall gerne gelesen werden. Alle diese Leute warten
sehnlichst auf polnischen Gottesdienst und polnische Abend⸗
mahlsfeier. P. Agather in Sauk Rapids, Minn., der zwei
Polengemeinden bedient, eine in Sauk Rapids mit 115 Fa⸗
milien, die andere in Gilman, Minn., mit 80 Familien, ist der
ihnen am nächsten wohnende polnische Pastor und wird deshalb
in diesen Tagen den Polen in Kanada den ersten Gottesdienst
halten und mit ihnen beraten, wie sie in Zukunft versorgt wer⸗
den sollen. Nach Kanada sollte jedenfalls sofort ein Pastor
berufen werden, der der polnischen Sprache mächtig ist. Im
großen und ganzen kann man sagen, daß man wohl kamm
andächtigere Zuhörer findet, als die Polen sind. Auch sind sie
sehr dankbar für die Predigt und bringen große Opfer, wie
der Unterzeichnete aus eigener Erfahrung weiß. Gott gebe,
daß wir bald mehr Arbeiter für dies Volk bekommen, dann
wird in kurzer Zeit eine ganze Reihe von blühenden Gemeinden
entstehen. —
steh F. Sattelmeier,
421 Bush St., Scranton, Pa.
Einweihungsfeier in Concordia, Mo.
Am Sonntag, den 26. Mai, wurde zu Concordia, Mo.,
das neue Lehrgebäude unsers St. Pauls-Gymnasiums feierlich
eingeweiht. Eine große Menschenmenge hatte sich aus den
umliegenden Gemeinden unserer Synode eingefunden, und
selbst aus entfernteren Orten, aus Sedalia, Benton County,
Kansas City, Norborne, Carrollton, California, Mo., Jefferson
City und St. Louis, hatten sich Freunde eingestellt. Zu unserer
besonderen Freude war auch die ganze Nordwestliche Pastoral⸗
konferenz von Missouri zugegen, die gerade zu der Zeit und
mit zu dem Zweck, an dieser Feier teilnehmen zu können, in
Concordia in Sitzung war. Zwei Gottesdienste wurden ge—
halten. Im Vormittagsgottesdienst hielt der Präses unserer
Allgemeinen Synode, D. F. Pieper, die Einweihungsrede und
legte in seiner bekannten trefflichen und klaren Weise Aufgabe
und Ziel unserer Lehranstalten dar. Im Nachmittagsgottes⸗
dienst predigte P. J. J. Bernthal, der Präses unsers Westlichen
Distrikts, mit beredten Worten über Ps. 111, 10: „Die Furcht
des HErrn ist der Weisheit Anfang; das ist eine feine Klug⸗
heit; wer danach tut, des Lob bleibet ewiglich.“ Die Lob⸗ und
Danklieder, die in beiden Gottesdiensten aus dem Munde der
versammelten Menge erschallten, wurden vom Musikchor der
St. Paulsgemeinde begleitet. Gesangsvorträge des Schüler⸗
chors erhöhten die Feier. Am Abend fand in der neuen Aula
ein Konzert statt, bei dem der Musikchor unserer Stadt, der
Schülerchor und eine Anzahl Solisten liebliche Weisen ertönen
ließen. Für die Bewirtung der Gäste aus der Ferne hatten
die Schüler der Anstalt unter Beihilfe des Küchenpersonals in
anerkennenswerter Weise gesorgt. Die Zeit vor und nach und
zwischen den Gottesdiensten wurde von den Gästen fleißig zur
Besichtigung der ganzen Anstalt, insonderheit aber des neuen
Gebäudes benutzt, und die schöne Einfachheit, sowie die prak⸗
tische Einrichtung desselben wurde allgemein anerkannt.
Das neue Gebäude, das nur Lehrzwecken dienen soll, ist
ein 102 Fuß breiter und 60 Fuß tiefer Bau, der ein 10 Fuß
hohes Erdgeschoß und zwei entsprechende Stockwerke hat. Er
ist aus dunkelroten gepreßten Backfteinen aufgeführt. Alle
Steinarbeit ist aus weißem Jola-Kalkstein. Die Vorderseite
hat einen Eingang, zu dem eine breite Steintreppe hinauf—
führt, die in eine Vorhalle mündet. Das Erdgeschoß enthält
zwei große und drei kleinere Zimmer, die für die Schüler zum
Aufenthalt bestimmt sind, wenn ungünstiges Wetter den Auf⸗
enthalt im Freien nicht gestattet. Außerdem befinden sich
darin noch mehrere kleinere Räüume zur Aufbewahrung von
allerlei Gerätschaften. Das ganze Erdgeschoß hat Zement⸗
mauern und -Fußböden. Im ersten Stock befinden sich vier
Lehrsäle, die Schülerbibliothek und ein Zimmer für das Lehrer⸗
kollegium, im zweiten Stockwerk die Aula, drei Lehrzimmer,
das naturwissenschaftliche Kabinett und das Laboratorium.
Das ganze Gebäude ift äußerst solide gebaut. Das Dach ist mit
Schiefer gedeckt. Alle Räume lassen, was Luft und Licht be⸗
trifft, nichts zu wünschen übrig und sind mit Dampfheizung
und elektrischem Licht versehen. Letzteres ist den Anstrengungen
der Schiiler in den letzten Weihnachtsferien zu verdanken und
ist vorzüglich eingerichtet. Der ganze Bau war ursprünglich
für 522,200 in Kontrakt gegeben. Eine wesentliche, aber nötige
Veränderung steigerte die Summe um §600.00, wozu dann
noch einige hundert Dollars für Extraausgaben kamen.
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