Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 12 › Seite 189

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. Juni 1907, Seite 189

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht

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Und ich sahr einen Engel
Sfliegen mitten durch den
Himmel, der hatte ein ewig
KCbvangelium, zu utrkündigen VIe
denen, dit auf Erden siden
und wohnen, und allen Hei-
den, und Geschlechlern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprachmit großer Slimme:
Lürchter Goalt, und gebet
ünn die Ehre; denn dit Zeit-
seints Gerichts ist ommen,
und betel an den, der gemacht
hat Himmel, und Erde, und
cer, und die Wasser⸗
brunnen, Offb. Joh. 14,

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erausgegeben von der Beutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.

63. Jahrgang.

Ein Notschrei der Kirche.

Die Ernte ist groß, aber wenig sind der
Arbeiter. Matth. 9, 37.

Der Notschrei um Prediger für unsere Kirche wird immer
allgemeiner und dringender. Wir haben schon in einer frühe⸗
ren Nummer des „Lutheraner“ mitgeteilt, daß anfangs Mai
für 161 Berufe nur 82 Predigtamtskandidaten vorhanden
waren, 79 Gemeinden und Missionsgebiete also leer ausgehen
mußten. Diese Berufe kamen fast alle aus unserer eigenen
Synode, nur einige wenige aus Körperschaften, die mit uns
verbunden sind. Manche dieser Gemeinden haben schon viele
Monate warten müssen und können nun endlich besetzt werden;
andere müssen sich noch länger gedulden. Vielerorts wird die
Arbeit unserer Kirche durch diesen Mangel an Predigern ganz
empfindlich gehemmt, und das Werk der Mission leidet. An
andern Orten ist Gefahr, daß uns Gemeinden und Missions⸗
gebiete, wenn sie noch länger unversorgt bleiben, verloren

gehen. Auch im besten Falle ift es ein großer Schade und eine

schwere Zeit, wenn die regelmäßige Predigt und der geordnete
Unterricht in Gottes Wort mangelt, wenn die nötige Pflege
und Sorge für die einzelnen Seelen fehlt. Und dieselbe Not,

die sich bei uns findet, zeigt sich auch in andern Körperschaften.

Es wird wenige Synoden in der lutherischen Kirche unsers
Landes geben, die nicht die Klage über den Mangel an Predi⸗
gern laut werden lassen müssen. Die Ernte ist groß, aber
wenig sind der Arbeiter.

Woher diese Not der Kirche, dieser Mangel an Predigern?
Man hat dafür allerlei Gründe angegeben. Man weist darauf
hin, daß der Beruf der Prediger einer der am wenigsten ein⸗
träglichen Berufe sei; fast jede andere Lebensstellung gewähre
ein besseres Auskommen als das Pfarramt. Daß daran etwas
Wahres ist, zumal in der gegenwärtigen Zeit und in unsern
gegenwärtigen Verhältnissen, kann nicht geleugnet werden.
Manche Eltern eines für das Predigtamt geschickten Knaben
lassen sich dadurch abhalten, ihren Sohn für den Dienst der

St. Louis, Mo., den 18. Zuni 1907.

No. 13.

Kirche zu bestimmen, mancher Knabe und Jüngling läßt sich
dadurch zurückschrecken. Gerade auch Söhne von Predigern
und Lehrern, die es mit angesehen haben, wie ihre Eltern
zeitlebens haben Einschränkungen und Entbehrungen auf sich

nehmen müssen, können keine rechte Lust und Freudigkeit gewin⸗

nen, sich für den Dienst in der Kirche vorzubereiten. Ebenso⸗
wenig werden diejenigen, die nach Ehre und Ansehen in der
Welt trachten, sich das Studium der Theologie erwählen.
Denn der Predigerstand genießt im ganzen wenig Ansehen
bei den Menschen, Prediger des Evangeliums werden selten
berühmte Leute in der Welt. Alle solche, die auf Ehre und
gute Tage sehen und darauf bedacht sind, sind aber auch gar
nicht geschickt zum Predigtamt. Der Dienst am Wort und an
der Gemeinde for dert Leute, die von der Liebe Christi ge⸗
drungen werden, das Evangelium zu verkündigen, die zufrieden
sind, wenn sie Nahrung und Kleidung haben, die bereit sind,
auch Opfer zu bringen und Entsagung zu üben und Entbeh⸗
rungen auf sich zu nehmen.

Wie kann nun aber der Predigernot gesteuert werden?
Dafür gibt es nur ein Mittel, nämlich daß unsern Gemeinden
und Christen die wahre Herrlichkeit des Predigtamts immer
wieder ans Herz gelegt wird und sie durch das Evangelium
ermahnt werden, ihre Söhne und ihre milden Gaben dafür
zu bestimmen. Mag die Welt das Predigtamt noch so gering
schätzen; mag der Dienst am Wort äußerlich noch so wenig
anziehend, einträglich und begehrenswert erscheinen: nach
der Schrift ist das Predigtamt der höchste und
wichtigste Beruf, das herrlichste Amt in der
Welt. Denn durch das Predigtamt werden unsterbliche
Seelen der Hölle entrissen und dem Himmel zugeführt. Das
evangelische Predigtamt hat es mit der Predigt des Evan⸗
geliums zu tun, durch welches allein die Welt gerettet und selig
werden kann. Darum sagt schon die Schrift Alten Testaments
von den Predigern des Evangeliums: „Wie lieblich sind auf
den Bergen die Füße der Boten, die den Frieden verkündigen,
Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein

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