Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 14 › Seite 216
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juli 1913, Seite 216
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Bei Entlassungsgesuchen ist das Englische jedoch öfters nur
Vorwand. Manche wollen aus unlauteren Gründen aus ihrer
Gemeinde fort; sie wollen etwa auch die Gemeindeschule los
sein und geben vor, ihre Familie verstehe das Deutsche nicht
mehr, während sie das Deutsche vielleicht noch entschieden besser
verstehen als das Englische, trotzdem sie vielleicht sehr beleidigt
werden, wenn man ihnen dies nachweist. Aber das gehört mit
zu dem Kreuz, das Prediger und Gemeinden tragen müssen,
daß solche unlautere Praktiken benutzt werden.
Wenn einer sagt, er wolle seine Kinder nicht deutsch unter—
richten lassen, sie sollten nur in einer Sprache, nämlich der
englischen, unterrichtet werden, so kann man einem solchen dar—
aus kein Gewissen machen; denn Gottes Wort sagt nicht, daß
einer durchaus Deutsch lernen muß. Solche Kinder oder auch
ganze Familien niuß man, eben um der Kinder willen, an eine
englische Gemeinde entlassen, wenn man sie in der eigenen Ge⸗
meinde nicht gebührend versorgt, und wenn sie behaupten, sie
hätten eine ganz englische Gemeinde nötig, da eine deutsch⸗eng⸗
lische Gemeinde ihre Bedürfnisse nicht befriedige. Die Ent⸗
scheidung, ob ein solches Glied samt seiner Familie mehr Segen
von der deutschen oder von der englischen Predigt habe, wird
man schließlich wohl seinem Gewissen überlassen müssen.
W. L.
Versammlung des Brasilianischen Distritts.
Der Brasilianische Distrikt unserer Synode tagte vom 10.
bis zum 14. Januar zu Jijuhy inmitten der Gemeinde P. E.
Müllers. Bereits am Abend des 9. fand der Eröffnungsgottes-—
dienst statt, in welchem P. W. Pennekamp auf Grund von
Eph. 4, 3 von der rechten Einigkeit im Glauben predigte. Ann
folgenden Morgen wurden die Sitzungen eröffnet. Nach Ver⸗
lesung der Namen, welche die Anwesenheit von 18 Pastoren,
7 Lehrern und 3 Gemeindedeputierten und die Abwesenheit
von 10 Pastoren, 1 Lehrer und 7 Gemeindedeputierten erwies,
verlas Präses Vogel die Synodalrede, worin er zeigte, was
eine Synode sei und welchen Zweck sie habe. Vier Pastoren und
vier Lehrer, die seit der letzten Sitzung ins Amt getreten waren,
wurden in den Distriktsverband aufgenommen, nämlich die
Pastoren T. Gohlke, E. Heyner, W. Kemner und P. Klein
und die Lehrer H. Weinrich, F. Hoffmann, K. Roll und F.
Strelow, die letzten drei die Erstlingskandidaten aus unserm
Seminar in Porto Alegre. Ihr Amt haben niedergelegt die
Pastoren F. Brandt, E. Schulz und E. Wehrs. Versetzt wurde
P. G. Daschner von Arroio do Meio nach Poco das Antas.
Zehn Sitzungen wurden im ganzen abgehalten. Wie
üblich, wurden die Morgensitzungen fast ausschließlich den Lehr—
verhandlungen gewidmet. Es lag der Synode ein Referat
P. Mahlers vor über dir Lehre nun der Porsun Ilesu Christi.
Er behandelte sein Thema in zwei Thesen. Die erste, die
zugleich die Einleitung bildete, enthielt die Antwort auf die
Frage, welches die rechte Quelle sei, um die Antwort auf die
Frage zu finden: Was für eine Person ist JIEsus Christus?
Er führte aus, daß nicht menschliche Schriften, nicht die Er—
kenntnis unserer forschenden Vernunft, nicht die christliche Er—
fahrung unsere Quellen seien, sondern ganz allein die Heilige
Schrift. In der zweiten These behandelte er die Lehre von
den beiden Naturen in Christo. Er zeigte zunächst, daß Chri⸗
stus in der ganzen Schrift der Sohn Gottes genannt wird,
und wies hin auf den Unterschied zwischen ihm und den En—
geln und Menschen, die ja auch „Gottes Söhne“, „Gottes
Kinder“ in der Heiligen Schrift genannt werden. Er führte
ferner aus, daß Christus den Namen Sohn Gottes in einem
ganz andern Sinn führe als Menschen und Engel, nämlich in
dem Sinn, daß er der Eingeborne Gottes ist, den der Vater
gezeugt hat, der deshalb eines Wesens mit dem Vater ist;
und daß Christo sowohl im Neuen als auch im Alten Testa⸗—
ment die höchsten göttlichen Namen beigelegt werden, wie
„starker Gott“, „Gott über alles“, „Jehovah“ usw. Als wei—
teres gewaltiges Zeugnis für die Gottheit Christi führte er
an die göttlichen Eigenschaften, welche die Schrift von Christo
aussagt, nämlich Ewigkeit, Allwissenheit, Allgegenwart und
Allmacht. Ferner legte er dar, daß als drittes Zeugnis für
die Gottheit Christi die Aussagen der Schrift über die Werke
IEsu in Betracht kommen, wie Schöpfung und Erhaltung,
welche die Schrift an den verschiedensten Stellen dem HErrn
IEsu zuschreibt. Er zeigte auch, wie das Werk der Vergebung
der Sünden, die Auferweckung der Toten und das Gericht alles
göttliche Werke sind, welche die Schrift Christo beilegt und
wodurch er als der allmächtige Gott erwiesen wird. Als letztes
Zeugnis für die Gottheit Christi führte er noch die Aussagen
der Schrift an über die Verehrung, die dem SErrn Jésu
gebührt und die sie für ihn fordert. Zum Schluß erinnerte
er auch noch an die Stellen der Schrift, in denen IEsus mit
dem Vater und dem Heiligen Geist als Quelle und Grund
alles Segens bezeichnet wird. — Das schöne, erbauliche Referat
wurde mit Dank angenommen. Der zweite Teil dieser Arbeit,
welcher die Einheit der Person und die Mitteilung der Eigen—
schaften behandelt, wurde P. E. Müller übertragen.
Die Geschäftsverhandlungen und Missionsberichte und der
Bericht der Aufsichtsbehörde von unserm Seminar in Porto
Alegre nahmen bei weitem die meiste Zeit in Anspruch. Bis
in die tiefe Nacht hinein wurde gesessen und beraten, da überall
Schuld und Not ist, aber wenige Mittel und Kräfte vorhanden
sind, um dem übelstand abzuhelfen. Alle Einzelheiten der
Beratungen und Beschlüsse hier zu erwähnen, würde zu weit
führen. Wir greifen daher nur das Wichtigste heraus.
P. Mahler legte den Bericht der Aufsichtsbehörde unsers
Seminars vor und konnte zur Freude aller mitteilen, daß das
neue Gebäude nicht nur fertig sei, sondern daß auch nur noch
die kleine Schuld von 10008000 (etwa 8300.00) auf dem
Bau ruhe. Diese dürfte auch in kurzem getilgt sein, da noch
nicht alle Kollekten, die in den einzelnen Gemeinden erhoben
worden sind, eingelaufen waren. Die Schülerzahl war im
verflossenen Jahr keine große; sie betrug zu Anfang des Schul⸗
jahres nur 14 Schüler, erreichte bis zum Schluß des ersten
Semesters die Höhe von 19 und sank dann wieder herab auf 16.
Allr bis auf ztnen gedenkon, in den Kirchenbienft zu treten,
9 als Pastoren, 6 als Lehrer. — Was das Gedeihen und die
Leistungsfähigkeit unserer Anstalt sehr beeinträchtigt, sind
einerseits die mangelhaften, ungenügenden Vorkenntnisse der
eintretenden Schüler und die Gewissenlosigkeit, mit der sie oft
die Anstalt verlassen, andererseits die große überbürdung der
Professoren, die durch die vielen Klassen und die mannigfalti—
gen Fächer, in denen Unterricht erteilt werden muß, entsteht.
Es galt hier daher, Rat zu schaffen. Und so beschloß die
Synode, daß bei der Anmeldung und Aufnahme neuer Schüler
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