Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 14 › Seite 224
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juli 1913, Seite 224
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German transcription machine transcription, uncorrected
22⁴4
er G„Tuthieranes
Die Sprache der Seele.
Hast du sie nicht beachtet im 23. Psalm? Wo die Seele sich
an der grünen Aue neben dem murmelnden Wasser und an dem
Gehen auf guter offener Straße erfreut, da redet sie vom guten
Hirten mit „Er“: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und
führet mich zum frischen Wasser; er erquicket meine Seele; er
führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.“ Aber
wenn der Weg durch das Tal führt, wo die düsteren Felsen über
ihr zusammengewachsen scheinen, und der dunkle Wald das Tages⸗
licht verbirgt, da redet sie den Hirten mit „Du“ an: „Ob ich schon
wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist
bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich.“ — Er ist einer
gläubigen Seele allezeit nahe. Aber in Kummerzeiten gibt er
uns die rührendsten und deutlichsten Beweise seiner Nähe. Er
flüstert uns zu, daß es uns selig durchschauert. Er streckt seine
Hand aus, damit wir uns an ihr halten können. Wir antworten
leise zurück: „Du bist bei mir!“
——. —
Das Christenleben.
Ein Christenmensch lebt nicht in ihm selber, sondern in
Christo und seinem Nächsten: in Christo durch den Glauben, im
Nächsten durch die Liebe. Durch den Glauben fährt er über sich
in Gott; aus Gott fährt er wieder unter sich durch die Liebe und
bleibt doch immer in Gott und göttlicher Liebe. Siehe, das ist
die rechte geistliche, christliche Freiheit, die das Herz freimacht von
allen Sünden, Gesetzen und Geboten, welche alle andere Freiheit
übertrifft, wie der Himmel die Erde. Welche gebe uns Gott recht
zu verstehen und zu behalten! Amen. (Luther.)
—— —
Neue Drucksachen.
Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.
Einundzwanzigster Synodalbericht des Minnesota⸗Distrikts der
Deutschen Ev.⸗Luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. St. Con-
cordia Publishing Ilouse, St. Louis, Mo. 1912. 104 Seiten.
Preis: 20 Cts.
Sowohl die Synodalrede (Seite 8—11) als auch die Lehrverhand⸗
lungen (Seite 12—67) haben es zu tun mit Johannes dem Täufer, dessen
Leben von dem Referenten, Prof. C. J. Heuer, der Heiligen Schrift gemäß
dargestellt wird, zugleich als ein Vorbild für alle neutestamentlichen Diener
am Wort. Besonders beachtenswert erscheint der sechste Abschnitt, der aus⸗
führlicher den Unterschied zwischen der Taufe Johannis und der Taufe
Christi bespricht, und der zehnte, der von des gefangenen Johannes Ge⸗
sandtschaft an IEsum handelt. Unter den Geschäftsverhandlungen findet
sich auch Seite 80 und 81 ein Absatz über „Schulgesetzgebung“, welcher zeigt,
wie nötig die Wachsamkeit des von dem Distrikt eingesetzten Schulkomitees
war und weiterhin sein wird. K.
Hermann Cremer. Ein Lebens⸗ und Charakterbild. Gezeichnet von
Lic. Ernst Cremer. Mit 14 Abbildungen. Gütersloh. Druck
und Verlag von C. Bertelsmann 1912. 384 Seiten 5 X9. Preis:
M. 5.40, gebunden M. 6.
Dieses schon im vorigen Jahre erschienene, von dem Sohne gezeich⸗
nete Lebensbild des bekannten Theologen haben wir in letzter Zeit mit
großem Interesse gelesen und können es als eine ebenso lehrreiche wie
interessante Biographie Theologen und theologischen Studenten empfeh⸗
len, zugleich als einen wertvollen Beitrag zu einem Stück Kirchengeschichte
des 19. Jahrhunderts. Nicht als ob wir alles darin Gesagte billigen
könnten. Cremer, obwohl Lutheraner, war ein Anhänger der sogenannten
positiven Union und hat in seiner Stellung als Pfarrer und Professor
in Greifswald die Union mit Wort und Tat verteidigt. Auch sonst hat
seine Theologie Mängel und Gebrechen, wie die Theologen unter unsern
Lesern wissen, was hier nicht weiter auszuführen ist. Aber er war ein
Mann, ein fester, entschiedener Charakter, der unerschütterlich gegen den
Rationalismus kämpfte, in dem Streit um das Apostolische Glaubens⸗
bekenntnis entschieden für dasselbe eintrat und Harnack und seinem ent⸗
leerten „Wesen des Christentums“ gegenüber das Evangelium von der
Vergebung der Sünden durch den Versöhnnngstod Christi, des Sohnes
Gottes, lehrte. Besonders hat er allen Theologen gedient durch sein wert⸗
volles „Biblisch-theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament“, und es
ist sehr interessant, die Entstehungsgeschichte dieses Werkes in dieser Lebens⸗
beschreibung zu verfolgen und gleichsam einen Blick in die Werkstätte des
Schriftforschers zu tun. Cremer starb am 4. Oktober 1903; ein Herz⸗
schlag bereitete ihm ein plötzliches und schnelles Ende. Als seine Gattin,
durch ein Geräusch beunruhigt, in seine Studierstube trat, fand sie ihn
auf dem Angesicht am Boden liegen. Sein Wunsch, den er acht Jahre
vorher bei seinem Jubiläum, wie ähnlich schon lange vor ihm der be⸗
kannte schwäbische Schriftausleger Bengel, ausgesprochen hatte: „In der
Arbeit zusammenbrechen und dann sterben, das ist's, was ich mir wünsche“,
wurde ihm erfüllt. — Als ich dies las, kehrten meine Gedanken ganz
natürlich zurück zu dem Manne, der Cremers Arbeit gut gekannt, aber
auch kritisiert hat und der uns dieses Jahr aus voller, reichgesegneter
Arbeit so plötzlich entrissen wurde, unserm unvergeßlichen D. Stöckhardt,
dem wir kein besseres Andenken bewahren können, als wenn wir seine
trefflichen Auslegungswerke treulich studieren und uns zu eigen machen.
Palmenzweige vom ostindischen Missionsfelde. — Lichtstrahlen
aus dem dunklen Erdteile. Verlag der Ev.⸗Luth. Mission zu
Leipzig. Preis: S 5 Pf., 100 Stück, gemischt, M. 4.
Die Leipziger Mission gibt fortlaufend kleine illustrierte Hefte für
jung und alt heraus, um das Interesse für ihre beiden Missionsfelver in
Ostindien und in Deutsch-Ostafrika zu wecken und zu erhalten. Die uns
zugegangenen Hefte führen die Titel: „Allerlei von braunen Tamulen⸗
kin dern“, „Nur ein Mädchen“, „Zwei kleine Flüchtlinge“, „Warum stehst
du draußen?“ „Iramba, ein neues Arbeitsfeld“. Die Heftchen entsprechen
gut ihrem Zwecke, sind ebenso hübsch wie billig und lassen in uns den
Wunsch aufsteigen, daß wir auch bald noch mehr ähnliche Misfionsliteratur
zur Verfügung haben möchten wie das im letzten „Lutheraner“ angezeigte
prächtige Büchlein „Vanji Bhumi“ von unserm Missionar Nau.
L. F.
Für gemischten Chor und Orgel von
Fritz Reuter, New Ulm, Minn. 14 Seiten 7410½. Preis:
25 Cts.; Dutzendpreis: 81.75, Porto extra.
Ein durchaus im kirchlichen Stil gehaltenes, schön aufgebautes, wir⸗
kungsvolles Chorstück, das wir jetzt schon unsern Chören angelegentlich für
Weihnachten empfehlen. Es beginnt mit Sopran unisono oder Solo:
„Es waren Hirten“ usw.; dann folgt Alt unisono oder Solo: „Fürchtet
Euch nicht“ usw., hierauf für Halbchor: „Und alsbald war da bei dem
Engel“ usw., sodann in vollem Chor: „Ehre sei Gott“ usw. und schließt
mit einem prächtigen alten Gloria im 6. Psalmenton. Dem Stück ist auch
englischer Text beigegeben, und die Orgelbegleitung zeigt den gewandten,
mit diesem Instrument vertrauten Musiker. L. F.
Es waren Hirten auf dem Felde.
Schneeflocken. Eine Sammlung gediegener Weihnachtshefte in farbigen
Umschlägen. Gütersloh. Verlag von C. Bertelsmann. Preis:
Jedes Heft, je 16 Seiten 5%½ 8, 10 Pf., 50 Hefte M. 4.50,
100 Hefte M. 8.
Was wir von diesen kurzen, billigen Weihnachtserzählungen aus dem
bekannten christlichen Verlag gelesen haben, war gut und empfehlenswert.
Die Sammlung zählt jetzt 85 Hefte, und die neuesten Erscheinungen sind:
„Schwester Evas Zigeunerkinder“, „Flock, der Scherenschleifer“, „Märchen“,
„Das Weihnachtslied“, „Leidensschule“, die letztgenannte Erzählung von
der bekannten Schriftstellerin R. Pfannschmidt⸗Beutner. L. F.
Ordination und Einführungen.
Im Auftrag des betreffenden Distriktspräses wurde ordiniert:
Am 5. Sonnt. n. Trin.: Kand. W. Biel in der Kirche Zum Heiligen
Kreuz in St. Louis, Mo., unter Assistenz Prof. Fürbringers und P. C. C.
Schmidts von Prof. G. Mezger.
Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden eingeführt:
Am Sonnt. Quasimodogeniti: P. W. C. Lohmeyer in den Ge⸗
meinden bei Wittrup und Dodge City, Kans., von P. A. C. Dubberstein.
Am 4. Sonnt. n. Trin.: P. Th. Nor den in der St. Paulsgemeinde
in Town Washington, Wis unter Aisistenz P. W. Müllers von P. W.
Brandt. — P. A. C. Dubberstein in der Gemeinde zu Otlahoma
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